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1. FFC Frankfurt: So schadlos wie möglich in die Winterpause retten

Von am 17. November 2008 – 2.35 Uhr 2 Kommentare

Noch vor zwei Monaten hätte bei den Verantwortlichen des 1. FFC Frankfurt ein erst in letzter Minute gegen den Abstiegskandidaten Nummer Eins sicher gestellter 2:0-Heimsieg eher für missmutige Laune gesorgt. Doch nach dem Dreier gegen den TSV Crailsheim am gestrigen Sonntag fiel FFC-Manager Siegfried Dietrich und Trainer Günter Wegmann ein erster Stein vom Herzen.

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Denn wenngleich der holprige Pflichtsieg gegen das punktlose Schlusslicht nicht gerade zur glanzvollen Sorte gehörte, war man heilfroh, keine wichtigen Punkte im Kampf um die deutsche Meisterschaft liegen gelassen zu haben. Denn Wegmann musste nach den beiden klaren und enttäuschenden Niederlagen gegen den FCR 2001 Duisburg im UEFA-Pokal einräumen: „Das ist momentan das Leistungsniveau, das wir abrufen können.“

Und so will man sich in Frankfurt nun von Spiel zu Spiel hangeln, in der Hoffnung, die Mannschaft möge nach und nach wieder ihr wahres Gesicht zeigen können. Doch der bange Blick auf die nach wie vor lange Verletztenliste führt derzeit zur Einschätzung: „Wir sind keine Zauberer. Nur die Pause ist in der Lage, uns zu helfen“, so Wegmann.

Drei Spiele mit Signalwirkung
Doch bevor es in die heiß ersehnte Winterpause geht, stehen noch drei schwere Bundesligaspiele für die Frankfurterinnen auf dem Programm. Das Auswärtsspiel beim formstarken FCR 2001 Duisburg sowie Heimspiele gegen die SG Essen-Schönebeck und den SC 07 Bad Neuenahr, die in der aktuellen Form kein Selbstläufer werden dürften.

„Wir wollen dieses Tal beenden, wieder nach oben und uns auch langfristig daran orientieren, dass wir erfolgreich Fußball spielen“, sagt Dietrich. Umso wichtiger, dass man in den drei Partien so wenige Punkte wie möglich liegen lässt. Vier Punkte beträgt derzeit der Rückstand auf Spitzenreiter FC Bayern München, der sogar ein Spiel weniger allerdings ein Spiel mehr ausgetragen hat. „Im Winter bekommt die Mannschaft den völlig verdienten und dringend notwendigen Urlaub, die meisten Verletzten kommen zurück“, spielt Dietrich auf Zeit.

Frankfurt will Aufholjagd starten
Doch die entscheidende Frage dürfte sein, mit wie vielen Punkten Rückstand die Frankfurterinnen im Februar dann zur Aufholjagd auf Bayern München und andere Teams blasen werden. Gleich zu Beginn wird es dann am 15. Februar zum wohl schon Richtung weisenden Spiel beim 1. FFC Turbine Potsdam kommen.

Nach und nach hat sich der Triple-Sieger der vergangenen Spielzeit in ein tiefes Loch gespielt. Lange Zeit hat man der Elf durch öffentliche Rückendeckung das Vertrauen geschenkt, die beiden Niederlagen gegen Bayern München in Liga und Pokal wurden als unverdient und unglücklich bewertet, obwohl schon damals die ersten Symptome der Krise sichtbar wurden.

Zu dünner Kader?
Dietrich räumt ein, dass der aktuelle Kader den Anforderungen an drei Wettbewerbe möglicherweise nicht gewachsen war. „Wenn man in drei Wettbewerben spielt, muss der Kader vielleicht noch zwei, drei Spielerinnen größer sein, weil die Belastungen einfach zu groß sind.“ In zwei von drei Wettbewerben ist der FFC nun nicht mehr vertreten, man kann sich also voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren.

Dennoch soll bereits in der Winterpause in punkto Kader noch einmal kräftig nachgelegt werden. Die Wechselfrist läuft bis zum 31. Januar und so ist Dietrich bereits in den vergangenen Wochen durch halb Europa getourt, um den Typ Spielerin zu finden, der den Frankfurterinnen in der derzeit misslichen Lage weiterhelfen kann. „Es ist schon realistisch, jemanden zu finden“, so Dietrich.

Verstärkungen aus Nordeuropa?
Sein Hauptaugenmerk hat der FFC-Manager dabei wohl auf die nordeuropäischen Ligen gelegt. Denn wo will man auf der Suche nach Verstärkungen fündig werden? „In all den Ligen, die im Winter Pause haben, und erst im Frühjahr wieder beginnen.“ Sprich: Wohl vor allem in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland. Die Neuverpflichtungen sollen dazu beitragen, dass der wichtigste der drei ursprünglich angestrebten Titel, die deutsche Meisterschaft, nicht aus den Augen verloren wird.

Doch nicht nur die langzeitverletzten Spielerinnen bereiten Sorgen. Die sechs Nationalspielerinnen, die am olympischen Fußballturnier in Peking teilnahmen, haben, so sie nicht verletzt sind, es trotz einer zusätzlichen freien Woche nicht geschafft, ihr Leistungsniveau abzurufen. „Das hat nicht zur Regeneration gereicht, um mit Herz und freier Motivation spielen zu können“, so Wegmann.

Blick nach vorne
Birgit Prinz, die teilweise für die Spiele fit gespritzt werden musste, plagt sich mit Fußproblemen herum, andere, wie Kerstin Garefrekes oder die zu Saisonbeginn verletzte Petra Wimbersky, finden nur langsam ihren Rhythmus wieder und können der Mannschaft derzeit wenig Rückhalt und Stabilität verleihen. „Wenn gestandene Spielerinnen mit eigenen Problemen beschäftigt sind, sind sie nicht im Stande, eine Mannschaft aufzumöbeln“, analysiert Wegmann.

Doch es gibt auch erste Lichtblicke. Die US-Amerikanerin India Trotter hielt gegen Crailsheim schon wieder fast 75 Minuten durch, die schmerzlich vermisste Stürmerin Conny Pohlers absolvierte unter der Woche bereits wieder eine erste 15-minütige Laufeinheit. Im neuen Jahr wird man also auf dem Rasen einen verwandelten 1. FFC Frankfurt bewundern dürfen. „In der Rückrunde kann das alles wieder ganz anders laufen“, ist sich Dietrich sicher. Man sollte die Hessinnen also nicht zu früh von der Liste der Titelkandidaten streichen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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