Martina Voss: „Der Erfolg wird uns einen Schub geben“

Von am 14. November 2008 – 12.09 Uhr 3 Kommentare

Der FCR 2001 Duisburg ist mit zwei eindrucksvollen Siegen über den 1. FFC Frankfurt ins Halbfinale des UEFA-Pokals eingezogen, wo man Ende März/Anfang April aller Voraussicht nach auf Olympique Lyon treffen wird.

Höhepunkte des UEFA-Pokal-Rückspiels FCR 2001 Duisburg – 1. FFC Frankfurt

Im Gespräch mit Womensoccer.de äußert Trainerin Martina Voss Lob für ihre Elf und Respekt für den Gegner, spricht über Inka Grings, die Verletzung von Lira Bajramaj und die Entwicklung des Frauenfußballs in Duisburg.

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Womensoccer.de: Herzlichen Glückwunsch, Frau Voss. Das 5:1-Gesamtergebnis liest sich sehr deutlich.

Martina Voss: Es war trotzdem nicht leicht, aber wir haben in beiden Spielen eine gute Leistung abgerufen. In Duisburg waren wir über 90 Minuten sogar souveräner als eine Woche zuvor. Wir haben nach hinten nichts zugelassen, waren wahnsinnig gut organisiert, haben viel Laufarbeit geleistet und viel Herz bewiesen. Wir können sagen, der Erfolg ist hoch verdient und eindrucksvoll. Das war für uns wichtig und hat natürlich auch Spaß gemacht. Wir haben gesehen, zu was wir als junges Team mit zwei, drei erfahrenen Spielerinnen fähig sind. Ich bin stolz, wir haben viel dafür gearbeitet.

Womensoccer.de: Manche sprechen gar schon von einer Wachablösung im deutschen Frauenfußball.

Voss: Es ist eine Momentaufnahme. Frankfurt hat zehn Jahre lang überragende Leistungen gezeigt. Man ist dort so professionell aufgestellt, dass man diese Krise überwinden und aus ihr gestärkt hervorgehen wird. Ich möchte nicht von einer Wachablösung sprechen, sondern davon, dass die anderen Vereine Gott sei Dank aufgeholt haben. Es gibt keine Häme und keinen Spott, wir schauen auf uns und wollen uns weiterentwickeln. Wir werden diesen Moment zwei, drei Tage genießen, dann geht es weiter.

Womensoccer.de: Bei der Pressekonferenz wirkten Sie eher wie eine stille Genießerin.

Voss: Das gebührt der Respekt vor dem Gegner. Wir haben nicht vergessen, warum wir im UEFA-Pokal spielen. Wenn man dann zu Recht sportlich eindrucksvoll gegen den Meister gewinnt, der einem die Teilnahme erst ermöglicht hat, muss man keine großen Worte finden. Wir wollen mit Leistung überzeugen und sind auf einem guten Weg, das freut mich. Wir haben den nächsten Schritt gemacht. Das bestätigt den Verein und mich in meiner Arbeit. Denn es war ja nicht selbstverständlich, dass ich hier professionell eingestellt wurde.

Womensoccer.de: Inka Grings hat in beiden Spielen unter den Augen von Bundestrainerin Silvia Neid getroffen. Wird es nicht Zeit für eine Berufung in die Nationalmannschaft?

Voss: Es hat vor drei Wochen ein Gespräch gegeben mit Silvia Neid, Ulrike Ballweg, Inka Grings und mir. Inka hat sich für ihre Fehler entschuldigt, die Irritationen sind ausgeräumt und sie wird im Januar eine Einladung für den Kader der Nationalmannschaft erhalten. Dann liegt es an ihr, sich zu beweisen. Sie ist in einer sehr guten Form, das hat sie heute wieder eindrucksvoll bewiesen. Sie ist läuferisch stark, eine Führungsspielerin und ein Stück weit einfach Duisburg.

Womensoccer.de: Kommen wir zu einem weniger schönen Thema, der Verletzung von Lira Bajramaj. Wie sieht es genau aus?

Voss: Das bisherige Untersuchungsergebnis ist immer noch nicht schlüssig. Am Montag wird es noch einmal eine Computertomographie geben. Wir warten dieses Ergebnis ab, und werden dann entsprechende Schritte einleiten. Es ist auf jeden Fall eine schwere Bänderverletzung, aber wir hoffen, dass der schlimmste Fall nicht eintritt. Sie wird uns dann im Halbfinale hoffentlich wieder zur Verfügung stehen. Es war eine unglückliche Aktion am Ende des Abschlusstrainings, als sie der Torhüterin auf die Wade gesprungen und umgeknickt ist. Mir hat das für Lira sehr Leid getan. Das war schockierend, traurig und frustrierend. Aber die Mannschaft hat sofort gesagt: Jetzt erst recht.

Womensoccer.de: „Jetzt erst recht“ – drückt das den neuen Teamgeist aus?

Voss: Den haben wir uns auch über die Ukraine in den acht Tagen erarbeitet. Das war sehr wichtig für uns und die beste Teambuilding-Maßnahme.

Womensoccer.de: Was nimmt man mit in die beiden Spiele gegen Lyon?

Voss: Die Spiele sind noch sehr weit weg. Aber der Erfolg wird uns einen Schub geben, was das Selbstvertrauen angeht. Vor fünf, sechs Monaten sah das noch anders aus. Heute ist es fast jeder Spielerin gelungen, ihr Leistungspotenzial abzurufen. Wer hat etwa Elena Hauer im Vorfeld diese Leistung zugetraut? Sie geht Vollzeit arbeiten, hat sich am Montag einen Bänderriss zugezogen und liefert hier wie schon letzte Woche so eine Leistung ab. Das Engagement der Mädchen ist toll, deswegen habe ich heute die eine oder andere noch einmal belohnt.

Womensoccer.de: Wie wichtig war der Erfolg für die Zukunft des Frauenfußballs in Duisburg?

Voss: Ich weiß, dass heute viele Duisburger das erste Mal beim Frauenfußball waren. Und nach unserer guten Leistung werden viele wieder kommen. Das wird sich nicht nur positiv auf die Zuschauerzahlen, sondern auch auf das Umfeld auswirken. Wir werden leichter neue Sponsoren gewinnen und auch internationale Spielerinnen auf unseren Verein aufmerksam machen können. Viele Dinge werden jetzt ein Stück weit einfacher werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Salamander sagt:

    Das Engagement der Mädchen ist toll, deswegen habe ich heute die eine oder andere noch einmal belohnt.

    Was meint Sie wohl mit belohnt?

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  • Antje aus London sagt:

    Vermutlich die spaeten Einwechslungen?

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  • Markus Juchem sagt:

    Genau!

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