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Frauenfußball-Bundesliga: Live-Übertragungen ab Ende Januar?

Von am 6. November 2008 – 1.50 Uhr

Am gestrigen Mittwoch sorgte ein kleiner Artikel auf der Medienseite der „Sport Bild“ für Aufsehen. Dort wird berichtet, dass Ende Januar 2009 ein neuer Fernsehsender mit dem Namen „Republik Fußball“ auf Sendung gehen wird.

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„Unser Hauptaugenmerk liegt auf der dritten und vierten Liga sowie auf dem Frauenfußball“, so Andreas Schwarz, Geschäftsführer des reinen Fußballsenders.

Dem Bericht zufolge befindet sich „Republik Fußball“ in Gesprächen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) über den Erwerb von Live-Übertragungsrechten der Frauenfußball-Bundesliga. DFB-Verhandlungen mit potenziellen TV-Partnern hatte in der vergangenen Woche bereits Walter Desch, Präsident des Fußballverbands Rheinland, bestätigt.

Kostenloser 24-Stunden-Sender
„Republik Fußball“ wird in Berlin angesiedelt sein und will 24 Stunden rund um die Uhr senden. Das werbefinanzierte Programm soll kostenlos über Kabel und Satellit empfangbar sein. Neben dem Frauenfußball soll auch der Jugendfußball eine Plattform erhalten. „Aber wir werden natürlich auch über die 1. und 2. Bundesliga berichten.“ Hier aber wird mangels Rechten das Angebot wohl vor allem aus Pressekonferenzen, Interviews und Trainingsbildern bestehen.

Seit September verfügt der Sender über eine bundesweite Sendelizenz der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), Anfang August war bei der Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein (MA HSH) ein entsprechender Antrag eingereicht und zur Prüfung an die KEK weitergeleitet worden. Mit Erfolg.

Verschachtelte Beteiligungsverhältnisse
Hinter der „Republik Fußball GmbH“ verbirgt sich nach KEK-Informationen ein etwas verschachteltes Gefüge von Rechtsanwälten und eine Beteiligungsgesellschaft. Am Stammkapital sind die Corner Invest GmbH und die Cluster Capital Partners Beteiligungs- und Management GmbH & Co. KG jeweils in Höhe von 37,4 Prozent der Anteile beteiligt, die restlichen 25,2 Prozent der Anteile hält Rechtsanwalt Franz-Josef Rehmann.

Rehmann hält auch sämtliche Anteile an der Würfelzucker GmbH, die eine Lizenz zur bundesweiten Veranstaltung des Programms Würfelzucker TV hält. Das Programm ist derzeit nicht auf Sendung, sondern soll sich in Restrukturierung befinden.

Strukturen
Alleinige Gesellschafterin der Corner Invest GmbH ist die Rainmaker GmbH in Münster, an der Rechtsanwalt Veit Wirth sämtliche Anteile hält. Wirth kennt man in der Öffentlichkeit als rechtlichen Beistand von Spielervermittler Volker Graul in der Affäre um den früheren Manager von Bayer 04 Leverkusen, Reiner Calmund.

Am Kommanditkapital der Cluster Capital Partners Beteiligungs- und Management GmbH & Co. KG sowie am Stammkapital ihrer Komplementärin sind Dr. Christoph Zinke, Peter Wimmer, Wulf Schütz und Jürgen Neumann jeweils in Höhe von 25 % der Anteile beteiligt.

Keine Fußballvergangenheit
Schwarz, Geschäftsführer der „Republik Fußball GmbH“, ist auch Geschäftsführer bei Würfelzucker TV und war in der Vergangenheit unter anderem Chef bei RTL West, dem Regionalstudio des Kölner Privatsenders. Außerdem produziert er mit seiner Firma Western Star klassische TV-Beiträge, Werbetrailer und Imagefilme.

Dem DFB dürfte vor allem daran legen sein, im Hinblick auf die Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land einen verlässlichen Partner für Übertragungen aus der Bundesliga zu finden, um das Thema Frauenfußball noch besser in der Gesellschaft zu verankern.

Noch Fragezeichen
Denn die öffentlich-rechtlichen TV-Sender übertragen zwar seit ein paar Jahren in schöner Regelmäßigkeit Länderspiele der A-Nationalmannschaft live, doch von der Bundesliga sind bislang zumeist nur Kurzbeiträge in den dritten Regionalprogrammen zu sehen.

Bisher gibt es über „Republik Fußball“ nur spärliche Informationen, auch eine Web-Präsenz sucht man noch vergebens. Wie verlässlich ist der mögliche Partner also wirklich? Darüber lassen sich derzeit keine fundierten Aussagen treffen.

Der DFB wird sicherlich genau hinschauen, mit welchem TV-Partner er die Frauenfußball-Bundesliga in den nächsten Jahren nach vorne bringen will. Ich bin auf das neue Projekt auf jeden Fall gespannt. Denn eine erweiterte TV-Berichterstattung über die Frauenfußball-Bundesliga wird von Fans und Beteiligten seit langer Zeit gewünscht.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.