Deutsche U17 als Gruppensieger ins WM-Viertelfinale – Nun gegen Kanada

Von am 4. November 2008 – 6.21 Uhr 7 Kommentare

Die deutsche U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft hat sich durch ein 1:1 (1:0) gegen Nordkorea im abschließenden Vorrundenspiel bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland als Gruppensieger für das Viertelfinale qualifiziert.

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Trotz einer erneut frühen Führung konnte das Team von Trainer Ralf Peter die Partie gegen robuste und zweikampfstarke Nordkoreanerinnen nicht für sich entscheiden. Im Viertelfinale am 8. November in Wellington gegen Kanada, den Zweiten der Gruppe A, wird eine Leistungssteigerung nötig sein, um zu bestehen.

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Die Ausgangssituation für die bereits qualifizierte DFB-Elf war klar: Mit einem Sieg oder einem Remis gegen den Asien-Meister würde man sich als Gruppenerster für das Viertelfinale qualifizieren.

Peter nahm die Konstellation zum Anlass, auf vier Positionen zu wechseln. So spielte Almuth Schult im Tor für Anna Felicitas Sarholz, Nicole Rolser durfte von Beginn an für Isabell Linden ran, Ivana Rudelic stürmte für Tabea Kemme und Claudia Götte kam für Lynn Mester.

Schnelle Führung durch Popp
Wie schon gegen Ghana gelang dem DFB-Team im Waikato-Stadion von Hamilton ein schneller Treffer. Marie-Louise Bagehorn passte den Ball mit Übersicht in den Strafraum, Alexandra Popp zog trocken aus 12 Metern ab, Nordkoreas Torhüterin Myong Hui hatte nicht einmal Zeit, zu reagieren (3.).

Die DFB-Elf versuchte in der Folge das Spiel zu kontrollieren und tat nicht mehr als nötig, die robusten und zweikampfstarken Nordkoreanerinnen hatten mehr Ballbesitz und beschäftigten die deutsche Abwehr ein ums andere Mal.

Wackelige Abwehr
So unterschätzte Inka Wesely einen langen Ball in den Strafraum von K. Hyong Mi, doch die Hereingabe von Myong Hwa konnte mit vereinten Kräften geklärt werden (7.). Es entwickelte sich in der Folge ein munteres Spiel auf beiden Seiten, allerdings ohne sehenswerte Torszenen. Un Jus 20-Meter-Schuss bei eine der wenigen guten Gelegenheiten (16.).

Die DFB-Elf hatte die nächste gute Chance, Dzsenifer Marozsan versuchte den Ball nach einer schönen Vorlage von Rolser auf die frei stehende Rudelic in die Mitte zu geben, doch Myong Hui passte auf und warf sich dazwischen (21.). Un Ju scheiterte erneut aus der Distanz (28.).

Rudelic vergibt
Nach einem schönen Steilpass von Carolin Simon auf Popp kam der Ball von links zu Rudelic, die allerdings etwas zu lange zögerte, so dass ihr Schussversuch abgeblockt wurde (37.). In der Nachspielzeit wurde es noch einmal gefährlich vor dem deutschen Tor. Eine Hereingabe von Un Byol senkte sich gefährlich, doch Schult konnte mit den Fingerspitzen klären (45.).

Die DFB-Elf hätte in der zweiten Halbzeit fast erneut ein schnelles Tor erzielt, doch Myong Hui reagierte bei einem 23-Meter-Freistoß von Marozsan glänzend, Popp scheiterte im Nachschuss (47.).

Verdienter Ausgleich
Die Nordkoreanerinnen ließen jedoch den Kopf nicht hängen und sie wurden für ihre nimmermüde Spielweise belohnt. Myong Hwa nahm an der Strafraumgrenze einen Pass von Kim Uj auf, ließ mit einer blitzschnellen Drehung Valeria Kleiner und Wesely aussteigen und verwertete mit einem präzisen Flachschuss zum nicht unverdienten 1:1-Ausgleich (58.).

Der Gruppensieg war nun in Gefahr und so brachte Peter zunächst Kemme und Linden für Rudelic und Rolser und Erstere führte sich gleich mit einem Schuss in die Partie ein, der aber abgeblockt wurde (69.). Augenblicke später dann der dritte deutsche Wechsel, Mester kam für Götte (72.), um dem Offensivspiel der Deutschen noch mehr Schwung zu verleihen.

Popp im Pech
Nach einer Unsicherheit von Myong Hui verzog Popp einen Schuss der nun wieder engagierter zu Werke gehenden DFB-Spielerinnen (73.). Erneut unterlief Myong Hui eine Flanke von Marozsan, doch wieder konnte Popp kein Kapital daraus schlagen (76.). Un Ju prüfte Schult aus der Distanz, doch der Ball war zu unplatziert, um für echte Gefahr zu sorgen (82.).

Sol Hui hätte sich in der Nachspielzeit fast mit einem Eigentor per Kopf um die Früchte des Erfolgs gebracht, denn die Nordkoreanerinnen benötigten den einen Punkt dringend, um sich vor Ghana für das Viertelfinale zu qualifizieren. Doch es blieb beim 1:1, die Asiatinnen überstanden die Schlussoffensive der Deutschen unbeschadet.

Deutschland – Nordkorea 1:1 (1:0)

Deutschland: Schult, Wesely, K. Kleiner, Simon, Bagehorn, Marozsan, Popp, Rudelic (68. Kemme), Rolser (68. Linden), Götte (72. Mester), Maier

Nordkorea: Myong Hui, Un Hui, Hong Yon, Sol Hui, Un Ju, Yon Hui, Un Byol, Myong Hwa (90. K. Un Ju), Y. Hyon Hi (70. Y. Hyon Sun), K. Hyong Mi, Un Hyang (65. Ri Un Ae)

Tore: 1:0 Popp (3.), 1:1 Myong Hwa (58.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichter: Michelle Pye (Kanada)

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Wer von Euch hat die Eurosport-Zusammenfassung gesehen? Eure Meinungen sind gefragt.

    Ist die deutsche Mannschaft gerüstet für das Viertelfinale gegen Kanada? Was muss besser werden, was funktioniert schon gut? Welche Spielerinnen sind gut in Schuss, wer muss sich steigern?

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  • SCW sagt:

    Ich habe die Zusammenfassung von beiden Partien heute morgen gesehen und mich natürlich gefreut dass auch Popp noch treffen kann 😀
    Die Koreanerinnen haben sehr kompakt gestanden und ihre Schnelligkeit ist natürlich bemerkenswert. Das 1:1 war somit leistungesgerecht. Jedoch denke ich, dass unsere Mädels (ein wenig) auf „Sparflamme“ gespielt haben. Zudem wurden Spielerinnen wie Kemme (zumindest in HZ 1) und Mester (die gesamte Partie), nach tollen Leistungen in den ersten 2 Partien, draußen gelassen und geschont. Gegen Kanada sollten wir mit unserer „alten“ Stärke den Einzug ins HF perfekt machen. Ich hoffe dass Felix und Turid wieder dabei sein können!

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  • SCW sagt:

    Ergänzung: Am besten haben mir bisher Maroszan, Maier, Simon, Kleiner und Saarholz gefallen.

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  • Hanna Hinrich sagt:

    Ich hab die Eurosport-Übertragungen eingeschaltet. Mir gefallen die englischen Doppel-Kommentatoren sehr gut, insbesondere die fachkundigen Jen O’Neill und Emma Hayes. Im Vergleich zu Tim Caple, Dave Farrar oder Wayne Boyce fallen die deutschen Pendants durch inkompetentes Geplapper auf, bei dem unerträglichen Norbert Galeske und Claudia Neumann vom ZDF schalte ich regelmäßig den Ton ab.

    Wo sitzen eigentlich die Live-Kommentatoren? In London? In Paris? Jedenfalls nicht live im Stadion in Neeseeland. Trotzdem: Ich find, sie machen es sehr gut!

    Und das Auftreten der deutschen Mädels gefällt mir, unabhängig wie weit sie im Turnier vorstoßen.

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  • Jarmusch sagt:

    Deutschland wird im Viertelfinale gegen Kanada wenig Mühe haben. Gruppe A mit Kanada, Dänemark, Kolumbien und Neuseeland war m.E. die schwächste des Turniers.
    Deutschland hat mich in den Spielen 2 und 3 zwar nicht überzeugen können, jedoch wird man sich steigern wenn es darauf ankommt.

    Hier mal meine Einschätzung über die Leistungen der Spielerinnen (nur Feldspielerinnen mit mindestens 90 Minuten Einsatzzeit)

    Am besten gefallen haben mir bisher:
    Tabea Kemme & Leonie Maier (konstant gute Leistungen in allen 3 Spielen), Valeria Kleiner (Abwehrchefin mit gutem Stellungsspiel und Übersicht, gut in der Spieleröffnung)

    Mit Abstrichen gefallen haben mir:
    Dzsenifer Marozsan (überragend im ersten Spiel, danach wirkte sie etwas überheblich auf mich, dazu in Spiel 2 mit geringem läuferischen Aufwand), Lynn Mester (sehr gutes 1.Spiel), Carolin Simon, Inka Wesely, Alexandra Popp (viel Potenzial, jedoch will sie zu oft mit dem Kopf durch die Wand), Marie-Louise Bagehorn, Nicole Rolser (setzt ihre Schnelligkeit gut ein, jedoch noch nicht effektiv)

    Nicht gefallen hat mir:
    Ivana Rudelic (bemüht, aber ohne Torgefahr, viel zu zögerlich im Abschluss)

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Ich mache es kurz und warne davor Kanada zu unterschätzen – eine Steigerung wird nötig sein, aber das ist normal in so einem Turnier, dessen Niveau durchaus beeindruckt.

    meine Spielerin der Vorrunde: Leonie Maier. Mit dieser Leistung hätte ich so nicht gerechnet. Maroszan mit vier Toren hat das Zeug zum Turnier-MVP.

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  • djane sagt:

    habe bisher nicht viel sehen können, aber das meiste hat mir ganz gut gefallen. Die Mannschaft wirkt motiviert, präsentiert sich ordentlich und scheint sich auch gut zusammengerauft zu haben. Manchmal fehlte etwas Souveränität im Abschluss eines Spielzuges, aber ich denke, dass die Erfahrung mit den nächsten Spielen weiter wachsen wird.

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