Blackburn-Trainer verunglimpft Frauenfußball

Von am 4. November 2008 – 13.16 Uhr 5 Kommentare

In der vergangenen Saison durfte der damalige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem 3:1-Sieg gegen den VfL Bochum noch unwidersprochen sagen: „Schiedsrichter Weiner hat gepfiffen wie beim Frauenfußball“. Und von öffentlicher Kritik keine Spur. Nicht so in England.

Denn dort sah sich Paul Ince, Trainer der Blackburn Rovers, nach einer abwertenden Aussage über den Frauenfußball zu einer Klarstellung genötigt.

Ince hatte sich nach dem 2:2 seines Teams bei West Bromwich Albion am vergangenen Samstag darüber beschwert, dass Stürmer Benni McCarthy die Rote Karte gesehen hatte.

Anzeige

„Die Premier League ist eine physische Liga, schnell, wild, und die Spieler machen Tacklings. Man sollte Rote Karten für gefährliche Tacklings geben, aber es ist ja kein Spiel für Frauen“, so Ince.

Nach aufkommender Kritik an seinen Aussagen am Wochenende, ruderte Ince am Montag auf der vereinseigenen Website zurück. „Meine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Ich würde nie abwertende Bemerkungen über den Frauenfußball machen. Ich habe als Antwort auf eine Frage einfach versucht zu illustrieren, dass die Premier League physisch hart und sehr anspruchsvoll ist.“

Eine interessanter Umschwung, denn anders als in der Vergangenheit ist es heute in der Öffentlichkeit verpönt, sich über den Frauenfußball zu mokieren. Das bekam nun auch Ince zu spüren. Auch ein Zeichen für die wachsende öffentliche Wertschätzung des Frauenfußballs.

Tags: , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Seien wir doch ehrlich, momentan besitzen die wenigsten professionellen Sportler jene mentale Kompetenz, die es ihnen erlaubt über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Wie sollen sie auch? Es ist halt oftmals eine Frage der Bildung, des Erkennens von Zusammenhängen und der Toleranz. Englische Fußballer sind diesbezüglich Archetypen. Und Paul Ince hat schon des öfteren mit seiner Fish-’n’-Chips-Dialektik in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten. Vielleicht wurde er ja deswegen auch eine zeitlang zum Kapitän der englischen Fußballnationalmannschaft.

    Wie dem auch sei – heute ist ein schöner Tag. Heute wird einer der größten politischen Idioten abgewählt und in zwei Monaten wird er dann auch ganz von der politischen Bildfläche verschwunden sein – oh happy day!

    (0)
  • spoonman sagt:

    Dass der Frauenfußball (zumindest bei den Bundesliga-Clubs und in der deutschen A-Nationalelf) immer noch weitgehend körperlos interpretiert wird, ist doch aber richtig, oder? Von daher würde ich z.B. Hitzfelds Aussage nicht mal als Abwertung sehen, sondern als Tatsachenbeschreibung. Die Frauen spielen nun mal (hierzulande) anders als die Männer. Da wäre es auch logisch, wenn die Schiris anders pfeifen.

    Allerdings fällt mir in letzter Zeit auf, dass auf internationalem Niveau und im Juniorinnenbereich schon deutlich körperbetonter gespielt wird. Hoffentlich verschläft die Bundesliga diese Entwicklung nicht…

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Hallo spoonman, ich hatte Hitzfelds Aussage schon klar als abwertend empfunden. Man sieht wie Du richtig bemerkt hast schon, dass sich in punkto Athletik im Frauen- und auch schon im Mädchenfußball einiges getan hat, vor allem auf Spitzenniveau. Man darf gespannt sein, wie sich das in den kommenden Jahren auf die Spielweise und die Wahrnehmung des Frauenfußballs auswirken wird.

    (0)
  • spoonman sagt:

    Okay, gehört habe ich Hitzfelds Zitat nicht, nur gelesen. Kann natürlich sein, dass es durch Tonfall und/oder Zusammenhang abwertend klang.

    Wobei es beim Premiere-„Experten“ Hitzfeld ja geradezu ein Wunder wäre, wenn er im Fernsehen mal _irgendwas_ sagt, was über Binsenweisheiten und Banalitäten hinausgeht und ansatzweise für Kontroversen sorgen könnte… 😉

    (0)
  • schmitty sagt:

    Ich sehe mir gerne ab und zu ein Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft an. Aktuell auch mal die U 17-WM. Aber man sollte doch, bei aller Euphorie folgendes bemerken dürfen, ohne chauvinistisch zu klingen:
    Frauenfußball und Männerfußball sind z w e i verschiedene Sportarten.

    (0)