U17-WM: DFB-Team zittert sich ins Viertelfinale

Von am 1. November 2008 – 4.03 Uhr 14 Kommentare

Die deutsche U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft hat ihr erstes Teilziel erreicht. Durch einen verdienten, aber hart erkämpften 3:2 (2:0)-Sieg gegen Ghana (zeitversetzte Übertragung ab 10.45 Uhr auf Eurosport) steht das Team von Trainer Ralf Peter vorzeitig im Viertelfinale. Doch anders als bei der überzeugenden Vorstellung gegen Costa Rica hatte Deutschland mächtig Mühe, die starken Westafrikanerinnen in Zaum zu halten.

Peter änderte seine Startformation gegenüber dem Costa-Rica-Spiel auf einer Position: Für die leicht angeschlagene Turid Knaak spielte Isabelle Linden von Beginn an auf der rechten Seite. Und die DFB-Elf erwischte einen Start nach Maß.

Traumstart
Nach einem klaren Foul von Linda Eshun an Tabea Kemme verwandelte Dzsenifer Marozsan den fälligen Foulelfmeter sicher zur schnellen Führung (5.). Doch diese gab dem Team nicht die erwartete Sicherheit. Ganz im Gegenteil.

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Es waren die Ghanaerinnen, die sich in der Folge mehr Spielanteile erarbeiteten. Die nur 1,54 Meter große, aber blitzschnelle Juliet Acheampong hatte mit einem Kopfball die erste Chance für ihr Team, sie alleine beschäftigte die deutsche Hintermannschaft immer wieder.

Ghana setzt Akzente
Die DFB-Elf hatte weiter Probleme, gegen das schnelle und druckvolle Spiel des technisch und taktisch versierten Gegners den eigenen Spielrhythmus zu finden. Viel mehr als lange Bälle in die Spitze zu spielen, fiel den Deutschen nicht ein.

Die fleißige, aber unglücklich agierende Alexandra Popp setzte einen Kopfball neben das Tor (18.), auf der Gegenseite musste Valeria Kleiner im letzten Moment einen Schussversuch von Acheampong aus aussichtsreicher Position abblocken (22.).

Marozsan verwandelt direkten Eckball
Ghana setzte Deutschland weiter unter Druck, ohne sich aber zwingende Torchancen zu erarbeiten. Das sollte sich rächen. Denn in der 35. Minute verwandelte Marozsan in unnachahmlicher Manier einen perfekt getretenen Eckball von der linken Seite direkt – ihr zweiter Doppelpack im zweiten Spiel, ihr 19. Treffer im 17. Länderspiel.

Die Afrikanerinnen waren weiter bemüht, fanden aber kein rechtes Mittel, die konzentriert agierende deutsche Hintermannschaft aus den Angeln zu heben. Lynn Mester hatte mit einem Schuss, der in den Armen von Ghanas Torhüterin Patricia Mantey landete, die letzte Chance vor der Pause (44.).

Doppeltes Pech für Popp
Zur zweiten Halbzeit kam Svenja Huth für Linden, die in den ersten 45 Minuten keine rechte Bindung zum deutschen Spiel fand. Nur wenige Minuten waren gespielt, da hatte Popp die Chance zur Entscheidung. Nach Flanke von Kemme scheiterte die Duisburgerin kurioserweise jedoch gleich zweimal per Kopf an der Latte (50.), eine Minute später parierte Mantey einen erneuten Kopfballversuch Popps glänzend (51.).

In die deutsche Druckphase hinein waren es diesmal die Afrikanerinnen, die trafen. Gleich zweimal in Folge zeigte Anna Felicitas Sarholz im deutschen Tor ungewohnte Unsicherheiten, eine davon wurde bestraft. Florence Dadson gelang der zu diesem Zeitpunkt etwas glückliche Anschlusstreffer (65.). Doch Peters Schützlinge bewiesen erneut Effizienz und Kaltschnäuzigkeit. Nur wenige Minuten später stellte Leonie Maier nach einem wunderbaren Solo den alten Abstand wieder her (69.). Doch Ghana gab sich nicht geschlagen.

Spannung in der Schlussphase
Ein Platzfehler an der Strafraumgrenze, der einem langen Ball eine unerwartete Richtungsänderung verpasste, ließ Sarholz erneut schlecht aussehen. Isha Fordjour bedankte sich per Kopfball (86.) und machte die Partie noch einmal spannend. Die Afrikanerinnen drängten in den Schlussminuten noch einmal vehement auf den Ausgleich, doch mit etwas Glück und Geschick brachte Deutschland den knappen Erfolg über die Runden.

Insgesamt war das Spiel dennoch eine lehrreiche Erfahrung für das DFB-Team in einem Duell auf gutem Niveau gegen einen unbequem agierenden Gegner, der den Spielerinnen mehr abverlangte, als man das vorher möglicherweise erwartet hat. Zum Abschluss der Gruppenphase wartet nun am 4. November Nordkorea und somit im dritten Spiel das dritte Team von einem anderen Kontinent. Dort gilt es, sich für das Viertelfinale einzuspielen, indem man auf eine Mannschaft aus der Gruppe A treffen wird, voraussichtlich Kanada, Kolumbien oder Dänemark.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

14 Kommentare »

  • Ruhrschnellweg sagt:

    In jedem Fall nicht so souverän wie gewohnt, aber die Charakteristik „unbequem“ passte sicher auf Ghana: das afrikanische Team hinterließ einen starken Eindruck!

    Dennoch hatte Ghana eigentlich keine Torchance, die Defensivarbeit war gut, auch wenn es gelegentlich mehrerer Spielerinnnen bedurfte, den deutschen Strafraum freizuhalten. Auch gab es gelegentlichen Schlendrian. Dennoch hätte das Spiel – nimmt man die Hochkaräter von Alex Popp hinzu – eher 4:0 statt 3:2 ausgehen können. Ich fand also die Leistung unseres Teams nicht so schlecht, das „Zittern“ war selbst produziert – der Sieg hochverdient.

    Zu hoffen ist, dass Popp sich nicht in ein Abschlusstrauma spielt und Felix nicht das Grübeln bekommt.

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  • Max Diderot sagt:

    Die Konstellation für die abschließende Gruppen-Partie gegen die jungen Damen aus dem Reich des Hypertonikers ist ja ganz gut. Ein Unentschieden genügt, um den ersten Platz zu festigen. Danach kommen entweder Dänemark, Kanada oder Kolumbien. Schaut man sich deren aktuelle Resultate an, scheint es sich um solide Teams zu handeln. Nach den Erfahrungen mit Ghana ist es gewiss kein Grad hoher Kunst zu prophezeien, dass eine vermutete Spielanlage der Kolumbianerinnen, robust mit individuell-technischen Stärken, den „Fräuleins“ des DFB am wenigsten gelegen sein dürfte. Und der Kaffeesatz suggeriert auch eine eventuelle Halbfinalpartie gegen die jungen Löwinnen aus England. Und nicht nur an Allerheiligen ist es die schönste aller fußballerischen Vorstellungen, eine Mannschaft aus dem selbsternannten Mutterland dieser Sportart in einem internationalen Wettbewerb zu eliminieren.

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  • SCW sagt:

    Ich finde es schade dass Gastgaber Neuseeland auch die 2. Partie verlore hat. Das Spiel habe ich nicht gesehen, aber im Eröffnungsspiel gegen Kanada hätten sie mindestens einen Punkt verdient gehabt.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ich habe vorhin nur noch das Ende der Eurosport-Übertragung gesehen, da haben die Neuseeländerinnen alles versucht, aber eine knappe Niederlage gegen den EM-Halbfinalisten ist aller Ehren wert. Man sieht, dass inzwischen auch auf anderen Kontinenten hart an der Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs gearbeitet wird. Vor ein paar Jahren wäre ein solches Team noch Kanonenfutter gewesen. Das kann der weltweiten Entwicklung nur gut tun.

    Aber wirklich schade, denn das frühzeitige Ausscheiden des Gastgebers wirkt sich leider immer negativ auf die Atmosphäre eines Turniers aus, angefangen von den Zuschauern bis über die vielen freiwillligen lokalen Volunteers etc.

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  • Manne sagt:

    Ghana war sicher ein unbequemer Gegner, aber von „Zittern“ und wenn – dann einzig selbstverschuldet (etwas „danebengegriffen“ von Sarholz, kann passieren ;), würde ich sagen – habe ich nicht viel gesehen. Und dass Ghana die deutsche Mannschaft unter Druck gesetzt hat – na ja, wohl etwas übertrieben. Ein 4:0 wäre in der Tat eher dem Spielverlauf gerecht gewesen als das 3:2.

    Nichtsdestotrotz ein wenig Schlendrian war drin, die Leistung etwas schwächer als gegen Costa Rica und eine traumhaft gute Dzenifer Marozsan – von ihr wird man in der Tat noch eine Menge hören …

    Kolumbien dürfte vermutlich der unbequemste Gegner im Viertelfinale sein.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Manne, ich gebe Dir Recht, dass es bei einem anderen Spielverlauf auch hätte 4:0 ausgehen können (ein Vier-Tore-Unterschied wäre dem Spielverlauf aber nicht gerecht geworden).

    Aber wenn man sich in den Schlussminuten trotz zweimaliger Zwei-Tore-Führung durch individuelle Fehler fast noch den Ausgleich zum 3:3 einfängt, war es letztlich in meinen Augen eben schon ein „Zittersieg“, auch wenn man es unnötig spannend gemacht hat.

    Man hat gemerkt, dass es für die DFB-Elf, die in der ersten Halbzeit wieder einmal sehr nervös agiert hat, eine ungewohnte Situation war. Und man muss auch bedenken, dass es nicht einfach ist, sich von Spiel zu Spiel auf komplett neue Spielsysteme umzustellen.

    Alles in allem war die Leistung der DFB-Elf nicht schlecht, aber eben nicht so souverän wie in den vergangenen Spielen bzw. vergangenen Monaten. Da sind wir aber auch extrem verwöhnt worden.

    Die Mannschaft weiß, dass sie sich im Viertelfinale wird steigern müssen. Man kann aber auch nicht erwarten, dass sie in jedem Spiel eine Galavorstellung abliefert. Das Niveau der WM ist sehr gut und Spiele dieser Intensität sind die Mädchen auch nicht gewohnt.

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  • Brandy sagt:

    Also ich fand die deutsche Mannschaft deutlich überlegen, auch wenn das Kombinationsspiel natürlich nicht so gut war wie gegen Costa Rica, aber die Afrikanerinnen waren schon besser.Und das 2 Fehler von Felix plötzlich noch zu so einem knappen Ergebnis geführt haben, verfälscht die Leistung der Deutschen doch schon.
    Ich fand „Bella“ Linden übrigens deutlich auffälliger als Huth

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  • Manne sagt:

    @Markus

    Stimmt, 4:0 wäre wohl etwas zu hoch gewesen, aber ein Sieg mit zwei Toren wäre allemal mehr als verdient gewesen – und dann wäre Ghana wirklich gut bedient gewesen … 😉 Nur hört sich „Zittersieg“ halt so an, als ob es da tatsächlich ein „Zittern“ gegeben hätte, gab es aber nicht … obwohl in den letzten Minuten weiss man halt nie, da geht Fussball halt doch immer über 90+2 Minuten.

    Stimmt, die das Niveau gefällt mir (was ich bisher gesehen hab) auch sehr gut, das zeigt, das der Frauenfussball in den kommenden Jahren einiges erwarten lässt – freut mich sehr!

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  • Max Diderot sagt:

    Zuerst vermochte ich es nicht glauben zu wollen und bin immer noch ein wenig verwundert. Japan schlägt die Französinnen mit 7:1 und Brasilien kassiert gegen die Republik Korea mit 1:2 die zweite Niederlage: Waterloo und Narzissmus. England siegt mit 1:0 gegen Nigeria und hat sich ebenso wie die jungen Damen aus Fernost für das Viertelfinale qualifiziert.

    Das sind teilweise schon ebenso überraschende wie interessante Resultate. Und offensichtlich belegen sie auch die These all jener, die dem Frauenfußball einen weltweiten Aufschwung prognostizierten. Schaun mer mal, wie eine fußballerische Durchlaucht zu sagen pflegt.

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  • Brandy sagt:

    Mhhhh,bei Brasilien hat das bestimmt was mit Arroganz zu tun,die man ja sowohl bei Männern und Frauen immer wieder sieht. Selbst 2.klassige Spieler dieser Länder werden bei den Männern immer noch als Messias gehandelt und ohne Marta und Christiane wären die frauen auch nur halb so erfolgreich.
    Korea und japan sind bei den „Großen“ ja auch nicht zu unterschätzen…

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  • Marcel sagt:

    Ich sag mal Japan ist wohl jetzt der heisseste Kandidat auf den Titel ziemlich beeindruckend was die Spielen.
    Und warum Brasilien zu den Titelkandidaten gezählt wurde kann ich echt nicht verstehen die spielen alles nur nicht brasilianisch. Finde sowieso bis auf Kolumbien die Südamerikavertreter bis jetzt ziemlich enttäuschend.

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  • Manne sagt:

    Japan ist ja nun wirklich ein heisser Kandidat auf die drei ersten Ränge, denn wer den Vizeeuropameister Frankreich schlägt (die Höhe des Ergebnisses sollte wohl nicht überbewertet werden, das kann man so schieflaufen …), mit dem muß man einfach rechnen.

    Ob man Brasilien bei den Juniorinnen gleich mit den „Großen“ vergleichen sollte? Da wäre ich vorsichtig, auch wenn es dort sicher jede Menge Talente an jeder Ecke gibt (nicht nur in Brasilien).

    So viel mir bekannt ist, gibt es ligamäßig doch in ganz Südamerika bisher nur Ansätze und die ganze Organisierung des FF liegt doch meilenweit hinter den Spitzenländern (Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich etc.) in Europa zurück. Da ist nur ganz verständlich, dass die „Streubreite“ ziemlich hoch ist zwischen Anwärter auf Weltmeistertiteln und Ausscheiden in der Vorrunde.

    @Brandy: nur nebenher, ich kenne die Mentalität der Südamerikaner recht gut und mit Arroganz hat das nicht so viel zu tun (die gibt es wie überall und kaschiert oft nur eine Unsicherheit) – nur die Emotionen pendeln vielleicht schon mal etwas stärker als bei uns und pendeln dann ganz schnell auch wieder in die Ruhelage zurück … 🙂

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  • Marcel sagt:

    Tja Manne das kommt ja nicht von mir sondern von der FIFA-Seite und den ganzen Trainern oder sogenannten Experten die ja Brasilien zu den Favoriten auf den Titel gezählt haben.Aber anscheinend haben die von denen noch kein einziges Spiel gesehn sonst hätte man nämlich deutlich gemerkt das die mit dem Titel aber sowas von nix zu tun haben.Ich schätze mal da hat man sich wohl einfach auf den „guten Namen“verlassen anders kann ichs mir nicht vorstellen.

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  • Manne sagt:

    Genau, Marcel, ich finde auch, daß man nicht einfach von den Erfolgen und dem Namen von A-Nationalmanschaften vorschnell auf die Klasse oder die Erfolgsaussichten von Juniorinnen schließen kann. Denn Juniorenmannschaften sind dazu noch viel zu wenig gefestigt und wandeln ausserdem rein altersbedingt ziemlich schnell ihr Gesicht.

    Umgekehrt kann man natürlich schon sehen, was da so „nachkommt“ an Spielerinnen und Klasse für die A-Mannschaften späterer Jahre – siehe Marozsan und Co.

    Aus diesen Gründen (nicht schliessen von A-Mannschaft auf Juniorenbereich) finde ich es übrigens auch richtig, dass die WM-Teilnehmer relativ gleichmässig nach Verbänden aufgeteilt wurden und nicht schon vorweg ein Bonussystem nach den Leistungen der „Grossen“ angewendet wurde. Nur nebenbei, weil das ja auch schon irgendwo kritisiert wurde (weiss nicht mehr wo).

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