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Tag der Überraschungen bei der U17-WM

Von am 30. Oktober 2008 – 15.31 Uhr 11 Kommentare

Während die deutsche U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft mit einem 5:0-Sieg gegen Costa Rica schon im Auftaktspiel ihre Titelambition untermauerte, starteten zwei andere Favoriten mit Niederlagen ins Turnier. Für die größte Überraschung sorgte Asiens Vizemeister Japan, der sich knapp, aber verdient gegen die USA durchsetzte. Brasilien musste gar eine deutliche Niederlage gegen England hinnehmen.

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Die US-Amerikanerinnen gingen durch Vicky DiMartino bereits nach 139 Sekunden in Führung, doch die Japanerinnen zeigten sich unbeeindruckt und gaben noch vor der Pause 13 Torschüsse ab, von denen gleich drei an der Latte landeten. Mana Iwabuchi gelang nach einer guten halben Stunde der hoch verdiente Ausgleich.

Historischer Sieg (Highlights)
Doch auch in den zweiten 45 Minuten ließen sich die Japanerinnen zunächst kalt erwischen. Kristie Mewis brachte die USA erneut in Führung. Die Amerikanerinnen schienen nun einem dritten Treffer näher zu sein, doch mit einem fulminanten Distanzschuss aus mehr als 30 Metern brachte Natsumi Kameoka die Asiatinnen zurück ins Spiel.

Doch damit nicht genug: Kei Yoshioka, erst fünf Minuten zuvor eingewechselt, gelang der Siegtreffer mit einem schönen Volleyschuss von der Strafraumgrenze. Ein historischer Erfolg, denn zum ersten Mal konnte eine japanische Frauenfußball-Mannschaft gegen die USA bei einem offiziellen FIFA-Turnier gewinnen.

Brasilien kommt unter die Räder (Highlights)
Nicht besser als den Amerikanerinnen erging es dem Team aus Brasilien. Lange Zeit deutet vieles im Spiel gegen England auf ein torloses Remis hin, doch die Brasilianerinnen hatten die Rechnung ohne Danielle Carter gemacht.

In der 71. Minute brach sie den Bann und legte kurz vor Ende einen zweiten Treffer nach. Dazwischen hatte Lauren Brutton die Führung bereits in die Höhe geschraubt, so dass am Ende ein überraschend klarer 3:0-Erfolg zu Buche stand. In England freute man sich mächtig über den sensationellen Start der „Lions“.

Nigeria fackelt nicht lange (Highlights)
Afrikameister Nigeria erzielte den bisher schnellsten Treffer des Turniers. Nach nur 22 Sekunden traf Soo Adekwagh zur Führung. Die Südkoreanerinnen übernahmen nach dem Rückstand zwar sofort das Kommando, doch die Afrikanerinnen verteidigten geschickt und verließen sich nun auf ihr Konterspiel.

Ein solcher führte nach einer Stunde zum zweiten Treffer durch Amenze Aighewi. Den Südkoreanerinnen gelang zu spät durch Ji So Yun nur noch der Anschlusstreffer, so dass das Team im zweiten Spiel nun schon unter Zugzwang ist.

Frankreich souverän (Highlights)
Der im Finale der Europameisterschaft gegen Deutschland unterlegene Finalist Frankreich kam gegen Paraguay zu einem fulminanten 6:2-Sieg. Pauline Crammer übernahm mit drei Treffern vorerst die Führung in der Torschützinnenliste. Allerdings musste Mittelfeldspielerin Léa Rubin nach einem Platzverweis vorzeitig vom Feld.

Die weiteren Treffer für die Französinnen erzielten Charlotte Poulain, Marine Augis und Camille Catala, für Paraguay trafen Jacqueline Gonzales und Paola Genes jeweils in den Nachspielzeiten beider Halbzeiten.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • SCW sagt:

    Zur Partie Frankreich – Paraguay:
    @Markus: RubIO musste vom Platz und das meiner Meinung nach völlig zurecht! (über die erste Karte ließe sich zwar streiten, aber das zweite Foul war eher dunkelgelb…)
    Jedoch wurde ja auch bei Paraguay nach einer absolut unnötigen Aktion die Torschützin Gonzales vom Platz gestellt.

    Crammer glänzte, das schönste Tor der Partie erzielte jedoch mit Gonzales eine Spielerin Paraguays mit einem direkt verwandelten Freistoß, der noch die Unterkante der Latte gestriffen hat und somit unhaltbar für Philippe war.
    Frankreich hat in diesem Spiel schon toll kombiniert, aber Deutschland hat mir im Vergleich deutlich besser gefallen und ich denke, dass sie in einem direkten Vergleich wieder als Sieger vom Platz gegangen wären! Für mich (nach Spieltag 1) immer noch Favorit Nummer1!

    Zur Partie Brasilien – England:
    Brasiliens Leistung war schon blass! Natürlich muss man berücksichtigen, dass sie nach den Verletzungen ihrer Spielmacherin und ihrer Torfrau geschwächt waren und ihr Konzept offensiv zu agieren eher durcheinander bis verworfen war.
    Bis zur 71. Minute war es ein ausgeglichenes und kein besonders sehenswertes Spiel, die individuelle Klasse einer Danielle Carter entschied jedoch das Spiel. Das 1:0 kostete Brasilien das Konzept und zudem ihre Torfrau, die bis dahin recht sicher agiert hatte. Nach einem harten Zusammenstoß mit der Torschützin konnte sie nicht weiterspielen und musste ausgewechselt werden. Das 2:0 fiel dann eher unglücklich direkt nach dem Wechsel der brasilianischen Torfrau und Eduarda schien noch gar nicht richtig bereit zu sein. Ihre erste Aktion bestand darin, den Ball aus dem Netz zu fischen – sicherlich kein schöner Einstand. Sie wurde quasi mit der ersten englischen Aktion nach der Spielunterbrechung überrumpelt.
    Carter machte dann mit dem 3:0 alles klar.
    Nun bleibt abzuwarten, wie sich Brasilien von diesem Rückschlag erholt. Englands Sieg sollte aber nicht überbewertet werden denke ich, denn so deutlich (3:0) haben sie das Spiel nicht dominiert Meiner Ansicht nach.
    Weiß jemand was mit THAYNARA bei Brasilien ist und wieso diese nicht spielberechtigt ist?

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  • Markus Juchem sagt:

    Also meiner Meinung nach ist Deutschland eine Klasse für sich, zumindest was man bisher gesehen hat.

    Zu Thaynara: Sie hat sich im Januar im letzten Spiel der Südamerika-Meisterschaft eine Rote Karte eingefangen, deswegen ist sie gesperrt. Vermutlich war das aber nur für ein Spiel, ich weiß es gerade allerdings nicht hundertprozentig.

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  • SCW sagt:

    Danke für die Info Markus. Mal schauen was nun mit Beatriz und Aline ist.

    Das mit Deutschland sehe ich ebenso.

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  • Max Diderot sagt:

    Markus, Dein Optimismus in allen Ehren, aber, und das hast Du ja selbst in einigen Vorberichten geschrieben, dass die einzige Konstante in diesem Alter der Heranwachsenden die Unberechenbarkeit sei. Natürlich würde ich mich auch über einen Erfolg der jungen Damen freuen, zumal ich auch opportunistisch in der verwegenen Annahme all jener mit tippte, die den Titelgewinn für den DFB erwarten.

    Nur frage ich mich jetzt schon (oder erst jetzt) ob der Verband und die Vereine zu schätzen wissen, welche fußballerischen Kronjuwelen da in absehbarer Zukunft zum Stammpersonal der Bundesliga gehören werden. Man muss diese jungen Damen nicht in Watte packen, stellenweise etablieren sie sich ja schon in den Klubs, aber mir scheint, als würde sich dieses Hannelore-Ratzeburg-laissez-faire-Gefühl, ein Mittelding zwischen Bräsigkeit und Bürokratie, beim DFB breit machen und individuelle Förderung vernachlässigen. Wie diese aussehen könnte? Stipendien würde möglicherweise hilfreich sein, um schulische oder berufliche Ausbildungen erfolgreich zu beenden und gleichzeitig den Ansprüchen des kommenden (Semi-) Profitums zu genügen.

    Meiner Kenntnis nach ist Thaynara augenblicklich gesperrt. Sie ist zwar im Kader der Brasilianerinnen während der aktuellen WM, ich meine aber etwas von zwei Spielen Sperre gehört zu haben – kann es aber auch nicht mit Bestimmtheit sagen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Max, ich wollte damit auch nicht sagen, dass das deutsche Team bei der WM alles in Grund und Boden spielen wird. Ich habe die Mannschaft aber jetzt ein paar Mal spielen sehen, und die Qualität des Kaders ist schon durch die Bank hoch, vor allem im Mittelfeld und in der Offensive.

    Was mir vor allem auffällt ist, wie weit die jungen Frauen bereits die taktische Marschroute durchhalten, geduldig spielen, wenn es sein muss, und auf ihre Chance warten. Der Beginn gegen Costa Rica war etwas nervös, das ist aber ja auch verständlich.

    Du hast ja schon häufiger moniert, dass eine gewisse Konzeptionslosigkeit vorherrscht, was die Zukunft des Frauenfußballs und die zunehmende Professionalisierung angeht. Ich denke, über kurz oder lang, werden wir in Deutschland ein Pendant zur DFL sehen, das sich einzig und alleine um die Ligabelange kümmern wird.

    Die Entwicklungen der nächsten Jahre werden schneller vonstatten gehen, als das manche bisher möglicherweise noch zu denken wagen. Ich denke, der Zuschauerschnitt in der Bundesliga wird sich deutlich vergrößern innerhalb der nächsten fünf Jahre. Der DFB befindet sich derzeit in Verhandlungen mit potenziellen TV-Partnern.

    Weitere Bundesligateams werden folgen. So plant auch der 1. FC Köln den Einstieg in den Frauenfußball, es gab bereits Gespräche mit Brauweiler, Fortuna Köln und Bad Neuenahr. Es gibt nur noch wenige Männer-Bundesligavereine, in denen der Frauenfußball in den Zukunftsplanungen keine Rolle spielt.

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  • SCW sagt:

    Der BvB zum Beispiel 🙁 Dabei ist das (seit 14 Jahren) mein Lieblingsmännerverein.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ja, bei Dortmund, Hertha und Stuttgart gibt es keine Pläne bisher.

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  • Jarmusch sagt:

    Zitat Markus Juchem:So plant auch der 1. FC Köln den Einstieg in den Frauenfußball, es gab bereits Gespräche mit Brauweiler, Fortuna Köln und Bad Neuenahr.

    Über diese Herangehensweise kann ich mich nur maßlos ärgern.

    Bereits der Fall von Bayer 04 Leverkusen mit der Übernahme der TuS Köln rrh. hat gezeigt wie Tradition verhökert wird. (Auch wenn ambitionierter Fußball in Köln auf Dauer scheinbar nicht zu finanzieren gewesen wäre). Aber wer fragt die Protagonistinnen, nämlich die Spielerinnen? Wirklich anfreunden mit dem Wechsel über den Rhein konnten sich dort nur die wenigsten.

    Ehrlichere Wege gehen da schon Vereine wie Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach oder 1899 Hoffenheim, die in unteren Ligen beginnen und sich sportlich nach oben arbeiten wollen.

    Meine Meinung ist da eindeutig: Tradition sollte, wenn eben möglich, bewahrt werden. Auch auf Kosten des maximalen sportlichen Erfolges.

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  • Markus Juchem sagt:

    Wobei die Kooperationsgespräche zwischen Köln und Neuenahr wohl von Neuenahrer Seite ausgingen. Aber es hat sich erledigt, weil es wohl recht kompliziert wäre wegen der Zugehörigkeit der beiden Vereine zu unterschiedlichen Landesverbänden.

    Tja, die Tradition. Ob man will oder nicht wird es dafür wohl nicht mehr viel Platz geben in Zukunft. Die kleineren Verein werden es schwer haben, im zunehmenden Konkurrenzkampf zu bestehen.

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  • Max Diderot sagt:

    Wenn ich mich recht entsinne, war vor noch nicht allzu langer Zeit in diesem Forum von einem HSV-Anhänger sinngemäß die These geäußert worden, Hamburg habe eine längere Tradition als Leverkusen. Das ist insoweit nicht korrekt, als das offizielle Gründungsdatum der Hanseaten mit dem 2. Juni 1919 angegeben wird, 14 Jahre und 352 Tage nach dem der Rheinländer.

    Es ist durchaus interessant, wie im faktischen Leben nach einer Art romantischer Komponente gesucht wird. Ich finde es auch durchaus in Ordnung, wenn beispielsweise geplagte Schalker wegen vorzeitiger Alterung aufgrund inkompetenter Vereinsführungen den Fanschal an die nächste Generation weiterreicht, damit diese in zunehmender Verzweiflung und mit Verweis auf anno dunnemal errungene sieben Meisterschaften an die Quadratur des Kreises glaubt.

    Für mich besteht Tradition vor allem in einem konzeptionellen Ansatz und einer mittel- bis langfristigen Perspektive – gerade im Sport. Und die Vergangenheit des Frauenfußballs in Deutschland scheint doch zu belegen, dass bei einigen Klubs Anspruch und Wirklichkeit auseinander klafften. Hoffenheim ist insoweit auch ein schönes Beispiel für ein strategisches Vorgehen. Denn erst seit der Saison 07/08 agieren die ehemaligen Akteurinnen der 1. FC Mühlhausen / VfB St. Leon als TSG 1899 Hoffenheim. Und auch wenn dieser Vorgang eher den Eindruck der Übernahme vermittelt, sollte in Betracht gezogen werden, dass hier an einem Projekt gearbeitet wird, das schon ehedem recht erfolgreich auf Landesebene und im Jugendbereich war, und dessen Protagonisten wie die Versinnbildlichung des Baden-Württembergischen-Mottos „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ wirken.

    Und wenn eines, nicht allzu fernen Tages, die Damen aus Leverkusen und Hoffenheim so schön Fußball spielen wie aktuell ihre männlichen Pendants, wird sich vielleicht auch nicht mehr die Frage nach der Tradition stellen. Und wenn doch, dann werden sich vielleicht die Damen des FFC Frankfurt, dessen Hauptsponsors sich ja angeblich unter den monetären Schutzschirm der Bundesregierung stellen will, überlegen, ob sie nicht als Betriebssportgemeinschaft Frauenfußball Deutsche Bank an ihre Wurzeln zurückkehren wollen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Noch ein kleiner Nachtrag: Der Treffer von Soo Adekwagh am ersten Spieltag nach 22 Sekunden gegen Südkorea war das schnellste Tor in der FIFA-Frauenfußball-Geschichte. Zuvor war die Schwedin Lena Videkull Rekordhalterin, die 30 Sekunden für ihren Treffer benötigte.

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