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Termin-Dilemma: Wohin mit den Spielen der Frauenfußball-Bundesliga?

Von am 14. Oktober 2008 – 23.10 Uhr 8 Kommentare

Bundestrainer Ralf Peter hat am Montag den Kader für die U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland benannt. 21 Spielerinnen dürfen sich auf ein Erlebnis der besonderen Art am anderen Ende der Welt freuen. Doch was bei den Teilnehmerinnen für Freude sorgt, bereitet den abstellenden Vereinen Sorge.

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Denn einige der nominierten Talente haben sich in dieser Saison als Stammspielerinnen in ihren Bundesligavereinen etabliert. Mit der Folge, dass dem eng gestrickten Bundesliga-Terminkalender bisher nicht eingeplante, zusätzliche Spielverlegungen drohen.

So müsste etwa der FCR 2001 Duisburg am 2. November im Spitzenspiel gegen den 1. FFC Frankfurt und in zwei weiteren Partien gleich auf drei Stammspielerinnen verzichten: Turid Knaak, Hasrit Kayikci und Alexandra Popp. In einem Spiel, dessen Ausgang sich in der Endabrechung noch als maßgeblich im Kampf um den Titel erweisen könnte.

Doch auch der 1. FFC Turbine Potsdam stellt überraschend in Tabea Kemme und Marie-Luise Bagehorn gleich zwei Stammspielerinnen ab und möchte im Meisterschaftsrennen natürlich in allen Spielen mit seiner stärksten Formation antreten.

Spielverlegungen wären regelkonform
Eine Entwicklung, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offenbar vor Saisonbeginn ein wenig unterschätzt hat. Denn im Bundesliga-Spielplan sind anders als bei der U20-WM für die U17-WM offiziell keine Nachholtermine vorgesehen. Der DFB hat die Vereine zudem gebeten, nicht von ihrem Recht auf Spielverlegungen Gebrauch zu machen. Doch Duisburg wie Potsdam werden sich gleichermaßen auf die DFB-Spielordnung berufen.

Die sieht eindeutig vor, dass ein Verein, der eine Spielerin abstellen muss, das Recht hat, die Absetzung eines für ihn angesetzten Spiels zu verlangen (§34, Abs. 3). Voraussetzung hierfür ist, dass zumindest zwei Stammspielerinnen abgestellt werden müssen, wobei in §14 der Begriff Stammspielerin definiert wird. Für Duisburg und Potsdam greift diese Regelung, die Anträge dürften in den nächsten Tagen in der DFB-Zentrale eintrudeln. Der DFB muss ihnen stattgeben, vorausgesetzt, die Gastgeber präsentieren mit dem Antrag einen adäquaten Ausweichtermin. Was jedoch nicht leicht fallen dürfte.

Enge Terminplanung
Jahr für Jahr wird die Spielplangestaltung eine immer größere Herausforderung, doch 2008 hat sich die Problematik verschärft, mit U17-WM und U20-WM im gleichen Jahr sowie zwei deutschen Vertretern im UEFA-Pokal. Frankfurt und Duisburg sind international im Einsatz, auch andere sind von Abstellungen für A-Nationalmannschaft oder Juniorinnen-Auswahlen betroffen. Das Abschneiden im DFB-Pokal hat ebenfalls Auswirkungen auf den Terminkalender und auch die Witterung kann die ursprüngliche Planung im Winter noch einmal über den Haufen werfen.

Es wird immer schwieriger, die Bedürfnisse aller 12 Bundesligavereine unter einen Hut zu bringen und die Grundproblematik wird auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben. Ab der Saison 2010/2011 soll der UEFA-Pokal aufgestockt werden, mit dann möglicherweise zwei festen deutschen Teilnehmern, aufgrund der Frauenfußball-WM im eigenen Land steht 2011 darüber hinaus die komplette Bundesliga-Rückrunde zur Disposition.

Problemfall U20-WM
Die U20-WM sorgt für weiteres Durcheinander, wenngleich vor Saisonbeginn vorsorglich drei Reservetermine eingeplant wurden. Alleine Tabellenführer Bayern München und auch der 1. FFC Turbine Potsdam werden wohl rund die Hälfte ihres Stammpersonals für die U20-WM in Chile abstellen müssen.

Gleich zwei für den 16. November angesetzte Spiele – die Partien zwischen dem SC Freiburg und dem Herforder SV Borussia Friedensthal sowie das Spiel USV Jena gegen SG Essen-Schönebeck – wurden bereits verlegt. Hintergrund sind die voraussichtlichen Nominierungen einiger Spielerinnen für die U20-WM, wie etwa der Herforder Stürmerin Marie Pollmann und der Jenaer Torhüterin Jana Burmeister.

Aufgrund von Personalproblemen lehnte Herford den 22.10. ab, den ersten von drei möglichen Ausweichterminen, Jenas Partie wird an diesem Tag ausgetragen. Darüber hinaus sind nur noch der 8. und 15. Februar 2009 als Nachholtermine vorgesehen. Und sollte es einer der deutschen UEFA-Pokal-Teilnehmer ins Finale schaffen, wird der 21. Spieltag auf den 21. Mai und der 22. Spieltag auf den 7. Juni verlegt. Ein Termin-Wirrwarr sondergleichen bahnt sich an.

Kopfzerbrechen beim DFB
Der DFB ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden, zumal zerpflückte Spieltage und eine krumme Tabelle nicht dazu angetan sind, das Produkt Frauenfußball-Bundesliga im Hinblick auf die WM 2011 in der Öffentlichkeit attraktiver zu machen. Und auch Fans und Sponsoren der von Spielverschiebungen betroffenen Vereine werden wenig begeistert sein. Es scheint nach den gegebenen Umständen nur noch eine Frage der Zeit, wann in Zukunft Wochentagsspiele zum Regelfall werden.

Und auch eine Verkürzung der Winterpause – sie dauert in dieser Saison vom 14. Dezember bis zum 21. Februar – dürfte in Zukunft zur Diskussion stehen. Das wiederum geht zu Lasten der Spielerinnen, deren Regenerationspausen schon heute dünn gesät sind. Ein Spannungsfeld, das in den nächsten Jahren noch für manch hitzige Diskussion sorgen dürfte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • Nukleus Fred sagt:

    Die Bundesliga hat gerade mal 12 Vereine. Das sind 22 Spieltage, die an 52 Wochenenden untergebracht werden müssen. Ok, von den 52 kann man wg. Winter ein paar streichen.

    Es ist einfach lächerlich zu behaupten, für so eine Mini-Liga keinen guten Spielplan hinzubekommen.

    Aber das hat ja einen Grund: Für den DFB sind nur die eigenen Auswahlteams wichtig. Die Bundesliga ist für den Verband nur Lieferant für Spielerinnen. Und die Spielerinnen machen willig mit. Es zwingt sie niemand für den Adler zu spielen. Kevin K. hat gezeigt, dass man das nicht tun muss.
    Fazit: Die Bundesliga-Förderung ist eine reine Alibi-Förderung.

    Nach der WM 2011 wird der DFB merken, wie wenig im Bundesliga-Alltag hängenbleibt. So gut das WM-Konzept auch sein mag. Ein Konzept für die Bundesliga fehlt…

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  • spoonman sagt:

    Ich muss zugeben, dass ich die Details des Rahmenterminkalenders für den Frauenfußball nicht so genau kenne. Aber bei nur 22 Bundesliga-Spieltagen kann ich mir nicht vorstellen, dass die nicht unterzubringen sind. Da muss es hausgemachte Planungsfehler geben.

    Übrigens: Von der geplanten Aufstockung des UEFA-Cups höre ich zum ersten Mal. Gibt es da schon konkrete Planungen für den Modus?

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  • Markus Juchem sagt:

    @spoonman: Die Überlegungen zur Aufstockung des Wettbewerbs gibt es schon länger, die Grundidee wurde auch schon häufiger publiziert, u. a.

    Auch im Rahmen der Pressekonferenz des vergangenen UEFA-Pokal-Finales in Frankfurt haben die UEFA-Verantwortlichen noch einmal betont, dass zukünftig mehr Teams teilnehmen sollen. Aber man muss hier sicherlich mit Augenmaß vorgehen, das haben ja die Leistungsunterschiede der gerade zu Ende gegangenen 2. Qualifikationsrunde deutlich gezeigt. Aber die Top-Nationen wären sicherlich in der Lage ein wettbewerbsfähiges zweites Team in den Wettbewerb zu schicken.

    Die Probleme mit dem Spielplan sind natürlich auch hausgemacht, da gebe ich auch „Nukleus Fred“ recht. Wenn man sich vor allem die teilweise recht langen und häufigen Lehrgänge der U-Mannschaften ansieht, muss man schon hinterfragen, ob dies der richtige Weg ist.

    @Nukleus Fred: Es liegt aber dann auch an den einzelnen Vereinen, ihre Interessen gegenüber dem Verband klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Hier vermisse ich persönlich generell eine bessere Abstimmung zwischen den Teams und dem DFB. Dass ein überzeugendes Gesamtkonzept für die Bundesliga bisher fehlt, wurde hier im Blog auch schon häufiger thematisiert, unter anderem von „Max Diderot“.

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  • Bernhard sagt:

    siehe DFB-Rahmenterminplan:

    D.h. „freie“ Termine könnten sein:
    22.–29.04.09: 2. Runde EM-Qualifikation U19
    03.–07.04.09: U20-Länderpokal
    08.03.09: U19 La Manga

    Also: Wenn der DFB jetzt die Kickerinnen haben will, soll er zu anderen Zeiten Termine freischaufeln.

    Da muss sich IMHO der DFB auch bewegen.

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  • Franz Büllerbü sagt:

    Der DFB wird immer versuchen, die Bundesliga auf dem Niveau „Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig halten“.

    Nur dann kann er seine eigenen Ziele verfolgen. Verkauft wird das dann so, dass im Sog des DFB auch die Bundesliga wachsen und gedeihen wird. Aber immer als zarte Pflanze im DFB-Schatten, was die Bundesliga-Größe von vornherein beschränkt.

    Erst wenn es mit den DFB-Auswahlerfolgen nicht mehr so klappt wir richtig reformiert. Und da liegt der Schlüssel im Ausland, wie sich dort der Frauenfußball entwickelt. Erst wenn Schweden und Norwegen wieder da sind und England / Frankreich / Spanien / USA ernst machen kommt Konkurrenz auf.

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  • Thorsten sagt:

    Die Herren spielen CL bzw. UEFA, DFB Pokal, Liga und Natio – die bekommen es auch hin mit Ihren Terminen! Da ist in der Tat der DFB gefragt!

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Thorsten, da vergleichst Du aber Äpfel mit Birnen…

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  • jayden sagt:

    08.03.09 wird der Algarve-Cup die A-Nationalspielerinnen mit Sicherheit auch beschlagnahmen.

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