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Günther Wörle: „Wir werden bis zum Schluss oben dabei bleiben“

Von am 13. Oktober 2008 – 9.40 Uhr 1 Kommentar

Sechs Spiele, sechs Siege – beim FC Bayern München schwebt man nach dem 3:0-Sieg gegen den USV Jena und der erstmaligen Tabellenführung in der Geschichte der Frauenfußball-Bundesliga auf Wolke sieben. Bayerns Erfolgstrainer Günther Wörle analysiert im Interview mit Womensoccer.de die Gründe des momentanen Erfolgs, schwärmt von Nachwuchstalent Ivana Rudelic und blickt voraus auf das Pokalduell mit dem 1. FFC Frankfurt sowie den weiteren Saisonverlauf.

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Womensoccer.de: Herzlichen Glückwunsch zur Tabellenführung, Herr Wörle.

Günther Wörle: Die Freude ist groß heute. Wir haben momentan eine glückliche Phase, das bezieht sich auf die Mannschaft und auf den Trainer. Wir hatten heute in der ersten Halbzeit Probleme, aber mit den Umstellungen in der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel besser in den Griff bekommen. Glänzen konnten wir heute nicht, aber die letzten 20 Minuten sahen schon gut aus. Der frühe Ausfall von Jenas Topstürmerin Sabrina Schmutzler hat uns zudem in die Karten gespielt. Ich hoffe, dass sie bald wieder spielen kann.

Womensoccer.de: Ist das die neue Qualität des FC Bayern München, auch glanzlose Spiele souverän zu gewinnen?

Wörle: Wir können auch mit einem nicht so tollen Spiel die Punkte holen. Jena hat uns das Leben schwer gemacht und taktisch sehr gut gespielt. Mich haben sie heute durch ihre Kompaktheit überrascht. Doch als wir das Tempo und die Passschärfe in der zweiten Halbzeit erhöht haben, wurden die Löcher langsam und kontinuierlich immer größer und wir hatten dann auch Vorteile, was die Fitness angeht.

Womensoccer.de: Melanie Behringer plagen Knieprobleme, sie haben sie dennoch eingewechselt. Lag das am knappen Zwischenstand?

Wörle: Ich habe ihr beim Stande von 1:0 gesagt, wenn die nächsten Minuten kein Tor fällt, musst Du rein. Es hat uns gut getan, als sie ins Spiel kam, dank ihrer Läufe über die Außenposition. Denn uns hat heute auch sichtlich Nina Aigner gefehlt, sonst hätten wir sicherlich noch zwei Tore mehr geschossen. Sie ist nicht nur Torjägerin, sondern hat auch die Ruhe am Ball.

Womensoccer.de: Ivana Rudelic hat wegen des Fehlens von Nina Aigner erstmals von Beginn an gespielt. Sie hat Ihre Sache ganz ordentlich gemacht, oder?

Wörle: Es war heute schwierig für sie, weil Jena hinten gut stand. Aber sie hatte einen schönen Schuss in der ersten Halbzeit. Die Laufwege mit Sylvie Banecki haben noch nicht immer gestimmt, aber man darf nicht zu viel erwarten. Sie ist erst 16, muss sich an das Training in München gewöhnen und auch an die Großstadt und an ihre Ausbildung. Jetzt geht es für sie erst mal zur U17-WM nach Neuseeland, sie ist nominiert worden. Ich halte sehr viel von ihr, sie hat ein gutes Kopfballspiel, kann sich durchsetzen und gehört zu den schnellsten Spielerinnen. Sie hat eine große Zukunftsperspektive.

Womensoccer.de: Was ist das derzeitige Erfolgsgeheimnis des FC Bayern?

Wörle: Ich habe einfach eine gute Mannschaft, die jetzt das dritte Mal zu Null zuhause gespielt hat. Ich habe punktuelle Veränderungen vorgenommen, aufbauend auf die gute Vorarbeit von Sissy Raith. Ich habe das große Glück, dass alle meine Ideen gefruchtet haben. Wir haben versucht, unser Defensivverhalten zu verbessern. Wir sind eine intakte Familie, das merkt man auch. Ich habe in Crailsheim schon viel Spaß gehabt, aber in München sind die Anforderungen wesentlich größer. Nicht jeder gute Trainer im Männerfußball kommt mit den Frauen klar. Mit Frauen muss man anders umgehen und das gelingt mir.

Womensoccer.de: Bei dieser Erfolgswelle kommt der 1. FFC Frankfurt nächste Woche im DFB-Pokal also gerade recht?

Wörle: Der Pokal ist ein schöner Anreiz, aber noch einmal eine andere Geschichte. Bisher hat Bayern in der Vergangenheit ja alle Pokalspiele gegen den FFC verloren. Wir werden alles Mögliche tun, um ein spannendes Spiel abzuliefern. Frankfurt hat im UEFA-Pokal mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft ein überraschendes Ergebnis abgeliefert. Das wird eine ganz heiße Kiste. Ich denke, es geht in die Verlängerung und der Glücklichere wird gewinnen.

Womensoccer.de: Wie geht es in der Bundesliga weiter?

Wörle: Wir haben einen sehr guten Lauf, jetzt dann Heimspiele gegen Freiburg und den HSV und ein Auswärtsspiel in Herford. Wir müssen uns jetzt ein Punktepolster erarbeiten, denn dann kommen die schweren Spiele auswärts. Die anderen Mannschaften werden noch einmal etwas unternehmen in der Winterpause, verletzte Spielerinnen werden wieder fit. Nichtsdestotrotz sind wir auf dem Niveau der ersten Drei. Wir sind von der Fitness her, vom Läuferischen, vom Passspiel und vom Spieltempo her in der Lage, oben mitzuhalten. Natürlich werden wir auch mal ein Spiel verlieren, aber ich bin mir sicher, dass wir bis zum Schluss oben dabei bleiben. In der Landesliga habe ich mit dem TSV Mindelheim schon einmal neun Spiele in Folge gewonnen, bevor wir ein bisschen eingebrochen sind. Das mag bei uns auch noch kommen, aber damals hat es gereicht, Meister zu werden.

Womensoccer.de: Ist es ein Vorteil, dass die Konkurrenten Zusatzbelastungen haben?

Wörle: Das könnte ein Vorteil sein, wenn beide im Wettbewerb bleiben, so wie es momentan aussieht. Es kommt auch noch auf das DFB-Pokalspiel an, das werden wir sehen. Aber der UEFA-Pokal macht schon etwas aus.

Womensoccer.de: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wörle: Ich kämpfe um jeden Zuschauer, denn das ist hier wirklich ein Problem. Das haben die Mädchen nicht verdient, aber wir müssen einfach Geduld haben. Ich habe einen Traum: Ich fahre fünfmal die Woche an der Allianz Arena vorbei, da drin würde ich gerne mal vor 10.000 Zuschauern das letzte Heimspiel bestreiten. Träume gehören zum Leben dazu, oder?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Georg sagt:

    Glückwunsch Herr Wörle, es war eigentlich klar, dass Sie auch bei Bayern München Erfolg haben werden. Wir wussten hier auch, was wir an Ihnen haben. Leider war das Ende aber unrühmlich und unverdient!

    Grüße aus Crailsheim!

    Georg

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