UEFA-Pokal: Hohe Hürden für Frankfurt und Duisburg

Von am 8. Oktober 2008 – 12.15 Uhr 4 Kommentare

Ab Donnerstag steigen Triple-Sieger 1. FFC Frankfurt und Vizemeister FCR 2001 Duisburg in den UEFA Women’s Cup ein und die beiden deutschen Top-Teams der vergangenen Saison hätten sich in der 2. Qualifikationsrunde zum Auftakt des europäischen Wettbewerbs wohl gerne etwas leichtere Gegner gewünscht.

In Gruppe B1 dürften vor allem die Meister aus Norwegen und Russland und der Wechsel zwischen Kunst- und Naturrasen die verletzungsgeplagten Frankfurterinnen auf eine harte Probe stellen. In Gruppe B4 müssen die Duisburgerinnen nicht nur eine beschwerliche Anreise bewältigen, sondern gleich drei starke Kontrahenten aus dem Weg räumen.

Dabei muss der 1. FFC Frankfurt seine ersten beiden vermutlich bereits entscheidenden Spiele gegen den norwegischen Gastgeber Røa Idrettslag, der kurz vor seinem zweiten Meistertitel in Folge steht, und dem frisch gebackenen russischen Meister Zvezda-2005 Perm, der gerade den zweiten nationalen Titel in Folge holte, auf Kunstrasen bestreiten, bevor es zum Abschluss auf Naturrasen gegen den schottischen Meister Glasgow City gehen wird, in dessen Reihen eine Ex-Frankfurterin stürmt.

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Frühe Prüfsteine
FFC-Trainer Günter Wegmann erklärt: „Uns ist bewusst, dass die Aufgaben deutlich schwerer als in den Jahren zuvor werden. Auf internationalem Parkett ist der Frauenfußball bis in die Gruppenphase hinein ausgeglichener geworden und in der Spitze enger zusammengerückt. Alle Gegner dominieren auch in dieser Saison ihre nationalen Ligen, so wird jedes Spiel eine echte Herausforderung darstellen, die wir mit voller Konzentration angehen müssen.“

Mit 19 Spielerinnen hat der FFC die Reise nach Oslo angetreten, schmerzlich vermisst werden die Langzeitverletzten Conny Pohlers, Silke Rottenberg und Pia Wunderlich, die alle noch in der Rehabilitation sind. FFC-Manager Siegfried Dietrich glaubt dennoch fest an sein Team. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass unser Team mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung einmal mehr den Einzug ins Viertelfinale schafft.“

Noch Sand im Getriebe
Doch so rund wie in der vergangenen Saison läuft es beim UEFA-Pokal-Titelverteidiger derzeit noch nicht. Darüber konnte auch der glanzlose 4:1-Sieg gegen den SC Freiburg am vergangenen Sonntag nicht hinwegtäuschen. Glasgow gewann bei der Generalprobe im schottischen Pokal mit 3:1 gegen Celtic FC, Zvezda-2005 holte sich am 2. Oktober den zweiten russischen Meistertitel in Folge. Doch auch die Russinnen plagen Verletzungsprobleme. So fehlen unter anderem Verteidigerin Olga Sergaeva und Stürmerin Olesya Kurochkina, so dass sogar die 41-jährige Assistenztrainerin Anna Kostraba noch einmal die Schuhe schnüren soll.

Røa musste am vergangenen Samstag beim 1:2 gegen Team Strømmen die erste Saisonniederlage hinnehmen. Doch der zweite Meistertitel in Folge ist dem Team kaum noch zu nehmen, Kolbotn IL hat neun Punkte Rückstand, so dass Røa bereits mit einem Sieg aus den verbleibenden vier Spielen den Titel sichern kann. Trainer Geir Nordby hofft, den Frankfurterinnen ein Bein stellen zu können, in Erinnerung an Kolbotns Triumph gegen die Hessinnen vor zwei Jahren. „Wir freuen uns auf diese Spiele im Wissen, dass der Erfolg von Kolbotn noch gar nicht so lange zurück liegt.“

Duisburgs abenteuerliches Debüt
Die Duisburger Abenteuerreise führte von Düsseldorf über Wien nach Lwiw in der westlichen Ukraine, von wo es per Bus 150 Kilometer weiter nach Kalus ging, wo am Donnerstag der erste internationale Auftritt auf das Team wartet. Auf die Elf von Trainerin Martina Voss warten schwere Brocken: der dänische Meister Brøndby, der spanische Vertreter Levante und der ukrainische Gastgeber Naftokhimik. „Der Frauenfußball boomt auch in anderen Ländern, wir werden keine Mannschaft unterschätzen. Wir wollen die Gruppenphase überstehen und dann ein internationales Spiel in Duisburg haben“, gibt Voss die Zielsetzung aus.

Vor allem Brøndby dürfte ein echter Prüfstein werden. „Sie sind der stärkste Gegner, voll mit dänischen Nationalspielerinnen. Aber wir können sie zweimal beobachten, bevor wir auf sie treffen werden“, so Voss. Doch Brøndby kassierte zuletzt in der frühen Saisonphase eine 1:2-Niederlage gegen Fortuna Hjørring. Mittelfeldspielerin Cathrine Paaske Sørensen weist deswegen die Favoritenrolle von sich: “Duisburg sollte der Favorit in unserer Gruppe sein.”

Levante in Topform
Doch auch das technische starke Team aus Levante, das in der ersten Qualifikationsrunde den früheren Viertelfinalisten Sparta Prag ausschaltete, mit zwei großen Innenverteidigerinnen im 4-4-2-System, dürfte die Duisburgerinnen vor eine harte Probe stellen. Besonderes Augenmerk sollte auch auf Stürmerin Laura del Río liegen, die zuletzt beim 4:0-Sieg gegen den FC Barcelona zwei Treffer erzielte.

Levantes Trainer José Arastey erklärt: „Das werden ganz komplizierte Spiele, bei denen Kleinigkeiten den Ausschlag geben werden. Alle Mannschaften haben schon etwas geleistet, um überhaupt bis hierher zu kommen. Ich glaube aber, wir haben Möglichkeiten. Wir werden um jeden Ball kämpfen, wie wenn es der letzte wäre.“

Doch auch Duisburgs dritter Gruppengegner ist nicht zu unterschätzen. „Naftokhimik ist die große Unbekannte. Ich weiß nicht allzu viel über sie. Sie haben eine gute Stürmerin, Aivi Luik. Im Allgemeinen ist der ukrainische Frauenfußball sehr athletisch. Sie könnten aber Schwächen im taktischen Bereich haben“, hofft Voss. Zuletzt feierte das Team dank eines Luik-Treffers ein 1:0 gegen Donchanka-CPOR.

Vorfreude von Grings
Duisburgs Goalgetterin Inka Grings, zuletzt geplagt von einer Bauchmuskelzerrung, freut sich auf die schwierige Herausforderung: „Das ist klasse, dass wir auf Vereinsebene mal auf internationalem Parkett mittanzen dürfen. Wir freuen uns alle riesig.“

Nur Sieger und Zweitplatzierte der vier Miniturniere ziehen in das Viertelfinale ein, das Anfang und Mitte November dann in Hin- und Rückspielen ausgetragen wird.

Mehr Infos zum UEFA Women’s Cup

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Der 1. FFC Frankfurt muss kurzfristig auch noch auf Kerstin Garefrekes verzichten, die sich im Abschlusstraining eine Schulterverletzung zugezogen hat.

    Anpfiff war um 13.30 Uhr, noch steht es 0:0.

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  • Markus Juchem sagt:

    0:0 zur Halbzeit. Die Frankfurterinnen waren in der ersten Halbzeit die Spiel bestimmende Mannschaft, konnten aber ihre Chancen nicht in Tore ummünzen. Sandra Smisek vergab die beste Gelegenheit, fand aber ihre Meisterin in der russischen Torhüterin Nhdiya Baranova. Doch auch Perm hätte in Führung gehen können, als Barbashina nach Vorarbeit von Savchenkova erst im letzten Moment gestoppt werden konnte.

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  • Markus Juchem sagt:

    Glück für Frankfurt, dass ein Kopfballtor von Khodyryeva wegen Abseits nicht anerkannt wird.

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  • Markus Juchem sagt:

    1:0 für Zvezda! In der 65. Minute gerät der 1. FFC Frankfurt in Rückstand! Kostraba trifft per Kopf nach einer Ecke für die Russinnen.

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