Zwanziger rechtfertigt langfristigen Neid-Vertrag

Von am 6. Oktober 2008 – 12.45 Uhr 2 Kommentare

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat in einem Interview Bundestrainerin Silvia Neid den Rücken gestärkt und die lange Vertragslaufzeit bis 2013 gerechtfertigt. „Ich habe bewusst den Vertrag so lange abgeschlossen, egal was da reininterpretiert wird.“

Zur oft kritisierten langen Laufzeit des Vertrags von Neid erklärte Zwanziger gegenüber dem „Kicker“: „Bei der WM 2007 hatten wir eine Anfangssituation in der Gruppenphase, in der wir weit vom WM-Titel entfernt schienen. Eine Niederlage gegen Japan hätte das Aus bedeutet. In dieser Situation war es mir wichtig, der Bundestrainerin zu vermitteln, dass wir zusammengehören, dass wir zusammen gewinnen und verlieren. Deshalb haben wir den Vertrag verlängert.“

Zwanziger führt fort: „Und nach der erfolgreichen WM-Bewerbung war klar: Diese Trainerin muss auch die WM machen. Und wenn es 2011 nicht so läuft, wie wir hoffen, weil eine WM im eigenen Land immer etwas Besonderes ist, kann das ja nach all den Erfolgen in den vergangenen Jahren nicht gleich wieder das Ende sein. Deshalb wollten wir ihr eine entsprechende Sicherheit geben.“

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Das Frauenfußball-Jahr 2008 war für Zwanziger ein Erfolg. „Man kann nicht in jedem Jahr Weltmeister oder Olympiasieger werden. Das ganz große Ziel ist leider nicht erreicht worden, das wissen die Spielerinnen und auch die Trainerin. Aber wir sind mit Bronze bei Olympia in einem zunehmend schwerer werdenden Konkurrenzkampf sehr zufrieden.“

Mannschaft im Umbruch
Zwanziger fügte hinzu: „Das ist eine gute Ausgangsbasis für die jungen Spielerinnen, noch Erfolgshunger für die Zukunft aufbringen zu können. Man muss ja nicht mit 22 Jahren alles gewonnen haben. Die EM-Qualifikation wurde auch geschafft, wir können also auf ein gelungenes Jahr zurückblicken.“

Die Mannschaft befinde sich in einer Umbruchsituation, alles sei bereits auf die WM 2011 im eigenen Land ausgerichtet. „In diesen Übergangsjahren, das gilt auch für die EM 2009, kann der Erfolg durchaus mal ausbleiben. Aber spätestens 2011 ist er bestimmt wieder da.“

Der DFB-Präsident rechnet mit weiteren Rücktritten in der Nationalmannschaft. „Ich halte es für denkbar, dass es noch die eine oder andere Spielerin gibt, die über einen Rücktritt nachdenkt.“

Neid nicht mediengeil
Über das Auftreten Neids in der Öffentlichkeit sagte er: „Silvia Neid ist nicht mediengeil, wie das heute so schön heißt. Da sind ihr manchmal ein paar Dinge lästig, darüber haben wir gesprochen. Gleichzeitig weiß sie, dass sie sich in der Öffentlichkeit zeigen muss. Das ist im Interesse der Weiterentwicklung des Frauenfußballs sehr wichtig, und das sieht Silvia Neid natürlich genauso.“

Zur aktuellen Situation in der Nationalmannschaft meinte Zwanziger: „Ich schätze das derzeit so ein, dass wir kein ganz festes, eingespieltes Mannschaftsgefüge haben, sondern mit Veränderungen und Verletzungen leben müssen – und da kann es eben manchmal etwas holprig laufen.“

Er könne sich nicht vorstellen, dass für die Aufstellung der Spielerinnen bei den Olympischen Spielen nicht nur sportliche Gründe eine Rolle gespielt haben. „Davon habe ich keine Kenntnisse“, so Zwanziger.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • djane sagt:

    Hurra, Silvia Neid forever… und mein Name ist Hase, äh, Zwanziger, ich weiß von nichts.
    So sehr man sich über langfristige Verpflichtungen im kurzlebigen Trainerdasein auch freuen kann, finde ich diese Vorschusslorbeeren doch etwas gewagt. Ich glaube, ein Großteil der Fans ist sich einig, wenn in naher Zununft nicht ein Umbruch in der Spielweise der Natio erfolgen wird, könnte es 2011 durchaus schwer werden. Und in wieweit Frau Neid sich mit mutigen Personalentscheidungen und einer Neuformierung der Mannschaft sowie taktischen Manövern auszeichnen wird, bleibt abzuwarten- ich hoffe, die Zeit reicht bis 2011.

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  • Conny68 sagt:

    Natürlich kann Planungsicherheit durch langfristige Verträge für beide Seiten auch mal wichtig sein. Aber in diesem Fall halte ich diese langfristige Vertragsbindung für bedenklich.

    Der Fußball entwickelt sich ständig weiter und gerade im Frauenfußball hoffen und erwarten wir dieses ja auch. Kann man da wirklich sagen, dass die Bundestrainerin von Heute auch in zwei, drei, vier, fünf Jahren mit ihrer Philosophie und Meinung, ihrem Trainingskonzept, ihrer Einstellung usw. noch die richtige Person ist?

    Ich würde diese Frage wohl nicht stellen, wenn ich nicht Zweifel an der Arbeit von Silvia Neid hätte. Einige nicht so überzeugende Spiele von der Nationalmannschaft könnte ich ja verkraften, wenn sie nicht hinterher diese Statements abgeben würde. Wenn sie das wirklich glaubt, was sie da sagt, dann könnten wirklich schwere Zeiten auf das Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs zukommen.

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