Sandra Smisek erklärt Rücktritt aus Nationalmannschaft

Von am 29. September 2008 – 13.52 Uhr 1 Kommentar

Sandra Smisek macht Schluss. Das 133. Länderspiel wird das letzte für die Angreiferin des 1. FFC Frankfurt sein. Mit dem EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz am kommenden Mittwoch, 1. Oktober (16.00 Uhr, live im ZDF), im Stadion Schützenmatte in Basel beendet sie ihre Laufbahn im DFB-Trikot.

„Ich habe 1995 mein erstes Länderspiel gemacht. Das heißt, ich spiele schon mehr als 13 Jahre in der Nationalmannschaft. In dieser Zeit habe ich tolle, einmalige Dinge erlebt. Ich bin zweimal Weltmeisterin und dreimal Europameisterin geworden. Zudem durfte ich in diesem Jahr an den Olympischen Spielen teilnehmen und habe die Bronzemedaille gewonnen. Ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um mich von der internationalen Bühne zu verabschieden”, erklärt Sandra Smisek, die in der Bundesliga weiterhin aktiv sein wird.

Berufliche Gründe
Außerdem führt Smisek berufliche Gründe für ihre Entscheidung an. Zu Beginn dieses Jahres schloss sie ihre Ausbildung bei der Polizei ab. Mittlerweile ist sie als Kommissarin vollzeitbeschäftigt. Und mit Blick auf die Zeit nach ihrer sportlichen Karriere sagt sie: „Ich möchte mich in Zukunft mehr auf meinen Beruf konzentrieren und mich weiterbilden. Da dies auch viel Zeit in Anspruch nehmen wird, würde eine Dreifachbelastung durch Nationalmannschaft, 1. FFC Frankfurt und Polizei nur ganz schwer zu bewerkstelligen sein“, erklärt die gebürtige Frankfurterin.

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Als weiteren Grund führt Smisek ihr Alter an. Zwar gehört sie mit derzeit 31 Jahren längst nicht zum „alten Eisen“, aber schmunzelnd sagt sie: „Bei der Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land wäre ich 34 Jahre alt. Da mache ich jetzt lieber Platz für die jungen Wilden.” Und mit einem Augenzwinkern fügt sie an: “Es wird ja eine Weile dauern, mich zu ersetzen.”

Würdigung durch Dr. Zwanziger
Ihre Verdienste um den deutschen Frauenfußball weiß Dr. Theo Zwanziger zu würdigen. „Sandra Smisek ist eine großartige Sportlerin. Ich habe allergrößten Respekt vor ihrer Leistung. Sich als Angreiferin länger als ein Jahrzehnt in der Weltspitze zu bewehren, verdient allerhöchste Anerkennung. Rein fußballerisch gesprochen zolle ich ihr meinen allergrößten Respekt, weil sie keine typische Torjägerin ist, sondern stets absolut mannschaftsdienlich spielt. Auf diese Weise hatte sie großen Anteil an allen Titeln, die unsere Frauen-Nationalmannschaft in dieser Zeit gewonnen hat. Aber nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ist sie ein Vorbild. Mit ihrer humorvollen und offenen Art ist sie zu einer Sympathieträgerin des Frauenfußballs geworden”, so der DFB-Präsident.

Smisek ist nach Sandra Minnert, Silke Rottenberg und Renate Lingor die vierte arrivierte Spielerin, die binnen eines Jahres ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat. „Ich werde sie vermissen. Ich kenne sie ja schon von der Zeit, als ich noch aktive Spielerin war. Als Trainerin war es immer sehr angenehm, mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie ist einfach sehr spielintelligent, hat eine gute Spielauffassung, bewegt sich sehr gut und ist überaus mannschaftsdienlich. Deswegen war sie zum Beispiel bei der WM im vergangenen Jahr eine absolut wichtige Spielerin, da war sie in einer super Verfassung und hat ein tolles Turnier gespielt”, sagt DFB-Trainerin Silvia Neid.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • djane sagt:

    Obgleich Frau Smisek mich dieses Jahr bei den Olympischen Spielen in Peking nicht unbedingt überzeugt hat, bleiben dennoch 13 Jahre Nationalmannschaftszugehörigkeit, in denen sie durchaus etwas bewirkt hat. Daher an dieser Stelle vielen Dank und alles Gute für die weitere Zukunft.
    Frau Neid sollte dagegen zusehen, dass der Umbau ihrer Mannschaft weiter voran getrieben wird- sollte Birgit Prinz auch noch ihren Rücktritt verkünden (was sie ja nicht ausgeschlossen hat), bleiben von den arrivierten, erfahrenen Spielerinnen nämlich nicht mehr viele übrig. Und im Hinblick auf die Heim-Wm 2011 hat sich ja nicht erst nach Peking herauskristallisiert, dass sich innerhalb der Mannschaft dringend etwas ändern muß, wenn man auch in Zukunft gegen Mannschaften wie die USA oder Brasilien bestehen will.

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