Bundesligagipfel mehr als nur ein Topspiel

Von am 27. September 2008 – 13.04 Uhr 3 Kommentare

Bereits am vierten Spieltag kommt es in Aschheim zum ersten Gipfeltreffen der Frauenfußball-Bundesliga. Und wenngleich sich die Saison noch in ihrem Anfangsstadium befindet, stehen am Sonntag beim Duell zwischen dem Tabellendritten FC Bayern München und Tabellenführer 1. FFC Frankfurt mehr als nur drei Punkte auf dem Spiel.

Denn das Gastspiel des Triple-Siegers beim Emporkömmling und Geheimfavoriten der neuen Bundesligasaison dürfte einen ersten Fingerzeig dafür liefern, ob die Bayern wirklich schon das Zeug dazu haben, ein ernst zu nehmender Titelkandidat zu sein. Die Voraussetzungen für ein Duell auf Augenhöhe sind jedenfalls gegeben. Doch beim DFB sieht man dies offenbar anders, denn DFB-TV ist unverständlicherweise nicht vor Ort.

Die Gastgeber starteten mit einem viel beachteten 3:0-Auswärtssieg bei Turbine Potsdam und ließen dann bei den 2:0-Erfolgen gegen die SG Essen-Schönebeck und beim SC 07 Bad Neuenahr Anzeichen von Stabilität erkennen. Noch immer ist das Team von Trainer Günther Wörle ohne Gegentreffer.

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Rech-Einsatz fraglich
„Das hat uns Selbstbewusstsein gegeben und gerade das hat uns in der vergangenen Saison oft gefehlt“, sagt die angeschlagene Bianca Rech, deren Einsatz am Sonntag noch fraglich ist. „Wir haben jetzt eine Siegermentalität“, meint Rech, die von 2000 bis 2004 beim 1. FFC Frankfurt spielte. Doch nun wartet mit dem 1. FFC Frankfurt der erste echte Prüfstein, erst recht, sollte Wörle seine bisher erfolgreiche Abwehr umstellen müssen.

Auch die Frankfurterinnen sind optimal aus den Startlöchern gekommen. „Vor allem in der ersten Halbzeit gegen Wolfsburg habe ich im Vergleich zu den ersten Spielen eine deutliche Leistungssteigerung unserer Mannschaft festgestellt“, freut sich FFC-Trainer Günter Wegmann.

Gegenseitiger Respekt
Die beiden formstarken Teams haben dementsprechend gehörigen Respekt voreinander und gingen in der Woche vor dem Spiel auf Schmusekurs. So lobte Wegmann den „bestens eingespielten Kader“, den „makellosen Saisonstart“ sowie die „spielstarke Mannschaft“ des Gegners. Und sein Gegenüber Günther Wörle fand ebenfalls schmeichelnde Worte: „Wir vom FC Bayern respektieren die Leistungen der Vergangenheit des 1. FFC Frankfurt um ihren Manager und Macher Siegfried Dietrich.“

Doch in der Gegenwart rechnet Wörle mit „einer ganz enge Geschichte“ und einen „offenen Schlagabtausch“, denn dank des optimierten Abwehrverhaltens seines Teams sieht er seine Elf derzeit in einer guten Position. Auch gegen den scheinbar übermächtigen Gegner trachtet man nach dem nächsten Dreier.

Heil in der Offensive
„Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen“, sagt er und erklärt, wie er zum Sieg kommen will. „Man darf gegen sie auf jeden Fall nicht nur defensiv spielen, sondern muss auch in die Offensive gehen, um so zum Erfolg zu kommen.“ Doch auch, wenn es gegen die Frankfurterinnen am Sonntag nicht reichen sollte, ist Rech von der Stärke ihres Teams überzeugt. „Ich glaube, dass die ganze Saison spannend wird.“

Frankfurts Trainer Wegmann weiß um die Schwere der Aufgabe. „Im Spiel gegen die Bayern sind neben unseren spielerischen Qualitäten höchste Konzentration und Kampfbereitschaft über die gesamte Spielzeit angesagt.“ Gegen den ebenso noch ungeschlagenen Gegner erwartet er ebenfalls „eine enge und ausgeglichene Partie zweier starker Teams.“

Richtungsweisendes Spiel
Auch die Ex-Münchenerin Petra Wimbersky freut sich auf das Duell mit ihrem früheren Verein. „Für uns ist das Spiel gegen die Bayern der erste echte Gradmesser der Saison, der uns zeigt, wo wir leistungsmäßig stehen.“

FFC-Manager Siegfried Dietrich sieht in der Partie mehr als nur ein Spitzenspiel. „Die bisherigen Ergebnisse und das Punktekonto beider Vereine signalisieren eindrucksvoll, dass schon die Hinrunden-Begegnung ein erstes richtungsweisendes Spiel im Kampf um die Deutsche Meisterschaft sein wird.“

Keine Bilder auf DFB-TV
Doch die Fans müssen unverständlicherweise in die Röhre gucken. Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigt auf DFB-TV anstelle des Topspiels Bilder der Partie Herforder SV Borussia Friedenstal gegen SG Essen-Schönebeck. Eine Entscheidung, die bereits vor der Saison getroffen wurde, um ein breites Spektrum abzubilden und möglichst viele Teams in den Genuss der TV-Übertragung kommen zu lassen.

Der DFB muss sich dennoch im Zuge der Förderung des Frauenfußballs die Frage gefallen lassen, warum er sich dieses Spitzenspiel entgehen lässt. Denn selbst kurzfristig hätte sich die Übertragung produktionstechnisch noch nach München verlagern lassen können. Bleibt die Hoffnung, dass der DFB in Zukunft ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legt. Im Sinne der Fans und der Entwicklung des Frauenfußballs.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • ViolA sagt:

    das ist nicht der erste spieltag, an dem ich mit krauser stirn auf die übertragungspartie gucke… ich verstehe den versuch möglichst viele vereine zu präsentieren und ich verstehe auch, dass dafür sicherlich mal partien wegfallen, die sich eher anbieten würden, allerdings denke ich, dass sich da mit sicherheit eine andere lösung hätte finden lassen.

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  • Wähling Andreas sagt:

    Der Spielbericht geht so in Ordnung auch wenn Sie offensichtlich nicht persönlich anwesend waren, denn die Sonne schien erst nach dem Schlusspfiff ….

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  • Detlef sagt:

    Ich finde es absolut richtig, dass auch Vereine wie Essen und Herford mal in den Genuß von TV-Übertragungen kommen!!! Damit steigt deren Position gegenüber ihren Sponsoren!!!
    Natürlich wäre es toll, wenn man von den Spitzenspielen zumindest einen zusammenfassenden Bericht sehen könnte!!!
    Aber da gibt es ja auch noch die Dritten Programme, die so einen 3-5 minütigen Bericht erstellen könnten!!!
    Man sollte ARD und ZDF nicht ganz aus ihrer Verantwortung entlassen!!!
    Das es auch anders geht, zeigen und zeigten der MDR und der SR!!!

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