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Fragwürdige deutsche Unterstützung

Von am 23. September 2008 – 12.11 Uhr 12 Kommentare

„Der afrikanische Frauenfußball hat sehr großes Potenzial und die Begeisterung für unseren Sport ist nahezu grenzenlos“, freut sich Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees der FIFA Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland, über den Besuch der U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft Ghanas in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag.

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Das Team bereitet sich derzeit in Deutschland auf die U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland vor, wo man im zweiten Gruppenspiel am 1. November in Christchurch auf Deutschland treffen wird. Das zweiwöchige Trainingslager im hessischen Heusenstamm wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert – ein fragwürdiges Unterfangen.

Das Auswärtige Amt hat in der Vergangenheit schon häufiger wertvolle Unterstützung im Frauenfußball geleistet, etwa bei Projekten zum Aufbau des Sports in Afghanistan oder Ruanda.

Doch ist dieses Engagement vergleichbar mit der finanziellen Unterstützung eines afrikanischen Spitzenteams in direkter Vorbereitung auf ein WM-Turnier, bei dem die deutsche Elf als Gruppengegner wartet?

Starker Gegner
Die Westafrikanerinnen sind alles andere als Kanonenfutter, in der WM-Qualifikation bezwang man unter anderem den zweiten afrikanischen WM-Teilnehmer Nigeria mit 1:0. Neben dem zweiwöchigen Aufenthalt in Deutschland, wo man unter anderem Testspiele gegen die 2. Mannschaft des 1. FFC Frankfurt, den 1. FC Schweinfurt 1905 und eine hessische Verbandsauswahl bestreiten wird, steht ein weiteres dreiwöchiges Trainingslager in Australien auf dem umfangreichen Trainingsprogramm.

Ergänzt durch Testspielserien in der Elfenbeinküste und in Südafrika. Möglichkeiten, von denen Deutschlands U17-Nationaltrainer Ralf Peter im eng gestrickten Terminkalender seiner Schützlinge nur träumen kann.

Ghanas Spielführerin Mercy Myles erklärt: „Wir fahren ja nicht als Reisegruppe dahin, sondern als echte Fußballerinnen aus Ghana und wir wollen nach Möglichkeiten in die Fußstapfen der Starlets und der Black Stars treten.“

Unterstützung beim Aufbau neuer Strukturen im Frauenfußball ist begrüßenswert, finanzielle Hilfe für einen deutschen WM-Gegner in der direkten Turniervorbereitung schießt meines Erachtens über das Ziel hinaus. Eure Meinung ist gefragt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • djane sagt:

    Abgesehen davon, dass ich die Abstimmung etwas polemisch finde (erinnert so an die Blöd-Zeitung „finden Sie es richtig, dass Ausländer in Deutschland Sozialleistungen beziehen dürfen..“) ist es mir persönlich lieber, wenn das AA den afrikanischen Sportlerinnen die Möglichkeit gibt, hier trainieren zu können als das es klammheimlich Lösegelder für deutsche Mitbürger berappt, die meinen, auf ihrem Egotrip mit dem Rucksack durch Syrien oder andere gefährdete Regionen dieser Welt reisen zu müssen und prompt gekidnappt werden.

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  • Tom Schlimme sagt:

    Ist diese Frage wirklich ernsthaft gemeint?

    Sollen wir uns wirklich ernsthaft darüber empören, dass die deutsche Bundesregierung über das Auswärtige Amt den Mädchenfußball in Ghana durch ein solches Trainingslager unterstützt?
    Obwohl genau diese Mannschaft dann auch gegen die deutsche U17 spielen wird?

    Neee, ne?

    Ich habe in der Vergangenheit öfter über den Frauenfußball in Afrika, speziell auch Ghana, recherchiert und immer wieder festgestellt, dass die Mädels dort zwar viel Potential haben, die Strukturen aber meilenwert, eigentlich sind es Lichtjahre, hinter unseren hier hinterhinken. Wenn die reichen Länder dort Hilfe leisten, ist das nur fair und kann gar nicht genug sein.

    Natürlich kann man die alte Frage aufwerfen, was solche Hilfe überhaupt bewirken kann, und ob es deutsche Aufgabe ist. Ich meine, auch wenn es wenig bewirken wird, ist solche Hilfe wichtig, und Deutschland profitert wie viele andere reiche Länder sehr wohl auch von der Armut in Afrika. Die reichen Länder kommen nur wegen dieser Armut so billig an die in Afrika reichlich vorhandenen Bodenschätze, die uns hier in Deutschland fast völlig fehlen. Kupfer und andere Metalle beispielsweise. Ich will das jetzt nicht auswalzen, es ist eine politische Diskussion.

    Aber überhaupt nur auf die Idee zu kommen, man solle Ghana nicht unterstützen, weil die demnächst gegen „unsere“ U17 spielen… also wie kleinlich wäre denn ein solcher Gedanke?

    Unterstützung des Mädchenfußballs in Ghana durch die deutsche Regierung ja, aber erst nach der U17-WM und erst, wenn die deutschen Mädels gegen Ghana hoch gewonnen haben? Ernsthaft???

    Da sehe ich es sehr positiv, dass offensichtlich sowohl Auswärtiges Amt als auch DFB über den egoistischen Tellerrand blicken und souverän und großmütig agieren!

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  • Max Diderot sagt:

    Meine Stimme hat dieses Projekt erhalten. Wobei, eigentlich sollte ich mit „ja aber“ votieren. Wenn das AA finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, steckt vermutlich mehr als nur die Selbstlosigkeit der deutschen Politik hinter diesem Unterfangen. Gleichzeitig ist Ghana eines der wenigen demokratischen Länder auf diesem wunderbaren afrikanischen Kontinent, und deren Bemühen sollten in jedweder Form unterstützt werden.

    Vielleicht hat ja auch Anthony Baffoe, der ehemalige Bundesligaprofi, bei Herrn Steinmeier antichambriert, da er seit zwei Jahren eine Art internationaler Repräsentant des ghanaischen Fußballverbandes ist. Und möglicherweise kommt ja demnächst auch einmal eine Einladung aus Ghana an die deutschen Mädchen oder Frauen, um dort zu spielen. Schön ist es dort, warm ist es dort, und nette Menschen gibt es dort auch. Kurzum – ein idealer Platz.

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  • djane sagt:

    @Max, vielleicht erfolgt die Einladung ja auch an die Frauen Fussball-Natio, die würden sich bestimmt freuen, mal irgendwo anders hin als China reisen zu dürfen…

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  • Max Diderot sagt:

    djane, es ist mir eh‘ ein Rätsel, weshalb der DFB nicht vermehrt die sportliche Auseinandersetzung mit Teams des afrikanischen Kontinents sucht. Gerade im Frauenfußball dürfte ein solches Tun ja auch für die Situation der Frauen, der diversen Kulturkreise Afrikas, eine willkomme Unterstützung sein. Man muss nicht zwangsläufig die A-Spielerinnen hinschicken, ob deren vieler Termine, aber in Deutschland gibt es zahlreiche talentierte Akteurinnen, die (noch) nicht dem fußballerischen Ideal von Frau Neid entsprechen und in den Nachwuchsmannschaften ihre Wertschätzung erfahren.

    Irgendwie und irgendwo hat sich in den vermutlich bescheidenen Hirnwindungen der überwiegend männlichen Fußballfunktionäre der Grundsatz manifestiert, dass der asiatische Fußballmarkt, aufgrund von einigen starken Volkswirtschaften, lukrativer sei als andere Regionen dieser Welt. Mein Urteil: falsch und törricht.

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  • Detlef sagt:

    Also ich „weis nicht“???
    Ist es die Aufgabe des aA, sportliche Projekte in der 3. Welt zu fördern??? Oder geht es da um irgendein DEAL, zwischen afrikanischen Machthabern, und absolut (un)eigennützigen deutschen Wirtschaftsinteressen??? Wer weis das schon so genau???
    Ich denke da nicht so „blauäugig“ wie Tom, die Starken sollen den Schwachen helfen!!!
    Aber es geht doch darum, den FF auch international voran zu bringen!!! Die Wettbewerbe müssen spannender werden, damit sie sich besser vermarkten lassen!!! Ist die Zuwendung des aA vielleicht schon eine „Investition“ für 2011??? Bis jetzt haben die Afrikanerinnen bei großen Wettbewerben noch nicht viel gerissen!!! Aber sie verfügen über viel Potenzial, das genutzt werden sollte!!!
    Also ich finde Markus letzten Absatz eher kleingeistig bis spießig!!!
    Das deutsche aA, ist ja nicht für die deutsche Sportförderung zuständig!!! Der deutschen Mannschaft wird also nix weggenommen!!!
    Aber ich bin mir nicht so ganz im Klaren darüber, ob das aA, für den FF in Ghana zuständig ist!!! Ich bin also hin- und hergerissen!!!

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  • Tom Schlimme sagt:

    Detlef, das deutsche Auswärtige Amt ist bestimmt nicht für die Sportförderung in Ghana „zuständig“!

    Es ist keine Frage der Zuständigkeit, ob man Geld an arme Länder spendet. Es muss übrigens auch nicht immer mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben.

    Natürlich könnte man auch sagen, man spendet Geld für Medikamente oder für Nahrung, aber nicht für Sport.

    Aber Sport ist auch ein Teil von Kultur. Ein wichtiger Teil sogar, der wahrscheinlich mehr als viele andere Arten von Kultur dazu geeignet ist, Menschen zu verbinden und einen Beitrag zum Frieden zu leisten.

    Sport ist auch geeignet, den Menschen in einem Land Kraft, Mut und Ziele zu geben. Ich will das jetzt nicht überhöhen, aber wieso fördert man denn den Sport bei uns? Nur aus Jux und Tollerei, weil man nix besseres zu tun hat? Oder auch, weil man weiß, dass Sport sich positiv auf die Menschen, positiv auf eine Gesellschaft auswirkt? Und wenn sich Sport bei uns in Deutschland positiv auf die Gesellschaft auswirkt, dann ist das natürlich auch in Ghana der Fall.

    Dann kommt der Aspekt hinzu, dass es hier um Mädchenfußball geht. Gleichberechtigung hin oder her, genau wie in Deutschland sind die Frauen und Mädchen auch in Ghana noch nicht wirklich gleich berechtigt, gleich beteiligt an Entscheidungen, mit gleichen finanziellen Möglichkeiten ausgestattet. Auch da kann der Sport einen kleinen Beitrag leisten. Erfolgreiche Sportlerinnen, mit denen ein Teil der Nation mitfiebert, wo in der Zeitung vielleicht wenigstens mal eine Meldung steht, ghanaische U17 gegen Nigeria erfolgreich, ghanaische Mädchen fahren zur U17-WM, das ist etwas, was nicht völlig ohne Auswirkung auf das Ansehen der Mädchen und Frauen in einer Gesellschaft bleibt.

    Alles Aspekte, die für mich eine Spende Deutschlands an Ghana rechtfertigen.

    In dem Beitrag von Markus wird wohl auch aus solchen Überlegungen heraus nicht grundsätzlich kritisiert, dass das Auswärtige Amt Mädchenfußball in anderen Ländern fördert. Markus kritisiert ja nur, dass ein direkter Gruppengegner der deutschen U17 gefördert wird, und er kritisiert den Zeitpunkt, kurz vor der U17-WM. Kurz hinterher wäre es für ihn in Ordnung, so verstehe ich das wenigstens. Eine Spende an Länder, die der deutschen Nationalmannschaft weniger „gefährlich“ werden könnten wie Ghana, wäre für Markus ja auch in Ordnung.

    Das ist der Teil, wo ich dann gar nicht mitkann.

    Ansonsten höre ich leider oft genug von Leuten Sätze wie „deutsches Geld soll erst mal den Deutschen helfen“

    Wenn ich dann sehe, wie mit deutschen Geld die Pleiten amerikanischer Zockerbanken mitgetragen werden, frage ich mich wirklich, ob da die richtigen Feindbilder in den Köpfen der Menschen hier existieren.

    Außerdem schmecken mir die Bananen aus Deutschland so schlecht…

    Die Welt ist vernetzt, jeder hat mit jedem zu tun, und wir sind oben und wir sind reich, global gesehen ist das eine Tatsache. Trotzdem müssen wir kein Trainingslager für eine ghanaische U17-Mädchennationalmannschaft bezahlen. Müssen wir nicht. Aber sich darüber aufregen, über diese vergleichsweise Mini-Beträge, das müssen wir auch nicht. Und schon gar nicht aus dem Grund, dass die uns dann vielleicht sogar bei der WM besiegen könnten!

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  • djane sagt:

    Laut eigener Hompage stellt das AA im Jahr 2008 insgesamt 20 Mio.€ zur Verfügung. Zitat „Steinmeier stellt auf seiner Reise auch die Aktion Afrika vor: Mit dieser verstärkt Deutschland sein kultur- und bildungspolitisches Engagement auf dem Kontinent. Allein 2008 stellt das Auswärtige Amt 20 Millionen Euro für Projekte und Programme des Kulturaustauschs auf dem Nachbarkontinent bereit.“
    Ich schätze, darin ist auch das Ghana-Programm enthalten und somit handelt es sich weder um eine gezielte Förderung etwaigiger Fußball-Gegner, noch um unrechtmäßige Zahlungen, die das AA an den afrikanischen Kontinent leistet. Es ist vielmehr ein gesamtheitliches Förderungsprogramm, da sich das AA vor Ort meistens besser auskennt als die hier in Deutschland zuständigen Institutionen.
    Und mal ehrlich: 20Mio sind nicht besonders viel für einen ganzen Kontinent, andere überweisen (ob aus Versehen oder nicht) 300 Mio € an die insolvente Bank eines einzelnen Landes…

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke an alle für die zahlreichen Kommentare. Ich habe das Gefühl, ich wurde zumindest teilweise missverstanden. Ich kritisiere nicht, dass das Auswärtige Amt über Hilfsprojekte den Sport bzw. den Frauenfußball fördert. Ich habe auch nirgendwo etwas von „unrechtmäßigen Zahlungen“ oder dergleichen geschrieben, ich stoße mich auch nicht daran, dass Geld ausgegeben wird. Mich stört auch nicht der Zeitpunkt, sondern einzig die Art der Förderung.

    Es macht für mich einen gewaltigen Unterschied, ob ich beispielsweise im Land selbst Investitionen in Infrastruktur, Ausrüstungsgegenstände, Sportplatzbau etc. tätige, oder aber einer Nationalmannschaft die direkte WM-Vorbereitung finanziere (dass es ein direkter Gruppengegner ist, macht die Sache erst recht pikant).

    Das hat für mich auch nicht viel mit Förderung des Mädchenfußballs in Ghana zu tun, da könnte man vor Ort strukturell sicherlich mehr bewegen.

    Mir persönlich schmeckt diese Art der Förderung nicht, aber ich habe kein Problem, wenn jemand anderer Meinung ist. Dafür diskutieren wir ja hier.

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  • djane sagt:

    @Markus, das „urechtmäßig“ meinte ich auch nicht im Sinne einer juristischen Definition, eher im gefühlten Sinn. Ungerechtfertigt wäre das bessere Wort, sorry

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  • Tom Schlimme sagt:

    Klar ist es kein Problem, anderer Meinung zu sein, dafür ist ein Blog schließlich da.

    Gegen eine Unterstützung der Infrastruktur in Ghana durch das AA würde ich natürlich auch nichts sagen, fände ich prima. Allerdings gehören auch Einladungen in fremde Länder zum Sport dazu. Begegnung, Austausch, Kennenlernen fremder Kulturen, auch das ist eine der ganz großen Aufgaben des Sports.

    Dass so etwas dann häufig in Kombination mit Turnieren oder Turniervorbereitungen läuft, ist doch völlig normal!

    Für einige dieser jungen Spielerinnen aus Ghana wird es möglicherweise das einzige Mal in ihrem Leben sein, dass sie eine längere Zeit in Deutschland verbringen werden. Ich kann da einfach nichts schlechtes dran finden. Der einzige Kritikpunkt, den ich überhaupt erkennen kann, ist, dass man einen direkten Gegner im Training unterstützt, und sorry, das finde ich nun mal kleinlich.

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    Vielleicht wäre CHANCENAUSGLEICH der bessere Begriff dafür???
    Wenn man zB dem FFC Heike Rheine, die gleichen Trainingsbedingungen zur Verfügung stellen würde, wie dem FFC Frankfurt, wäre es wohl trotzdem sehr unwahrscheinlich, dass Ersterer gegen Letzteren gewinnt!!!

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