Röcke charmanter als Hosen?

Von am 11. September 2008 – 16.26 Uhr 11 Kommentare

Frauenfußball in RöckenEs ist noch gar nicht so lange her – es war im Januar 2004 – da musste FIFA-Präsident Sepp Blatter herbe Kritik einstecken, für seinen Vorschlag, die Fußballerinnen in anderen, fraulicheres Outfits spielen lassen zu wollen als die Männer. Dabei dachte er weniger an Röcke, als an „engere Hosen zum Beispiel“.

Doch die Damen des FC de Rakt aus dem niederländischen Uden scheinen grundsätzlich Gefallen an Blatters Vorschlag gefunden zu haben. Denn am vergangenen Wochenende traten sie bei ihrem Spiel gegen RKVV Erp in weißen Röcken an. Und verstießen damit gegen das FIFA-Regelwerk.

Die Spielerinnen finden die Röcke „charmanter“ als die traditionelle Ausrüstung und haben bereits beim niederländischen Fußballverband (KNVB) die Zulassung beantragt, immer in Röcken spielen zu dürfen. Dabei heißt es in den FIFA-Spielregeln eindeutig, dass die „zwingend vorgeschriebene Grundausrüstung“ unter anderem aus einer Hose besteht. Ein Rock wird namentlich nicht erwähnt.

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Alte Idee, neue Beweggründe
Möglicherweise haben sich die Damen die niederländischen Hockeyspielerinnen zum Vorbild genommen, die seit jeher im Rock spielen. Ganz neu ist die Idee, in Röcken zu spielen, nicht. So trug bereits das 1894 gegründete erste britische Frauenfußball-Team „British Ladies“ bei seinen Auftritten Röcke über knielangen Hosen, um den Anstand zu wahren.

Schiedsrichter Jan van Broekel beließ es am Sonntag mit einem Eintrag auf dem Spielberichtsbogen, um den Verband von der ungewöhnlichen Bekleidung in Kenntnis zu setzen. Einen Punktabzug müssen die modebewussten Damen bei diesem Spiel nicht befürchten, denn sie verloren die Partie mit 0:5.

Antrag auf Änderung der Spielregeln
In den Niederlanden stieß die Aktion auf große Medienresonanz in Zeitungen, Radio und TV. KNVB-Sprecher Rob de Leede kündigte an, beim für Änderungen der Spielregeln zuständigen International Football Association Board (IFAB) einen Antrag auf Zulassung des neuen Outfits stellen zu wollen.

Für eine Regeländerung ist eine Mehrheit von sechs Stimmen im achtköpfigen Gremium nötig – ein schwieriges Unterfangen. Die FIFA beließ es auf Womensoccer-Anfrage dabei, auf die Spielregeln zu verweisen – die schreiben den Gebrauch von Hosen vor.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Da schau an. Der Schweizer an sich schon eine Art Kulturinstitution, in aktueller liechtensteinischer Ausprägung auch noch ein fürstlicher Geschichtsklitterer, schießt der FIFA-Präsident wieder einmal den Vogel ab. Attraktivere Dressen für die Fußball spielenden Damen propagiert er. Da braucht er sich doch nur seines direkten Drahtes mit der Herzogenauracher Adidas-Zentrale zu erinnern, damit diese ihren eher armselig besoldeten Lohnschneiderinnen in Asien neue Schnittbögen zukommen läßt – Trademark: Designed by Sepp Blatter. Das wird gewiss ein Verkaufsrenner!

    Mir gefallen die Röcke nicht. Und ein Vergleich mit der Frühzeit Jahnscher-Sportgymnastik hinkt insoweit, als seinerzeit jene biedermeiersche Prüderie vorherrschte, die den Frauen auch damals noch das Wahlrecht verweigerte. Und noch eine kleine Ergänzung. Nach meinem Wissen ist es im Damen-Hockey allseits üblich, einen kurzen Rock als Spielkleidung zu tragen, und nicht nur in den Niederlanden. Dass der Sport aber auch attraktive Kreationen gebiert, sah ich während der vergangenen Olympiade. Die australischen Basketballerinnen spielten in einem kessen Einteiler. Immerhin schafften es die Damen aus Ozeanien mit ihrem sexy Outfit bis ins Finale.

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  • Svenja sagt:

    Für mich ist es schwer vorstellbar, sich im Rock beim Fußballspielen wohl zu fühlen. Aber nun ja, das ist eine persönliche Sache. In Lumpensäcken sollte man sicherlich keine Mannschaft auflaufen lassen, aber wir sind hier schließlich beim Fußball und deswegen halte ich es für übertrieben, wenn man sich zu sehr auf das Aussehen oder die „fraulichen“ Outfits konzentriert. Sonst fordert noch jemand in ein paar Jahren, dass die Frauen doch in Pumps und mit Handtäschchen spielen sollen. Und in der Halbzeitpause wird dann der Lidstrich nachgezogen.
    Ich wäre strikt gegen einen Einteiler, denn da hätten wir das Dilemma, das Spielerinnen wie Simone Laudehr bei einem Treffer nicht mehr nur das Trikot sondern das ganze Dress hochziehen müssten, um Waschbrettbauch oder Ähnliches zeigen zu können.

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  • Moorooder sagt:

    Bei Fragen der Bekleidung von Sportlern sollte nur entscheidend sein, ob die Sportler unterschieden und richtig zugeordnet werden können und ob sie einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Ausnahmsweise, wie z. B. bei Rennfahrern, spielt natürlich auch der Sicherheitsaspekt eine Rolle, das wären beim Fußball aber eher die Stutzen.

    Einen Wettbewerbsvorteil oder -nachteil vermag ich bei der Diskussion Rock gegen kurze Hose beim Fußball nicht erkennen. Es gibt da ja wohl keinen Einfluß wie z. B. bei der Bekleidung der Skispringer, wo die Beschaffenheit und Größe der Anzüge wohl einen gravierenden Unterschied ausmachen.

    Wenn Rock und Hose ungefähr die gleiche Länge und die gleiche Farbe haben sehe ich auch bezüglich der Zuordnung keine Probleme.

    Von daher könnte ohne Problem sogar jeder Spielerin einzeln freigestellt werden ob sie in Rock oder Hose auflaufen möchte. Schließlich müssen weder die Funktionäre noch die Zuschauer auf den Platz und dort ihre Leistung abrufen. Laßt doch jede Spielerin so auflaufen, wie sie sich persönlich am wohlsten fühlt.

    Darüber überhaupt eine Diskussion anzufangen bzw. eine entweder … oder … Regelung vorschreiben zu wollen ist deshalb meiner Ansicht nach absolut unnötig. Aber die Funktionäre, die sich jahrelang mit solchen Nichtigkeiten beschäftigen können, werden wohl nie aussterben. Ansonsten würde wohl auch zu deutlich auffallen das überhaupt nicht alle benötigt werden.

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  • Fuxi sagt:

    Manche Männer (inkl. dem schweizerischen Sabbersack) würden sich wohl dran erfreuen, wenn in einem Zweikampf inklusive Textilprobe (soll’s ja auch bei Frauen geben) der Rock hochrutscht und dann die Reißprobe am Textil darunter weitergeht – einschließlich freier Sicht auf nicht fußballrelevante Körperregionen. Ich wäre davon weniger begeistert. Das heißt jetzt nicht, dass ich diese Körperregionen nicht generell spannend finde, nur beim Fußball interessiert mich primär der Fußball, und wenn ich was anderes sehen will, seh ich Paris Hilton zu, wie sie aus einem Auto aussteigt… Beim Hockey geht das eher, da haben die Damen (und da sind es noch welche) ja im Kampf um die Kugel meist beide Hände am Knüppel.

    @Svenja
    Das mit dem Einteiler würde ich nicht zu laut sagen. Nachher gefällt dem Sabbersack die Idee ja doch noch unter dem Gesichtspunkt, was frau dann alles ausziehen muss, um zu jubeln…

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  • djane sagt:

    geht es beim Frauenfussball wirklich darum, charmante Kleidung zu tragen ? Ich dachte immer, dass ein sportlicher Wettkampf im Vordergrund steht. Und meine mich an ein FAZ-Interview mit Renate Lingor zu erinnern, die darin sagte, dass Röcke beim Tackling einfach unpraktisch seien. Nun sind die Aussagen unseres schweizer Frauenverstehers schon 4 Jahre alt, aber ich behaupte dennoch, dass es auch heute im Frauenfussball immer noch dringlichere Probleme gibt als die Diskussion über das adäquate Beinkleid.

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  • helena sagt:

    Eben, der Vorschlag Blatters ist 4 Jahre alt, und die Diskussionen der niederländischen Damen relativ frisch, sie haben es sich ja sogar erstritten – ergo liegt das „Problem“ wohl eher bei den Kickerinnen. Man sollte aus der Kleiderfrage doch keine Ideologie machen. Wenn eine Mannschaft sich FÜR Röcke (m.W. ja über Hosen…) entscheidet, warum nicht, wenn eine Mannschaft sich für Hosen entscheidet, warum nicht?
    Der Fußball wird nicht interessanter dadurch und solche Nebenkriegsschauplätze braucht man doch gar nicht… außer, um auch einmal in der Presse zu landen, was den Mädels meisterhaft gelungen ist – selbst in unserer FF-Niemandsland-Tageszeitung…

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  • Zeichnungen sagt:

    Dies ist doch nicht schlimm. Man kann so eine Art Hose-Rock tragen. Ich finde, es schaut sexy aus und wir sind ja schließlich auch keine Männer.

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  • Dr. Helmut Pichler sagt:

    Den zaghafte Versuch der holländischen Frauen, sich wenigstens beim Outfit im Frauenfußball sportlich zu emanzipieren, finde ich äußerst lobenswert. Nur: es dürfte nicht alleine bei anderer Spielkleidung bleiben. „Frauenfußball“ ist eine e i g e n e sportliche Disziplin, was noch viel zu oft übersehen wird. Das beginnt schon bei der Bezeichnung: zumindest in Österreich (auch in Deutschland, aber hier fehlt mir der große Überblick) ärgert mich vorweg die häufige Bezeichnung „Damenfußball“ in diversen Medien.
    Spielen „Damen“ Fußball???
    Das Pendant müsste dann heißen: „Herren-Fußball“, wer verwendet diese Bezeichnung?
    Der gravierende Unterschied Mann-Frau liegt in der körperlichen Konstitution:
    Jeder angehende Medizinstudent weiß, dass die unterschiedliche Skelett-Achse bei Mann und Frau in der Hebelwirkung der Beine eine geringere Kraftübertragung bedingt. Ebenso ist im Durchschnitt bei Männern mehr Muskelmasse vorhanden.
    Trägt der Trend im Frauenfußball diesen von der Natur vorgegebenen Unterschieden Rechnung? Kaum, weil versucht wird, dem Männer-Fußball nachzueifern. Dieser Versuch muss scheitern, siehe oben!
    Warum versucht „man“ und „frau“ nicht, „Frauenfußball“ als e i g e n e Sportart zu akzeptieren und zu positionieren zu und nicht tatenlos zuzusehen,
    wie der „Nachahmungstrieb“ Frauenfußball weiterhin in die Rolle einer Quasi- Kopie“ des Männerfußballs drängt.
    Die zunehmende Härte im Frauenfußball produziert alljährlich steigende Verletztenziffern, wobei möglicherweise eine „blaue Karte“ etwas Einhalt gebieten könnte.
    Ehrllcherweise muss ich aber auch zugeben, dass mich sogar Frauenfußballerinnen beschworen: ein Eintreten für eigene Regeln und als eigene Sportart drängt den „Frauenfußball“ noch mehr in die Isolation- ist das aber wirklich zu befürchten?

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  • Brandy sagt:

    Ja,ich stelle mir das auch „sehr charmant“ vor,wenn die Fußballfrauen bei einem Tackling fröhlich über über den Rasen rutschen und sich das Röckchen bis zum hals hochrollt. Es gibt wahrlich andere Sportarten, wo Röcke nicht so hinderlich sind.

    @zeichnungen: Wer definiert denn wie Frauen aussehen müssen ? Frauen müssen also Röcke tragen und damit man sie garantiert von den Männern unterscheiden kann, auch noch Lippenstift und Nagellack tragen ?

    @Dr. Pichler: Es ist mir etwas unklar, was das Tragen von Röcken beim Fußball mit Emanzipation zu tun hat ? Emanzipation bedeutet un Kurzform wohl nicht, Röcke zu tragen,sondern ursprünglich dafür,dass die Frauen gleiche Rechte wie Männer bekommen.
    Und das es heutzutage auch bei den Frauen mehr verletzte gibt,ist bestimmt kein Grund, den Männern nachzueifern,sondern Folge der steigenden Physis der Frauen, wer mit größerer Geschwindigkeit in die zweikämpfe geht als vor 10 Jahre entwickelt nun mal mehr Kraft. Ich besuche schon seit Jahren regelmäßig FF-Spiele und heute gibt es nicht mehr schlimme Fouls als früher und Spielerinnen,die andere Regeln wollen als die Männer, kenne ich auch nicht…

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  • Iris sagt:

    Auch ich kann nicht nachvollziehen, warum das Tragen von Röcken beim Fußball etwas mit Emanzipation zu tun haben soll. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass nicht jede Fußballerin innerlich den Wunsch hegt, mit Rock aufzulaufen.
    In einem Punkt muss ich Dr. Pichler zustimmen: Auch mich stört die Bezeichnung Damenfußball. Die inzwischen offizielle Bezeichnung Frauenfußball gefällt mir besser, am eigentlichen Problem ändert auch sie nichts. Warum ist eine solche Abgrenzung überhaupt nötig? In den Medien ist meist nicht von Frauen- und Männerfußball die Rede, sondern von Frauenfußball und Fußball. Und das obwohl es sich in beiden Fällen um ein und dieselbe Sportart handelt. Fußball eben, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht ist es mir bis jetzt nur noch nicht aufgefallen, aber es wird selten von Frauenhandball und Handball oder Frauentennis und Tennis gesprochen. Um nur zwei Beispiele anzuführen…
    Völlig lächerlich finde ich dann in diesem Zusammenhang auch den Ruf nach eigenen Regeln für den Frauenfußball. Unbestritten gibt es grundlegende anatomische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber ich sehe darin keinen Grund für Regelanpassungen. Die Regeln definieren das Grundgerüst einer Sportart. Innerhalb dieser kann sich dann ein eigener „Stil“ entwickeln. Oder eben auch nicht… Denn die Wettbewerbsidee steht ja beim Sport im Vordergrund und was gemacht wird entscheidet der Erfolg.
    Zum Schluss noch kurz zum eigentlichen Thema der Diskussion. Ich finde die Wahl der Kleidung sollte jeder Sportlerin und jedem Sportler selbst überlassen werden. Voraussetzung bleibt natürlich, dass sich kein Wettbewerbsvorteil ergibt und dass die Mannschaften klar unterschieden werden können. Bei den Alternativen Rock oder Hose im Fußball sehe ich dahingehend keine Probleme.

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  • Max Diderot sagt:

    Ist es nicht ein wenig trivial, unterscheiden zu wollen, ob nun der Begriff Frauen- oder Damenfußball treffender die Bemühungen von mindestens 22 Menschen beschreibt, die augenscheinlich zumeist ansehnlicher als das angeblich starke Geschlecht und biologisch mit einem zusätzlichen X-Chromosom ausgestattet sind? Sprache ist halt ein agiles Experimentierfeld. In Zeiten, wo sogenannte metrosexuelle Typen auch im Fußball anzutreffen sind, die Rede ist von David Beckham, muss natürlich auch daran erinnert werden, dass dem Begriff Dame in der britischen Titelhierarchie eine gewisse (kämpferische) Bedeutung zukommt. Und möglicherweise ist es ja auch so, dass unsere Nachfahren dereinst ganz andere Begriffe finden werden, für die kickenden Bemühungen weiblicher Fußballer. Alternativ stünde auch noch die teilweise in Österreich vorhandene Titelbezeichnung zur Verfügung, wonach eine Spielerin mit der Rang-oder Dienstbezeichnung ihres/ihrer Partners/Partnerin definiert wird. Na dann, küss die Hand, gnädige Frau/Dame.

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