Erste Obdachlosen-WM im Frauenfußball

Von am 9. September 2008 – 10.16 Uhr

Das Team aus KolumbienKamerun, Kolumbien, Elfenbeinküste, Kirgisistan, Uganda, Sambia, Liberia und Paraguay – das sind die acht Nationen, die vom 1. bis 7. Dezember 2008 an der zum ersten Mal ausgetragenen Obdachlosen-WM im Frauenfußball im australischen Melbourne teilnehmen werden.

Eine Chance für alle 80 Teilnehmerinnen, denn in der Vergangenheit hat sich das Turnier bei einigen der von Obdachlosigkeit Betroffenen bereits als Sprungbrett in eine bessere Zukunft erwiesen.

Mel Young, Gründer und Präsident der Obdachlosen-WM, erklärt: „Die Obdachlosen-WM hat bewiesen, dass der Sport eine außerordentliche Kraft besitzt, Leben und die Welt zu verändern.“

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Nach Angaben der Organisatoren hat sich in der Vergangenheit bei über 70 Prozent der Teilnehmer das Leben nach dem Turnier verbessert, wurden Drogen- und Alkoholprobleme überwunden, Wohnungen gefunden, und auch die Beziehungen zu den Familien haben sich verbessert. Darüber hinaus wurden einige Teilnehmer Trainer oder Spieler bei halbprofessionellen oder sogar professionellen Vereinen.

Chance auf eine besseres Leben
„Die Einführung einer Obdachlosen-WM für Frauen erweitert die Vorzüge des Sport für mehr und mehr Frauen auf der Welt“, so Young. „Wir wollen, dass dieser Wettbewerb wächst, sich nach und nach mehr Nationen beteiligen.“ Die obdachlosen Frauen sollen die Gelegenheit erhalten, ihr eigenes Leben zu verändern.

Bereits in der Vergangenheit hatten Frauen in gemischten Teams an früheren Turnieren teilgenommen, aufbauend auf den Erfolg erhalten die teilnehmenden Frauen jetzt ein eigenes Turnier. Ziel des Turniers ist darüber hinaus, die Probleme der Menschen, die auf der Straße leben, bekannt zu machen und zu helfen, dass Obdachlosigkeit und Armut auf der Welt gemindert werden.

Bei früheren Wettbewerben waren ungefähr zehn Prozent der Teilnehmer Frauen. Und bei einigen von ihnen wirbelte der Wettbewerb das Leben danach gehörig durcheinander. Michele da Silva etwa repräsentierte in Kopenhagen 2007 ihr Brasilien, wurde zur besten Fußballerin des Turniers ausgezeichnet und wurde anschließend in die brasilianische U21-Nationalmannschaft berufen.

Erfolgsgeschichten
Cheri spielte beim selben Turnier für Liberia und bekam nach dem Turnier ein Vierjahres-Stipendium für ein US-College. Katie Eyles nahm in Edinburgh 2005 für Australien teil. Für sie war das Turnier ebenfalls ein Wendepunkt. „Es haben damals nur ein paar Frauen teilgenommen, es ist schön, dass jetzt immer mehr Frauen mit von der Partie sind und Teil dieser aufregenden Erfahrung werden“, so Eyles.

Neben dem Fußballturnier steht für die Frauen auch ein Workshop auf dem Programm, der Themen wie Trainerausbildung und Entwicklung von Führungsqualitäten beinhaltet und den Teams die Gelegenheit gibt, ihre Projektideen vorzutragen.

Die beste wird mit 5.000 Euro von „Women Win“ ausgezeichnet. „So erhält eines der Teams die Gelegenheit, die Programm für Obdachlose durch den Sport in ihrer Gemeinschaft weiterzuentwickeln“, freut sich Astrid Aafjes, Geschäftsführerin von „Women Win“.

Verdreifachung der Teilnehmerzahl
Die Obdachlosen-WM ist eine Erfolgsgeschichte. „Sie wächst schnell und reist ist entlegende Ecken auf der ganzen Welt, um obdachlose Leute mit einzubeziehen. Wir verbessern das Herz und den Verstand der Menschen, außerdem leisten wir Pionierarbeit, um kreative Lösungen für dieses globale Problem zu bieten“, so Young.

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2003 hat sich die Teilnehmerzahl von 18 auf 56 mehr als verdreifacht. Das Turnier wird auch vom europäischen Fußball-Verband (UEFA) unterstützt, weil es den Fußball in den Mittelpunkt rückt, klar definierte Ziele hat und den Fußball als Mittel der Eingliederung nutzt. Wer das Projekt unterstützen will, kann den teilnehmenden Teams mit einer Spende unter die Arme greifen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.