Bayern Münchens Kampfansage an die Konkurrenz

Von am 7. September 2008 – 22.46 Uhr 1 Kommentar

Meister 1. FFC Frankfurt ist nach dem ersten Spieltag gleich wieder Tabellenführer und auch Vizemeister FCR 2001 Duisburg startete mit dem erwarteten Pflichtsieg. Doch für das fulminanteste Ausrufezeichen zum Saisonauftakt sorgte der FC Bayern München.

Beim 3:0-Auswärtssieg gegen Turbine Potsdam brachte man dem Gegner nicht nur die höchste Heimniederlage seit Dezember 2006 bei, die Art und Weise des Siegs deutete an, dass die Momentaufnahme das Zeug hat, eine der spannendsten Geschichten der Saison zu schreiben.

„Dass wir drei Punkte in Potsdam holen werden und dann gleich so, konnte ich nicht erwarten“, freute sich Bayern Münchens neuer Trainer Günther Wörle. Den 1.279 Zuschauern beim bestbesuchten Bundesliga-Spiel des Tages, darunter WM-OK-Chefin Steffi Jones, wurde rasch klar, welch ambitionierter Verein die Bundesliga in dieser Saison bereichern wird.

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Führung durch Aigner
Ballsicher, strukturiert und mit einem klaren System übernahmen die hellwachen Bayern von Beginn an das Kommando. Der toll heraus gespielte Treffer zum 1:0 von Nina Aigner mit einem Drehschuss aus 15 Metern nach Vorarbeit von Bianca Rech war der erste Paukenschlag des neu formierten Bayern-Orchesters. Gespielt waren gerade einmal zehn Minuten, die Ouvertüre war viel versprechend.

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Und im gleichen Takt ging es weiter: Stefanie Mirlach hatte nur Augenblicke später nach schöner Flanke von Neuzugang Melanie Behringer das 2:0 auf dem Kopf, doch ihr Ball landete in den Armen von Desirée Schumann, die auch bei einem Freistoß von Aigner auf der Hut war.

Plus im Mittelfeld
Julia Simic durfte neben Sylvie Banecki als Stürmerin ran – wie schon in einigen Spielen der U19-EM – und bedankte sich mit dem geschlenzten 2:0 auf Vorlage ihrer Sturmpartnerin nach 36 Minuten für das Vertrauen des Trainers.

Behringer und Trainer-Tochter Tanja Wörle hatten bereits im Training angedeutet, welche Gefahr von ihnen ausgehen würde. Und so kombinierten sie munter weiter, als hätten sie schon immer zusammen gespielt. Doch auch die anderen Mannschaftsteile griffen harmonisch ineinander.

Potsdam hatte seine besten Möglichkeiten durch Leni Larsen Kaurin, die nach Behringer-Fehler im Mittelfeld zu wenig aus einer aussichtsreichen Position machte, Bayern-Keeperin Ulrike Schmetz hielt kurz vor der Pause stark gegen Jessica Wich, nachdem sie einen Schuss von Anja Mittag zuvor nur abklatschen konnte.

Kerschowski trifft nur den Pfosten
Die Viererkette der Bayern ließ, angetrieben von der Schweizerin Sandra de Pol, an diesem Nachmittag aber nicht viel anbrennen und hatte auch das nötige Quäntchen Glück, wie etwa, als Isabell Kerschowski in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit und einer Drangperiode der Potsdamerinnen nur den Pfosten traf.

Doch die eiskalten Bayern schlugen noch einmal zu. Die 16-jährige Ivana Rudelic leistete bei ihrem Bundesligadebüt in Halbzeit zwei nach 68 Minuten die Vorarbeit zu Behringers gestochertem 3:0, die Team-Verantwortlichen durften sich bereits nach einer guten Stunde über die gelungene Einkaufspolitik und einen mehr als erfolgreichen Auftakt freuen. Zum ersten Mal im 17. Anlauf blieben die Bayern-Spielerinnen gegen Potsdam ohne Gegentreffer.

Perfekter Tag
„Das heutige Spiel, der heutige Tag, war einfach der Tag des FC Bayern. Das 3:0 ist verdient, wenngleich eine Idee zu hoch ausgefallen“, so Wörles Fazit. Die Handschrift des neuen Trainers und die Neuzugänge scheinen für das zu sorgen, was dem Team bis vor kurzem zu fehlen schien: Siegermentalität.

„Alle drei Neuzugänge überzeugten: Melanie Behringer und Tanja Wörle bestimmten im zentralen Mittelfeld. Ivana Rudelic arbeitete nach ihrer Einwechslung sehr gut und hatte mit der Vorbereitung zum 3:0 gleich ein Erfolgserlebnis.“

Am kommenden Wochenende gilt es, mit einem Sieg gegen die SG Essen-Schönebeck den Auftakterfolg zu untermauern. Doch unabhängig vom Ergebnis, verspricht diese neue Bayern-Elf schon jetzt, an den verbleibenden 21 Spieltagen noch für viel Freude und Kopfzerbrechen bei den Gegnern zu sorgen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Detlef sagt:

    Ich muß hier erst mal dem Münchner Euphorie-Jubel, einen gehörigen Dämpfer verpassen!!!
    Keine Frage, Bayern war die klar bessere Mannschaft, aber nur deswegen, weil TURBINE (mal wieder) einen klassischen Fehlstart hingelegt hat!!! Sie agierten ängstlich, ungeschickt und kopflos!!!
    Die Bayern-Ladies nutzten die Geschenke, die ihnen ein desolates TURBINE-Mittelfeld, und eine anfangs überforderte TURBINE-Abwehr überreicht haben, eiskalt aus!!! Sie beeindruckten mit ihrem energischen Vorchecking, vor allem die beiden Neulinge in Potsdams Abwehr!!! Schröder wurde für seinen (Über-)Mut, CAROLIN SCHUMSKI und MONIQUE BRAUN in die Startelf zu stecken, sehr schnell bestraft!!! Sie kamen mit der Schnelligkeit und der Zweikampfhärte von Aigner und Behringer kaum zurecht!!! Ein absolut desolates Mittelfeld, mit VIOLA ODEBRECHT, JENNY ZIETZ und LENI LARSEN KAURIN, verlor immer wieder die Bälle, und setzte somit die eigene Abwehr, immer wieder unter zusätzlichen Druck!!! Auch der TURBINE-Sturm, konnte selten für Entlastung sorgen!!! Aber die Gastgeber waren nicht völlig chancenlos!!! Der klare Endstand, täuscht eigentlich darüber hinweg, dass über die gesamte Spielzeit gesehen, eigentlich der Verlierer die spielbestimmende Mannschaft war!!! Aber selbst klarste Chancen (2xKAURIN, 1xWICH), vergaben sie leichtsinnig!!!
    Auch ANJA MITTAG mühte sich redlich!!! Sie war für mich noch die stärkste TURBINE am Sonntag!!! Aber auch ihr gelang kein Tor!!!
    Und als ISY dann den Ball an den Pfosten donnerte, war uns allen klar, heute schießt TURBINE kein Tor mehr!!! Der Kommentar von einem enttäuschten TURBINE-Fan neben mir; „Zum UNVERMÖGEN, kommt auch noch das PECH hinzu“, beschreibt eigentlich die Leistung der Schröder-Truppe recht anschaulich!!!
    Die Bayern-Ladies haben weisgott nicht geglänzt!!! Das mußten sie auch nicht, denn der Gegner war mit seinem eigenen Unvermögen so beschäftigt, dass einer cleveren Mannschaft wie Bayern München, früher oder später die Früchte des Erfolges zufallen mußten!!! Also sollte man in München lieber etwas auf die Euphorie-Bremse treten!!!
    Schröder meinte nach dem Spiel, dass sein Team nur 20% dessen gezeigt hat, was es wirklich kann!!! Das möchte ich aber etwas anzweifeln!!! Sie haben vielleicht 20% von der Leistung gebracht, die Frankfurt und Duisburg spielen kann, wenn sie einen guten Tag erwischen!!! Aber so weit ist TURBINE noch nicht!!! Es ist NATÜRLICH keine Frage, dass auch die TURBINEN viel besser spielen können, wenn, ja wenn sie sich endlich mal trauen würden!!! Ich befürchte aber, dass dieser schlechte Saisonauftakt noch lange nachwirken wird!!! Zumindest lehrt das die Erfahrung aus der Vergangenheit!!!

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