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Wie gut ist die Wundertüte Bayern München?

geschrieben von – 4. September 2008, 11:00 Uhr | 2.085 Leser1. Kommentar abgeben

Die Neuen beim FC Bayern MünchenEs ist noch gar nicht so lange her, da fristete die Frauenfußball-Abteilung des FC Bayern München ein eher beschauliches Dasein im Schatten der Profifußballer.

Unabhängig von der Platzierung gab es ein festes Budget, Titel erwartete von den Bayern-Damen niemand. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Mit der WM 2011 im eigenen Land vor Augen, der zunehmenden Professionalisierung und dem Einstieg neuer namhafter Vereine in den Frauenfußball ist der Ehrgeiz im Süden der Republik vor der am Samstag beginnenden neuen Bundesliga-Saison größer denn je.

Der neue Trainer Günther Wörle hat schnell zu spüren bekommen, dass beim FC Bayern München der Druck größer, das Anspruchsdenken höher ist als in der Provinz in Crailsheim.

Weltmeisterin Behringer, Top-Talent Rudelic
Der kräftig aufgerüstete, mit Bedacht verstärkte Bayern-Kader zeigt, wohin der Weg in den kommenden Jahren gehen soll. Top-Verpflichtung ist Weltmeisterin Melanie Behringer, die vom SC Freiburg an die Isar wechselte und sichtbarer Beleg für die wachsenden Begehrlichkeiten ist.

Hinzu kommen Trainer-Tochter Tanja Wörle, die bereits früher bei Bayern München aktiv war, aus dem Allgäu stieß die 16-jährige Ivana Rudelic vom TSV Tettnang zum Team. Die U17-Europameisterin ist eines der hoffnungsvollsten Nachwuchstalente im deutschen Frauenfußball.

Ein laut Wörle „sehr großer Kader mit sehr hoher Qualität“ kombiniert mit „hervorragenden Trainingsbedingungen“ in Aschheim sind die perfekte Grundlage. Doch viel Potenzial alleine ist noch kein Garant für den Erfolg, zumal die neuen Spielerinnen noch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen haben.

So sagt Wörle über Behringer: „Sie ist sehr verwurzelt in Ihre Heimat und hatte keine Sommerpause.“ Tochter Tanja muss erst sehen, wie sich eine anstrengende 40-Stunden-Arbeitswoche mit den Anforderungen des modernen Frauenfußballs in Einklang bringen lässt. Und Rudelic, die mit ihrer Schnelligkeit im Training ihre Teamkolleginnen in Staunen versetzte, soll behutsam aufgebaut werden. „Für mich ist hier die Herausforderung, die richtige Mischung aus Belastung und Auszeiten zu finden“, so Wörle.

Hohe Trainingsintensität
Von der Intensität der Saisonvorbereitung waren die Spielerinnen überrascht, das Trainingsvolumen ist höher als unter Vorgängerin Sissy Raith, gleich zu Beginn wurde mächtig Kondition gebolzt. Doch erst in den Pflichtspielen wird sich zeigen, „wo wir wirklich stehen.“

Nach Einschätzung der Konkurrenz stehen die Bayern-Damen in der neuen Saison hoch im Kurs. Denn viele Experten räumen dem Team sogar Titelchancen ein. „In der Bundesliga ist Platz drei das Ziel“, wollen Wörle und Bayerns Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner die Trauben nicht allzu hoch hängen und den Druck in Grenzen halten.

Wörle ergänzt: „Wir wollen noch näher an die Spitzenteams heranrücken. In Bundesliga, DFB-Pokal und beim Hallenpokal wollen wir eine wichtige Rolle spielen.“ Doch auch die anderen Bayern-Teams sollen dabei nicht vergessen werden. „Es wäre sehr schön, wenn die zweite Mannschaft um den Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd mitspielt.“

Qual der Wahl
Wörle wird im Rahmen seiner Trainertätigkeit mehr als bisher auch als Psychologe gefragt sein, denn so manche Stammspielerin der vergangenen Saison könnte sich aufgrund des Überangebots im Kader diesmal auf der Bank wiederfinden. Es gilt somit, auch die Bankdrückerinnen bei Laune zu halten, vor allem mit Einsätzen in der zweiten Mannschaft. Darüber hinaus müssen die Abgänge von Sonja Spieler und Christina Schellenberg kompensiert werden. „Beide waren sehr wichtige Spielerinnen.“

Mit der Unterstützung von Torwarttrainer Peter Kargus und Sportwissenschaftlerin Simone Schubert soll das Niveau weiter Schritt für Schritt angehoben werden, die Spielerinnen in Zukunft noch individuellere Trainingseinheiten absolvieren. „Das bedeutet zum Beispiel Zusatzeinheiten vor dem Training für kleine Gruppen.“ Einige Spielerinnen nutzen bereits die Möglichkeiten des Olympia-Stützpunktes.

In der vergangenen Saison wechselten sich Licht und Schatten regelmäßig ab, überraschte die Wundertüte Bayern München mit überzeugenden Siegen wie unerwarteten Niederlagen gleichermaßen. So gab es etwa starke Vorstellungen wie gegen Meister 1. FFC Frankfurt (3:2) und Turbine Potsdam (7:2), aber auch unerklärliche Niederlagen gegen Teams, gegen die man keine Punkte liegen lassen sollte, wie etwa das 2:4 nach 2:0-Führung gegen den SC Freiburg oder die 1:2-Niederlage bei Absteiger Wattenscheid 09.

Leistungsschwankungen vermeiden 
Stabilisierung der Leistung wird eine der Hauptaufgaben des neuen Trainers sein. Will man ganz vorne mitspielen, muss man auch einmal eine längere Siegesserie abliefern, konstanter die eigene Leistung abrufen und die eigenen Möglichkeiten ausreizen. Viel wird für die Bayern-Damen davon abhängen, wie gut man aus den Startblöcken kommt.

„Nach den Auswärtsspielen in Potsdam, Bad Neuenahr und Wolfsburg sowie den Heimspielen gegen Frankfurt und Essen werden wir eine erste Bilanz ziehen“, so Wörle. Dann wird man wohl schon einen ersten Fingerzeig bekommen, ob man im Süden gar vom Titel träumen darf. Oben mitspielen wird man auf alle Fälle.

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Markus Juchem

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