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Conny Pohlers: „Duisburg und München werden mit uns das Rennen machen“

Von am 3. September 2008 – 8.38 Uhr 6 Kommentare

Conny PohlersAm Samstag, 6. September, startet die Frauenfußball-Bundesliga mit dem Spiel SC 07 Bad Neuenahr gegen 1. FFC Frankfurt in ihre neue Saison. Doch der Triple-Sieger der Vorsaison muss zum Saisonauftakt ohne seine Topstürmerin Conny Pohlers auskommen, die wegen einer Knieverletzung drei Monate ausfallen wird.

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Im Interview mit Womensoccer.de spricht die 29-Jährige über ihre Motivation, die neue Bundesligasaison und ihre Zeit bei Olympia.

Frau Pohlers, Sie fehlen zum Bundesligaauftakt in Bad Neuenahr wegen einer Knieverletzung. Was ist genau passiert?

Beim Joggen sind plötzlich wieder Probleme im Knie aufgetreten. Die habe ich nun durch eine Arthroskopie beseitigen lassen. Ich werde in drei Monaten wieder spielen können.

Dürfen wir Sie trotzdem um einen Saisonausblick bitten?

Es wird auf jeden Fall richtig spannend. Letztes Jahr haben wir gesagt, wir wollen drei Titel holen. Jetzt stapele ich natürlich tiefer, denn ich denke, es wird schwer, dass wir das in dieser Saison wiederholen können. Dafür sind die anderen Mannschaften einfach nicht zu unterschätzen. Wir hatten letzte Saison einen richtigen Lauf, die Hänger zwischendurch taten gut, da sind wir zusammengerückt und haben gezeigt, was in uns steckt.

Wen gilt es denn, am meisten zu fürchten?

Ich denke, Duisburg und München werden mit uns das Rennen machen. Duisburg spielt aber das erste Jahr UEFA-Pokal, da ist die Doppelbelastung schon sehr hoch und es geht ganz schön auf die Knochen. Potsdam und Wolfsburg werden ebenfalls oben mitspielen, ansonsten lassen wir uns einfach überraschen.

Und die Aufsteiger werden es wieder schwer haben?

Meistens sind die Aufsteiger auch gleich wieder Absteiger, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Ich wünsche mir, dass Jena als zweiter Ostverein oben bleibt, das wäre etwas Gutes für den Osten.

Fällt die Motivation nach einem Triple-Gewinn nicht schwer?

Ich bin eine Person, die sich jedes Mal voll reinhängt, auch wenn es mal in der Saison nicht so laufen sollte. Die anderen Mannschaften haben so gut aufgerüstet und sich weiterentwickelt, soll der Bessere gewinnen. Ich bin ein Kämpfertyp, das habe ich im Blut, aber letztendlich habe ich nichts dagegen, wenn wir immer gewinnen (lacht).

Was muss man tun, um die Liga noch besser zu machen?

Ich spiele seit meinem 16. Lebensjahr Bundesliga und es war bisher immer so, dass drei oder vier Teams oben mitgespielt haben, das Mittelfeld und die Absteiger haben sich schnell herauskristallisiert, beispielsweise wie im vergangenen Jahr. Ich hätte gerne jedes Jahr, dass Meisterschaft und Abstieg spät entschieden werden, so war das z. B. in den USA.

Müssten die Großen den Kleinen nicht etwas unter die Arme greifen?

Das glaube ich nicht. Die Liga wird nicht so bleiben, es wird schon diese Saison anders werden. Andere Mannschaften, wie München, rüsten auf, sie haben jetzt eine Top-Mannschaft. Duisburg hat viele junge Spielerinnen, wir müssen schauen, wie sich diese und andere Mannschaften über die Saison hin präsentieren. Es wär doch schön, wenn jeder jedem Punkte „klauen“ könnte. Einige Mannschaften können nächste Saison den Titel holen und das ist doch auch gut so. Insgesamt muss sich die Liga noch mehr einbringen und versuchen, mehr TV-Präsenz zu erhalten.

Wie lautet Ihre persönliche Zielsetzung?

Ich will nach meiner Genesung da weitermachen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe. Es wird natürlich schwer, das zu toppen, denn da war ich in Klasseform, das habe ich der Mannschaft zu verdanken. Jetzt haben wir einen Umbruch im Team, einige haben aufgehört, neue sind dazu gekommen. Wir müssen erst mal schauen, wo wir jetzt stehen. Ich will wieder oben mitspielen, soweit wie möglich im DFB- und UEFA-Pokal kommen. Wenn andere gewinnen, dann ist es halt so, das ist der Sport.

Und in der Nationalmannschaft?

Ich weiß nicht, wie es weiter geht, aber für mich wäre es schon noch einmal ein Ziel, die EM 2009 zu spielen. Ich denke schon, dass ich stark genug bin, um im Kader mitzuhalten. Wenn ich wieder gesund bin und mein Knie schmerzfrei ist, werde ich auf jeden Fall versuchen, dies zu realisieren.

Sie haben nach Olympia also nicht das Gefühl, sowieso keine Chance zu haben?

Im ersten Spiel hatte ich eine Kniereizung, danach war ich fit und habe auch schmerzfrei trainieren können. Das Knie stellte für mich kein Problem dar, nicht spielen zu können. Natürlich hätte ich gerne mehr gespielt, wer spielt nicht gerne als Stürmerin? Ich habe es einfach schweren Herzens so hingenommen. Man muss jetzt erst noch einmal darüber nachdenken, was gelaufen ist. Nun werde ich erst einmal alles auf mich zukommen lassen und dann wird sich zeigen, inwieweit meine Leistung dann wieder stimmt, schließlich wird ja nach Leistung aufgestellt. Es war schön, dass trotzdem Leute an mich geglaubt haben, mir Zuspruch gaben und sich fragten, was da los sei…

Warum lief es insgesamt nicht so bei den Olympischen Spielen?

Wir haben auch während des Turnierverlaufs bereits versucht, intern Erklärungen für unsere Leistungen zu finden. Natürlich kann man dies nicht an einem Faktor fest machen, warum es nicht so lief, dafür gibt es sicher mehrere Gründe. Einer war, dass einfach auch andere Mannschaften stark gespielt und sich weiterentwickelt haben. Letztendlich haben wir sicherlich auch mit etwas Glück die Bronzemedaille geholt. Wir können rundum zufrieden sein mit dieser Medaille. Sicherlich kann man über den Turnierverlauf schon sagen, dass es nicht das Beste war, was wir abgeliefert haben, jedoch müssen wir an den Phasen anknüpfen, wo es im Turnier besser lief. Was man nicht vergessen darf, jedoch auch keine Entschuldigung darstellen soll, war der ständige Ortswechsel zwischen den einzelnen Spielen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • ViolA sagt:

    interessantes interview. vielen dank dafür.
    ich hoffe, dass conny die möglichkeit erhält bei der em im nächsten jahr zu spielen, wenn sie fit ist.

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  • Detlef sagt:

    DANKE für das Interview!!!
    Ihre Aussagen über Frankfurt, und die Stärke der Liga, kann sicherlich jeder nachvollziehen!!!
    Aber ihre Aussagen zu Olympia, dass war nicht die wahre CONNY!!!
    Das hat sie entweder auswendig gelernt, oder heimlich vom Zettel abgelesen!!! Offensichtlich glaubt sie wirklich noch dran, dass Neid sie wieder nominiert, und verhält sich deshalb so diplomatisch!!!
    SCHADE, SCHADE, dass sogar CONNY, diese Art von Duckmäusertum mitmacht!!! Hier hat mich CONNY doch ziemlich enttäuscht!!!
    Da hat Frau Neid ja erreicht, was sie immer wollte!!!

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  • thoddey sagt:

    „…und dann wird sich zeigen, inwieweit meine Leistung dann wieder stimmt, schließlich wird ja nach Leistung aufgestellt.“

    anscheinend hat sie das gesagt, aber ob sie das auch unterschreiben würde??
    Das Interview ist tatsächlich sehr diplomatisch gehalten. Vielleicht rechnet sie sich wirklich noch Chancen aus, wieder aufgestellt zu werden, anders könnte ich mir das sonst nicht erklären.

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  • manu sagt:

    leute was erwartet ihr denn? dass conny womöglich hier alles preis gibt und sie sich richtig über die neid auslässt? ich meine, es ist doch wohl klar dass sie noch in der natio spielen will, da wird es wohl nicht sehr hilfreich sein, über die neid zu lästern- nur weil ihr euch dann vielleicht bestätigt fühlt.

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  • Detlef sagt:

    @manu,
    ich hätte CONNY nicht für so blauäugig gehalten!!!
    Die Olympiade hat doch eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig sie für Frau Neid ist!!! Aber vielleicht kommt nun bei CONNY auch die Kämpferin durch, und sie denkt sich; „NUN ERST RECHT“!!!

    @thoddey,
    den letzten Teil von CONNYs Aussage, würde ich mal für bitterbösen SARKASMUS halten!!! Leider hat Markus in diesem Moment kein Foto von ihr gemacht!!! CONNYS Gesicht würde Bände erzählen!!!

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  • Manne sagt:

    Aber Leute, natürlich hat Conny hier versucht möglichst diplomatisch zu antworten.
    Wenn man genauer hinsieht, liest man ihre Meinung schon ein wenig zwischen den Zeilen heraus …. Gerade auch der Satz, den thoddey herausgestellt hat – Super, Conny, das war Sarkasmus vom feinsten!

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