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Übersteht das DFB-Bollwerk Brasiliens Angriffswirbel?

Von am 17. August 2008 – 16.25 Uhr 6 Kommentare

Zum zweiten Mal innerhalb von 12 Tagen trifft die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft am Montag (live ab 12 Uhr im Olympiaprogramm des ZDF und im Womensoccer-Liveblogging) auf Brasilien. Zum Auftakt des Turniers gab es für die DFB-Elf gegen Weltfußballerin Marta und ihre Teamkolleginnen ein torloses Remis, doch vor dem Halbfinale in Shanghai werden die Karten neu gemischt.

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So muss das Team von Bundestrainerin Silvia Neid auf Linda Bresonik verzichten, eine der besten deutschen Spielerinnen im bisherigen Turnierverlauf. Die Duisburgerin fällt mit einem Außenbandriss im linken Sprunggelenk für mehrere Wochen aus. Für sie wird Babett Peter die verantwortungsvolle Rolle in der linken Innenverteidigung übernehmen.

Peter hoch motiviert
„Ich will die Dinge umsetzen, die die Trainerin vorgibt“, so Peter, die im Spiel gegen Schweden ab der 71. Minute ihr Debüt bei einem großen internationalen Turnier gab. „Ich will, dass kein Qualitätsunterschied entsteht“, so die motivierte Spielerin von Turbine Potsdam.

Bei der WM im Vorjahr blieb die DFB-Elf sechs Spiele in Folge ohne Gegentreffer, und auch bei den Olympischen Spielen ist man seit vier Spielen mit der starken Torhüterin Nadine Angerer und viel Glück ohne Gegentreffer geblieben. Doch gegen die Brasilianerinnen dürfte im Halbfinale eine Prüfung der besonderen Art warten. Im ersten Duell machte Marta der deutschen Verteidigung mit ihrer Schnelligkeit bereits schwer zu schaffen, doch Angerer verhinderte mit ihren Paraden das Schlimmste.

Spielerische Steigerung notwendig
Durch die gesamte Elf wird noch einmal ein Ruck gehen müssen, denn ohne eine spielerische Steigerung dürfte es schwer werden, gegen die Brasilianerinnen zu bestehen, die sich im Laufe des Turniers immer besser in Form gespielt haben und zuletzt beim 2:1-Sieg gegen Norwegen im Viertelfinale überzeugten. Kerstin Garefrekes und Simone Laudehr, die Torschützinnen aus dem Spiel gegen Schweden, werden sich genauso steigern müssen wie Spielführerin Birgit Prinz, die im bisherigen Turnierverlauf zwar viel Arbeit leistete, in ihren Aktionen aber die frühere Effizienz vermissen lässt.

„Wir sind fit“, glaubt Prinz an einen Vorteil gegenüber den Brasilianerinnen. Große Überraschungen sind nicht zu erwarten. „Beide Mannschaft kennen sich inzwischen sehr gut und wissen, was die jeweils anderen Spielerinnen planen“, so Prinz.

Wo bleibt Pohlers?
„Wir müssen die Spielerinnen in Watte packen, damit niemandem mehr etwas passiert“, erklärt Neid, die erneut betonte, für so ein langes Turnier „viel zu wenig“ Spielerinnen im Kader zu haben. Doch Neid leistete sich bisher den Luxus, Topstürmerin Conny Pohlers auf der Bank schmoren zu lassen. Vielleicht kommt die Frankfurterin ja gegen Brasilien zu ihrem ersten Einsatz.

Sieben Tore haben die Brasilianerinnen im bisherigen Turnierverlauf erzielt, gegenüber vier auf deutscher Seite. Brasiliens Topspielerin Marta, die viel Lob für ihre bisherige Vorstellung erntete, verweist auf die Leistung des gesamten Teams. „Alle Stürmerinnen sind schussstark, ich tue einfach, was ich kann. Ohne die Unterstützung meiner Teamkolleginnen könnte ich keine Treffer erzielen.“

An Selbstvertrauen mangelt es den deutschen Spielerinnen trotz der bisher durchwachsenen Leistungen nicht. „Hinten standen wir bisher gut, so müssen wir das beibehalten und nach vorne können wir noch ein bisschen mehr machen“, meint Bayern Münchens Melanie Behringer. „Wenn wir das umsetzen, was wir uns vornehmen, dann denke ich, haben wir gute Chancen, um das Finale zu erreichen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Sloan sagt:

    Ich befürchte leider, es könnte zum dritten Mal wieder nur für die Bronze-Medaille reichen. Wenn man die bisherigen Leistungen zu Grunde legt, geht Deutschland eher als Außenseiter in die Partie und der Ausfall von Bresonik wird die deutsche Hintermannschaft wohl auch nicht gerade stärken. Aber vielleicht kann das WM-Finale 2007 ja als gutes Omen herhalten; auch damals galten die Brasilianerinnen als leichte Favoriten.

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  • thoddey sagt:

    Die taktische Umstellung mit Pohlers in der Startelf ist meiner Meinung nach mehr als überfällig. Warum geht man nicht das Risiko einer stürmerischen Neuordnung ein? Viel schlechter werden kann es nicht, also warum nicht ggf davon profitieren?

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Bronze war mein Tipp vor Olympia und ich bleibe dabei. Vielleicht brauchen wir sogar mal ne heftige Niederlage, damit es auch ankommt, das was daneben läuft…
    Gold wäre mir natürlich lieber.

    Der Schwimmcheftrainer sagte vorhin so schön: wahrscheinlich war das gute Abschneiden bei der EM das schlimmste, was dem DSV passieren konnte, sofort viel alles im alten Trott – warum was ändern?

    Es ist schlicht abträglich, wenn einige spielen können, was sie wollen und dennoch nominiert und aufgestellt werden, aber die Ergebnisse stimmen ja – naja…

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  • thoddey sagt:

    Im Grunde genommen ist es doch auch legitim, wenn die deutsche Mannschaft auch mal ein Spiel verliert, wenn man alles getan hat, um dies zu verhindern, aber wenn man immer den alten Trott beibehält muss man sich nicht wundern, wenn man irgendwann anderen Mannschaften hinterher hängt. Vielleicht kommt jetzt einfach mal eine Schwächeperiode, wenn sich langsam die altbewährten Kräfte verabschieden, um Platz für die Jüngeren zu machen, die natürlich noch nicht so aufeinander abgestimmt sind, aber zu sehr sollte man einige Spielerinnen doch nicht gewähren lassen, so blind kann Silvia Neid nicht sein, dass sie nicht gesehen hat, welche Schwächen einige Spielerinnen vor allem im Spiel gegen Schweden zeigten.
    Brasilien wird sich sicher nicht noch einmal mit einem unentschieden zufrieden geben und zu sehr sollte sich die Mannschaft auch nicht auf das Bollwerk in der Abwehr und im Tor verlassen.

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  • Steffen sagt:

    Deutschland wird garantiert nicht versuchen, auf 0:0 zu spielen. Das kann ja nur schief gehen. Wie kann man vor so einem wichtigem Spiel anfangen, seine eigenen Spieler schlecht zu reden. Die müssen angefeuert werden und bis auf die Haarspitzen motiviert in das Spiel gehen. Nach so einem Turnier kann man dann Platz für die Jüngeren schaffen, wenn die Spiele nicht so wichtig sind, und man sich einen Ausrutscher erlauben kann. Ich glaube nicht bzw. ich hoffe nicht, dass jemand hier dabei ist, der sich wünscht, dass nun Deutschland „endlich“ mal wieder ein Spiel verliert, nur damit sie dann bei der WM 2011 nicht in der „Vorrunde ausscheiden“. Das ist so ein Käse. Wer weiss schon, was in 3 Jahren ist. Da werden einige „alte“ nicht mehr dabei sein, und dann wird man sehen, das vieles doch nicht so schlecht war. Die meisten schreiben hier, das die Spieler schlecht, alt und nur durch „alte Seilschaften“ hier bei Olympia sind. Das ist absolut der falsche Zeitpunkt! Wenn Cristiane, Daniela und Marta nicht bei Brasilien spielen würden, wären die auch nur Durchschnitt. Das hat man ja bei den Spielen gegen die USA gesehen. Alle 3 Spiele haben sie ohne die 3 verloren. Die Brasilianerinnen machen es eigentlich genau richtig, sie bringen den Ball irgendwie nach vorne, oder Marta holt ihn sich selbst, wie man manchmal sieht, wenn sie mit Anlauf von der Mittellinie kommt, was noch gefährlicher ist, und dann nutzen sie ihr überdurchschnittliches Können am Ball aus, um eine gute Freistoßsituation für Daniela oder einen Pass in die Tiefe auf Cristiane oder Marta und vereinzelt Daniela zu spielen. Die Deutschen müssen genau da ansetzen, wo sie im WM Finale 2007 aufgehört haben, die 3 nach außen drücken, sie zum Flanken zu zwingen und dann die Körpergröße im Strafraum ausnutzen. Und dann den Ball schnell, aber nicht überhastet, auf das brasilianische Tor bringen. Wenn die 3 nicht wären, würde der Ballbesitz ganz anders verteilt sein, hat man ja bei den Amis gesehen, die haben die ganze Zeit gedrückt, und das würde morgen auch passieren, geht aber nicht, deswegen müssen wir uns eben auf die Angreiferinnen einstellen und deren Spiel und Freude am Spiel zerstören.

    Viel Glück für morgen, Mädels, ihr könnt sie noch einmal besiegen!

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  • Svenja sagt:

    Marta, Christiane und Daniela sind nun mal dabei, es sei denn jemand bricht ihnen vorher die Beine. Von daher ist es müßig darüber zu spekulieren was wäre, wenn sie nicht dabei wären. Genauso wie es müßig ist darüber zu spekulieren wie das Spiel verlaufen würde, wenn Conny Pohlers beispielsweise auf dem Platz stehen würde.
    Wir hoffen alle das Beste, schließlich stehen zwei Topmannschaften auf dem Platz, die beide das gleiche Ziel haben. Nur zu schade, dass ich das Spiel morgen nicht live sehen kann.

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