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Olympischer Frauenfußball: Wer zieht ins Viertelfinale ein?

Von am 12. August 2008 – 8.58 Uhr 3 Kommentare

Am dritten Spieltag des olympischen Frauenfußball-Turniers werden am Dienstag die Entscheidungen fallen, welche 8 der 12 Teams sich für das Viertelfinale qualifizieren werden. Deutschlands Chancen auf ein Weiterkommen stehen nach dem Remis gegen Brasilien und dem Sieg gegen Nigeria gut, doch im schlimmsten Fall droht noch das vorzeitige Aus. Doch auch andere Top-Teams müssen noch um den Verbleib im Turnier zittern.

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In Gruppe F benötigt Deutschland gegen die Nordkoreanerinnen ein Remis, um sicher einen Platz unter den letzten Acht zu ergattern. Doch dass die Asiatinnen ein ernst zu nehmender Gegner sind, bewiesen sie bei der WM im Vorjahr, als die DFB-Elf im Viertelfinale lange Mühe hatte, ehe der 3:0-Sieg unter Dach und Fach war. Auch gegen Brasilien hielten die Asiatinnen bei der 1:2-Niederlage gut mit, doch individuelle Fehler ließen das Team früh in Rückstand geraten, der Anschlusstreffer fiel erst spät in der Nachspielzeit.

Deutschland hat es selbst in der Hand – Brasilien will Gruppensieg
„Wir haben uns eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet“, so Bundestrainerin Silvia Neid. Vor allem hat es die DFB-Elf in eigener Hand, für klare Verhältnisse zu sorgen. „Doch das wird noch ein ganz harter Brocken gegen Nordkorea, da stehen uns noch einmal sehr, sehr intensive 90 Minuten bevor.“

Neid erklärt: „Gegen Nordkorea muss man in Bestbesetzung und in Topform antreten, alles andere wäre fahrlässig.“ Ein möglicher Fingerzeig, dass das Team auch beim dritten Turnierspiel in Folge in identischer Besetzung starten wird. Nordkorea will gegen die DFB-Elf besser organisiert als gegen Brasilien agieren. Doch die Asiatinnen haben nicht mehr den Vorteil wie im Vorjahr, als unbekannte Wundertüte aufzutreten.

„Die Erkenntnisse, die wir hier gesammelt haben, decken sich mit denen, die wir schon zuvor hatten“, so Neid über den Gegner. Deren Trainer Kim Pong II räumte Probleme im Training ein, man habe aber einen Plan. „Aber ein Spiel ist ein Spiel und wir werden sehen.“

Brasilien braucht gegen Nigeria auch zumindest einen Punkt, um die Viertelfinalteilnahme perfekt zu machen. „Wir müssen uns für ein weiteres schweres Spiel vorbereiten. Gegen Nigeria wollen wir besser spielen, die Spiele gegen Korea und Deutschland waren sehr schwierige Spiele. Unsere Priorität liegt darin, Gruppenerster zu werden“, so Brasiliens Trainer Jorge Barcellos.

Womensoccer-Prognose:

Nordkorea – Deutschland 0:1
Nigeria – Brasilien 0:1

Norwegen schon im Viertelfinale – USA brauchen Sieg gegen neuen Goliath
In Gruppe G hat sich Norwegen als bisher einziges Team im Turnier bereits die Viertelfinalteilnahme gesichert. Die Gruppengegner Japan, Neuseeland und USA haben aber ebenfalls alle noch Chancen, in die Runde der letzten Acht vorzustoßen. Die USA müssen gegen Neuseeland gewinnen, um alle rechnerischen Unwägbarkeiten auszuschließen, denn bei einem Remis droht, möglicherweise als schlechtester Gruppendritter auszuscheiden.

Japan hilft nur ein Sieg gegen Tabellenführer Norwegen, um weiter von der Medaille träumen zu dürfen, doch die Norwegerinnen wollen sich nicht schonen und Gruppensieger werden, um im Viertelfinale auf einen vermeintlich leichteren Gegner zu treffen. Die Japanerinnen sollten vor allem von Beginn an hellwach sein, denn alle drei norwegischen Treffer fielen in den ersten acht Minuten. „Trotz Norwegens Stärke glaube ich, dass wir etwas holen können“, so Japans Trainer Norio Sasaki zuversichtlich.

Nur ein Tor in zwei Spielen haben die USA geschossen, undenkbar vor Beginn der Spiele und der Verletzung von Abby Wambach. „Wir werden diese Chancen im Laufe des Turniers verwerten“, verspricht US-Mittelfeldspielerin Carli Lloyd. Doch der vermeintliche David Neuseeland hat nach dem Remis gegen Japan und der knappen Niederlage gegen Norwegen mit einer starken zweiten Halbzeit Blut geleckt.

„David gegen Goliath – das war einmal, aber nicht mehr heute“, sagt Neuseelands Trainer John Herdman. „Meine Spielerinnen fühlen sich momentan als Goliath“, so Herdman.

Womensoccer-Prognose:

Norwegen – Japan 0:1
USA – Neuseeland 2:0

Kanada will Trainer stolz machen – China gewarnt vor Argentinien
In Gruppe E kämpfen ebenfalls noch alle Teams um die Viertelfinalteilnahme, wenngleich die Chancen Argentiniens nur noch minimal sind. Als erstes kanadisches Team seit 1936 will Kanada bei den Olympischen Spielen eine Medaille in einem Teamsport holen. Die Spielerinnen wollen ihrem Trainer Even Pellerud darüber hinaus ein besonderes Abschiedsgeschenk bereiten. „Wir wollen, dass er stolz auf uns ist“, so Kara Lang.

Ein Remis reicht den Kanadierinnen, selbst eine Niederlage müsste nicht zwangsläufig das Aus bedeuten. „Wir wussten schon vorher, dass wir stark genug sind, das Viertelfinale zu erreichen“, so Pellerud. Gegen Schweden soll vor allem die Chancenverwertung besser klappen, die gegen China mangelhaft war.

Die Schweden müssen in diesem so wichtigen Spiel auf Josefine Ökvist verzichten, die Beschwerden im linken Oberschenkel zur Pause zwingen. Auch Torhüterin Hedvig Lindahl ist angeschlagen, doch trotz Knieproblemen wird sie spielen können. Trotz des 1:0-Sieges gegen Argentinien scheint die schwedische Bevölkerung ihrem Team nur noch wenig zuzutrauen. Fast 55 Prozent glauben in einer Umfrage der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ an ein Aus in der Vorrunde.

China will mit einem Sieg gegen Argentinien den Gruppensieg unter Dach und Fach bringen. Doch Argentinien bewies bei den knappen Niederlagen gegen Kanada (1:2) und Schweden (0:1), dass das Team große Fortschritte gemacht hat. „Wir wissen, dass es schwer wird“, so Chinas Trainer Shang Ruihua. „Wir haben letztes Jahr einige Testspiele gegen sie bestritten. Wir müssen aufpassen, sie haben in den ersten zwei Spielen bewiesen, dass sie nie aufgeben.“ Mit 90 Prozent dessen, was sein Team bisher geleistet habe, sei er zufrieden.

Doch Argentinien hat sich noch nicht aufgegeben. Auch wenn ein deutlicher Sieg gegen China erzielt werden muss, um noch eine theoretische Chance auf den Aufstieg ins Viertelfinale zu haben. „Wir müssen mehr Ballbesitz haben, ihre langen Bälle vermeiden und ihre Angriffe frühzeitig unterbinden“, so Argentiniens Trainer Carlos Borrello. Doch aufgeben gilt nicht: „Wir sind schon ganz heiß auf das Spiel. Unsere Chancen sind intakt.“

Womensoccer-Prognose:

China – Argentinien 1:1
Schweden – Kanada 1:2

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Naja, dann würden die Schwedinnen ja heute ausscheiden, sie mogeln sich ins Viertelfinale und dann kommt Nordkorea und die haben wir bei der WM 2-1 geschlagen. Glücklicher Einzug ins Halbfinale, aber dann ist Schluss.

    Josefine Öqvist unterzog sich einer Magnetröntgenuntersuchung. Ihr Turnier ist beendet. Thomas Dennerby und Lillie Persson haben Maria Aronsson (LdB Malmö FC) nachnominiert.

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  • Rainer sagt:

    Also Deutschland – Schweden am Freitag, auweia, da wirds mit den Loyalitäten schwierig…

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  • Max Diderot sagt:

    Rainer, hat die Schweden die Misanthropie erfasst? Gemeinhin doch als Phänomen der Deutschen angesehen. Schweden ist ja in einem Wettbewerb, in dem es jahrelang zur Weltspitze gehörte, nicht dabei. Ausgerechnet im (Männer-) Handball wurden sie vom kleinen Island in der Qualifikation eliminiert.

    Apropos Loyalität. Da die deutschen Damen bis jetzt bestenfalls bedingt und nur in kleinen zeitlichen Phasen zu überzeugen wussten, dürfte es doch für die Schwedinnen mehr als nur den kleinen Hoffnungsschimmer geben. Und es würde mich nicht wundern, wenn in den nächsten Tagen die schwedischen Medien verkündeten, dass der überwiegende Teil der Befragten vom Vorstoß Schwedens ins Halbfinale überzeugt sei. So entstünde eine Gemeinsamkeit, im schnellen Umschalten von Skepsis und Hoffnung, südlich und nördlich der Ostsee. Ganz abgesehen davon, dass die schwedische Aristokratie mit deutschen Blaublütern verbandelt ist.

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