Silvia Neid fordert Reform des olympischen Fußballturniers

Von am 11. August 2008 – 12.39 Uhr 4 Kommentare

Deutschlands Bundestrainerin Silvia Neid hat vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Nordkorea (Dienstag ab 11 Uhr) Änderungen für das olympische Frauenfußball-Turnier angeregt. So plädiert sie unter anderem für eine Entzerrung des Spielplans und eine Aufstockung der Kader.

Im Interview mit der hauseigenen DFB-Website erklärt sie: „Für die Zukunft würde ich es daher für sinnvoll halten, sich zu überlegen, wie man das ganze ein wenig entzerrt. Da wäre der eine oder andere Ruhetag mehr sicherlich hilfreich gewesen.“ Alternativ schlägt sie vor, die Kadergröße zu erweitern. „Mit einem 18-köpfigen Aufgebot ist man bei einem solchen Turnier doch eher dünn besetzt.“

Entzerrung eher unrealistisch
Wie sie sich eine Entzerrung des Turniers vorstellen könnte, sagt Neid aber nicht. Denn zusätzliche Ruhetage zwischen den Spielen würden sich nur auf zweierlei Wegen gewinnen lassen: Das olympische Frauenfußball-Turnier müsste noch früher beginnen, als dies bisher der Fall ist. Denn schon jetzt, wie auch in Athen vier Jahre zuvor, erfolgte der Auftakt in die olympischen Fußballturniere vor der offiziellen Eröffnung der Spiele, um den Spielerinnen und Spielern im eng gestrickten Olympia-Fahrplan etwas mehr Zeit zu gönnen. Doch dieser vorzeitige Olympiaauftakt ist eher eine Notlösung.

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Alternativ könnte eine Formatänderung den Spielplan entzerren. So könnte man anstatt in drei Vierergruppen in vier Dreiergruppen spielen, und jeweils ausschließlich die Gruppensieger und Gruppenzweiten ins Viertelfinale aufsteigen lassen. Dadurch würde jede Mannschaft ein Gruppenspiel weniger zu bestreiten haben. Doch ist diese Variante wirklich sinnvoll und attraktiv? Zumal auf mittlere Sicht wohl eher mit einer weiteren Aufstockung des Teilnehmerfelds zu rechnen sein wird.

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Sind die Kader zu klein?
Obwohl Neid davon spricht, dass man mit einem 18er-Kader „eher dünn besetzt“ ist, schickte sie trotz Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit zweimal dieselbe Anfangsformation ins Rennen. Und auch im dritten Gruppenspiel wird es wohl kaum große Änderungen geben. Neid räumt sogar selber ein, dass die Spielerinnen keine Verschnaufpause nötig hätten.

„Ich habe diesbezüglich bis jetzt keine Signale von Spielerinnen oder unserer medizinischen Abteilung erhalten. Wir wussten ja, was auf uns zukommt. Entsprechend haben wir uns vorbereitet und entsprechend haben wir das Trainingsprogramm hier zwischen den Spielen heruntergefahren.“ Und nicht immer werden die Spiele an Ort stattfinden, wo derart extreme klimatische Bedingungen herrschen.

2012 in London sollte sich die Problematik jedenfalls nicht stellen. Kandidaten für 2016 sind Chicago, Rio de Janeiro, Madrid und Tokio. Wäre es nicht vielmehr generell sinnvoll, die Spiele nicht im Hochsommermonat August auszutragen? Athen und Peking lieferten zumindest genügend Argumente dafür.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Es soll sich um eine Maßgabe des IOC handeln, dass die Spiele im Monat August und nicht später im Jahr veranstaltet werden. Das chinesische OK wollte nämlich ursprünglich, eingedenk des im August in Běijīng herrschenden Smogs, die Veranstaltung einen Monat später organisieren.

    Wie ist eigentlich die personelle therapeutisch-medizinische Ausstattung des DFB-Teams. De luxe, wie bei den Herren, oder eher nach der (Kranken-) Kasse ihres Vertrauens. Haben die Damen auch seelisch-motivatorische Unterstützung oder hat der DFB-Schatzmeister ferndiagnostisch dieses versagt?

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  • Max Diderot sagt:

    Präsentiertes Halbwissen oder Wikipedia sei Dank!

    Peking = Beijing = Nördliche Hauptstadt
    Nanking = Nanjing = Südliche Hauptstadt

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  • jule sagt:

    es ist olympia…die fußballer haben doch schon 2 tage pause…einzelsportler habens nicht…wenn überhaupt haben die mal einen tag und sind jeden tag auf sich allein gestellt?

    es wird wohl auch kaum eine spielerin auf sie zukommen mit den worten „ey silv ich kann nicht mehr nimm mich mal aus der startformation…“

    und ich glaub das august der einzige monat ist der halbwegs in den sportkalender passt. betrifft ja nicht nur den fifa kalender.

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  • helena sagt:

    Mit den klimatischen Bedingungen muß nun wirklich jede/r umgehen, nicht nur Fußballer, da kann ich Jule nur zustimmen, dass die Fußballer es da eigentlich gut haben. 240km auf dem Rad sind auch nicht witzig und bedarf mit Sicherheit weit größere motivatorische Unterstützung als 90 Minuten Fußball spielen, wo man sich doch hin und wieder mal eine Auszeit nehmen kann… (oder Triathlon, Marathon, Leichtathletik etc.pp. – auch die Hockeyspieler spielen draußen und sind noch weniger Leute, selbst wenn ein Spiel nur 60 Minuten dauert).
    Frau Neid klagt ein wenig zu viel auf hohem Niveau! Man kann sich seinen Kredit, den man sich hart erkämpft hat, auch durch solche Äußerungen zerstören. Natürlich sind solche Bedingungen extrem (hart), aber eben für alle. Entweder man entscheidet sich für ein Turnier unter den gegebenen Umständen und zu den klimatischen Bedingungen die vorherrschen oder eben dagegen. Es zwingt niemand die deutsche Natio nach Peking. Und sollte man tatsächlich das Turnier als solches verschieben, etwa in den September: da höre ich schon das Schreien der (internationalen) Vereine, die ihre Spieler mitten in der Saison abstellen sollen…

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