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DFB-Elf: Tief durchatmen, bitte!

Von am 9. August 2008 – 18.09 Uhr 16 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft wackelte, fiel aber nicht. Durch den schwer erarbeiteten, am Ende aber verdienten 1:0 (0:0)-Sieg gegen Nigeria hat die DFB-Elf mit nun vier Punkten auf dem Konto gute Chancen, das Viertelfinale der Olympischen Spiele zu erreichen.

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Denn im abschließenden Gruppenspiel gegen Nordkorea reicht am Dienstag (11 Uhr) nun bereits ein Remis zum sicheren Weiterkommen. Doch mit Ruhm bekleckerte sich das Team von Bundestrainerin Silvia Neid gegen den Afrika-Meister eine gute Stunde lang nicht. 

Erst die Einwechslung von Anja Mittag und der erst achte Länderspieltreffer von Abwehrspielerin Kerstin Stegemann sorgten für die Wende.

Durchwachsene erste Halbzeit
„Wir haben es uns unnötig schwer gemacht“, bilanzierte Neid nach der Partie. Vor allem in der ersten Halbzeit tat sich das Team vor 19.266 Zuschauern schwer, ein präzises Kombinationsspiel aufzuziehen. „Das war ganz unangenehm, wir mussten über den Kampf ins Spiel finden.“ Bei erneut heißen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit sorgte jeder der zahlreichen Fehlpässe für zusätzliche Belastung. „In der zweiten Halbzeit waren wir viel effektiver im Spiel nach vorn.“

Die DFB-Elf, in identischer Startformation wie gegen Brasilien ins Spiel gegangen, erarbeitete sich in den ersten 45 Minuten gegen die kompakten und kampfstarken sowie auf zwei Positionen veränderten Westafrikanerinnen nur zwei Chancen. Birgit Prinz setzte nach einer halben Stunde einen 20-Meter-Schuss über das Tor, die blasse Simone Laudehr scheiterte mit einem Kopfball.

Glück für DFB-Team
Kurz vor der Pause musste Nadine Angerer Kopf und Kragen riskieren, nachdem Nigerias Stürmerin Cynthia Uwak erst die schwache Ariane Hingst vernaschte, danach Linda Bresonik umkurvte und gefährlich vor der deutschen Torhüterin auftauchte.

Deutschland kam mit mehr Schwung aus der Kabine, nach nicht einmal einer halben Minute hätte Prinz fast eine Hereingabe von Melanie Behringer verwertet. Doch Nigeria blieb weiter am Drücker, Annike Krahn leistete sich den zweiten Querschläger im zweiten Spiel und hatte Glück, dass die Aktion wegen einer Abseitsstellung abgepfiffen wurde (52.).

Angerer rettet zweimal
Wenige Minuten später brannte es lichterloh im deutschen Strafraum. Hingst musste nach schlechtem Stellungsspiel wieder einmal Sarah Michael ziehen lassen, die alleine auf Angerer zusteuerte. Doch die blieb wie schon in der 1:1-Situation gegen Marta im Auftaktspiel cool, wartete lange und konnte den Schuss abwehren. Auch den Nachschuss von Perpetua Nkwocha parierte sie glänzend.

Neid musste reagieren und brachte die frische Anja Mittag ins Spiel, um gegen die ihrem hohem Tempo nun langsam Tribut zollende Nigerianerinnen für mehr Schwung zu sorgen. Die Rechnung ging bereits nach zwei Minuten auf, als Mittag Nigerias Spielführerin Christie George am linken Flügel stehen ließ, eine scharfe Flanke hinter die Viererkette spielte, Stegemann im Rücken von Ifeanyi Chiejine entwischte und den Ball mit ihrem erst achten Tor im 182. Länderspiel ins Netz drückte und damit ihre gute Leistung krönte (65.).

Stegemann: „Wichtiges Tor“
„Es ist egal, wer das Tor macht, aber das war ein wichtiges. Wir haben heute alle gekämpft und geackert und glücklich 1:0 gewonnen“, so Stegemann. Vor allem die verbesserte Laufarbeit machte sie für den Sieg verantwortlich. „Dadurch konnten wir auch unser Spiel nach der Führung etwas beruhigen.“

Die DFB-Elf hatte nun Oberwasser, verpasste es aber in der Folge, für die Entscheidung zu sorgen. So scheiterte Mittag in der Folge zweimal an der glänzend reagierenden Torhüterin Precious Dede (72. und 81.), Krahn (76.), Da Mbabi (77.) und auch eine offensiv verbesserte Lingor in der Nachspielzeit versäumten die Chance, das Ergebnis deutlicher zu gestalten.

Pluspunkte für Mittag
Der Bundestrainerin stand die Erleichterung nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben. „Der Sieg ist in dieser Höhe verdient, Anja Mittag hat das Spiel belebt. Ich bin froh, dass wir drei Punkte geholt haben und insgesamt vier haben.“

Auf Rechenspielchen, um im Viertelfinale möglicherweise Gold-Favorit USA aus dem Weg zu gehen, will sie sich nicht einlassen. „Wir müssen einfach schauen, dass wir weiterhin im Spiel bleiben, dass wir uns nach vorne verbessern und mehr Präzision rein bekommen.“

Schwache Innenverteidigung
Bis zur K.-o.-Runde gilt es, noch einige Baustellen zu schließen. Die Innenverteidigung um Ariane Hingst und Annike Krahn erwischte einen ganz schwachen Tag mit Stellungsfehlern, Unsicherheiten und Ballverlusten, man wird sich nicht immer auf Weltklasseleistungen von Angerer verlassen können.

Und auch im Mittelfeld ist noch deutlich Luft nach oben. Zwar deutete Lingor in den zweiten 45 Minuten an, dass ihre Formkurve nach oben zeigt, doch vor allem Simone Laudehr und Kerstin Garefrekes konnten bisher nicht ihr volles Leistungsvermögen abrufen.

Im abschließenden Gruppenspiel am Dienstag gilt es, die Feinarbeit ins Blickfeld zu rücken, um für das Viertelfinale gerüstet zu sein, in dem bereits Gegner wie die USA oder Norwegen warten könnten.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

16 Kommentare »

  • Sloan sagt:

    Das zwanghafte Festhalten Neids an Smisek ist mir mittlerweile relativ unverständlich. Smiseks quasi Stammplatzgarantie wurde ja über lange Zeit mit ihrer effektiven mannschaftsdienlichen Spielweise und ihrem guten Zusammenspielt mit Prinz gerechtfertigt. Aber davon ist nun wirklich gar nichts zu sehen – von Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor mal ganz zu schweigen.

    Für mich wäre das letzte Gruppenspiel gegen Nordkorea, in dem man sich durchaus auch ein Unentschieden erlauben kann, der richtige Zeitpunkt, um endlich mal eine andere Anfangsformation im Angriff zu testen. Mittag hat sich heute ihren Einsatz mehr als verdient. Und weshalb Pohlers trotz angeblicher Einsatzfähigkeit offenbar noch nicht mal dritte Stürmerin ist, ist für mich noch weniger nachzuvollziehen.

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  • Max Diderot sagt:

    Was mich zunehmend stutzig macht am deutschen Spiel sind die nicht vorhandenen Variationen. Zumindest meine ich keine taktischen Alternativen entdeckt zu haben. Die strategische Ausrichtung erscheint eher tumb. Irgendwie passen Frau Neids nostalgische Satzbausteine, „… wir mussten über den Kampf ins Spiel finden.“, in dieses anämisch wirkende (Nicht-) Konzept. Die sprachliche Plattitüde, mit breiter Brust ins Turnier zu gehen, steht dem sicher nicht nach und ich verwende sie etwas polemisch und auch nur, weil ich mir augenblicklich noch nicht so recht vorstellen kann oder will, dass die amtierenden Welt- und Europameisterinnen entgegen ihrer vorherigen verbalen Stärke-Akklamation, Ziel sei der Gewinn der Goldmedaille, in der VR China als fußballerische Baustelle auftreten.

    Frau Neids Ansatz, auf die vielen, größtenteils aus der Unbedrängnis heraus entstandenen, Fehlpässe hinzuweisen, ist ja richtig. Aber dieser Umstand ist doch genauso alt wie dessen Hinweis. Weshalb lassen sich die Stürmerinnen und der offensive Mittelfeldpart nicht einmal zurückfallen, den möglichen Pässen entgegen kommend, und einen Stück-für-Stück-Aufbau anstreben. Weshalb sind die defensiven Spielerinnen bestrebt, den Ball möglichst weit vom Tor wegzuhauen, nicht in der Gewissheit dafür aber in der Hoffnung, die eigene Mitspielerin möge die Empfängerin der Sendung sein. Dass es oftmals anders kommt als angedacht mag auch ein Grund für die hyperaktiv anmutenden Bestrebungen der deutschen Verteidigerinnen sein.

    Souveränität und fußballerische Anmut schauen anders aus als das, was die DFB-Damen bis dato bei den Olympischen Spielen vollbrachten. Es mag ja sein, dass es auch noch zu einer Art Leistungsexplosion bei unseren Fußballerinnen kommt. Meine diesbezüglichen Hoffnungen sind eher gering. Eine gewisse Parallele zu den Männern in der Ära Völler will mir nicht aus dem Sinn. Diese zeichneten sich auch durch Behäbigkeit und Rumpelfußball aus, Begeisterung und technische Finessen waren eher nicht deren Ding; und zum Schluss kreiste dann das Unisono-Mantra, was wollt ihr denn, wir sind doch erfolgreich, durch Raum und Zeit.

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  • Marcel sagt:

    Ich weiss nicht Max aber ich glaub du siehst ein bisschen zu schwarz das sie es können haben sie ja in den letzten 20 Minuten gezeigt und da war auch Kombinationsfussball zu sehen.Und es ist ja nichts neues das unsere Mannschaft etwas braucht um ins Turnier zu finden und da ist sie übrigens auch nicht die einzige Mannschaft wie die anderen Ergebnisse zeigen.Also gleich den Teufel an die Wand malen und von Rumpelfussball zu sprechen davon find ich sind wir noch weit entfernt.

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  • Max Diderot sagt:

    Marcel, ich würde es mir ja auch wünschen, dass die DFB-Damen demnächst wieder eine gewisse Klasse zeigen. Dabei geht es mir nicht primär um den Rang. Frauenfußball ruft in einigen Regionen ein zunehmendes Interesse hervor. Begründet ist dies auch dadurch, dass andere Teams wettbewerbsfähiger geworden sind. Nun müssten oder sollten die deutschen Damen quasi die nächste Innovationsstufe zünden. Im Wesentlichen wäre dies der technisch-taktische Bereich. Mit technisch meine ich auch diese stellenweise Unzulänglichkeit, die einige deutsche Spielerinnen zu besitzen scheinen, um den Ball gut positioniert anzunehmen und ihn in möglichst offensiver Ausrichtung weiter zu passen.

    Ich war im Juli im Sportpark in Unterhaching und sah mir das Länderspiel gegen die Engländerinnen an. In gewisser Weise war ich erschrocken. Was mir bis dahin die (Hochglanz-) Bilder des Fernsehens boten kam mir bei diesem Match wie eine Fata Morgana vor. Ich sah deutsche Spielerinnen, die merklich Schwierigkeiten hatten, Körper und Ball in Einklang zu bringen. Nach meiner nicht-maßgeblichen Einschätzung vermochten es sogar die Engländerinnen besser, sich technisch mit dem Spielgerät auseinanderzusetzen. Nur die Wucht, die Kraft des deutschen Spiels sowie, das scheint ein Virus auf der Insel zu sein, ein Fehler ihrer Torhüterin waren, aus meiner Sicht, für den Erfolg der DFB-Damen ausschlaggebend.

    Ich will damit nicht sagen, schickt unsere Nationalmannschaft sonstwo hin und gestaltet einen Neuaufbau. Das will ich nicht. Aber selbst einigermaßen ansprechende 20 Minuten, in den jeweiligen Spielen gegen Brasilien und Nigeria, lassen mich nicht davon abbringen, dass ich glaube, dass wir augenblicklich bestenfalls eine mediokere deutsche Auswahl sehen. Vielleicht ist das ja tatsächlich nur ein mentales Problem – glaube ich nicht. Während hier und anderswo über diesen Aspekt diskutiert wird, entwickeln sich möglicherweise andere nationale Teams, die erkannt haben, dass Kraft und Ausdauer Grundlagen des Fußballspiels sind, aber die Verbesserung von Technik und Taktik mindestens genauso notwendig sind.

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  • Marcel sagt:

    Manchmal Max muss ich mich fragen ob du zum erstenmal ein Spiel von der DFB-Mannschaft gesehen hast und daran dein Urteil fällst.Fakt ist das die DFB-Mädels Probleme haben Fakt ist aber auch das sie nicht vor all zur langer Zeit eine WM gewonnen haben und das bestimmt nicht nur wegen Kraft und Ausdauer sondern genauso wegen den anderen Aspekten wo du dieser Mannschaft absprechen willst.Nur weils mal nicht so läuft wie es sollte wieder alles in Frage zu stellen find ich für falsch und wie gesagt gab es in den beiden Spielen Phasen wo sie gezeigt haben was sie drauf haben und ich bezweifle das blosser Zufall gewesen sein soll.

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  • Spocky sagt:

    @ Max
    Hallo lieber Max,
    ich bin eigentlich ein sehr sehr kritischer „Fan“ unserer DFB-Mädels … Aber nach dem zweiten Spiel alles in Frage zu stellen, das finde ich ein wenig übertrieben! Klar haben wir dank Natze Angerer bis jetzt 4 Punkte auf unserem Konto – und ich bin mit den Leistungen auch nicht einverstanden; aber ich hatte auch schon vor dem ersten Spiel vermutet, dass es sehr sehr schwer wird, die Vorrunde zu überstehen …!
    Auch bei der WM 2007 in China (ich war bis zum Halbfinale live vor Ort) hatte ich die deutschen Mädels sehr kritisch betrachtet und nicht an den Sieg geglaubt = das Ergebnis kennen wir ja …!!
    Also lieber Max = Kritik ist ok = aber man sollte nicht alles so „schwarz“ sehen = und ich hoffe erst einmal dass die Mädels das Viertelfinale erreichen und die Hoffnung, dass die Mannschaft sich noch spielerisch steigert, die werde ich nicht aufgeben …!

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  • Max Diderot sagt:

    Marcel, Deine Vermutung ist korrekt. Ich sah erstmalig ein Spiel der DFB-Damen live und vor Ort. Der Anstoß für diesen Besuch kam auch eher von meinen Töchtern (nicht mehr ganz klein und noch nicht ganz groß) und ihren Freundinnen, die teilweise selbst Fußball spielen. Grundsätzlich bin ich auch nicht abgeneigt, so sie es wollen und der Zeitrahmen passt, zukünftig mehr Spiele der diversen Frauenligen in unserer Region anschauen zu wollen.

    Mein Anliegen ist es, eine möglichst konstruktive Kritik üben zu wollen. Und worauf ich hinweisen will, ist der Umstand, dass ich meine, augenblicklich so etwas wie eine Zäsur im internationalen Frauenfußball zu erleben. Die Mannschaften werden athletischer, taktisch und technisch besser. Der Vorsprung einiger, bis dahin tonangebender, Nationen schmilzt. Diese Entwicklung war absehbar und ist das Beste, was dem Frauenfußball passieren und voranbringen kann.

    Wenn Frau Neid, wie jüngst, davon spricht, über den Kampf den Weg ins Spiel gefunden zu haben, dann halte ich diese Aussage für antiquiert und kontraproduktiv. Diese inhaltsleere Floskel kaschiert doch nur den Hinweis, dass die DFB-Frauschaft nicht in der Lage war, taktisch und spielerisch den Konkurrentinnen ihren Rhythmus entgegenzusetzen. Dabei bin ich mir selbstredend bewusst, dass es bei stärker werdenden Gegnern nicht selbstverständlich sein kann, souverän das komplette Match zu dominieren.

    Ich will ja gar nicht in Abrede stellen, dass die beiden Olympia-Partien der deutschen Damen auch lichte Momente besaßen. Augenblicke, in denen guter Fußball gespielt wurde. Immer dann, wenn die gegnerische Elf etwas kürzer trat, konnten die deutschen Damen agieren. Forcierte die Konkurrenz ihre offensiven Bemühungen, frug ich mich, ob den DFB-Frauen ein Begriff wie Stressresistenz bekannt ist. Mir schien dies nicht der Fall zu sein.

    In einigen Beiträgen wies ich darauf hin, dass einiges in der deutschen Trainingslehre verbesserungsbedürftig erscheint. Den Bedarf sehe ich auch im hiesigen Frauenfußball. Darauf haben viele andere und weit kompetentere Personen ebenfalls hingewiesen. Umso unverständlicher ist mir, gerade nach einer relativ langen Vorbereitungsphase, weshalb momentan nur fußballerische Diätkost geboten wird. Mir geht es nicht vorrangig um das Ergebnis. Ich würde Frauenfußball gerne als taktisch und technisch versiert, spielerisch und athletisch anmutig erleben. Man(n) darf doch noch träumen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Max, ich sehe auch derzeit eine Zäsur im Frauenfußball, aber an anderer Stelle als Du. Dass die Lücke zwischen den Teams immer kleiner wird, ist eine logische Folge der verstärkten Bemühungen, die im Frauenfußball in vielen Ländern inzwischen unternommen werden. Alle Aspekte verbessern sich, und das in noch deutlich schnellerem Tempo, als dies im vergangenen Jahrzehnt der Fall war.

    Die Verbissenheit im Spiel nimmt zu, die Zweikämpfe werden härter, es wird gekämpft mit Haken und Ösen, die Spiele sind enger, und es gibt einen deutlichen Trend zu weniger Toren als bei vergangenen Olympischen Spielen. Vom Frauenfußball, wie er in der Vergangenheit geprägt war, können wir uns wohl getrost verabschieden, ob uns das gefällt oder nicht. Die frühere US-Nationaltrainerin April Heinrichs hat vor dieser Entwicklung bereits vor einigen Jahren gewarnt.

    Im gleichen Maße, wie sich der Fußball weiterentwickelt, wachsen Konkurrenzkampf, Druck und Erwartungshaltung. Wer gesehen hat, wie erleichtert Ralf Peter im Frühling überhaupt schon war, mit seinem Team die 2. Qualifikationsrunde der U17-EM überstanden zu haben, und wie fassungslos Maren Meinert für einige Minuten auf die Niederlage im Halbfinale der U19-EM reagierte, sieht, wie groß der Druck ist, der heute bereits auf den deutschen Frauenfußballtrainerinnen und – trainer in den Juniorenmannschaften lastet.

    Dieser Erfolgsdruck führt dazu, dass das Spiel eher pragmatisch zweckmäßig, als verspielt, kreativ oder überraschend anzuschauen ist. Es ist kein Zufall, dass die DFB-Elf bisher zweimal in identischer Formation angetreten ist, wie im WM-Finale ein Jahr vorher. Man setzt auf Bewährtes, die Risikofreude nimmt ab. Ich würde das Spiel der deutschen Mannschaft anders als Du aber nicht als „fußballerische Diätkost“ bezeichnen, sondern die Spielweise eher als ergebnisorientiert.

    Will ein Team Olympiasieger werden, muss es innerhalb von 15 Tagen sechs Spiele auf hohem Niveau bestreiten, bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Es gilt hier auch, seine Energien mit Augenmaß einzusetzen. Das war sicherlich auch die Lehre, die man aus dem Spiel gegen Brasilien gezogen hat. Man kann nicht sechs Spiele über 90 Minuten mit höchstem Tempo spielen, man muss mit den Kräften haushalten.

    Ich bin mir sicher, dass sich die DFB-Elf in der K.-o.-Runde steigern wird und auch auf den Punkt, wenn nötig, das Tempo noch anziehen kann. Ob es am Ende zu einer Medaille reichen wird, wird aber auch von etwas Glück und der Tagesform abhängen. Aber auch andere Spitzenteams im Turnier sind nicht grundsätzlich besser, auf sie trifft dasselbe zu.

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  • oliist sagt:

    ^ Aber Wetlmeister sind wir doch schon.
    Ich will lieber Olympiasieger werden.
    Huch.Déjà-vu. 😉

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  • oliist sagt:

    Upps.
    WeLTmeister natürlich. 🙂

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  • Markus Juchem sagt:

    Mönsch, Du passt ja auf wie ein Schlosshund. Wenn ich mal einen Schlussredakteur brauche, weiß ich ja jetzt, wo ich anrufen kann. 🙂

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  • oliist sagt:

    Wenn da nicht meine offensichtliche Rechtschreibschwäche wäre… 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    Dafür stellen wir dann einen oliist-Korrektor ein. 😉

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  • oliist sagt:

    Also jemanden mit leicht masochistischen Anlagen als Mindestvoraussetzung. 😉
    Btw.
    Eine Editierfunktion würde mich auch schon ein wenig sorgenfreier werden lassen. 🙂

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  • Max Diderot sagt:

    Markus, selbst ein Ausscheiden der DFB-Damen in der Vorrunde des Olympischen Frauenfußball-Turniers hielte ich nicht für verwerflich, wenn ich den Eindruck gewönne, sie hätten einen attraktiven und möglichst offensiven Fußball gespielt. Und den Hinweis, mit der Anzahl der Spiele unter den in China herrschenden klimatischen Gegebenheiten, will ich nicht kleinreden. Aber wäre dies nicht ein weiterer Grund dafür, erstens bedachter zu spielen und den Ball nicht ebenso schnell zu verlieren wie zu gewinnen; zweitens auch personelle Veränderungen vorzunehmen, damit Spielerinnen, die offensichtlich Mühe mit den Temperaturen haben, geschont werden; und drittens das taktisch-räumliche Manko zu reflektieren.

    Wie heißt es so schön, nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Soll sagen, die nächsten Aufgaben stehen an. Sollten die vergangenen zwei Matches der deutschen Damen Aussagekraft haben, dann gewinne ich jene Erkenntnis, dass einige Spielerinnen offensichtlich ihren Leistungszenit erreicht haben. Ob es notwendig ist, ihre unbestrittenen Verdienste für den Frauenfußball dahingehend zu würdigen, sie noch bis zur WM 2011 im Kader zu belassen, darüber ließe sich prima spekulieren. Das dient dann aber gewiss nicht der Sache.

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  • Max Diderot sagt:

    Das große Versprechen I.

    „Mittelfeldchefin Renate Lingor versprach, die Stürmerinnen von nun an besser in Szene zu setzen. `Wir haben schöne Kombinationen im Kopf, bringen sie aber nicht auf den Rasen. Wir müssen es einfacher machen´, sagte sie.“

    Zitat: Sportinformationsdienst, 11. August 2008

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