Wie ein Frauenfußball-Camp in Leipzig die Völkerverständigung fördert

Von am 8. August 2008 – 11.48 Uhr

Logo von Kick it!Vom 4. bis zum 16. August steht Leipzig im Zeichen des Frauenfußballs. Denn beim internationalen Frauenfußball-Camp kick it! treffen sich 30 Frauenfußballerinnen im Alter von 18 bis 28 Jahren aus Algerien, Deutschland, Jordanien, Norwegen, Türkei und Tschechien, um Völkerverständigung der besonderen Art zu betreiben.

Jenseits von nationalen und religiösen Grenzen soll der Sport als Vehikel dienen, Spielraum für Freude am gemeinsamen Erleben zu schaffen. Daneben hält das Projekt zahlreiche weitere Vorteile parat.

„Fünf Spielerinnen plus ein Trainer aus den jeweiligen Ländern sind dabei“, sagt Sprecherin Wencke Müller vom veranstaltenden Verein eurient.

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Vorurteile abbauen
Auf dem Gelände der Sportschule Egidius Braun bleibt reichlich Zeit, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen und sich auszutauschen. Die Spielerinnen und ihre Betreuer kommen von verschiedenen Kontinenten, sprechen unterschiedliche Sprachen und haben verschiedene Religionen.

„Das wird unsere Vorstellungen von den anderen Ländern auffrischen oder verändern. Diese kulturellen und sportlichen Austausche wurden von uns immer begrüßt“, freut sich Algeriens Trainerin Rahel Ohiba. Die sportliche junge Dame, selbstbewusst und offen, spielt seit ihrer Kindheit Fußball, was in einem muslimischen Land wie Algerien nicht selbstverständlich ist.

Ohiba erklärt: „Ich selbst hatte nie Probleme. Aber einige Freundinnen hatten ein paar Probleme mit ihren Brüdern und Vätern. ‚Was willst Du auf dem Fußballplatz, Du gehörst in die Küche!’“ –  mit solchen Vorurteilen sahen sie sich konfrontiert.

Umfangreiches Programm
Früher hätten sich algerische Frauen nicht erträumt, dass sie einmal in Mannschaften bei internationalen Turnieren antreten würden. „Für einen Großteil der Mädchen und ihre Leidenschaft für den Fußball war dies ein Traum und eine Herausforderung, ihre Meinung in der Gesellschaft zu vertreten.“

In Leipzig stehen neben dem gemeinsamen Training zahlreiche weitere Unternehmungen auf dem Programm, etwa Stadtbesuche, Kickerturniere und Tagesausflüge. Darüber hinaus gibt es für die Leipziger Bürgerinnen und Bürger Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen zum Thema Frauenfußball.

Höhepunkt bildet das Abschlussturnier am 15. August, das in Zusammenarbeit mit dem Fußball Club Leipzig 07 und der antirassistischen, prämierten Faninitiative „Bunte Kurve“ organisiert wird und bei dem gemischte Kick-It-Mannschaften auf einheimischen Teams treffen. Die junge Leipziger Filmgruppe „cinemabstruso“ hält das Projekt in einem Dokumentarfilm fest.

Zahlreiche Vorteile
Das Fußball-Camp bietet somit die Möglichkeit, einzigartige Erfahrungen zu sammeln, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Frauenfußball zu lenken und den sich langsam entwickelnden Frauensport in der islamischen Welt zu fördern. Zudem präsentiert sich Deutschland als Ausrichter der Frauenfußball-WM 2011 mit einem internationalen Projekt. Vorurteile gegenüber Menschen aus fremden Ländern gibt es oft. Der Fußball kann helfen, Barrieren abzubauen. Ohia und vielen jungen Frauen in ihrem Land hat er bereits die Chance gegeben, sich zu emanzipieren.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.