Vorschau auf den zweiten Spieltag

Von am 8. August 2008 – 17.05 Uhr

Am zweiten Spieltag des olympischen Frauenfußball-Turniers stehen am Samstag Schweden und die USA nach den überraschenden Auftaktniederlagen bereits unter Druck, die deutsche Nationalmannschaft will gegen Afrika-Meister Nigeria (live ab 11.00 Uhr in der ARD und im Womensoccer-Liveblogging) nach dem Remis gegen Brasilien den ersten Dreier einfahren und die Weichen für den Einzug ins Viertelfinale stellen.

Gruppe E:

Schweden gegen Argentinien unter Druck
Nach der 1:2-Niederlage gegen China steht Schweden bereits im zweiten Spiel mächtig unter Druck. Ein Sieg ist Pflicht für die Skandinavierinnen, wollen sie nicht Gefahr laufen, wie schon bei der WM im Vorjahr bereits in der Vorrunde auf der Strecke zu bleiben. Schwedens Spielführerin Victoria Svensson sagt: „Wir können besser spielen, aber wir müssen in Verteidigung und Angriff ein oder zwei Gänge höher schalten.“ Therese Sjögran und Josefine Öqvist mussten heute das Abschlusstraining vorzeitig abbrechen, sie sollen aber beide für morgen einsatzbereit sein. Der Südamerika-Meister zog sich bei der 1:2-Niederlage gegen Kanada achtbar aus der Affäre und will mit flachem Kurzpassspiel zum Erfolg kommen. Argentiniens Trainer Carlos Borrello sagt: „Schweden dürfte ähnlich stark sein wie Kanada und wir müssen wieder dasselbe tun. Unser Ziel ist immer noch, uns für die nächste Runde zu qualifizieren.“

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Womensoccer-Tipp: 2:1 für Schweden

China hofft auf technische Vorteile gegen Kanada
Die beiden Sieger vom ersten Spieltag könnten sich mit einem neuerlichen Erfolg bereits vorzeitig die Teilnahme am Viertelfinale sichern. China, das zum Auftakt 2:1 gegen Schweden gewann, will mit gepflegtem Kurzpassspiel und technischer Überlegenheit die schnellen und athletischen Kanadierinnen bezwingen. „Sie sind war physisch stärker als wir und spielen aggressiver als Schweden, aber technisch sahen sie schwächer aus“, so Chinas Trainer Shang Rihua. „Wir müssen Fehler vermeiden, wenn der Gegner Druck macht“, fordert Shang. Kanadas Trainer Even Pellerud meint: „China ist ein starkes Team, aber wir wissen, wie wir gegen sie spielen müssen.“ Die Hoffnungen ruhen auf der formstarken Stürmerin Christine Sinclair, die in 120 Spielen 93 Treffer erzielte und auch schon auf dem Platz stand, als man China im Viertelfinale der WM 2003 mit einem 1:0-Sieg aus dem Turnier warf.

Womensoccer-Tipp: 1:0 für Kanada

Gruppe F:

Deutschland hat gegen Nigeria drei Punkte im Visier
Nach dem torlosen Remis gegen Brasilien zum Auftakt will die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen die athletischen, schnellen und flexibel agierenden Nigerianerinnen unbedingt drei Punkte einfahren. „Das wird wieder ein ganz schwieriges Spiel“, sagt Bundestrainerin Silvia Neid. „Es ist schwer zu sagen, wie sie spielen werden“, so Neid über die oft unorthodoxe Spielweise mit vielen Positionswechseln. Gegen den Afrika-Meister soll der Spielfluss der DFB-Elf schon deutlich besser funktionieren. „Im ersten Spiel mussten sich beide Teams erstmal finden. Die Kombinationen werden von Spiel zu Spiel flüssiger werden.“ Nigeria verlor zum Auftakt 0:1 gegen Nordkorea, Mittelfeld-Antreiberin Perpetua Nkwocha hätte das Team in der Schlussphase fast noch zum Ausgleich geführt. Nigerias Trainer Joseph Ladipo, der in der heimischen Presse nur mit seinem Spitznamen Jossy Lad bezeichnet wird, ist weiter von seinem Team überzeugt. „Ich hoffe und glaube, dass es gegen Deutschland ein ganz anderes Spiel werden wird.“

Womensoccer-Tipp: 2:0 für Deutschland

Brasilien hofft auf Tore gegen Nordkorea
Für Brasiliens Weltfußballerin Marta war das torlose Remis zum Auftakt gegen Deutschland ein „gutes Ergebnis“. „Wir sind zwei großartige Mannschaften, bei denen die Spiele nur im Detail entschieden werden. In der ersten Halbzeit war Deutschland besser, in der zweiten wir.“ Gegen Nordkorea will man sich vor allem erstmals im Turnier über ein Tor freuen. „Wir spielen gut, aber wir haben ein bisschen Pech beim Tore schießen und brauchen zu viele Chancen“, übt sie Selbstkritik, nachdem sie gegen Deutschland hochkarätige Chancen ausließ. Bei den Nordkoreanerinnen gab man sich nach dem 1:0 gegen Nigeria gewohnt wortkarg. „Das Ergebnis sagt alles. Wir werden für die nächsten Spiele gegen Deutschland und Brasilien vorbereitet sein“, so Trainer Kim Pong II. Die athletischen und technisch versierten Asiatinnen, die von den letzten acht Spielen bei nur einem Remis sieben gewannen werden ihrem Gegner alles abverlangen. Noch nie trafen die beiden Teams in der Vergangenheit aufeinander.

Womensoccer-Tipp: 1:0 für Brasilien

Gruppe G:

Norwegen will Höhenflug fortsetzen
Nach dem 2:0-Traumstart gegen die USA ist im Lager der Norwegerinnen die Stimmung bestens. Mit den zwei schnellsten Toren der olympischen Frauenfußball-Geschichte versetzte man dem Weltranglistenersten einen Schock. Vor allem Regeneration stand in den zwei Tagen vor dem Spiel gegen Neuseeland auf dem Programm. Stürmerin Leni Larsen Kaurin warnt davor, den nächsten Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. „Jetzt ist es umso wichtiger, dass wir uns konzentrieren und wieder auf einem hohen Level spielen. Wir müssen vor allem unser Offensivspiel variabler gestalten.“ Neuseeland erkämpfte sich gegen Japan zum Auftakt einen Punkt, verspielte aber eine 2:0-Führung. Neuseelands Trainer John Herdman setzt seine Hoffnung auf die gewachsene Erfahrung seines Teams, in dem inzwischen „ein unterschiedlicher Geist und Glauben“ herrscht. Herdman erwartet nun zwei schwere Spiele. „Wir müssen in den Spielen gegen die USA und Norwegen sehr vorsichtig sein, das sind schon sehr gute Teams.“

Womensoccer-Tipp: 2:0 für Norwegen

USA will sich rehabilitieren
Nach der überraschenden 0:2-Niederlage gegen Norwegen zum Auftakt wollen sich die US-Spielerinnen gegen Japan rehabilitieren. „Ich bin immer noch zuversichtlich, dass wir Gold holen“, gibt sich US-Trainerin Pia Sundhage gelassen. „Wir können auf den schlechten Teil, die Niederlage, blicken, aber auch die guten Seiten betrachten, denn wir haben eine Menge Chancen herausgespielt.“ Am Wichtigsten sei es nun, unbeirrt am eigenen Stil festzuhalten. Vor vier Jahren in Athen bezwang man Japan auf dem Weg zum Olympiasieg im Viertelfinale mit 2:1. Japans Trainer Norio Sasaki wird gegen die USA nach dem enttäuschenden 2:2 gegen Neuseeland zum Auftakt möglicherweise auf die erfahrene Eriko Arakawa in der Startformation setzen, die zuletzt verletzungsbedingt noch etwas Trainingsrückstand hatte und gegen Neuseeland erst spät eingewechselt wurde. Die Statistik spricht klar für die USA: In 20 Spielen gegen Japan gab es 17 Siege und drei Remis.

Womensoccer-Tipp: 3:1 für die USA

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.