Die 12 Teams im Olympia-Formcheck, Gruppe F

Von am 6. August 2008 – 8.40 Uhr 1 Kommentar

Zum vierten Mal nach Atlanta, Sydney und Athen wird im Rahmen der Olympischen Spiele ein Frauenfußball-Turnier ausgetragen, zum ersten Mal sind diesmal 12 Teams am Start, nachdem 1996 und 2000 mit acht, 2004 mit zehn Mannschaften gespielt wurde.

Womensoccer.de wirft einen Blick auf die drei Gruppen und unterzieht die Teams einem aktuellen Formcheck. Wer ist reif für den Titel, wer kann überraschen, wer wird enttäuschen? Ein Blick auf die Gruppe F.

Gruppe F gilt mit Fug und Recht als die schwerste der drei Vorrundengruppen, treffen hier doch die beiden WM-Finalisten des Vorjahres, Deutschland und Brasilien, sowie Asienmeister Nordkorea und Afrikameister Nigeria aufeinander.

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Brasilien: „Wir haben es satt, immer Zweiter zu werden“ – das Zitat von Weltfußballerin Marta belegt, wie tief der Frust des verlorenen Olympia-Finales gegen die USA von 2004 und der WM-Finalniederlage gegen Deutschland 2007 noch sitzt. Das Team von Trainer Jorge Barcellos will sich endlich den Traum von Gold verwirklichen, nachdem man vier Jahre zuvor gegen die Amerikanerinnen unglücklich nach Verlängerung verlor. Mit einem 5:1-Sieg im Play-off gegen Ghana sicherte man sich erst Mitte April das letzte Peking-Ticket. Schmerzlich vermisst wird Spielführerin Aline Pellegrino, die sich im Juni in einem Testspiel gegen Südkorea verletzte. Trumpfkarte der Brasilianerinnen ist wie schon im Vorjahr die Offensive mit Cristiane und Marta sowie der Mittelfeldantreiberin Daniela. Spielerisch gehört die Mannschaft mit zum stärksten, was das Turnier zu bieten hat, doch Brasilien wird auch einen kühlen Kopf benötigen, um sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen.

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Deutschland: Weltmeister Deutschland ist mit einem fast unveränderten Kader gegenüber dem Vorjahr nach China gereist. Nur Conny Pohlers und Célia Okoyino da Mbabi waren beim Titelgewinn nicht dabei. Die deutschen Spielerinnen hatten diesmal weniger Zeit, sich auf das Turnier vorzubereiten, zudem fielen einige Spielerinnen nach dem WM-Titel in ein kleines Loch oder wurden von Verletzungen geplagt. „Unser Ziel ist die Goldmedaille“, sagt Spielführerin Birgit Prinz und eine andere Zielsetzung kann es für das deutsche Erfolgsteam nicht geben. Im Jahr eins nach dem WM-Titel tat sich die DFB-Elf allerdings auch schon 2004 schwer, als die letzte Konsequenz fehlte. Zweimal konnte Deutschland bisher die Bronzemedaille gewinnen, doch die olympische Krönung blieb dem Team bisher verwehrt. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger meint: „Es wird ganz schwer, sich den großen Traum von Gold zu erfüllen.“

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Nigeria: Vor vier Jahren schied Afrikameister Nigeria erst im Viertelfinale gegen Deutschland aus, doch diesmal ist die Vorrundenaufgabe ungleich schwieriger. Doch kein Grund für die Afrikanerinnen, den Kopf in den Sand zu stecken. „Ich habe keine Angst, und meine Teamkolleginnen auch nicht“, sagt Perpetua Nkwocha, Afrikas Spielerin der Jahre 2004 und 2005. Gerne würden die Westafrikanerinnen einen Stempel auf der internationalen Bühne hinterlassen, in der Vergangenheit fehlte es oft an Disziplin und Geschlossenheit in der Vorbereitung. Cynthia Uwak soll im Sturm für die notwendigen Tore sorgen. Trainer Joseph Ladipo versprüht Optimismus: „Ich habe eine Menge Vertrauen in meine Spielerinnen. Sie haben hart gearbeitet und sie werden weiter hart arbeiten.“

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Nordkorea: Nach dem Gewinn der U20-WM 2006, der U19-Asien-Meisterschaft 2007 und dem starken Auftritt bei der A-WM 2007 hofft Nordkorea, den arrivierten Nationen die Goldmedaille vor der Nase wegschnappen zu können. Im Vorjahr brachten die Nordkoreanerinnen die USA an den Rand einer Niederlage, die DFB-Elf musste im Viertelfinale hart kämpfen, um die Asiatinnen niederzuringen. Das technisch starke und auch körperlich fitte Team setzt vor allem auf sein eingespieltes Offensiv-Duo Ri-Un-Suk und Ri Kum-Suk. Dass das Team nichts von seiner Stärke eingebüßt hat, deutete es bei den beiden 2:0-Siegen gegen Australien in der Olympia-Qualifikation an. Im Juni wurde das Team zudem zum dritten Mal in sieben Jahren Asien-Meister. Trainer Kim Kwang-Min sagt: „Unser Ziel ist es, auf internationaler Ebene weitere Erfolge zu erzielen, und ich bin überzeugt, dass wir die Klasse haben, dieses Ziel auch zu erreichen.“ Doch dem Team mangelt es immer noch an internationaler Erfahrung.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Max Diderot sagt:

    Markus, danke für die Analysen – wenn das nicht ein zu hoch gegriffener Begriff für das Betrachtungsspektrum ist. Knapp eine Spieleinheit vor dem ersten Match der deutschen Damen, gebe ich gerne zu, dass ich auch zu jenen optimistischen Pessimisten gehöre, die der DFB-Elf am ehesten eine Blechmedaille zutrauen. Sollte die erste Partie meinen Argwohn widerlegen – umso besser.

    Vielleicht bin ich ja tatsächlich zu pessimistisch, zu unfair, wenn ich zum Ausdruck bringe, dass ich glaube, dass dem deutschen Frauenfußball augenblicklich so ein Moment der Biederlichkeit innewohnt. Laut Vorwerkerinnen (als Assoziation zu dem Wuppertaler Haushaltsgerätehersteller), die in den vergangenen Matches eher phlegmatisch über den Platz trabten und bestenfalls auf eine schusselige englische Torhüterin hoffen konnten, die ihnen ein temporäres Glücksgefühl vermittelt.

    Sollte es also anders laufen, als ich ob meiner polemischen Aussage momentan zu glauben wage, würde ich als Ablass für meine frevelhafte Ansicht meinen Kindern eine Tüte Katjes kaufen. Soviel Einsicht bestünde bei mir dann schon.

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