Die 12 Teams im Olympia-Formcheck, Gruppe E

Von am 5. August 2008 – 18.45 Uhr

Zum vierten Mal nach Atlanta, Sydney und Athen wird im Rahmen der Olympischen Spiele ein Frauenfußball-Turnier ausgetragen, zum ersten Mal sind diesmal 12 Teams am Start, nachdem 1996 und 2000 mit acht, 2004 mit zehn Mannschaften gespielt wurde.

Womensoccer.de wirft einen Blick auf die drei Gruppen und unterzieht die Teams einem aktuellen Formcheck. Wer ist reif für den Titel, wer kann überraschen, wer wird enttäuschen? Den Anfang macht Gruppe E.

In Gruppe E misst sich Gastgeber China mit Olympia-Neuling Kanada, Südamerika-Meister Argentinien und den nach Wiedergutmachung für das frühe WM-Aus trachtenden Schwedinnen.

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Argentinien: Im vergangenen Jahr musste Südamerika-Meister und WM-Neuling Argentinien viel Lehrgeld bezahlen. Zum WM-Auftakt gab es eine 0:11-Schlappe gegen Deutschland, von der sich das Team nicht mehr erholte. Am Ende trat man mit 0 Punkten und 1:18-Toren die Heimreise an. Trainer Carlos Borello meint: „Wir haben das weggesteckt und hart daran gearbeitet, dass das nicht mehr passiert. Außerdem haben wir seit der WM einige neue Spielerinnen eingebaut.“ Auch ohne lange Frauenfußball-Historie, doch mit umso mehr Charakterstärke will man in China die Vorrunde überstehen. Junge Spielerinnen, wie Florencia Mandrile, Catalina Pérez, Gabriela Chávez oder Emilia Mendieta sollen das unerfahrene Team in eine bessere Zukunft führen. Doch kann dies schon in Peking gelingen?

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China: Der Gastgeber hat im vergangenen Jahrzehnt die Entwicklung im Frauenfußball ein wenig verschlafen. Zahlreiche Trainerwechsel bremsten eine kontinuierliche Aufbauarbeit aus. Das Team verfügt zwar über technische versierte Einzelspielerinnen, doch vor allem taktische Defizite haben in der näheren Vergangenheit Erfolge verhindert. Nun fehlt den Steel Roses auch noch die zuletzt formstarke Stürmerin Ma Xiaoxu, Asiens Fußballerin des Jahres 2006, die sich kurz vor dem Turnier einen Kreuzbandriss zuzog. Die Hoffnungen von Trainer Shang Ruihua ruhen nun vor allem auf Han Duan, die in 160 Länderspielen 100 Treffer erzielte, und auf der erfahrenen Spielführerin und Abwehrorganisatorin Li Jie, die bereits auf 196 Einsätze zurückblicken kann. „Wenn wir mentale Stärke beweisen, ist alles drin“, so Li.

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Kanada: Zum ersten Mal nimmt Kanada an einem olympischen Frauenfußball-Turnier teil und die Ahornblätter könnten sich in Peking als eine der Überraschungen erweisen. „Wir wissen, dass wir gegen die besten Teams bestehen können“, so Trainer Even Pellerud optimistisch. Im Juli spielte man in einem Testspiel gegen Brasilien 1:1 und die Gegner sollten gewarnt sein. Denn der Fitnesszustand der Spielerinnen ist deutlich besser als im Vorjahr bei der WM. „Das Team wird ein anderes, viel besseres sein als im Vorjahr“, glaubt auch Pellerud. Die torgefährliche Spielführerin Christine Sinclair meint: „Wir haben inzwischen so viele Spielerinnen, die Tore erzielen können, das gibt mir ein bisschen mehr Raum.“ Spielerinnen wie Melissa Tancredi, Kara Lang oder Randee Hermus machen das Team unberechenbarer denn je zuvor.

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Schweden: Auch die Schwedinnen haben genauso wie China einen prominenten Ausfall zu beklagen. Stürmerin Hanna Ljungberg musste wegen einer Oberschenkelverletzung ihre Teilnahme kurzfristig absagen. Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der WM will das Team Wiedergutmachung. „Wir wollen eine Medaille, welche Farbe sie hat, werden wir dann sehen“, so Spielführerin Victoria Svensson etwas trotzig. Schweden hatte in den Vorjahren zahlreiche Rücktritte zu verkraften, zudem gelang dem Team zum Auftakt großer Turniere noch nie ein Sieg. Mit einer Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen will das im Trainingslager im japanischen Fukuoka noch enger zusammengerückte Team wieder einmal ein Ausrufezeichen setzen. In der EM-Qualifikation blieb man in sechs Spielen ohne Gegentreffer, in Peking warten jedoch andere Prüfungen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.