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Warum Célia Okoyino da Mbabi bei den Olympischen Spielen bloggen darf

Von am 4. August 2008 – 13.12 Uhr 2 Kommentare

Célia Okoyino da Mbabi„Herzlich willkommen in meinem Blog. Auf dieser Seite werde ich versuchen, Euch so häufig und umfangreich wie möglich über die Olympischen Spiele zu informieren.“ Mit diesen Worten lädt die Nationalspielerin Célia Okoyino da Mbabi auf der DFB-Website die Leserinnen und Leser ein, in „Celias Olympia Blog“ ihre persönlichen Eindrücke und Erlebnisse während der Olympischen Spiele in Peking mitzuerleben.

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Bisher untersagte die strenge Regel 49 der olympischen Charta Athletinnen und Athleten während der Olympischen Spiele jedwede journalistische Tätigkeit. Doch im vergangenen Jahr erließ die IOC-Exekutive eine 13 Punkte umfassende „Blogging-Richtlinie“. In ihr wird Bloggen nicht als journalistische Tätigkeit, sondern als rechtmäßige Form des persönlichen Ausdrucks gewertet und unter Auflagen explizit erlaubt.

Dort heißt es: „The IOC considers blogging, in accordance with these Guidelines, as a legitimate form of personal expression and not as a form of journalism. Therefore, the IOC does not consider that blogs by Accredited Persons, in accordance with these Guidelines, will compromise Paragraph 3 of Bye-law to Rule 49 of the Olympic Charter which states that “Only those persons accredited as media may act as journalists, reporters or in any other media capacity”.

DFB: Strikte Umsetzung der Richtlinien
“Wir halten uns strikt an die vom IOC herausgebenen Richtlinien und die erlauben die Veröffentlichung eines Blogs unter gewissen Bedingungen”, bestätigte DFB-Sprecher Niels Barnhofer gegenüber Womensoccer.de. Und Barnhofer ergänzt: „Wir würden nichts tun, womit wir unsere Spielerinnen gefährden würden.“

Eine Meldung der „SWR-Redaktion Report Mainz“ hatte am vergangenen Freitag für Verwirrung gesorgt, denn dort heißt es, das Verfassen von Internet-Tagebüchern sei den Athletinnen und Athleten in Peking gemäß Athletenvereinbarung untersagt, bei Zuwiderhandlungen drohe sogar der Ausschluss von den Olympischen Spielen. Doch die dem SWR „exklusiv“ vorliegende Athletenvereinbarung war nicht nur vor einigen Wochen in der Sport Bild abgedruckt, zudem entpuppte sich der Bericht als viel Lärm um wenig (ausführliche Infos gibt es bei Kai Pahl und allesaussersport.de).

DOSB: Athleten dürfen bloggen
Die IOC-Richtlinien sind Teil der Zulassungserklärung für die Olympischen Spiele, die jeder Akkreditierte mit seiner Unterschrift akzeptiert. „Wir mussten diese Regelung mit in die Athletenvereinbarung aufnehmen, wir haben sie nur weitergegeben“, so Gerd Graus, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) gegenüber Womensoccer.de.

Der DOSB begrüßt die IOC-Regelung: „Es ist gut, dass das IOC auf dieses neue Medium reagiert“, so Graus. Die deutschen Athleten wurden in einem DOSB-Handbuch umfassend über die geltenden Richtlinien informiert. Darüber hinaus gibt es ein Athleten-Intranet zum Informationsaustausch.

Zahlreiche Auflagen
Die Richtlinien besagen unter anderem, dass die Blogs keine Interviews mit, oder Storys über andere akkreditierte Personen enthalten dürfen. Untersagt sind private Aussagen über andere und Informationen, die die Ausrichtung oder Sicherheit der Spiele in Frage stellen. Eine etwas schwammige Formulierung.

Verboten sind Töne, laufende Bilder oder Fotografien aus jenen Bereichen, die nur für Akkreditierte zugänglich sind. Ein persönliches Foto ist nur dann gestattet, wenn es nicht im Zusammenhang mit einem olympischen Wettkampf, Eröffnungs- und Schlussfeier und einer Medaillenzeremonie steht.

Blogs dürfen nicht mit olympischen Symbolen gekennzeichnet sein. Sie dürfen keine Werbung enthalten, mit Ausnahme jener 12 Weltunternehmen, mit denen das IOC als TOP-Sponsor vertraglich verbunden ist. In einem solchen Fall darf die Werbung maximal 15 Prozent der Blogfläche einnehmen. Untersagt ist zudem eine exklusive Vereinbarung mit einem Unternehmen abzuschließen.

Kunstgriff
Dass das IOC Blogs von bei den Olympischen Spielen akkreditierten Personen per Definition die journalistische Qualität abspricht, kann nur als Kunstgriff verstanden werden. Dann natürlich können Blogs journalistisch sein oder zumindest journalistische Elemente enthalten. Doch ob journalistisch oder nicht: Eine Bereicherung der Medien-Landschaft werden die Blogs allemal sein und man darf gespannt sein, was wir in den nächsten Wochen von Célia und einigen ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus dem Reich der Mitte zu lesen bekommen werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Bernhard sagt:

    Wie sagt der Bayer: „A bissl was geht immer“

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  • Max Diderot sagt:

    Im Bayerischen gibt es aber auch den Begriff der Hinterfotzigkeit. Und möglicherweise ist die Anerkennung der fußballerischen Fähigkeiten von Célia Okoyino da Mbabi größer als das Vertrauen in deren expliziten schriftlichen Darstellungen während ihres Aufenthaltes in der VR China. Anders kann ich mir die Implementierung ihres Blogs auf einer offiziellen DFB-Seite nicht erklären. Vermutlich darf / wird / muss ein Mitarbeiter des DFB-Pressekorps für lektorierende Aufgaben zur Verfügung stehen.

    Ich betrachte es als lächerlich, wie die großen Verbände den Kotau gegenüber dem Veranstalterland praktizieren. Und meine diesbezügliche Haltung entspringt nicht einem mangelnden Respekt gegenüber der Wandlung, dem Fortschritt, der sich auf vielen Gebieten in der VR China entwickelt hat. Nur, die humanistischen Ideale, ergo die Basis allen friedlichen Miteinanders, gehen doch in diesem asiatischen Staat ziemlich den Bach runter. Und ich frage mich, ob nicht die willentliche Ignoranz von FIFA, UEFA und DFB, Probleme auch in China benennen zu dürfen, ein Widerspruch zu deren Respekt-Kampagnen sind.

    In einem Staat, der so ungemein die Einheit der Nation und den primären Anspruch der Partei propagiert, der Individualität also nahezu intolerant gegenüber zu stehen scheint, muss es doch schon als anmassend erscheinen, wenn Célia Okoyino da Mbabi in ihrem Blog schreibt, „Allerdings waren wir ein wenig überrascht, als wir den Rasen im Stadion betraten. Der war ziemlich hoch und hart. Da waren die Trainingsplätze, die wir bisher hatten deutlich besser.“. Aber zur Beruhigung aller lässt sie ja gleich die Feststellung folgen, „Aber anschließend wurde uns versichert, dass das nur zur Schonung des Rasens gemacht wurde … Zum Spiel soll der Rasen dann aber ordentlich gemäht und gewässert worden sein – das hat man uns garantiert.“. Ich bin beruhigt! Vor allem, da sie es vermieden hat, den Dalai Lama zu benennen, und gleichzeitig die in unseren Breiten geläufige Dialektik, erst tadeln, dann loben, anzuwenden.

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