Neid: „Wer sich nicht an die Regeln hält, spielt nicht mit“

Von am 19. Juli 2008 – 11.35 Uhr 18 Kommentare

In einem ungewöhnlich langen Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat sich Deutschlands Bundestrainerin Silvia Neid über ihr Traineramt in der Nationalmannschaft und ihren Führungsstil geäußert. „Manchmal muss Kritik ganz hart sein, damit sie verstanden wird. Disziplin ist da ganz wichtig. Ich habe eben Regeln, und daran muss man sich halten, und wer sich daran nicht hält, der spielt auch nicht.“

Neid bezeichnet ihren eigenen Führungsstil als „nicht mehr ganz so impulsiv und laut, nach außen etwas ruhiger, aber immer noch ganz direkt“, was für die Spielerinnen manchmal nicht schön sei. Aber wenn man etwas von einer Spielerin erwarten würde, dann müsse „die das irgendwann auch umsetzen können.“

Hart, aber herzlich
Und wenn nicht, dann müsse man sich ohnehin „eine andere suchen oder eine andere aufbauen auf der Position.“ Auf dem Feld müsse gearbeitet werden, dort könne man nicht viel Zeit mit Lachen verbringen. „Aber nach dem Training oder dem Spiel bin ich auch mal ein Kumpeltyp, aber auf dem Feld, da will ich Leistung haben.“

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„Ich wollte einen Torwarttrainer, der immer für uns da ist und nicht nur ein paar Monate, und wenn ein besseres Angebot da ist, ist er wieder weg. Das mit unserem Athletiktrainer, dem Norbert Stein, hat dann auch geklappt. Das war auch wichtig, dass einer die Spielerinnen in diesem Bereich das ganze Jahr über betreut, und nicht nur, wenn man vor einem Highlight steht.“

Der Bauch entscheidet mit
Das Bauchgefühl sei ein wichtiger Faktor ihrer Trainertätigkeit. „Mein Bauchgefühl verlässt mich eigentlich sehr, sehr selten. Ich muss mich einfach mit meiner Entscheidung wohlfühlen, dann kann ich das auch durchziehen und weiß, das ist richtig. Da können hunderttausend andere sagen: Du hättest lieber die oder die mitnehmen sollen – das ist mir wurscht. Natürlich kann man auch mal falsch liegen und sich täuschen. Oder eine Spielerin, die vorher gut war, fällt plötzlich in ein Loch. Aber auch das kann man dann trotz allem begründen.“

Internationale Anforderungen
Im Vergleich zwischen der Bundesliga und internationalen Aufgaben bräuchten die Spielerinnen in der Bundesliga im Zweikampfverhalten „nur etwa 70 Prozent von dem, was international gefordert ist. „Dann geht es auch um Schärfe im Passspiel, weil sie in ihren Vereinen den Ball so spielen, dass die damit was anfangen können, nur wenn sie international so passt, ist der Ball weg, weil die Gegnerin dazwischen geht.“ Neid erklärt: „Man muss Spielerinnen auch reizen, damit sie an ihre Grenzen gehen. Man muss auch mal Kontrapunkte setzten, damit die Spielerinnen etwas haben, wo sie dagegen sind und daran zusammenwachsen können.“

Unbeliebtheit erforderlich
Man dürfe als Trainerin nicht beliebt sein und man könne es nicht jedem recht machen. „Vielleicht bei den ersten elf, aber ab der 12 geht es auch schon los mit dem Ärger, weil sie  nicht spielt.“ Realistisch gesehen, würden auch wieder einmal schlechtere Zeiten kommen. Die Bedeutung der WM 2011 im eigenen Land setzt sie hoch an. „Etwas Größeres gibt es nicht, auch für eine Trainerin.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

18 Kommentare »

  • ViolA sagt:

    sehr interessant und ich muss ihr in gewisser weise auch recht geben. als trainerIN steht man im besonderen licht des öffentlichen interesses und da muss man sich auf sich selbst konzentrieren und auf die eigene arbeit. entscheidungen sind nicht einfach zu treffen und oft auch sehr unpopulär, der erfolg gibt ihr bisher aber mehr als recht.
    sie hat auch eine große entwicklung vorangetrieben was den weg zur professionalisierung des natio angeht und ich sehe das durchweg positiv. hoffen wir, dass es so weiter geht und wir weiter von großartigem fußball verwöhnt werden.

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  • Steffen sagt:

    Interessanter Artikel!

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  • Jogi sagt:

    Wo sie Recht hat, hat sie recht. Ohne Disziplin ist in der Weltspitze nix zu holen.

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  • Max Diderot sagt:

    „Disziplin ist das Tor zum Glück“, so doppeldeutig wurde im September 2006 ein Artikel im „Spiegel“ überschrieben, der sich in einem Gespräch mit dem Autor Bernhard Bueb und dessen nicht unumstrittenen Thesen seines Buches „Lob der Disziplin“ auseinandersetzte.

    Nun sind internationale Wettbewerbe, sportliche zumal, nicht zwangsläufig Ringelpietz-Veranstaltungen, aber mir missfällt ein wenig der Unterton, den Frau Neid recht eloquent durch das SZ-Gespräch transportiert und der mich an antiquierte Begriffe der Sportpsychologie erinnern lässt, deren Entstehung zeitgleich datiert sein dürfte mit der Phrase „11 Freunde müßt ihr sein“. Dabei will ich nicht in Abrede stellen, dass Disziplin im modernen Mannschaftssport notwendig ist. Aber diese Disziplin entsteht nicht dadurch, dass sie proklamiert wird, als mehr ob der Diffusion von Kreativität, Achtung und Respekt. Und die (mehr oder weniger) jungen Damen, mit denen Frau Neid ihren Betriebsausflug nach China begehn wird, sind nun nicht mehr in jenem Alter, dem die Grundsätze aus Herrn Buebs Buch primär gelten.

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  • Maskal69 sagt:

    Klasse Artikel, der mal wieder unterstreicht warum Sie so erfolgreich ist.
    Das beste was Deutschland auf dieser Trainerposition zu bieten hat.
    Das zeigte sich auch zuletzt bei der Olympia Nominierung, besser konnte es man nicht machen.
    Ich hoffe Sie bleibt noch lange Trainerin der Nationalmannschaft.

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  • Detlef sagt:

    Ich glaube mir wird gleich schlecht hier!!!
    Wenn ich immer proklamiere, dass vor allem die Leistung entscheidet,
    ich dann aber hauptsächlich auf mein „Bauchgefühl“ höre, mache ich mich doch total lächerlich!!!
    WARUM ist sie nicht ehrlich, und sagt von Anfang an, dass sie nur Spielerinnen mitnimmt, dessen Nase ihr auch gefällt???
    Natürlich kann niemand „everybodys Darling“ sein, der so eine Selektion vornehmen muß!!! Aber wer nicht von Anfang an mit offenen Karten spielt, verliert für mich jegliche Glaubwürdigkeit!!!

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  • ViolA sagt:

    ich sehe das eine das andere nicht ausschließen, detlef. es waren nunmal 21 top feldspielerinnen mit bei den lehrgängen und ich denke, dass bei einigen entscheidungen eben von der leistung her nicht direkt was auszumachen war. wenn du also zwei spielerinnen hast die in deinen augen und von den ergebnissen der leistungstests gleich gut sind, dann musst du dich für eine entscheiden wenn du nur eine mitnehmen kannst dafür. und was bleibt einem in so einem fall? das bauchgefühl. das ist doch überall und in jedem job so. und ich finde genau das hat sie auch zum ausdruck gebracht.
    ich bin auch nicht mit allen entscheidungen und spielerinnen glücklich, aber es ist eben so und sie ist die trainerin und hat als solche wohl einen besseren einblick in das ganze als wir das haben. und auch wenn ich weiß, dass du zur anti-neid-fraktion gehörst, so denke bitte daran, dass auch du nicht halb soviel weißt diesbezüglich wie das unser trainerteam tut. 😉

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  • Spocky sagt:

    Also alles was Silvia Neid in dem Artikel sagt über Diziplin, Trainerin muss sog. „Härte“ zeigen usw. = das ist ja alles schon mal da gewesen …! Aber die Aussage, dass „… auf dem Feld hart gearbeitet wird und dass dort auch wenig gelacht wird …“, dies sehe ich nicht so! Wenn man/frau nur will, sollte es doch möglich sein, die Arbeit auf dem Trainingsplatz mit Spaß und auch Lachen zu verbinden …
    Dass Silvia Neid bei der Entscheidung, wer nach China mitfliegt, es nicht jedem recht machen kann, ist mir schon klar; aber was sie mit der Spielerin BIANCA RECH gemacht hat = das ist in meinen Augen schon sehr „unmenschlich“ …!
    Bei dem Abschiedsspiel von Silke Rottenberg war Bianca Rech (nach langer Zeit) mal wieder im Kader; aber sie wurde nicht für eine Minute eingewechselt; jetzt beim Spiel in Unterhaching hat sie natürlich auch nicht gespielt …! Nach meiner Meinung war für Silvia Neid von Anfang an klar, dass Bianca Rech überhaupt keine Chance hatte …! Deswegen frage ich mich, wieso diese Spielerin überhaupt noch mal im Kader war …!
    Diese Frage wird wohl nur Silvia Neid beantworten können!
    Bei einigen Entscheidungen liegt der „Verdacht“ sehr nahe, dass es auch zum größten Teil um persönliche Sympathien geht …!
    Trotz meiner Bedenken wünsche ich dem Team in China alles alles Gute.

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  • Detlef sagt:

    @Viola,
    lassen wir doch mal das Bauchgefühl weg, und betrachten die Fakten!!!
    WARUM stand CONNY POHLERS angeblich auf der Kippe??? Sie hat nicht ein Pflichtspiel versäumt, und eine Menge Tore geschossen!!! WARUM ist sie dann für Frau Neid „nur“ ein JOKER???
    Sandra Smisek hat in der letzten Saison sehr oft auf der Bank gesessen, eben weil sie von CONNY verdrängt wurde!!! Nun lese ich in der neuesten FF, dass Sandra Smisek für Frau Neid eine gute und konstante Leistung erbracht hat!!! WORIN??? Im Banksitzen???
    Eine Martina Müller war, bis zu ihrer Verletzung, der einzig wirkliche Garant für Tore in Wolfsburg!!! Ohne Martina, lief fast gar nichts in WOB!!! Also WARUM ist sie für Frau Neid „nur“ ein Joker???
    ANJA MITTAG hat meistens nur durchschnittliche Leistungen für TURBINE gezeigt!!! Selbst Bernd Schröder attestierte unserem Stürmer-Star, momentan nicht Natio-tauglich zu sein!!! OK, SN weiss was ANJA kann, sie hat sie ja lange genug in der U-19 betreut!!!
    Wenn sie aber nur 18 Spielerinnen mitnehmen darf, WARUM geht sie dann so ein großes Risiko ein???
    Von Frau Lingor, oder Frau Bartusiak will ich hier gar nicht erst anfangen!!!
    Kann man sich denn in den paar Natio-Lehrgängen wirklich so „reinwaschen“ von den gezeigten Leistungen in der Liga-Saison???
    Ich erlaube mir hier mal ein persönliches Urteil zu fällen, einfach weil ich sehr viele Spiele in der Saison gesehen habe (und nicht nur von TURBINE)
    Und ich unterstelle dem Trainer-Duo Neid-Ballweg, eher nach Sympathie denn nach Leistung aufgestellt zu haben!!!

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  • thoddey sagt:

    Na ja so ganz falsch ist deine Theorie mit der Sympathie sicher nicht, ich will jetzt ja nicht das alte Thema Grings aufbringen, aber schlussendlich waren wir nicht bei den Lehrgängen mit dabei. Ich lege mich sowieso nicht so gerne auf einzelne Spielerinnen fest, da ohnehin am Ende die Mannschaftsleistung zählt und vor knapp einem Jahr eine ähnliche Diskussion stattfand, die mit dem Weltmeistertitel widerlegt werden konnte.
    Nichtsdestotrotz kann auch ich nicht nachvollziehen, warum Sandra Smisek Conny Pohlers vorgezogen wird. Wahrscheinlich will man dem Sturmduo Prinz-Smisek noch mal eine Chance geben. Warten wir doch erst mal Mittwoch ab, mit Norwegen werden wir hoffentlich mal wieder auf einen gleichwertigen Gegner treffen, der und zeigt, wo die deutsche Mannschaft Leistungstechnisch vor Olympia steht.

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  • Steffen sagt:

    🙂

    Wow, dass die Meinungen da soweit auseinander gehen. Also bei der Conny Pohlers habe ich auch gedacht, als sie erst kurz vor Ende gegen England eingewechselt wurde, was ist denn hier los, was hat die Sylvia Neid vor, will sie die Conny Pohlers wieder ausbooten? Und wenn ich das höre guter Joker, da wird’s mir auch schlecht. Sie war überragend in der Liga und hat das UEFA-Cup-Finale mit Birgit Prinz fast allein entschieden. Kurz danach hätte Sylvia Neid nicht sagen können, guter Joker. Das wäre nicht haltbar gewesen. Aber 2 Monate später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Ist Conny Pohlers auf einmal wieder schlechter geworden? Sandra Smisek scheint wohl wieder zu ihrer Form zu finden, und deshalb plant Sylvia Neid wohl wieder mit ihr. Na hoffen wir mal, dass Sandra Smisek zu Olympia wieder in Topform ist.

    @Detlef. Ich hätte eine Erklärung, warum Saskia Bartusiak mit nach Beijng fahren darf. Sie kann sowohl in der Abwehr als auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Bei Bianca Rech fällt mir jetzt nur die rechte Abwehrseite ein. Aber sagen wir mal so, wenn sich Linda Bresonik verletzt, dann würde ich lieber Bianca Rech als Saskia Bartusiak da sehen wollen. 🙂

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  • ViolA sagt:

    wieso conny auf der kippe stand verstehe ich auch nicht, vor allem wenn sie dann mittag mitnimmt die meiner meinung nach lange schon nicht mehr gut gespielt hat (in der natio). und auch das mit smi verstehe ich schon lange nicht mehr. ich hätte sie schon zur wm nicht mitgenommen. eine stürmerin zeichnet sich eben vor allem durch tore oder vorlagen aus und beides kriegt smi nicht sonderlich gut auf die reihe. sie mag vielleicht für unruhe sorgen und sich oft unentdeckt durchwurschteln, aber das können andere auch.
    warum mm nur ein joker ist begründe ich mal damit, dass wenn sie von anfang an in der startelf stand eigentlich nie wirklich gute leistungen hat zeigen können so dass sie dann nicht selten auch wieder ausgewechselt wurde. was ihre fitness angeht kann ich das einfach nicht beurteilen. aber es wurde ja angemerkt, dass mm das selbst auch so gesehen hat, dass ihre fitness nicht ausreicht.
    was idgie angeht haben wir einfach andere ansichten und bei jay schließe ich mich mal steffen an.

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  • oliist sagt:

    Hat Frau Neid denn in jüngster Zeit behauptet,das Pohlers nur eine Art Joker sei bzw. auf der Kippe stehe?Wo habe ich das überlesen oder überhört?
    Vom ARD Moderator mal abgesehen,nämlich beim Spiel gegen England,höre ich hier zum ersten mal davon.
    Daß Pohlers so spät eingewechselt wurde,bedeutete für mich schlicht und ergreifend,daß ihr Einsatz bei den olympischen Spielen überhaupt nicht in Frage gestellt sein könnte und die Bundestrainerin sich nur eine alternative Startformation anschauen wollte.
    Conny ist wohl gerade auf ihrem absoluten Zenit und somit sicherlich nicht nur in meinen Augen vollkommen unersätzlich.Deshalb wundert mich diese Diskussion um so mehr,wie immer sie auch entstanden sein mag.

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  • oliist sagt:

    Ich meinte natürlich: „…ARD Kommentator…”

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  • Detlef sagt:

    @Viola,
    also ich habe bis heute noch kein Spiel der Natio gesehen, in dem Martina von Beginn an gespielt hat???
    CONNY gehört absolut unstrittig in die Startelf, OHNE WENN UND ABER!!!
    @oliist,
    CONNY hatte schon einige von diesen „absoluten Zeniten“, in ihrer Karriere!!! Nur eben nicht für Frankfurt!!!
    Zu Sandra Smisek kann ich leider nicht umhin festzustellen, dass ihre besten Tage wohl vorbei sind!!! Für mich war sie auf ihrem sportlichen Höhepunkt, als sie die letzten Spiele für den FSV Frankfurt gemacht hat!!! Danach konnte sie leistungsmäßig nie wieder dort anknüpfen!!!

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  • ViolA sagt:

    @detlef
    sie hat 71 partien gespielt für die natio und wurde bei 48 davon eingewechselt, macht 23 in denen sie von anfang an auf dem platz stand. das letzte mal in der startelf stand sie beim algarve cup gegen dänemark. dort wurde sie in der 68. minute ausgewechselt und durch lena goeßling ersetzt.
    das spiel davor, welches du vielleicht gesehen haben könntest, war die partie gegen belgien im nov 2007. dort wurde sie in der halbzeit ausgewechselt und lira kam herein. es war die abschiedspartie von minni.
    die letzte partie die sie komplett durchgespielt hat ist schon sehr sehr lange her. das war am 06.03.2003 gegen china. da hat sie auch in der 36. minute ein tor geschossen was ihr bei den meisten anderen auswechslungen nicht gelang.
    ich hab natürlich nicht alle partien gesehen und kann mich an noch weniger erinnern als „das war die partie“. nur kann ich sagen, dass auch mm nach der wm immer weniger überzeugen konnte mit ihrer leistung. zumindest was die natio angeht. ich weiß natürlich, dass sie mit einigem zu kämpfen hatte und hoffe es geht bald wieder aufwärts mit ihr.

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  • Detlef sagt:

    Es bleibt dabei, ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem sie von Beginn an gespielt hat!!!

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  • Tom Rollos sagt:

    Ganz klare Sache und so sollte es auch sein. Wir hoffen doch alle das fair gespielt wir.
    Denn nur ein Fairer Sieg ist ein echter Sieg

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