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16 Weltmeisterinnen im Olympia-Kader

Von am 18. Juli 2008 – 10.38 Uhr 8 Kommentare

Bundestrainerin Silvia Neid hat 16 Weltmeisterinnen von 2007 in den Kader der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele 2008 in Peking berufen. Als einzige Nicht-Weltmeisterinnen nominierte die DFB-Trainerin Conny Pohlers und Célia Okoyino da Mbabi für das 18 Spielerinnen umfassende Aufgebot.

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Nicht ganz unerwartet zogen Navina Omilade und Bianca Rech den Kürzeren. Überraschender ist hingegen, dass Neid auf ihren Joker Martina Müller verzichtet, und stattdessen Anja Mittag mit nach China nimmt.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Die Spielerinnen, die wir in den Lehrgängen dabei hatten, haben voll mitgezogen. Einstellung und Engagement haben bei allen gestimmt“, erklärt Silvia Neid. „Wir mussten so viele Faktoren wie möglich einfließen lassen, um unsere Auswahl zu treffen. Wir haben zum Beispiel nach jedem Training im Trainer-Stab Bewertungen vorgenommen. Die Summe der Eindrücke hat uns dann zum Ergebnis geführt. Ich bin überzeugt, ein starkes Team in China präsentieren zu können.“

Fitness gefragt
Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung war die Fitness. „Das Teilnehmerfeld bei Olympia ist enorm stark, der Spielplan sehr eng. Wir haben eine Hammergruppe und mit Brasilien einen extrem starken Auftaktgegner erwischt. Da heißt es, von der ersten Minute an im Turnier zu sein“, sagt Neid. Dazu wurde darauf geachtet, Spielerinnen mitzunehmen, die möglichst flexibel einsetzbar sind. „Wir haben auf Grund des 18er-Kaders eine ziemlich dünne Personaldecke. Wenn wir Ausfälle durch Verletzungen oder Sperren haben sollten, ist es wichtig, Spielerinnen dabei zu haben, die auf verschiedenen Positionen spielen können“, so die DFB-Trainerin.

Für die Abwehr waren sechs Planstellen offen. Mit Kerstin Stegemann, Annike Krahn, Ariane Hingst und Linda Bresonik kann Silvia Neid auf eine eingespielte Viererkette zurückgreifen, die schon bei der WM im vergangenen Jahr einen wesentlichen Anteil daran hatte, dass die DFB-Auswahl im gesamten Turnierverlauf keinen Gegentreffer kassiert hatte. Dazu gesellen sich Saskia Bartusiak und Babett Peter. „Beide kann ich variabel einsetzen. Saskia Bartusiak kann in der Viererkette innen und außen, aber auch auf der Position sechs spielen. Für Babett Peter gilt, dass sie als Innen- und Außenverteidigerin eingesetzt werden kann“, so Silvia Neid.

Keine Überraschung
Das bedeutet, dass Navina Omilade und Bianca Rech den Sprung in den Olympia-Kader nicht geschafft haben. „Es tut mir leid für die beiden, weil ich sie auch schon bei der WM-Nominierung streichen musste. Aber wie gesagt, am Ende haben Kleinigkeiten den Unterschied ausgemacht“, erklärte Neid. Bei Rech dürfte die Nicht-Teilnahme bereits nach der Nominierung von Lingor festgestanden haben, denn wohl nur wenn Bresonik ins Mittelfeld gerutscht wäre, wäre Rech hinten links unverzichtbar gewesen.

Im Mittelfeld entschied sich Silvia Neid für Renate Lingor, Simone Laudehr und Célia Okoyino da Mbabi auf den Defensivpositionen. „Renate Lingor und Célia Okoyino da Mbabi haben den Sprung dank enormer Anstrengungen in der Reha geschafft. Sie sind voll belastbar, und ihre spielerischen Qualitäten sind unbestritten“, sagt die Trainerin. Auf Grund der großen Konkurrenz auf der Position sechs blieb am Ende kein Platz für Lena Goeßling. „Sie ist aber auf einem sehr guten Weg. Sie hat jetzt ihre Lehre abgeschlossen und schließt sich nun der Sportförderkompanie an, so dass wir fest mit ihr in der Zukunft rechnen“, so die Bundestrainerin.

Kein Platz für Bachor
Auf den Außenpositionen fiel die Wahl auf Kerstin Garefrekes, Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj. „Kerstin Garefrekes ist eine absolute Leistungsträgerin in unserer Mannschaft. Und Melanie Behringer und Fatmire Bajramaj werden immer wertvoller für uns. Die eine mit ihrer Zielstrebigkeit und Torgefahr und die andere mit ihrer Leichtfüßigkeit und guten Technik“, charakterisiert Silvia Neid. Von daher musste Isabell Bachor weichen. „Sie hat sich im Verlauf der Lehrgänge immer mehr gesteigert, das zeigt welches Potenzial in ihr steckt“, so die DFB-Trainerin weiter.

Im Angriff war von vornherein klar, dass auf der Mittelstürmerposition ein Überangebot herrscht. Dabei ist Spielführerin Birgit Prinz gesetzt. „Conny Pohlers ist unberechenbar und hat einen Torriecher. Genauso Sandra Smisek, die eine gute Spielintelligenz besitzt und sehr lauffreudig ist. Und Anja Mittags Nominierung ist für manche vielleicht eine Überraschung. Nach dem Ausfall von Petra Wimbersky hat sie ihre Chance jedoch genutzt. Sie hat überzeugt, weil sie von Anfang an sehr gute Trainingsleistung geboten hat. Dafür mussten wir Martina Müller aus dem Aufgebot streichen. Bei ihr hat man stets gemerkt, dass sie will, aber sie ist im Moment nicht in der besten körperlichen Verfassung“, sagt Silvia Neid.

Letzte Tests
Die DFB-Auswahl wird in der kommenden Woche ihren letzten Lehrgang in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele absolvieren. In diesem Rahmen trifft der aktuelle Welt- und Europameister am kommenden Mittwoch, 23. Juli (ab 18 Uhr, live in der ARD), in Sandefjord auf Norwegen zum letzten Länderspiel vor der Abreise. Am Mittwoch, 30. Juli, fliegt der DFB-Tross dann nach Shenyang, wo die ersten beiden Gruppenspiele gegen Brasilien (6. August) und Nigeria (9. August) stattfinden werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Die Bundestrainerin hat sich ja richtig Mühe gegeben, die Absagen zu begründen und auch diesen Spielerinnen letztlich positive Signale zu geben. Das hört sich gut an und bei Olympia sind die Deutschen nach den vielen Verletzungen bei den USA und zuletzt dem Ausfall Abby Wambachs wohl ebenbürtiger Favorit mit der Elf von Pia Sundhage.

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  • Katha sagt:

    Genialer Olympia Kader.
    Damit sind wir unschlagbar.
    Schade für Bianca Rech und Martina Müller. Aber Frau Neid wird schon Ihre Gründe haben.

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  • Svenja sagt:

    Ich finde den Kader so auch in Ordnung allerdings finde auch ich es schade, dass Martina Müller nicht dabei ist und stattdessen Anja Mittag.

    Ich erinnere mich noch an die Diskussionen hier über Stegemann und ihr Alter bzw. Schnelligkeit. Mag man den Kommentator von gestern glauben, dann hatte sie bei Tests die besten Konditionswerte erzielt.

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  • helena sagt:

    Beste Konditionswerte sagen ja noch nichts über Schnelligkeit aus;-), allerdings hat sie gestern wieder (nicht nur wegen ihres Passes zum 1:0) ein sehr gutes Spiel gemacht und die damals angesprochenen Probleme im Stellungsspiel fand ich jetzt auch nicht sonderlich groß, auch wenn natürlich die Abwehr nicht wirklich gefordert war. Aber sie einmal mehr bewiesen, daß auch ihre Offensivqualitäten unglaublich wichtig sind.

    Den Casus Anja Mittag kann ich auch nicht verstehen, da sie gestern einmal mehr gezeigt hat, daß sie – wie seit langer, langer Zeit – einfach ihren Torinstinkt verloren hat, wieso auch immer. Ich bin mir fast sicher, daß Martina Müller sich zumindest die eine Großchance nicht hätte entgehen lassen. Ich kann nur hoffen, daß der Grund, sie mitzunehmen, nicht ausschließlich Theo Zwanziger heißt.

    Ansonsten glaube ich auch, daß wir eine sehr gute und schlagkräftige Mannschaft zusammen haben, Rech und Gößling werden mit Sicherheit nach den Spielen (und den zu erwartenden Rücktritten) ihre Chance bekommen.

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  • oliist sagt:

    In before the haters. 😉
    Eine Müller ist nun einmal in der Nationalmannschaft bisher eigentlich immer nur als wirkungsvoller Joker in Erscheinung getreten.Nicht gerade die Definition von flexibel.
    Und wenn dann tatsächlich noch konditionelle Defizite hinzugekommen zu sein scheinen,wundert mich die Nichtnominierung selbstredend kein bisschen.
    Zu Rech kann ich mir keine Meinung erlauben,da ich sie in letzter Zeit kaum zu Gesicht bekommen habe(ein-zwei Matches in den letzten 12-24 Monaten).
    Jippie für Celia.
    Deren Nominierung stimmt mich wirklich zufrieden. XD

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  • Steffen sagt:

    Martina Müller ist ein ähnlicher Spielertyp wie Conny Pohlers und Sandra Smisek im Vergleich zu Birgit Prinz und Anja Mittag. Vielleicht wollte Silvia Neid nicht 3 ähnliche Stürmerinnen mitnehmen. So hat sie mehr Varianten, um die gegnerische Abwehr zu knacken.

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  • Katha sagt:

    Celia wird über kurz oder land den Platz von Renate Lingor einnehmen. Ich würde aber auch gerne mal Linda Bresonik auf Lingors Position sehen. Simone Laudehr hat gestern wieder mal top Leistung gebracht. Die Vorlage zum 2:0 war beeindruckend.
    Das Spiel von Lira war bei weitem das schlechteste was ich je von ihr gesehen habe. Aber wir wissen ja wie stark sie normalerweise ist. Bin sehr froh das Conny Pohlers nominiert wurde. Das hat sie sich verdient. Anja Mittag hat zwar gestern kein Tor erzielt, aber ich finde sie ist sehr lauffreudig und kann den entscheidenden Pass in die Spitze geben (hängende Stürmerin)

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  • Bernhard sagt:

    Was auffällt: Nur eine Spielerin (Melanie Behringer, FCB bzw. SC Freiburg) kommt von den Vereinen, die einen Profiverein im Hintergrund haben. Alle anderen aus reinen FF-Clubs und Bad Neuenahr.

    Zur WM 2011 wette ich, dass sicher dieser Anteil verschieben wird.

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