Home » DFB-Frauen, U19-EM

U19: Wehe, wenn sie losgelassen

Von am 14. Juli 2008 – 10.32 Uhr

Die Szenerie war perfekt. Am nahe des Mannschaftshotels gelegenen Sees Lac de Bretonnière rundete ein 20-minütiges, farbenprächtiges Feuerwerk anlässlich des bevorstehenden französischen Nationalfeiertags einen erfolgreichen Tag der deutschen U19-Auswahl gebührend ab.

Anzeige

Mit einem überzeugenden 7:0-Erfolg waren die DFB-Damen in Amboise zuvor ins Halbfinale der U19-Europameisterschaft gestürmt. Gleich sechs verschiedenen Spielerinnen durften sich an diesem Nachmittag über einen Torerfolg freuen, auch ein Beleg für die geschlossene Mannschaftsleistung.

Doch in der Anfangsphase galt es erst einmal einen brenzligen Moment zu überstehen, als DFB-Torhüterin Desirée Schumann ihr Team mit einer Parade der Extraklasse vor einem Rückstand bewahrte. Doch fast im Gegenzug nutzte die offensivstarke, erstmals von Beginn an spielende Lisa Schwab einen Abwehrfehler der Schottinnen zur Führung. Einen psychologisch besseren Zeitpunkt hätte es wohl kaum geben können.

Erster Turniertreffer von Kulig
Und als dann auch noch Kim Kulig nur acht Minuten später mit einem überlegten Heber auf 2:0 erhöhte, begann die Konzentration einiger schottischer Spielerinnen deutlich nachzulassen. Die Folge: Die nun selbstbewusst agierenden Deutschen kombinierten immer flüssiger und waren in den Zweikämpfen nun einen Tick schneller. Und schon lief der Ball wie am Schnürchen durch die eigenen Reihen.

Marie Pollmann erzielte nach einer guten halben Stunde ihren vierten Turniertreffer und nach einer Bayern-München-Koproduktion drückte Steffi Mirlach einen Freistoß von Julia Simic aus kurzer Distanz über die Linie. Was folgte, war der schönste Treffer des Tages, der die Zuschauer auf den Rängen zu Applaus auf offener Szene animierte.

Sehenswerte Aktion
Die schnelle Schwab trieb im Mittelfeld den Ball nach vorne, legte quer auf Pollmann, die schob weiter nach rechts auf Simic, von wo der Ball wieder zentimetergenau zurück auf die nach vorne sprintende Schwab kam, die ihren zweiten Treffer des Tages erzielte. Präziser und perfekter kann man einen Angriff nicht durchführen.

Wer gedacht hatte, die deutschen Spielerinnen würden es in Halbzeit zwei gemächlicher angehen lassen, sah sich getäuscht. Nach fünf Minuten glänzte erneut Simic als Vorbereiterin für einen Treffer von Marina Hegering und auch die eingewechselte Selina Wagner traf mit einem präzisen Schlenzer.

Kein Grund zur Euphorie
Jessica Wich blieb ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk verwehrt, als sie nur den Pfosten traf. In der Schlussphase schraubte die DFB-Elf das Tempo zurück, Schottland drückte noch einmal etwas auf den Ehrentreffer, doch die aufmerksame Schumann wusste dies mit einer neuerlichen Parade in den Schlussminuten zu verhindern.

Trainerin Maren Meinert sprach nach der Partie von einem zu hoch ausgefallenen Resultat, wohl auch, um die möglicherweise aufkeimende Euphorie im Team zu bremsen. Denn am Mittwoch in Tours wartet auf Deutschland nun Norwegen. Und die Skandinavierinnen werden die Deutschen wohl kaum derart zur Entfaltung kommen lassen.

Tags: , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.