Deutsche U19 will auch Schweden knacken

Von am 10. Juli 2008 – 1.51 Uhr 11 Kommentare

Es war schon erstaunlich, mit welcher Ruhe, Konzentration und Abgebrühtheit die deutsche Nationalelf am vergangenen Montag bei der U19-EM in Frankreich die erste Hürde England nahm. Gegen die bärenstarken Engländerinnen ließ sich das Team nie aus der Ruhe bringen, der gute Einstieg in das Turnier sorgte für zufriedene Gesichter und gute Stimmung im Team.

Am Donnerstag steht nun die zweite Partie auf dem Programm. Schweden ist nach vielen Testspielen und Nordic-Cup-Duellen in der Vergangenheit kein unbekannter Gegner. Und so ist man im deutschen Lager mit dem Selbstvertrauen des Siegs gegen England im Rücken zuversichtlich, in Saint-Cyr-sur-Loire auch gegen die Schwedinnen drei Punkte holen zu können.

Mit konsequentem Pressing, präzisem Passspiel und konstantem Druck will man das Spiel des Gegners frühzeitig unterbinden und gegen die physisch starken Schwedinnen möglichst von Beginn an eigene Akzente setzen. Nach einem Tag Durchschnaufen mit Regeneration im Pool, mit Auslaufen und einem freien Nachmittag stand am Mittwoch die Vorbereitung auf das Schweden-Spiel im Vordergrund. Mit kurzen, intensiven Einheiten näherte man sich langsam wieder dem Spielrhythmus an.

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Keine Halbfinalgarantie
Aufgrund des Turnierreglements wäre aber selbst mit dem zweiten deutschen Sieg im zweiten Spiel der Aufstieg ins Halbfinale noch nicht perfekt, da dann immer noch drei Teams sechs Punkte erreichen und am Ende das Torverhältnis der direkten Duelle den Ausschlag geben könnte. So würde beispielsweise – Siege von Schottland und Schweden gegen England vorausgesetzt – ein 1:0-Sieg der DFB-Elf gegen Schweden und eine 0:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Schottland das Turnier-Aus für Deutschland bedeuten.

Die Skandinavierinnen hatten ihr Auftaktspiel gegen Schottland durch einen Treffer von Sara Sjöstedt in der vierten Minute der Nachspielzeit glücklich mit 2:1 gewonnen. Dass es gegen Deutschland kein einfaches Unterfangen wird, ist Schwedens Trainer Calle Barrling mehr als bewusst, doch er hofft, dass mit der wachsenden Spielpraxis seiner Schützlinge und dem Ablegen der Nervosität gegen die deutsche Elf gepunktet werden kann.

Gelungene Generalprobe
Im Oktober des Vorjahres trafen die beiden Teams bereits einmal aufeinander. Damals siegte Deutschland durch zwei Treffer von Julia Simic mit 2:0. Die Schwedinnen schöpfen daraus Hoffnung, dass sie damals in der ersten Halbzeit das bessere Team waren, in der zweiten Halbzeit aber aufgrund des Trainingsrückstands die Kräfte schwanden.

Nichtsdestotrotz hält Barrling die Deutschen für den „absoluten Turnierfavoriten“. Doch mit mit einem variableren Offensivspiel als damals soll der deutsche Abwehrriegel geknackt werden. „Wir haben keine Angst vor ihnen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • Auch wenn ich noch nicht der Profi im Beurteilen von Frauenfussball bin, habe ich darauf getippt, dass die Damen bis ins Halbfinale kommen. Es wäre natürlich ein dickes Ding, wenn sie den Titel holen würden, das glaube ich aber nicht.

    Ingo

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  • oliist sagt:

    Auf der offiziellen DFB Seite heißt es im heutigen Artikel zum Spiel gegen Schweden,daß bei Punktgleichheit der direkte Vergleich entscheidend wäre.
    Ich hoffe doch tatsächlich,daß Markus sich hier geirrt hat. 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    @oliist: Da hat sich die DFB-Seite leider geirrt. Im offiziellen UEFA-Reglement zur U19-EM heißt es unter VI Competition System im Artikel 8.11 unter „Equality of points“ (habe es gerade nur auf Englisch vorliegen):

    If two or more teams are equal on points on completion of the group matches, the following criteria are applied to determine the rankings:

    a) Higher number of points obtained in the group matches played among the teams in question.

    Anmerkung: (Das heißt, in dem von mir beschriebenen Szenario, würden die Punkte aus dem Sieg gegen England aus der Wertung fallen)

    b) Superior goal difference resulting from the group matches played among the teams in question.

    c) Higher number of goals scored in the group matches played among the teams in question.

    d) If, after having applied criteria a) to c) to several teams, two teams are still equal, criteria a) to c) will re-applied to rank the two teams. If this procedure does not produce a result, criteria e) to g) will be applied.

    e) Results of all group matches:

    1. Superior goal difference
    2. Higher number of goals scored

    f) Fair play ranking of the teams in question
    g) Drawing of lots

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  • oliist sagt:

    🙁
    Ich glaube,da gefällt mir Punkt g ja noch besser. 😉

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  • Max Diderot sagt:

    Markus, ist ein wenig Beschäftigung sollte schon sein, und das schöne Tal der Loire, seine Schlösser und möglicherweise der Sauvignon Blanc lassen sich an den spielfreien Tagen geniessen ;] .

    Vielen Mannschaften im Frauenfußball fehlt es ja noch an einer stringenten taktischen Ordnung. Bestenfalls läßt sich das allüblicherweise praktizierte 4-4-2 erkennen. Wie verhält sich die U19-Frauenschaft des DFB? Gibt es eine klare taktische Ausrichtung, die systematisch angewendet wird? Und erkennst Du auch bei anderen Teams der U19-EM einen irgendwie gearteten Prozess, bestenfalls auch etwas Innovatives, das möglicherweise den Frauenfußball nächster Zukunft (mit-) prägen könnte?

    Ich will Dich jetzt nicht von einem guten déjeuner abhalten, aber vielleicht kannst Du ja in einer Art Zwischenfazit, nach Beendigung der Gruppenphase, darauf eingehen. A ta santé!

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  • suplo sagt:

    Ist mein Englisch jetzt soo schlecht, dass ich deine Uebersetzung nicht nachvollziehen kann?
    Ich komme darauf, dass der direkte Vergleich gewertet wird (wie auch der DFB) und kann vom Ausschluss der Wertung eines Spieles nichts finden.

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  • oliist sagt:

    Pollmann hat sich offensichtlich vorgenommen Torschützenkönigin zu werden.
    1:0 für Deutschland durch die eben genannte Spielerin.

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  • oliist sagt:

    Kaum zuende getippt schon folgt der Ausgleich. 🙁

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo suplo, der entscheidende Wortlaut ist: „played among the teams in question“. Das heißt, wenn drei Teams z. B. punktgleich bei sechs Punkten stehen und das vierte Team abgeschlagen Gruppenletzter ist, werden nur die Spiele dieser drei Teams untereinander gewertet, die punktgleich sind. Mit der Folge, dass sich eine ganz neue Tabellensituation ergibt.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Max: Das kann ich gerne machen, allerdings nur für Gruppe B, da ich ausschließlich die Spiele der deutschen Mannschaft sehe und somit auch nur die deutschen Gegner bis jetzt. Deutschland hat im Auftaktspiel ein 4-4-2 gespielt, heute dann durch die Hereinnahme von Jessica Wich eher ein 4-3-3. Schweden agierte in beiden Spielen bisher mit einem 4-1-4-1. Schottland praktiziert ebenfalls ein 4-1-4-1, England spielte gegen Deutschland ein 4-4-2, heute war das dann ein sehr flexibles 4-5-1, England hat bewusst versucht, ein wenig mehr Flexibilität ins Spiel zu bringen. Mal sehen, wie es weitergeht.

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  • suplo sagt:

    @Markus
    Von dieser Seite aus betrachtet, kann man auch von einem „aus der Wertung fallen“ reden. Da stimme ich mit dir überein.

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