Günter Wegmann: Vom Schatten ins Rampenlicht

Von am 20. Juni 2008 – 12.47 Uhr 4 Kommentare

Günter Wegmann will die erfolgreiche Arbeit beim 1. FFC Frankfurt fortsetzenMonatelange rätselte und spekulierte die Frauenfußball-Gemeinde, wer wohl beim 1. FFC Frankfurt in die großen Fußstapfen von Erfolgstrainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks treten würde, der mit dem Triple-Gewinn seinem Nachfolger ein schweres sportliches Erbe hinterließ. Und wer vor allem den Verein sportlich durch die Herausforderungen der Zukunft begleiten sollte.

„Günter, wer?“, wird sich dann am Donnerstag so manch einer nach dem Ende der monatelangen Suche und der späten Verkündung des neuen Trainers Günter Wegmann erst einmal verwundert und etwas enttäuscht gefragt haben. Und auch in den einschlägigen Frauenfußball-Foren lief die Diskussion nur zögerlich an. Was sollte die Öffentlichkeit auch über einen sagen, den sie (noch) nicht kennt?

Doch die unspektakuläre Verpflichtung, die laut Süddeutscher Zeitung „wenig Glamour, aber viel Fachwissen“ verspricht, könnte sich als Volltreffer erweisen, auch wenn Wegmann nicht erste Wahl war. Denn der 54-jährige Trainer mit Magister in Sport und Psychologie genießt viel Respekt.

Anzeige

Zuletzt war Wegmann als Sportlicher Leiter und Gesamtjugendkoordinator des Leistungszentrums von Kickers Offenbach tätig. Im Rhein-Main-Gebiet ist er kein Unbekannter. Viele schreiben alleine ihm den Erfolg zu, dass die Offenbacher in der Vergangenheit im Jugendbereich der großen Eintracht aus Frankfurt Paroli bieten konnten.

Einjahresvertrag
Wegmann erhält zunächst einen Einjahresvertrag und wird dem 1. FFC Frankfurt ab 1. Juli zur Verfügung stehen. „Es ist für mich eine riesige Herausforderung, das Amt als Trainer bei Europas erfolgreichstem Frauenfußball-Verein anzutreten und mit einem solch hochkarätigen Kader arbeiten zu dürfen. Ich freue mich auf diese Aufgabe und werde mit größtmöglichem Engagement dazu beitragen, dass der 1. FFC Frankfurt die sportlichen Ziele der Saison 2008/2009 realisieren kann“, so Wegmann, der am 20. Juli erstmals das Training leiten soll.

Wenig Frauenfußball-Erfahrung
FFC-Manager Siegfried Dietrich betonte schon vor Monaten, der neue Trainer müsse „nicht aus dem Frauenfußball kommen“. Ganz unbefleckt ist Wegmann in Sachen Frauenfußball nicht. Bevor er an den Bieberer Berg wechselte, war er einige Jahre als Verbandssportlehrer des hessischen Fußball-Verbands unter anderem für die U21-Auswahl der Frauen verantwortlich. 2001 wurde er Länderpokalsieger, in seinem Team standen Spielerinnen wie Nia Künzer, Saskia Bartusiak, Katrin Kliehm, Anna Marciak, Patrizia Barucha, Jennifer Meier und Ursula Holl.

„Wer bei uns als Trainer arbeitet, darf keine Angst vor Erfolg haben. Das schränkt den Kandidatenkreis schnell ein“, erklärt Dietrich die Entscheidung zugunsten Wegmanns. Hinzu mag gekommen sein, dass einige andere Wunschkandidaten nicht verfügbar waren, da sie sich beruflich bereits anderweitig neu orientiert hatten.

Siegfried Dietrich begrüßt Günter WegmannGroße Erwartungen
Dietrich setzt hohe Erwartungen in den neuen Trainer: „Ich bin sicher, dass wir mit Günter Wegmann einen neuen Chef-Trainer gefunden haben, der die erfolgreiche Arbeit von Dr. Hans-Jürgen Tritschoks fortsetzt und der mit seiner Kompetenz und Erfahrung die Voraussetzungen dafür mitbringt, dass wir in der Saison 2008/2009 gemeinsam die Verteidigung der drei gewonnenen Titel anstreben können.“

Boretti bleibt
Neuer Assistenztrainer im Team von Wegmann wird Dirk Schneider, der zuletzt beim TSV Michelbach (Landkreis Marburg/Biedenkopf) in der Männer-Bezirksoberliga als Trainer tätig war. Der bisherige Co-Trainer Ronny Boretti wird sich in Zukunft weiterhin als hauptamtlicher sportlicher Koordinator vor allem um die Umsetzung des sportlichen Gesamtkonzeptes beim 1. FFC Frankfurt kümmern. Zusätzlich wird er Wegmann für das individuelle Training einzelner Spielerinnen zur Verfügung stehen.

Auf Spielerinnensuche
Eine der ersten Amtshandlungen Wegmanns dürfte es sein, die Personalplanung für die Saison 2008/2009 abzuschließen. Nach der Verletzung von Silke Rottenberg dürfte das Augenmerk einer weiteren Torhüterin gelten, auch in Mittelfeld und Abwehr sind weitere Verstärkungen geplant. Darüber hinaus ist ein schneller erster Austausch mit Bundestrainerin Silvia Neid geplant.

Tags: ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • suplo sagt:

    Ist denn auch bekannt wer die anderen Kandidaten waren?

    (0)
  • Anni sagt:

    Das würde mich auch interessiere!!!! 🙂 Sind schon mögliche Neuzugänge bekannt – Tor, Abwehr, Mittelfeld!?!?!?!?!?

    (0)
  • hajo sagt:

    Um das „Erbe“ von Hans-Jürgen Tritschok anzutreten gehört schon Mut.
    Alles Gute, Günter Wegmann, ich hoffe, dass die Spielerinnen – anders als so manche Männermannschaften – weiterhin auf Erfolgskurs bleiben!

    (0)
  • helena sagt:

    Auch wenn es nicht ganzhierher gehört, mal ne blöde Frage: habe ich den Bericht übersehen oder gab es keinen zum Bundesliga-Finale und den Tripel-Gewinn? So ganz unwichtig ist das vielleicht auch nicht…

    (0)