Keine Psycho-Spielchen vor Bundesliga-Gipfel

Von am 6. Juni 2008 – 8.59 Uhr 7 Kommentare

Provokationen, Sticheleien, raue Töne – wer in diesen Tagen vor dem Endspiel in der Frauenfußball-Bundesliga zwischen dem FCR 2001 Duisburg und dem 1. FFC Frankfurt am Sonntag (live ab 14.00 Uhr im hr) verbale Auseinandersetzungen erwartet hat, sieht sich anders als in der Vergangenheit getäuscht.

Hoch konzentriert bereiteten sich beide Teams auf das Saison-Highlight in der Bundesliga bevor. Und ganz im Gegenteil: Vor dem Topspiel gehen die Duisburgerinnen sogar auf Schmusekurs mit dem UEFA-Pokal-Sieger.

So sagt Duisburgs Trainerin Martina Voss, die ihren Vertrag als Trainerin vor dem Topspiel um drei Jahre verlängerte: „Der 1. FFC Frankfurt ist ein klasse geführter Klub mit einer tollen Mannschaft.“

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Duisburg weist Favoritenrolle von sich
Und schüttet im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ weiter Lob über die Frankfurterinnen: „Für mich steht Frankfurt für eine Hochburg des Frauenfußballs, lange Jahre sogar mit zwei Bundesligisten, dem 1. FFC und dem FSV. Und das Uefa-Cup-Finale vor zwei Wochen mit fast 28 000 Zuschauern hat gezeigt, dass der Frauenfußball in Frankfurt verwurzelt ist. Das finde ich gut.“

Und so schiebt Voss trotz des Heimvorteils auch die Favoritenrolle auf die Gäste. „Frankfurts Spielerinnen haben über 1.000 Länderspiele im Rücken, wir nur 300.“ Die Erfolgsformel? „Man muss sich auf den Erfolg freuen und nicht vor ihm Angst haben.“

Frankfurt ist gewarnt
Doch in Frankfurt ist man alles andere als gewillt, sich von den Lobeshymnen einlullen zu lassen. „Wir haben Respekt vor der Duisburger Mannschaft, die über sehr starke individuelle Klasse verfügt.“ Es würde nicht reichen, Inka Grings, die mit 24 Toren Führende in der Torschützenliste, in den Griff zu bekommen. „Das Team von Trainer-Kollegin Martina Voss verfügt über eine Reihe weiterer kreativer und torgefährlicher Spielerinnen.“

Durch den 2:1-Sieg im Nachholspiel gegen den 1. FC Saarbrücken hat Frankfurt die Tabellenspitze zurückerobert und sich einen kleinen Vorteil verschafft. Denn dem UEFA-Pokal-Sieger würde am Sonntag bereits ein Remis reichen, um den hauchdünnen Vorsprung von einem Punkt zu verteidigen.

Psychologischer Vorteil?
„Unser Vorsprung beträgt zwar nur einen Punkt, aber gerade dieser ist psychologisch wichtig und stellt für uns eine gute Ausgangsposition dar.“ Dennoch wollen die Frankfurterinnen nichts dem Zufall überlassen und auf Sieg spielen. Tritschoks erwartet ein „hochklassiges Spiel“ mit insgesamt elf Weltmeisterinnen auf dem Platz.

Doch auch die Duisburgerinnen können durchaus psychologische Pluspunkte für sich geltend machen. Denn erstens hat das Team durch den UEFA-Pokal-Sieg der Frankfurterinnen bereits einen Platz im internationalen Wettbewerb sicher, und zudem meinte Martina Voss schon vor einigen Monaten: „Wir können es bei optimalem Verlauf schaffen, aber wir müssen es nicht.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • schmidt sagt:

    Duisburg kann und muß jetzt Flagge zeigen, wenn alle wirklich können und wollen. Wer seinen Kopf freibekommt und als Gipfelstürmer mit einem Sieg alle überzeugen kann, der wird zu Recht sicher den Triumph des Deutscher Meisters der Saison 2007/2008 im FF genießen können.
    Es könnte ja sein, dass Annike Krahn vielleicht einzig und allein nur bei einem Sieg des FCR und nach dem Gewinn des Meistertitels dem Klub erhalten bleiben wird.

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  • Max Diderot sagt:

    Seltsam lethargisch verläuft die Diskussion vor diesem, möglicherweise die Meisterschaft entscheidenden, Spitzenspiel der Frauenfußball-Bundesliga. Befindet sich der überwiegende Teil der Interessierten noch beim Schnäppchenkauf von Flachbildschirmen?

    Dabei fordert diese Begegnung doch geradezu eine polemische, nicht immer ernst zu nehmende, Betrachtungsweise heraus. Die Kickerinnen des „Commerzbank-Prokuristen“ Siegried Dietrich treffen auf eine junge und engagierte, dem Ruhrgebiet und seinen Idealen sich selbstlos opfernde Truppe, die technisch guten Fußball spielt. Während im Männerbereich der MSV Duisburg erneut seinen Ruf als Fahrstuhl-Mannschaft der Fußball-Bundesliga dokumentierte, spielen die Damen des FCR konstant in den nördlichen Sphären der Liga.

    Vielleicht lassen sich die Frauen aus dem Ruhrgebiet ja auch einen Trick einfallen: den Marta-Effekt. Entsprechende Vorgehenweisen der Duisburger Spielerinnen treiben dann den Frankfurter Coach zur Weissglut und in der darob verlustig gegangenen Konzentration fangen sich die Damen vom Main mehr Tore ein als sie selbst erzielen.

    Als Dank für das ebenso engagierte wie motivierte Spiel der Duisburgerinnen, und in Anbetracht der verblassenden Krise am Kreditmarkt, wird ein überregionales Bankinstitut zum Premium-Sponsor des FCR. Nehmen wir doch gleich die IKB – wie Phönix aus der (Abschreibungs-) Asche. Ach ja, und Fatmire Bajramaj erhält einen Exklusivvertrag mit einem großen französischen Handtaschenproduzenten.

    Vielleicht verleitet diese Vorstellung dann dazu, demnächst vom fußballerischen Titaninnen-Duell oder dem Amazonen-Hype zu sprechen. Denn dann wären wir wieder im realen Leben. Wie bei den Männern!

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  • Anni sagt:

    Was für ein Schmalz *g*

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  • schmidt sagt:

    @ Anni
    Deine Bemerkung reicht überhaupt nicht an des Pudels Kern, sie ist einfach unqualifiziert, unsachlich und ohne Sinn. Vielleicht fehlt doch nur einfach im Moment eine gewisse Vorstellungskraft, die angedeuteten Hintergründe von Max verstehen zu können oder zu wollen.

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  • Bea sagt:

    @ schmidt

    Ich kann die „Aussage“ von Anni schon nachvollzeiehn!!!! Von Max wurde das schon sehr geschwollen daher geschrieben. Ich denke, hier ist jedem klar um was es geht, der sich ein wenig für die Frauen-Buli interessiert. Doch kann man das nicht in einfache Worten widergeben!? Und manche Dinge werden schon weit hergeholt. Aber jedem das Seine!!!!! 😉

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  • suplo sagt:

    Er hat auf jeden Fall erreicht was er wollte.
    Es wird diskutiert. Zwar nicht über das Spiel, aber wenigstens über seinen Beitrag. 🙂

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  • schmidt sagt:

    Was gefällt euch besser?
    Vielleicht sind die gefälligen 😉 Worte von Martina Voss zum Frankfurt-Spiel einfach besser, weil sie netter und sympathischer klingen, gespickt mit 🙂 Lobeshymnen!

    „Freuen wir uns auf das Spiel der Spiele!“ – fcr homepage

    Liebe Freunde und Förderer des FCR 2001 Duisburg, hallo Fans! Duisburg gegen Frankfurt! Klare Sache, das heutige Spiel elektrisiert, zieht die Frauenfußballfreunde in seinen Bann! Ein dickes Kompliment geht an alle acht Teams des FCR 2001 – sie haben Ehre für unsere Farben eingelegt.

    Mein Blick geht – parallel zum in der Tat spannenden Saisonendspurt – in Richtung 19. Juli 2008, 15 Uhr. Dann nämlich feiern wir die Saisoneröffnung an ungewohnter Stelle, mitten in der City auf der Königstraße.

    Wir müssen, da wir jetzt international gefordert werden, noch stärker werden!

    Von Herzen gratuliere ich dem FFC Frankfurt, der den UEFA-Pokal absolut verdient gewonnen hat! Ich war sehr beeindruckt vom Finale und von der Kulisse! Liebe Freunde, gegen den amtierenden UEFA-Pokal-Sieger werden wir heute alles geben. Es ist an sich ein tolles Gefühl, nunmehr “europäisch” zu spielen, noch schöner jedoch, dies als Deutscher Meister zu tun!

    >>>der komplette Text

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