Deniz Bakir wird Trainer beim SC 07 Bad Neuenahr

Von am 4. Juni 2008 – 9.11 Uhr 6 Kommentare

Einen überraschenden Namen präsentierte Frauenfußball-Bundesligist SC 07 Bad Neuenahr als Nachfolger für die zum Saisonende scheidende Trainerin Sandra Minnert. Der 42-jährige A-Lizenzinhaber Deniz Bakir, bisheriger Trainer der A-Junioren des Bonner SC, wird die Kurstädterinnen in der Saison 2008/2009 betreuen.

Bakir war bisher noch nicht im Frauenfußball tätig. „Das ist Neuland für mich, aber ich freue mich auf den Leistungsfußball auf höchstem Niveau“, räumt Bakir freimütig ein, für den Bad Neuenahr kein ganz unbekanntes Pflaster ist.

Denn während seiner aktiven Zeit als Verteidiger spielte er eine Saison mit dem SC 07 Bad Neuenahr in der Landesliga. Weitere Stationen waren die Amateure des 1. FC Köln, SV Bergheim, Bonner SC, Siegburg 04 und der ETSC Euskirchen. Als Trainer war Bakir elf Jahre lang in der Jugendabteilung des Bonner SC tätig.

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„Absolute Herausforderung“
Der Maschinenbautechniker, der großen Wert auf die Ausbildung der Jugendlichen legt und sich selbst als Kämpfertyp beschreibt, freut sich auf die neue Aufgabe: „Als die Anfrage kam, habe ich sofort ja gesagt. Ich betrachte die Aufgabe als eine absolute Herausforderung“, so Bakir, der sich nach eigenen Worten bislang kaum vorstellen konnte, hochklassigen Frauenfußball zu trainieren.

Bakir hatte eigentlich Anfang Mai schon als Trainer beim FC Rheinbach zugesagt. „Aber mit der Prämisse, bei Interesse eines Bundesligisten wieder abspringen zu können.“ Dass nun tatsächlich ein Erstligist anklopfte, kam für Bakir überraschend. „Beim FC Rheinbach habe ich vollste Unterstützung für diesen Schritt und den damit verbundenen Rückzieher erhalten, dafür kann ich den Verantwortlichen in Rheinbach nur danken.“

Gewagtes Experiment
Doch hundertprozentig überzeugt scheint man von dem Experiment mit dem Frauenfußball-Newcomer in Bad Neuenahr nicht zu sein. Denn Bakir erhält nur einen Einjahresvertrag. „Zum Kennenlernen“, wie Bakir meint. Bad Neuenahrs Zweite Vorsitzende Bettina Hein erklärt: „Wir haben uns bei der Wahl des neuen Trainers bewusst viel Zeit gelassen, um letztendlich eine gute Wahl treffen zu können. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Deniz Bakir nun einen Trainer gefunden haben, der optimal zum SC 07 Bad Neuenahr passt.“

Eine mutige Lösung, deren Werthaltigkeit sich in der kommenden Saison zeigen wird, wenn sich der SC 07 Bad Neuenahr im zunehmenden Konkurrenzkampf der Frauenfußball-Bundesliga wird beweisen müssen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Bernd sagt:

    Eigentlich wäre doch für einen Aussenstehenden so gut wie jeder Name überraschend und/oder unbekannt gewesen. Die Neu-Trainer von Crailsheim oder Freiburg hat ja vorher auch keiner gekannt. Und das Herrn Bakir ein Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, ist nur richtig, wenn man das Wattenscheider Trainerdebakel bedenkt.

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  • Markus Juchem sagt:

    Das kommt auf den Blickwinkel an, es gibt ja durchaus auch Frauenfußball-erfahrenen und bekannte Trainer auf dem Markt. Dass man einem Trainer erst einen Dreijahresvertrag gibt und ihn dann nach kurzer Zeit den Laufpass gibt, spricht nicht für Weitsicht, ist aber ja kein Argument gegen langfristigere Verträge.

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  • Max Diderot sagt:

    Mir ist Herr Bakir bis dato noch nicht bekannt gewesen. Zöge ich Rückschlüsse aus seinem Familiennamen, läge die Vermutung nahe, dass ein Migrationshintergrund besteht.

    Nun muss und darf dieser Umstand für sich genommen noch kein Maßstab sein. Aber ich empfinde es sehr angenehm, dass Menschen mit einem womöglich etwas anderen Herkunft als der typische Hinz-und-Kunz-Deutsche, nun auch die Chancen erhalten, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. Leider ist unsere Gesellschaft im Allgemeinen und der Sport im Speziellen, was Leitungsfunktionen von Personen der zweiten oder dritten Generation der ehemals nach Deutschland gekommenen Familien betrifft, oftmals noch intolerant.

    Dass sich dies in den vergangenen Jahren im Fußball änderte, ist sicherlich auch auf die Initiative von DFB und Partnern in der Wirtschaft zurückzuführen, die mit einigen Projekten die Integration förderten und dies hoffentlich auch zukünftig tun werden.

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  • Peter Eckhardt sagt:

    Vielleicht denkt man ja auch einmal über die Möglichkeit nach, das Deniz Bakir selbst vorgeschlagen hat den Vertrag erst einmal ein Jahr zu begrenzen. Was nützt ein drei Jahresvertrag wenn man nach einem halben Jahr feststellt, es passt nicht.
    Anscheinend gibt es noch zu viele Experten, die erst schreiben und dann denken.

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  • Detlef sagt:

    Sehe ich wie Peter!!!
    Einem Neuling gibt man keinen 3-Jahres-Vertrag, und als Neuling muss ich erst mal reinschnuppern in die Materie!!!
    Die Kurstädterinnen haben ja mit solchen „Neulingen“ auch gar keine so schlechten Erfahrungen gemacht!!!
    Didi Schacht muss man ja nicht unbedingt mögen, aber ich glaube schon, dass die Mädels da so Einiges gelernt haben!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Peter Eckhardt: Und manche posten, ohne vorher zu lesen, stimmt’s? 😉

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