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Bayer 04 Leverkusen plant Einstieg in Frauenfußball

Von am 30. Mai 2008 – 17.33 Uhr 15 Kommentare

Die Bayer 04 Fußball GmbH plant noch in diesem Jahr die Gründung einer Frauenfußball-Abteilung. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bestätigte derartige Pläne. „Wir denken derzeit gemeinsam mit der Fußball-Abteilung im Hauptverein darüber nach, ein Mädels-Team ins Leben zu rufen“, so Holzhäuser. Schon zum 1. August könnte Leverkusen mit einem eigenen Frauenfußball-Team vertreten sein.

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Es gebe dort „einen großen Bedarf im Fanbereich“, erläuterte Holzhäuser gegenüber dem „Leverkusener Anzeiger“, außerdem seien im Umfeld des Vereins viele Mädchen, die Fußball spielen würden.

WM 2011 als Triebfeder
Natürlich spiele auch die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland, für die sich die Bay-Arena als Austragungsort beworben hat, eine Rolle in diesen Überlegungen. Holzhäuser erklärt: „Ein eigenes Team vor Ort zu haben, wäre da sicher nicht von Nachteil.“

Noch sei jedoch unklar, ob der Verein in Eigenregie eine Mannschaft aufbaue, oder ob eine Zusammenarbeit mit einem bereits etablierten Verein aus der Nachbarschaft in Frage komme. Zu Details will sich Holzhäuser aber noch nicht äußern: „Wir verhandeln mit verschiedenen Vereinen und mit dem Fußballverband Mittelrhein. Die Entscheidung wird in drei bis vier Wochen bekannt gegeben.“

Kooperation mit TuS Köln rrh.?
Eine derartige Zusammenarbeit könnte sich etwa mit Zweitligist TuS Köln rrh. anbieten. „Uns sind die Pläne von Bayer seit Mitte Mai bekannt“, bestätigt Kölns Vereinsmanager Maruan Azrak gegenüber Womensoccer.de. „Wir werden uns nächsten Donnerstag ausführlich mit dem Thema beschäftigen. Die beiden Stadien liegen ja nur 15 Kilometer auseinander, wir müssen uns unsere Gedanken machen.“

Ab der Saison 2008/2009 ist der TuS Köln rrh. der einzige Frauenfußball-Zweitligist in der Region. Ein ernsthafter Einstieg Leverkusens würde die Ausgangslage für die Kölner verändern. Nun gilt es also, das Für und Wider abzuwägen und eine Analyse zu erstellen.

Start bereits am 1. August?
Der Präsident des Fußballverbands Mittelrhein, Alfred Vianden, verrät: „„Die haben möglicherweise schon am 1. August ein eigenes Team am Start.“ Und ergänzt:  „Als ich im Juni zum Präsidenten gewählt wurde, habe ich mir vorgenommen, den Frauen- und Mädchenfußball in unserer Region wieder nach vorne zu bringen.“

Gespräche seien auch mit dem 1. FC Köln geführt worden. Auch Jürgen Beckmann, Sportbeauftragter der Bayer AG, begrüßt die Pläne: „Wenn es einen Bedarf gibt, dann ist das eine weitere Ergänzung des Portfolios.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Bravo, Herr Holzhäuser! Zwar spät, aber noch nicht zu spät will sich Bayer 04 im Frauenfußball engagieren – prima! Und Tante Käthe, wenn sie endlich ihr nicht nur orthopädisches Problem mit den Malta-Füßen kuriert hat, wird dann auch in femininer Begeisterung die Damen unterstützen und etwaigen sibyllinischen Betrachtungen der Herren Hartmann und Bierhoff trotzen.

    Trotz aller voran gegangener Ironie, denke ich, dass Leverkusen mit seiner soliden wirtschaftlichen Situation und seinem umsichtigen Tun (nimmt man den Fall Skibbe einmal aus) ein Klub ist, der in Sachen Finanz-know-how und sportlicher Ambition viel Wissenstransfer vermitteln kann in den Frauenfußball.

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  • suplo sagt:

    Das ist also die erhoffte Professionalisierung im Frauenfußball: „Einstieg“, „Ergänzung des Portfolios“ usw.

    Bislang habe ich gerade diese unverbrauchte Ausrichtung auf den Spaß am Sport bei den Damen gemocht. Jetzt habe ich langsam die Befürchtung, dass durch „Einstieg“ und „Portfolioergänzung“ andere Schwerpunkte in den Vereinen überhand nehmen. Schade.

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  • Marion sagt:

    „Unverbrauchte Ausrichtung auf den Spaß am Sport“? Ich bitte dich. Das gilt vielleicht noch bis zur Verbandsliga. Aber du kannst mir nicht erzählen, dass ein SiDi in Frankfurt kein Geld mit dem FFC verdienen will. Oder dass die ganzen BuLi-Vereine ihren Spielerinnen keine Gehälter zahlen würden (was, ganz nebenbei gesagt, beim TuS Köln aus Sponsorenmangel anders als bei vielen anderen Zweitligisten nicht der Fall ist. Für den Verein wäre das eine riesige Chance und die Spielerinnen, die wohl im Moment z.B. nicht mal von Physios betreut werden, erst recht).

    Die m.E. entscheidende Frage ist doch, inwieweit Leverkusen oder auch andere Männer-BuLi-Teams den FF ernst nehmen und fördern wollen, bzw. wie viel Bedeutung sie dann dem Frauenteam und dessen Jugendabteilung zukommen lassen. Gut läuft’s bei Bayern München, wie es nicht sein sollte, sieht man ja gerade in Hamburg, wo zwar wohl der „große Name“ HSV drau steht, aber letzten Endes doch auh irgendeinem Acker trainiert werden muss. Leverkusen setzt im Männerfußball bei den Junioren Maßstäbe, was Trainingszentrum, Rundumbetreuung etc. anbelangt. Und gerade angesichts der Tatsache, dass sich Bayer zur nächsten Saison aus sämtlicher Spitzensportförderung außer dem Fußball zurückzieht, bin ich zuversichtlich, dass sie sich dafür dem FF professionell zuwenden wollen. Was ist denn schlimm an Professionalität? Wenn sie dafür ermöglicht, dass die Spielerinnen regelmäßige Physio-Termine haben? Fahrgeld zum Training bekommen? Nicht mehr morgens um 7 in den Bus zum Auswärtsspiel um 14 Uhr anreisen müssen? Im Jugendbereich macht Bayer all das schon hervorragend. Warum nicht auch für Frauen?

    Man kann dem Konzern „Seelenlosigkeit“ bzw. „Werkself“-Tun vorwerfen, wie man will – aber betreuungstechnisch setzen sie wirklcih Maßstäbe. Und das ist im FF, wo alls Spielerinnen noch nebenbei Jobs haben, studieren oder zur Schule gehen, m.E. noch viel wichtiger als im Männerfußball, wo sich die gutverdienenden Jungprofis ja im Zweifelsfall mal eben nen eigenen Physio für die Reha dazukaufen könnten.

    Zum letzten Absatz des Artikels: „Gespräche seien übrigens auch mit dem 1.FC Köln geführt worden“ – nun ja, das sagt ja schon alles. Man hätte auch gleich „Völlig überflüssige und ergebnislose Gespräche“ schreiben können. Der werte Herr Overath und seine Klüngel-Spezis an der Vereinsspitze verachten FF (es tut mir leid, aber ein passendere Wort dafür gibt es nun mal nicht). Und schon vor Jahren hatte der FC keinerlei Interesse daran, mit dem damaligen Doublesieger Brauweiler (ja, lang ist’s her) zu kooperieren. Da geht Altherrentum einfach weit über wirtschaftliches Zukunftsdenken – anders als eben bei Bayer, die, wie @Max Diderot ja schon spät, aber eben nicht zu spät, erkannt haben, dass der FF durchaus förderungswürdig ist. Dass sie das, @suplo, aus wirtschaftlichen und nicht aus „ideelen“ Gründen tun wollen, spielt doch zunächst keine Rolle – denn so lange die FF-Mädels von Bayer so gefördert werden wie die Junioren, können die Spielerinnen nurn profitieren.

    Abgesehen davon: Nach dem, was ich bislang über die Verhandlungen gehört habe, die tatsächlich seit einiger Zeit mit mehreren Vereinen aus der Region laufen, geben die Bayer-Bosse offen zu, keine Ahnung von FF zu haben und daher keierlei sportliche „Entscheidungsmacht“ haben zu wollen. Es geht also nicht darum, sich mit aller Macht ein Erfolsteam „zusammenkaufen“ zu wollen (was das gibt, sieht man ja am stotternden Motor in Wolfsburg), sondern erst mal überhaupt anzufangen mit einem Engagement im FF – und das ist denke ich, einfach nur positiv zu bewerten. Erst recht für die Spielerinnen, die, egal von welchem Verein sie nun kommen sollten, bei Bayer sicherlich besser betreut werden können als anderswo.

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  • Detlef sagt:

    Wie ernst es den Bossen in Leverkusen, Bremen und auf Schalke nun wirklich ist, wird man spätestens dann sehen, wenn die Stars der Profiteams mal ins Straucheln geraten!!!
    Wenn die Millionen überall zusammengekratzt werden müssen, um neue TOP-Spieler zu verpflichten, wird es sich zeigen, ob sie die vielleicht 200000-300000 € nicht anrühren, die sie in den FF buttern!!!
    Vielleicht ist man wirklich interessiert, und sieht in 5-10 Jahren eine Profi-Liga entstehen, wo man nicht zu spät kommen möchte!!!
    Oder man beruhigt nur sein Gewissen damit, dass man auch für „Randgruppen“ etwas getan hat!!!

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  • Max Diderot sagt:

    Marion, Deine Ausführungen sind sehr interessant. Nach meinem Kenntnisstand ist Leverkusen tatsächlich ein Klub, der seine Ambitionen nicht nur auf den sportlichen Erfolg beschränkt. Und obwohl ich, wie ja schon beschrieben, die Entlassung von Michael Skibbe nicht nachzuvollziehen vermag, gefällt mir die aktuelle personelle Alternative, Bruno Labbadia, gut.

    Was ich damit sagen will ist, dass es abseits aller harten Faktoren (das Gelingen von sportlichen und wirtschaftliche Zielsetzungen ist natürlich primär) auch Nischen gibt, die es zu bearbeiten und entwickeln lohnt. Das Sport vielfach dem Diktat der Ökonomie unterliegt ist nichts Neues. Der Ansatz einer solchen Denkweise ist wichtig: kurz-, mittel- oder langfristig. Und ob es ein strukturelles Konzept gibt. Das scheint ja nicht bei allen Vereinen der Frauenfußball-Bundesligen so zu sein. Übrigens ist auch dieser Aspekt nicht neu, denkt man nur an die vergangenen Jahrzehnte, wo die Entwicklung der Klubs im Männer-Fußball sehr häufig patriarchalisch und mäzenatisch diktiert wurde.

    Fazit: Mir würde es sehr gefallen, wenn im großen mittelrheinischen Einzugsbereich von Köln, Leverkusen und Bonn eine Bastion des Frauenfußballs entstünde. Und ich bin auch davon überzeugt, dass dies dem Männerfußball dieser Region, in vielerlei Hinsicht, gut täte.

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  • Detlef sagt:

    Eins habe ich noch vergessen!!!
    Ich würde es den TUSSEN aus Köln natürlich sehr gönnen, wenn sie die Finanzspritze aus Leverkusen erhalten würden!!!
    Ich lernte sie, beim „Dragon-Cup“ kennen, und sie überraschten mit frischem schnellem Fußball!!! Ein wirklich sympathisches Team!!!
    Aber auch Brauweiler wäre wohl möglich!!!

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  • Marion sagt:

    M.W. wurde mit Brauweiler nicht verhandelt. Schließlich hat der Verein extrem viele Altschulden, die mitgetragen werden müssten, und ist in den letzten Jahren alles andere als solide geführt worden, was sich ja auch am sportlichen „Erfolg“ bemerkbar machte. Leverkusen möchte – auch das nur m.W. gesprochen – einen soliden, zuverlässigen Partner. Ob als Lev-FF-Abteilung oder zunächst nur in Form einer Koop à la Schalke/Recklinghausen, muss man sehen. Nichtsdestotrotz bin ich, @Max Diderot, völlig deiner Meinung: Die Kölner Region hat so ein Potential, was den FF angeht – das sollte nicht ungenutzt bleiben.

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  • Marion sagt:

    Nachtrag @Detlef: Mit „Gewissen beruhigen“ ggü. Randgruppen hat das im Fall Lev. ja nichts zu tun – eher damit, dass sie sich wirklich bei der WM 2011 engagieren wollen und das auch über ein eigenes Team.

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  • Detlef sagt:

    wie ich schon oben schrieb, das wird die Zukunft zeigen!!!

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  • Harald sagt:

    Ich bin zwar Schalke-Fan, aber ausgerechnet der Herr Thomalla ;-)hatte ja zu seiner Amtszeit immer etwas gegen Frauenfußball gehabt.
    Ich finde das in Ordnung, wenn nach Bremen, Hoffenheim und Gladbach noch ein Bundesligaverein wie Leverkusen in den FF einsteigt und durch wirtschaftliches Handeln und weniger Unaufgeregtheit durch weniger Ausleben diverser Profilneurosen vielleicht auch mehr soziale Kompetenz an den Tag legt als alle Brauweilers, Niederkirchens oder FSV Frankfurts dieser Welt.

    Und gewiß mag ein Wolfgang Holzhäuser eher stromlinienförmig sein. In der Hinsicht ist er mir aber lieber, als ein Bernd Reisig oder ein Rudi Assauer. Gestern hat der gute Reisig ja sein Ziel erreicht, denn der FSV Frankfurt ist ja jetzt Zweitligist.

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  • Barbara sagt:

    Im Kölner Stadt-Anzeiger stand gestern übrigens, dass der FC offenbar mit Brauweiler über eine Kooperation verhandelt.

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  • oliist sagt:

    Ganz gut zum Thema passt auch folgendes:
    Ich hatte gerade das zweifelhafte Vergnügen im WDR in der Sendung west.art am Sonntag zum Thema ‚Die Welt ist rund‘ nach einem Beitrag über FF im Iran die diskussionswürdige Aussage von einem gewissen Rudi Assauer zu hören,Mädchen sollten doch andere Sportarten wählen,weil das ganze ja nicht so elegant wäre(zumindest unterhalb der1. Bundesliga).Zu seiner Verteidigung muss man sagen,daß er sich wirklich stotternd bemühte nicht erkennen zu lassen,daß er FF für genauso nötig erachtet wie einen Kropf.
    Was erlaube Assauer…? 😉

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  • Michael sagt:

    Hallo,
    stimmtes eingendlich das Bayer04 die Gelder für die
    anderen Sportarten (Frauenhandball,Volleyball usw.)
    steichen wollen,das wär aber auch der falsche Weg.

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  • Max Diderot sagt:

    Das ist richtig und seit mehr als einem Jahr beschlossene Sache. Wobei nicht die Sportförderung per se als vielmehr die Spitzensportförderung, bis auf die Ausnahme (männlicher) Fußball, eliminiert wird. Der Tagesspiegel und der WDR haben etwas ausführlicher über das Thema berichtet.

    http://www.tagesspiegel.de/sport/Sportfoerderung-Bayer-nbsp-Leverkusen;art272,2335162

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  • Max Diderot sagt:

    Das ist richtig und falsch zugleich. Nicht die Sportförderung wird von der Bayer AG gestrichen als vielmehr die Spitzensportförderung. Der Beschluss stammt aus dem Jahre 2007 und nimmt den Bereich Fußball aus dieser Eliminierung der Subventionen aus.

    Der WDR und Der Tagesspiegel haben etwas ausführlicher über das Thema berichtet.

    http://www.tagesspiegel.de/sport/Sportfoerderung-Bayer-nbsp-Leverkusen;art272,2335162

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