Ariane Hingst: „Die schwedische Liga gefällt mir wesentlich besser“

Von am 30. Mai 2008 – 15.28 Uhr 18 Kommentare

Ariane Hingst in Aktion gegen WalesNach dem EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Wales im Kasseler Auestadion traf Womensoccer.de Ariane Hingst vor dem Mannschaftsbus der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft zum Blitzinterview. 

Darin äußert sich „Ari“ über ihre Rolle in der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, ihre Chancen für die Olympia-Teilnahme und zieht einen Vergleich zwischen der schwedischen und der deutschen Topliga.

Womensoccer.de: Frau Hingst, gegen Wales haben Sie ausnahmsweise nun auch in der Nationalmannschaft im Mittelfeld gespielt. Eine Rolle, die Ihnen schmeckt, weil Sie sie aus dem Verein kennen?

Anzeige

Ariane Hingst: Im Verein wird noch etwas anders gespielt. Aber es war schon schön, wieder einmal etwas offensiver zu spielen. Gerade gegen eine Mannschaft wie Wales, wo man selbst in der Abwehr nicht so sehr gefordert wird.

Womensoccer.de: Der Einsatz im Mittelfeld war aber eher eine Ausnahme, oder?

Ariane Hingst: Man weiß ja nie, was alles so kommt. Aber ich rechne schon damit, dass ich in der Innenverteidigung zum Einsatz komme, aber ich wäre auch nicht böse, wenn es das Mittelfeld wird.

Womensoccer.de: Würden Sie mir Recht geben, dass der Olympiakader zu 90 Prozent steht?

Ariane Hingst: Das sehe ich ganz anders. Der Konkurrenzkampf im Team ist groß, das hat man auch beim Spiel gegen Wales gesehen. Jede Spielerin will ihre Chance nutzen, sich zu zeigen. Es wird für Silvia Neid, Ulrike Ballweg und vielleicht auch Maren Meinert sicherlich eine schwere Aufgabe, 18 Spielerinnen auszuwählen. Natürlich unterhalten wir uns auch als Spielerinnen darüber und gehen die Liste durch. Es gibt auch noch verletzte Spielerinnen, es kann sich also immer noch viel tun. Sicherlich gibt es in jeder Mannschaft aber auch einige Positionen, die fix sind.

Womensoccer.de: Sehen Sie es eher als Vorteil oder Nachteil ein, dass Sie und auch Nadine Angerer im Ausland spielen? Man steht dort ja nicht so regelmäßig unter Beobachtung.

Ariane Hingst: Wir spielen ja nun seit 1996 in der Nationalmannschaft. Die Trainerinnen wissen, was sie an uns haben und können das einschätzen. Es wäre etwas anderes, wenn unsere Leistungen in den Lehrgängen und Länderspielen voll daneben liegen würden. Dann hätten wir sicherlich keine Stammplatzgarantie oder dergleichen. Bei so erfahrenen Spielerinnen, wie wir es sind, ist es auch weniger wichtig, jemanden häufig zu beobachten, im Vergleich zu einer jüngeren Spielerin, die noch nicht so lange dabei ist. Michael Fuchs, unser Torwarttrainer, hat sich aber auch schon ein Spiel bei uns angeschaut.

Womensoccer.de: Vergleichen Sie doch mal die schwedische Liga mit der Bundesliga.

Ariane Hingst: Ich fühle mich wohl in Schweden und kann mir derzeit nicht vorstellen, wieder in die Bundesliga zurückzukehren, weil mir die schwedische Liga wesentlich besser gefällt. Die Qualität ist höher und alle Spielerinnen haben dort eine professionelle Einstellung, in Deutschland ist das nur bei den Nationalspielerinnen so. In Schweden schieben alle Spielerinnen Extra-Einheiten im Training. Die Liga ist insgesamt viel ausgeglichener und spannender, obwohl die Bundesliga in dieser Hinsicht in dieser Saison auch an Spannung zugelegt hat. Mit professioneller meine ich nicht das Geld. So viel mehr Geld steckt dort nicht dahinter, es wird nur besser gewirtschaftet.

Womensoccer.de: Warum hat dann der 1. FFC Frankfurt den UEFA-Pokal gewonnen?

Ariane Hingst: Wenn Schweden gegen Deutschland spielt, gewinnt immer Deutschland, Frankfurt musste also gewinnen. Ich kann verstehen, wenn die Schwedinnen nicht mehr gegen Deutschland oder deutsche Teams spielen wollen. Aber in Deutschland gibt es ja nicht nur Frankfurt, sondern auch Duisburg und Potsdam sind sehr gute Vereine.

Womensoccer.de: Aber der Vierte der schwedischen Liga würde den Vierten der Bundesliga schlagen?

Ariane Hingst: Ich glaube, ja.

Tags: , ,

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

18 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Beiden geht es soweit gut, ARI humpelte in Stockholm etwas über den Platz!!!
    Auf Anfrage meinte NATZE dann nur spöttisch; „Na das Weichei hat irgendwas mit dem Knie!!!“
    Aber ARI gab Entwarnung, und meinte das wird schon wieder!!!

    (0)
  • Rainer sagt:

    Sowohl Ari wie Natze spielen eigentlich konstant gut. Gestern Abend gewann Djurgården das Pokalachtelfinale im Lokalderby bei AIK 2:1. AIK trat allerdings ohne seine beiden Australierinnen Lisa „Pocket Rocket“ De Vanna und Kathryn Gill an, die noch nicht von der Vietnamreise (asien-Cup) zurückgekehrt waren.

    Zwischen Damallsvenskan und Bundesliga gibt es sicherlich keinen Unterschied darin, dass die „Durchschnittsspielerin“ einen Vollzeitjob hat und anschließend zum Training düst. Aber im Organisatorischen und Gesellschaftlichen sind die Unterschiede bisweilen sehr groß.

    Detlef hat schon von der Werbung für LdB Malmö berichtet, mit den Hochglanzbroschüren fängts schon an…

    Ich habe in den letzten sechs Wochen mit Nadine Angerer, Ariane Hingst, Jennifer Meier, Kathrin Lehmann, Rebecca Smith und Pavlina Scasna über die Unterschiede beider Ligen gesprochen und einen Artikel für eine schwedische Frauenfußballzeitschrift („Nya Mål“, die ihren Namen im Herbst übrigens in „Marta“ ändern wird) geschrieben. Eine deutsche Version gibts bald auch hier.

    Marta hat gestern übrigens im Schlagerspiel bei Malmö wegen Nachtreten die rote Karte bekommen. Spiel endete 2:2. Aber sie hat sich nach dem Spiel sehr cool verhalten, gesagt, dass die Karte voll berechtigt war und dass sie sich völlig falsch verhalten hat. Ausserdem hat sie sich bei Emma Wilhelmsson entschuldigt. Das war fair.

    (0)
  • Steffen sagt:

    @ Rainer

    Vom 15. – 21. Juni spielt Australien gegen USA, Brasilien und Italien. Dann wohl ohne die Stars, De Vanna, Marta, Cristiane?

    (0)