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Vielen Dank, Silke!

Von am 27. Mai 2008 – 23.06 Uhr 2 Kommentare

Silke Rottenberg„Man kriegt hier oft das Gefühl, dass man nicht gebraucht wird. So empfindet man das einfach, man muss es nicht schöner reden, als es ist“, sagt Torhüterin Silke Rottenberg im Film „Die besten Frauen der Welt“ über ihre Zeit als Nummer Zwei während der WM 2007 in China.

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In den vergangenen Monaten hat sie intuitiv gespürt, dass ihre Zeit als Nummer Eins in der DFB-Elf endgültig abgelaufen ist. „Nadine hat eine sehr gute WM gespielt. Und sie hat ihre Form gehalten, so dass es keinen Grund gibt, sie aus dem Tor zu nehmen“, so ihre realistische Einschätzung.

Und so war es nur auf den ersten Blick eine Überraschung, dass sie zehn Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele aus freien Stücken die Konsequenz zog und folgerichtig ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.

Beim „jährlichen Kampf um die Nummer 1“ stand Rottenberg entgegen anderslautender Beteuerungen von Beginn an auf verlorenem Posten. Die sechs Jahre jüngere Konkurrentin leistete sich keine entscheidenden Patzer, die Euskirchenerin selbst spürte zunehmend die Signale ihres Körpers und merkte, dass sie selbst nicht mehr an das frühere Niveau herankam.

Fußball ist kein Hobby
„Silke ist ein Gewinner-Typ. Wenn, dann will sie auch in der ersten Reihe stehen“, sagt ihr Manager Siegfried Dietrich. Die Ersatzbank wollte sie sich ersparen. „Das wäre wohl nur gegangen, wenn ich meine ganze Einstellung zum Fußball verändert und ihn nur noch als Hobby gesehen hätte. Das kann ich aber nicht.“

Angerer zu stark
„Natze hat sich bei Djurgården IF sehr gut eingelebt, ist dort bereits fest in die Mannschaft integriert, und mit ihren Leistungen in der Nationalmannschaft knüpft sie nahtlos dort an, wo sie im WM-Jahr aufgehört hat“, sagte DFB-Torwarttrainer Michael Fuchs schon vor dem Algarve Cup. Und deshalb gab es auch keinen Grund, dauerhaft einen neuerlichen Wechsel im Tor vorzunehmen.

Erstes Länderspiel 1993
Ihr erstes Länderspiel bestritt Rottenberg am 7. April 1993 als Einwechselspielerin für Manuela Goller beim 2:1-Sieg gegen die USA in Philadelphia. Drei Tage später stand sie gegen den gleichen Gegner erstmals von Beginn an zwischen den Pfosten. Seitdem hat sie die Entwicklung im deutschen Frauenfußball maßgeblich beeinflusst und auch den Fans unvergessliche Erlebnisse beschert.

Internationaler Durchbruch
Nach einer dreieinhalbjährigen Länderspielpause kehrte sie im Februar 1997 ins Tor der DFB-Auswahl zurück und überzeugte bei der EM in Norwegen und Schweden mit ihren spektakulären Paraden, die zum überraschenden EM-Titel beitrugen und ihr dauerhaft den Nummer-Eins-Status bescherten.

Rückschlag 1999
Das nächste internationale Großereignis für Rottenberg und die DFB-Frauen war die WM 1999 in den USA. Hier unterlagen die erfolgsverwöhnten deutschen Kickerinnen allerdings durch eine 2:3-Niederlage im Viertelfinale gegen den Gastgeber und späteren Titelträger USA.

Nur ein Gegentreffer bei der Heim-EM
Im Sommer 2001 fand dann die EM in Deutschland statt, bei der eine glänzend aufgelegte deutsche Mannschaft den Titel von 1997 verteidigte. Rottenberg musste nur im Auftaktspiel gegen Schweden beim 3:1-Sieg einen Gegentreffer hinnehmen, blieb danach in allen Spielen bis zum 1:0 im Endspiel gegen Schweden in Ulm unbezwungen und war eine der besten Torhüterinnen des Turniers.

Karrierehöhepunkt WM-Halbfinale 2003
Absoluter Höhepunkt ihrer internationalen Karriere war der WM-Titel 2003 in den USA, wo sie vor allem beim 3:0-Sieg gegen die Gastgeberinnen im Halbfinale mit ihren Paraden glänzte. Nach dem Finalerfolg wurde sie nicht nur ins All-Star-Team der WM, sondern auch zur besten Torhüterin des Turniers gewählt.

Prädikat Weltklasse
„Was immer die Amerikanerinnen auch versuchten, die deutsche Torfrau schien es zu ahnen und warf sich ihnen furchtlos entgegen“, schrieb damals der „Tagesspiegel“ nicht ohne Pathos und die damalige Bundestrainerin Tina Theune-Meyer attestierte ihr das Prädikat „einfach Weltklasse“. Im Bericht der Technischen Studiengruppe der FIFA hieß es später: „Dass Torhüterinnen aus ihrem Tor herauskommen, wie Rottenberg es wieder und wieder tat, ist eine der interessantesten Entwicklungen im Frauenfußball.“

Bronze in Athen
Beim olympischen Frauenfußballturnier in Athen 2004 bestritt Rottenberg im Spiel um Platz drei ihr 100. Länderspiel. Zuvor hatte sie im Halbfinale mit einigen Patzern zur Niederlage gegen die USA beigetragen, machte aber im Bronzespiel gegen Schweden mit einer Glanzleistung ihren Fehler wett. „Wir haben gegen die wahrscheinlich beste Torhüterin der Welt verloren“, meinte Schwedens Trainerin Marika Domanski-Lyfors nach der 0:1-Niederlage ihres Teams.

Letzte EM
Die Europameisterschaft 2005 in England sollte für Rottenberg somit ihr letztes großes Turnier werden. Die DFB-Auswahl verteidigte in England durch einen 3:1-Endspielsieg über Norwegen ihren Titel erfolgreich und Rottenberg war der gewohnt sichere Rückhalt. Sie hütete in allen fünf Spielen das deutsche Tor und ließ lediglich zwei Gegentreffer zu. Die Titelverteidigung bei der WM 2007 war danach das nächste Ziel. Doch Anfang 2007 verletzte sie sich beim Vier-Nationen-Turnier in China im Training und zog sich einen Kreuzbandriss zu. Eine Verletzung, die letztendlich der Auslöser für die Beendigung der Nationalmannschaftskarriere werden sollte.

Triple vor Augen
In der laufenden Saison 2007/2008 gewann sie bereits den DFB-Pokal und den UEFA-Pokal, mit dem erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft will Rottenberg nun ihrer einmaligen Karriere noch einmal ein letztes Sahnehäubchen aufsetzen. Doch zuvor wird Rottenberg mit dem Länderspiel gegen Wales vor einer würdigen Kulisse einen emotionalen Abschied aus der Nationalmannschaft nehmen.

Ausblick in die Zukunft
Dem 1. FFC Frankfurt möchte sie bis Mitte 2009 noch zur Verfügung stehen und nebenbei an ihrer beruflichen Zukunft arbeiten. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger macht keinen Hehl daraus, sie zukünftig in die Ausbildungsarbeit für talentierte Torhüterinnen einbinden zu wollen. Wir freuen uns schon darauf!

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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