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Conny Pohlers: China kann kommen!

Von am 27. Mai 2008 – 0.55 Uhr

Conny Pohlers auf der Pressekonferenz nach dem UEFA-Pokal-SiegAls Frankfurts Topstürmerin Conny Pohlers im vergangenen April das bisher letzte Mal in China weilte, war Peking nur Zwischenstation auf dem Weg zum Spiel einer FIFA-Weltauswahl nach Wuhan. Doch exakt 16 Monate später soll am 21. August Peking Endstation sein, wenn es im Finale des Frauenfußball-Turniers um olympisches Gold geht.

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Und die Chancen stehen gut, dass die 1,63 Meter große Stürmerin anders als bei der WM 2007 diesmal die Reise ins Reich der Mitte antreten darf.

Denn mit ihren zwei Treffern am Samstag im UEFA-Pokal-Finale und ihrem zweiten Titelgewinn nach 2005 macht sie es Bundestrainerin Silvia Neid immer schwerer, einen Bogen um sie zu machen.

Diplomatisch stapelt Pohlers gegenüber Womensoccer.de noch tief: „Es ist noch einen Monat hin, es gibt noch einige Lehrgänge. Ich kann mich nur zeigen, immer 100 Prozent geben und am Ende entscheidet die Trainerin, sie sitzt am längeren Hebel“, schwingt noch eine Portion Unsicherheit mit, während Neid hingegen derzeit freimütig erklärt: „Ich wäre ja doof, wenn ich auf Conny verzichten würde.“

Gelernte Kaltschnäuzigkeit
Derlei positive Töne waren in früheren Jahren von der Bundestrainerin über die gebürtige Hallenserin nicht zu hören. Doch auch Neid ist nicht entgangen, dass sich bei Pohlers zur schon immer vorhandenen riesigen Laufbereitschaft heute eine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gesellt, die ihr in der Vergangenheit gelegentlich abging.

„Früher hat man mich ja als Chancentod bezeichnet, aber mit dem Alter wird man eben abgeklärter“, kokettiert Pohlers mit ihrem einstigen Image. Anfang 2007 war Pohlers nach dem Vier-Nationen-Turnier in China trotz einer ordentlichen Leistung weder für den Algarve Cup im März noch später im September für die Weltmeisterschaft bedacht worden. Doch der Wind hat gedreht.

Hohe Laufintensität
Mit zahlreichen Angriffen sorgte sie im UEFA-Pokal-Finale zusammen mit ihrer früheren Potsdamer Teamkollegin Petra Wimbersky nicht nur für Akzente im Offensivspiel der Frankfurterinnen, sondern somit auch für eine Menge Entlastung der vor allem von Marta arg geforderten Defensive. „Ich muss mich wohl bei meinen Eltern bedanken. Laufen konnte ich schon immer gut, das muss an den Genen liegen.“

Während andere Spielerinnen davon träumen, einmal in ihrem Leben ein UEFA-Pokal-Finale zu bestreiten und ein Tor zu erzielen, war Pohlers nun schon bei sechs dieser Endspiele dabei, und sie erzielte bereits acht Tore. Eine einmalige Leistung.

Conny Pohlers beim Training mit der FIFA-Weltauswahl am 20. April 2007 in WuhanAcht Tore in UEFA-Pokal-Endspielen
Dreimal traf sie in den beiden Finalspielen beim UEFA-Pokal-Sieg des 1. FFC Turbine Potsdam 2005 gegen Djurgarden/Älvsjö, ein Jahr später erzielte sie zwei Treffer, als die Potsdamerinnen gegen den 1. FFC Frankfurt den Kürzeren zogen. Nun war sie zunächst im Hinspiel bei Umeå IK als Torschützin des wichtigen Ausgleichstreffers erfolgreich, im Rückspiel brachte sie mit den Toren zum 1:0 und 2:0 ihr Team auf die Siegerstraße.

„Natürlich ist man in diesen Finalspielen besonders motiviert und ich freue mich natürlich über diese Tore“, bleibt sie bescheiden.

Topspielerinnen an ihrer Seite
Pohlers profitiert in Frankfurt aber auch vom Zusammenspiel mit ihren starken Teamkolleginnen Wimbersky, Prinz und Garefrekes, die sich bestens ergänzen und fast blind verstehen. „Wir kennen die Laufwege und lassen den Ball schnell laufen. Jede gönnt der anderen, wenn sie ein Tor erzielt. Das sieht schon ganz gut aus, wie wir spielen.“ Ein Frankfurter Sturm, der möglicherweise auch in der Nationalelf eine perfekte Trumpfkarte für die Olympischen Spiele ist.

Einfach nur spielen
Am Donnerstag, 29. Mai, geht es nun für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Wales (ab 16.00 Uhr live im ZDF). Und Pohlers will von einer Verschnaufpause nichts wissen, sie brennt auf einen Einsatz. „Natürlich will ich spielen, ich liebe Fußball. Die Bundestrainerin wird sicherlich noch einmal einige Spielerinnen sehen wollen, aber sie wird bestimmt mit der stärksten Mannschaft anfangen.“ Und da sollte Pohlers nicht fehlen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.