Daumendrücken für Deutschlands U17

Von am 20. Mai 2008 – 9.50 Uhr 13 Kommentare

Die DFB-Elf überzeugte beim 3:0-Sieg gegen PolenAm heutigen Dienstag, 15.00 Uhr, beginnt für die deutsche U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft das Abenteuer Europameisterschaft. In Sichtweite des UEFA-Hauptsitzes in Nyon trifft die Elf von Trainer Ralf Peter im Colovray-Stadion auf Dänemark, einen Gegner, der kein Unbekannter für das Team ist.

Auch für Peter ist das hochkarätige besetzte Turnier eine neue Erfahrung. „Ich bin seit 2001 beim DFB, aber dies wird mein erster großer internationaler Wettbewerb“, freut er sich auf die Herausforderung.

„Das wird eine exzellente Erfahrung für mich und für mein Team. Wir sind stolz, dabei zu sein, und werden hoffentlich Fußball von hoher Qualität zeigen.“

Anzeige

Diesen zeigte der talentierte Jahrgang bereits in den beiden ersten Qualifikationsrunden, so zuletzt in Bottrop und Essen, wo die Schweiz, Polen und Schweden nur ansatzweise Prüfsteine für das Team waren.

Starker Jahrgang
Nur selten konnte Peter in der Vergangenheit dermaßen aus dem Vollen schöpfen, nur der Jahrgang 1988 mit Spielerinnen wie Fatmire Bajramaj, Célia Okoyino da Mbabi und Babett Peter war von ähnlicher Leistungsstärke, wie er betont.

Die deutsche U17-Elf wird sich in der Schweiz also alles andere als verstecken müssen. Das Niveau ist bereits jetzt enorm hoch. „Unsere erste Elf könnte auf jeden Fall in der Bundesliga mithalten“, ist Peter von seinen Schützlingen überzeugt. Denn in allen Mannschaftsteilen ist die U17 gut besetzt, angefangen von der starken, erst 15 Jahre alten Torhüterin Anna-Felicitas Sarholz.

Torhüterin Anna-Felicitas SarholzEhrgeizige Sarholz
„Europameister werden, im November in Neuseeland Weltmeister, Abitur machen und mit der A-Nationalmannschaft die WM 2011 in Deutschland spielen“, mangelt es Sarholz nicht an Ehrgeiz und klarer Zielsetzung.

Vor zehn Jahren hatte sie gegen den Willen ihrer Mutter mit dem Fußballspielen begonnen, seit 2004 ist sie beim 1. FFC Turbine Potsdam. Mit Gelassenheit sieht sie ihrem erst vierten Länderspiel entgegen. „Für mich ist das nur ein Spiel. Da versuche ich so lange wie möglich ruhig zu bleiben.“

Torloses Remis im Vorjahr
Auch Dänemarks Trainer Bent Eriksen weiß um die Stärke des deutschen Teams. „Wir wissen, dass sie gute Spielerinnen haben, besonders Valeria Kleiner in der Verteidigung, Dzsenifer Marozsan im Mittelfeld und Svenja Huth im Angriff.“

Doch die Däninnen schöpfen Hoffnung daraus, dass sie im Vorjahr dem deutschen Team ein torloses Remis abtrotzten. „Deutschland hat eine gute Mannschaft und kann viele Tore schießen, aber wenn wir individuelle Fehler vermeiden, haben wir eine Siegchance.“

Finale live im Fernsehen
Neben Deutschland und Dänemark stehen Frankreich und England im Halbfinale und für alle Teams wird das Turnier wertvolle Erkenntnisse im Hinblick auf die Ende des Jahres stattfindende U17-Weltmeisterschaft in Neuseeland liefern. Eriksen erklärt: „Es ist wichtig hier zu sein. Die Qualifikation war eine Sache, doch hier gewinnt man Erfahrung aus harten Spielen.“

Mit einem Erfolg gegen Dänemark könnte sich die deutsche Nationalmannschaft auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Denn das Endspiel wird am Freitag, 23. Mai, ab 13.00 Uhr, live auf Eurosport übertragen.

Tags: , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

13 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Sehr schön, dass den Nachwuchsmannschaften so viel publizistische Aufmerksamkeit zuerkannt wird! Das hilft auch, dem allgemeinen Lamento über die Zulänglichkeit der Spielerin X oder Y zu widerstehen, und zeigt außerdem, dass selbst den „Titaninnen“ im deutschen Tor, schneller als ihnen lieb ist, Konkurrenz erwachsen könnte.

    (0)
  • oliist sagt:

    Im letzten Spiel dieser beiden Mannschaften gelang der deutschen Auswahl ein 4:0 Sieg.Zusätzlich konnte die U-17 Dänemarks in drei Begegnungen insgesamt gegen Deutschland noch kein einziges Tor erzielen,kassierte aber derer Zwölf. Alle drei Spiele fanden im Jahr 2007 statt.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Woher die Däninnen ihren Optimismus nehmen, ist mir auch schleierhaft. 😉 Neben dem von Dir erwähnten 4:0 beim Nordic Cup gab es ja auch noch ein 8:0 im April 2007, zwei Tage danach aber das bereits erwähnte 0:0, an dem Dänemark seine Hoffnung festmacht.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    „We are red, we are white, we are Danish dynamite“ – klar, wo die Damen unseres Nachbarlandes ihren Optimismus herholen. Oder mit den Worten der dänischen Königin: “ Guds hjælp, Folkets kærlighed, Danmarks styrke – Gottes Hilfe, des Volkes Liebe, Dänemarks Stärke“.

    Außerdem möchte ich meine beiden jungspundischen Vorredner vor allzu viel Euphorie warnen. Zeigen doch gerade die Resultate im Jugendbereich, dass manche Resultate über einen Zeitraum betrachtet, oftmals einer Fieberkurve gleichen.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Das ist schon richtig, Max, dass die Leistungsschwankungen im Juniorinnen- bzw. Juniorenbereich oftmals groß sind. Aber es ist schon bemerkenswert, welche Reife und spielerische Abgeklärtheit unsere U17 bereits an den Tag legt. Davon konnte man sich ja in Essen und Bottrop ein Bild machen.

    Vom Potenzial her gesehen hat die deutsche Elf sicherlich gute Chancen auf den EM-Titel. Aber man wird sehen müssen, wie schnell die Mädchen ihre Nervosität ablegen können. Die noch viel größere Herausforderung wird dann die WM in Neuseeland werden.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Natürlich hoffe ich auch, dass unsere Elevinnen sich durchsetzen können. Aber in dem Alter ist Fußballspielen eben nicht alles – und das ist gut so! Wenn es nach mir ginge, sollten die jungen Damen zuerst einmal ihren Spaß an der Sache haben, und nicht nur meine ältliche Pseudo-Weisheit offenbart, dass ihnen früher oder später noch einige Beschwernisse die Vorfahrt in der persönlichen Lebensplanung nehmen werden.

    Auf der Internetseite des englischen Fußballverbandes, ist der Artikel über die Teilnahme ihrer U17-Mannschaft ganz heroisch betitelt: „Two games from glory“ – Zwei Spiele bis zum Ruhm. Da lässt sich schon einmal ausmalen, wie tief der Griff der Engländer in die Metaphernkiste sein wird, sollten sie im Endspiel auf die jungen Damen des DFB treffen.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Zumal es den Engländern zu gefallen scheint, dass sich nun auch im Frauenfußball eine sportliche Rivalität zwischen England und Deutschland entwickelt.

    Erst das U19-EM-Finale im Vorjahr, dann das Vorrundenduell bei der WM in China, jetzt ein mögliches Aufeinandertreffen mit Deutschland im Finale der U17-EM und dann auch noch ein Gruppenduell in Tours bei der U19-EM in Frankreich im Juli.

    Vielleicht wird dieses Duell ja in Zukunft ein neuer Klassiker im europäischen Frauenfußball.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Kurze Info am Rande:

    Die U19-Frauenfußball-Europameisterschaft 2010 wird in Mazedonien ausgetragen. Dies beschloss das Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbands (UEFA) auf seiner Sitzung in Moskau am heutigen Dienstag.

    „Es zeigt, dass wir versuchen, den Fußball auf dem ganzen Kontinent weiterzuentwickeln“, so UEFA-Generalsekretär David Taylor.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Nun bin ich mir nicht sicher, Markus, ob Deine Wortwahl diplomatisches Geschick oder abgrundtiefe Ironie bedeutet, wenn Du von gefallen schreibst. Denn sollte die aktuelle Statistik für die englische Frauenfußball-Nationalmannschaft einen Glimmer Hoffnung erwecken, dann den, dass sie die vergangenen zwei Matches gegen die deutschen Damen jeweils torlos unentschieden spielten. Dass die davor stattgefundenen 15 Spiele alle von der DFB-Auswahl gewonnen wurden, wollen wir der Höflichkeit halber nicht an die große Glocke hängen, und den Vertreterinnen des wilden Inselvolkes für die kommende Begegnung (17. Juli 2008 in Unterhaching) Glück und Erfolg wünschen.

    Aber auch mir geht es so, dass fußballerische Erfolge gegen englische Teams immer einen speziellen Genuss darstellen – von etwaigen Niederlagen gar nicht erst zu reden. Womöglich Ausdruck einer wenig intellektuellen Weitsicht, und die wunderbare Kultur dieses Eilandes ignorierend (was wären wir nur ohne deren Literatur und Filme), gebe ich hiermit der Hoffnung Ausdruck, dass sich die deutschen Juniorenteams an der zuvor genannten Statistik orientieren mögen.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Es gibt auch einen Liveticker

    http://de.uefa.com/competitions/wunder17/fixturesresults/index.html#

    Aufstellung anklicken und ein Pop-up-Fenster öffnet sich.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Deutschland führt zur Halbzeit mit 1:0. Dzsenifer Marozsan traf kurz vor der Pause (44.) zur Führung.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Sorry, ich habe mal wieder die unterschiedlichen Spielzeiten nicht bedacht. Das Tor war also in der zweiten Halbzeit kurz nach der Pause.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Endstand 1:0! Deutschland spielt am Freitag im Finale gegen den Sieger der Partie Frankreich gegen England. http://www.womensoccer.de/2008/05/20/maroszan-schiesst-deutsche-u17-ins-finale/

    (0)