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Jena sollte sich nicht zu früh freuen

Von am 19. Mai 2008 – 17.19 Uhr 4 Kommentare

Es waren schon etwas seltsam anmutende Szenen, die sich nach dem 1:0-Sieg des USV Jena gegen den SC Sand abspielten. Freudentänze, Interviews und auch schon ein paar Sektduschen. Zugegeben: Jena fährt nächste Woche mit einem dicken Polster von drei Punkten und 15 Toren zum direkten Konkurrenten um den Aufstieg in die 1. Bundesliga nach Sindelfingen.

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Doch auch wenn die rechnerische Wahrscheinlichkeit gering ist, den Sprung in Liga eins noch zu verpassen, zu sicher sollten sich die Spielerinnen noch nicht fühlen.

Denn auch Spitzenspiele zweier Mannschaften auf Augenhöhe können gelegentlich eine ganz eigene Dynamik entfalten. In diesem Zusammenhang sei uns ein Blick über den Tellerrand zum Männerfußball ins Nachbarland Österreich gestattet.

Dort kam es vor nicht einmal zwei Monaten am 23. März zum Spitzenspiel zwischen den damaligen Titelanwärtern Red Bull Salzburg und Rapid Wien. Eine ganz enge Auseinandersetzung erwarteten alle Experten vor dem Spiel. Das Ergebnis: Der Vizemeister unterlag gegen den späteren Meister auf eigenem Platz mit 0:7!

Sindelfingen hat Aufstieg noch nicht abgehakt
Für Sektduschen und dergleichen gibt es also derzeit für die Jenaerinnen noch keinen Grund, denn die Spielerinnen des VfL Sindelfingen werden mit aller Macht versuchen, das Unmögliche noch möglich zu machen. Und mit ein, zwei schnellen Treffern zu Beginn könnte auch dieses Spiel eine ganz eigene Dynamik entwickeln.

Das sieht auch VfL-Trainer Dietmar Sehrig so: „Es wäre falsch, die Saison abzuhaken. Schließlich wird am Ende abgerechnet. Und deshalb müssen wir von Beginn an gegen Jena Druck machen, schnell in Führung gehen. Vielleicht wird dann die eine oder andere nervös, und wir bekommen einen Euphorieschub.“

Zittersieg für Jena
Beim letzten Heimspiel der Saison zitterte sich das nervöse Team aus Jena vor 500 Zuschauern zu einem 1:0-Sieg gegen Sand. Lisa Seiler erzielte in der 67. Minute den erlösenden Siegtreffer mit einem Flachschuss aus zehn Metern.

Der VfL Sindelfingen gewann sein Auswärtsspiel beim TuS Niederkirchen hingegen deutlich mit 5:1, die Treffer erzielten Tanja Coblenzer (6.), Tanja Hees (19.), Kim Kulig (22. und 49.) und Melanie Müller (83.), den Ehrentreffer für Niederkirchen schoss Christine Veth (27.).

Somit steht fest, dass Sindelfingen das Heimspiel gegen Jena kommenden Sonntag im Floschenstadion mit acht Toren Unterschied gewinnen muss, um selbst noch in die Bundesliga aufzusteigen. Nicht wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich…Spannende 90 Minuten dürften es allemal noch einmal werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Maria sagt:

    Ich glaube nicht, dass Sindelfingen das noch packt. Habe das letzte Heimspiel gegen Köln gesehen und war ehrlich gesagt erschrocken über das schwache Auftreten der Mädels. Die haben sich wirklich kaum Torchancen erarbeitet und kamen gegen die kompakten Kölnerinnen nie richtig zum Zug. Haben eigentlich nur Glück gehabt, dass das Spiel nicht verloren ging, die Kölnerinnen waren zu überhastet im Abschluss.

    Übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, dass man sich über einen Sifi-Sieg durch den dann ja doch verschossenenen Elfer in der 90sten auch nicht wirklich hätte freuen können – extrem unsportlich von den Sifi-Mädels, die Kölner Spielerin ne halbe Minute verletzt im Strafraum liegen zu lassen, ohne den Ball rauszuspielen. Sowas muss selbst im Aufstiegskampf nicht sein, zumal zu diesem Zeitpunkt wohl schon zwei Kölnerinnen im Krankenhaus lagen. Dass der Trainer sie auch noch dazu anhielt, den Ball bloß drin zu lassen, finde ich persönlich echt erschreckend. Ist der FF schon soweit gekommen, dass man schwere Verletzungen der Gegner billigend in Kauf nimmt, solange man selbst einen Vorteil daraus schlägt?

    Insofern ist es wohl nur fair, dass die Sifi-Mannschaft vergangenes Wochenende den Aufstieg schon fast verspielt hat. Und ganz ehrlich, wenn die ihre Leistung nicht wirklich um 100% steigern, sehe ich gar keine Chance gegen Jenas gute Defensive. Selbst eine Kim Kulig oder Tanja Coblenzer kommt nicht zum Stich, wenn sie nur konsequent gedoppelt wird. Man darf gespannt sein, ob Sifi nächste Saison die ganzen Abgänge kompensieren kann und wieder um den Aufstieg mithält!

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  • Jens Mende sagt:

    Aus lokalpatriotischer Sicht ist es sicher nachvollziehbar, dass wir unseren Mädels am letzten Spieltag gegen Sindelfingen noch einmal die Daumen drücken und fest daran glauben, dass dort der Aufstieg perfekt gemacht wird.

    Jena hat zweifellos die bessere Ausgangsposition: 3 Punkte Vorsprung plus respektables Torverhältnis. Und was die Nerven anbetrifft: Die müssen die Mädels aus Sindelfingen auch ersteinmal unter KOntrolle bringen, denn im Gegensatz zu Jena m u s s Sindelfingen siegen und dazu noch mit nindestens acht Toren Unterschied. Bei allem Respekt vor der Leistung der Sindelfinger, Jenas solide Arbeit der letzten Jahre wird mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga belohnt.

    Liebe Grüße aus Jena!

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Jens, im Normalfall sollte da ja auch nichts mehr schief gehen bei dieser Ausgangsposition. Aber man hat ja im Fußball schon die verrücktesten Spiele, Ergebnisse und Dinge erlebt.

    Deswegen wollte ich auch nur darauf hinweisen, dass noch 90 Minuten absolviert werden müssen. Auf die leichte Schulter sollte Jena das Spiel nicht nehmen, denn Sindelfingen wird sicherlich versuchen, schnell zwei, drei Tore zu erzielen. Und wenn ihnen das gelingt, wird es nochmal ein ganz heißer Tanz. Verdient hätten den Aufstieg beide Teams!

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  • Jens Mende sagt:

    Hallo Markus, in dem Punkt geb ich Dir gern recht: Die seltsamsten und verrücktesten Dinge spielen sich manchmal zwischen zwei Fußballtoren innerhalb von 90 (und manchmal mehr) Minuten ab.
    Die Sektdusche im Anschluss an das Spiel gegen Sand fand ich übrigens auch befremdlich…

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