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UEFA-Pokal: Die beiden Finalisten im Vergleich

Von am 16. Mai 2008 – 9.59 Uhr 1 Kommentar

Hanna Ljungberg (li.) und MartaDie erst sieben Jahre alte Geschichte des UEFA Women’s Cup ist eng mit den beiden diesjährigen Finalisten 1. FFC Frankfurt und Umeå IK verknüpft, die diesem Wettbewerb maßgeblich ihren Stempel aufgedrückt und sich in der Vergangenheit teils packende Duelle geliefert haben.

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Beide Vereine nehmen bereits zum sechsten Mal am UEFA Women’s Cup teil. Und beide waren dabei überaus erfolgreich. Umeå IK steht zum fünften Mal im Finale, der 1. FFC Frankfurt bestreitet sein viertes Endspiel. Beide Vereine haben je zwei Mal die begehrte Trophäe gewonnen, der Gewinner 2008 wird sich die imaginäre Krone aufsetzen. 

Das Finale ist auch das Duell der derzeit weltbesten Fußballerinnen. Auf der einen Seite die technisch starke und trickreiche Individualistin Marta, die aktuelle Weltfußballerin aus Brasilien. Ein Titel, den die ebenso torgefährliche, athletische ausgeprägte, aber wesentlich mannschaftsdienlicher spielende Birgit Prinz vom 1. FFC Frankfurt 2003, 2004 und 2005 gewann.

2001/2002
Die Premiere des UEFA Women’s Cup 2001/2002 war so etwas wie ein Vorbote der späteren Entwicklung des Wettbewerbs. Der 1. FFC Frankfurt und Umeå IK standen sich auf Anhieb bei der Final-Premiere gegenüber. Die Qualität der beiden Teams lockte 12.106 Zuschauer ins Frankfurter Waldstadion, wie die Commerzbank-Arena damals noch hieß. Die Frankfurterinnen gingen mit einer Serie von 28 Spielen ohne Niederlage in dieses Endspiel, der schwedische Meister war gar seit 64 Begegnungen ungeschlagen. 70 Minuten lang war ungewiss, welche Serie brechen wird. Dann sorgten Steffi Jones und Birgit Prinz dafür, dass der 1. FFC Frankfurt als erster UEFA-Pokalsieger für ewig in die Annalen der Fußballgeschichte einging.

2002/2003
In der zweiten Saison 2002/2003 führte das Los die beiden Vorjahresfinalisten bereits im Halbfinale zusammen. Frankfurt musste ohne Birgit Prinz auskommen, die bereits in der US-Profiliga WUSA spielte. Das Wintermärchen in Umeå, bei blauem Himmel, Sonnenschein, aber Temperaturen von -20 Grad, endete auf dem Kunstrasen-Platz 1:1. Mit dem gleichen Resultat endete auch das Rückspiel im Stadion am Brentanobad, wobei Louise Hansen in der 120. Minute die Latte traf. Dann begann das Elfmeterdrama. Den 17. und letzten FFC-Strafstoß vergab Patrizia Barucha. Danach stürzten sich 20 glückliche Schwedinnen und Schweden auf Hanna Marklund, die Umeå ins Finale brachte. Das rein skandinavische Endspiel verlief einseitig. Umeå IK bezwang Fortuna Hjørring aus Dänemark 4:1 und 3:0.

2003/2004
Die Saison 2003/2004 war die erfolgreichste von Umeå IK. Vor ihrem Kreuzbandriss zauberte Hanna Ljungberg im Sturm, danach die für sie verpflichtete Marta. 9 Spiele, 9 Siege und 39:5 Tore lautete die Bilanz. Bis zum Finale spielte auch der 1. FFC Frankfurt souverän. Doch dann ereilte die Hessinnen das „Leverkusen-Syndrom“. Das ausgelaugte Team verlor innerhalb von einem Monat nicht nur die Meisterschaft und den DFB-Pokal, sondern musste mit 0:3 und 0:5 auch den UEFA Women’s Cup dem Rivalen aus Schweden überlassen.

2004/2005
Durch die Finalniederlage in der Vorsaison und das Verpassen der deutschen Meisterschaft hatte sich der 1. FFC Frankfurt für die Saison 2004/2005 nicht qualifiziert, doch Umeå IK konnte die Gunst der Stunde nicht nutzen. Nach einem 1:2 und 0:1 gegen den schwedischen Ligakonkurrenten Djurgården/Älvsjö schied der Titelverteidiger erstmals im Viertelfinale aus. Den Cup holte sich dann der 1. FFC Turbine Potsdam.

2005/2006
In der Saison 2005/2006 war der 1. FFC Turbine Potsdam der große Widersacher des 1. FFC Frankfurt, der sich als Meister qualifizierte, während Potsdam als Vorjahresgewinner  am Wettbewerb teilnahm. Umeå IK hatte sich für diese Spielzeit nicht qualifiziert, Potsdam kam über einen Halbfinal-Sieg gegen Djurgården ins Finale, der 1. FFC nach einem Skandalspiel in Montpellier. Beworfen, bespuckt, aber mit einem Sieg erreichten die Frankfurterinnen das erste Finale zweier Teams aus einem Land. Mit 4:0 in Potsdam und 3:2 zu Hause holte sich der 1. FFC Frankfurt vor den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum zweiten Mal den UEFA Women’s Cup.

2006/2007
In der vergangenen Saison 2006/2007 kosteten jeweils zwei schwache Minuten in den Viertelfinalpartien den Frankfurterinnen den Einzug ins Halbfinale. Kolbotn IL aus Norwegen traf sowohl beim 2:1 zu Hause als auch beim 2:3 in Frankfurt jeweils binnen 120 Sekunden und verhinderte den angestrebten dritten Triumph des 1. FFC Frankfurt. Umeå IK qualifizierte sich fürs Finale, musste dann aber mit 0:1 und 0:0 Arsenal LFC den Vortritt lassen. Es war der erste Europacupsieg eines Teams, das weder aus Deutschland noch aus Schweden kam.

Das wird sich nach den Endspielen am 17. und 24. Mai 2008 wieder ändern, wenn entweder der deutsche Meister 1. FFC Frankfurt oder der schwedische Champion Umeå IK die Trophäe als Rekordsieger in den Frankfurter Himmel strecken wird!

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Max Diderot sagt:

    Gibt es eigentlich einen Grund für die ungewöhnlich frühe Anstoßzeit des Hinspiels? Zumindest an einem Samstag im schönsten Lenz hätte sich doch eine spätere, abendliche Austragung angeboten. Gepaart mit einer entsprechenden TV-Schmonzette wären die öffentlich-rechtlichen vielleicht auch noch eingestiegen.

    Schwedischer Bio-Rhythmus, von IKEA oder UEFA vorgegebenes Diktum oder eine andere Begründung, die mir momentan partout nicht einfallen will?

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