Frankfurt lässt die Muskeln spielen

Von am 13. Mai 2008 – 0.40 Uhr 12 Kommentare

Leni Larsen Kaurin und Alexandra Krieger„Ich bin sprachlos, weil meine Elf in der ersten Halbzeit das Beste gezeigt hat, was der Frauenfußball in der Bundesliga jemals zu bieten hatte“, so ein überschwänglicher Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, scheidender Trainer des 1. FFC Frankfurt, nach dem souverän heraus gespielten 4:0 (2:0)-Sieg gegen den 1. FFC Turbine Potsdam.

Und Tritschoks stand mit dieser Einschätzung nicht alleine da, auch Torhüterin Silke Rottenberg konnte sich kaum erinnern, dass ihre Mitspielerinnen jemals derart aus einem Guss spielten, wie sie das vor allem in der ersten Halbzeit taten. „Da war ein Klassenunterschied zu sehen“, goss Tritschoks Öl in die offene Turbine-Wunde.

Highlights des Spiels im DFB-TV

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„Mein einziger Vorwurf ist, dass wir unsere Chancen nicht noch besser genutzt haben.“ Und so werden die Frankfurterinnen nach der gelungenen Generalprobe am kommenden Donnerstag frohen Mutes das Flugzeug nach Umeå besteigen, wo am Samstag das erste UEFA-Pokal-Finale ausgetragen wird.

Vor 3.120 Zuschauern eröffnete Birgit Prinz nach Vorlage von Kerstin Garefrekes nach neun Minuten das Offensivfeuerwerk, doch Potsdams Torhüterin Desiree Schumann war auf der Hut. Nur zwei Minuten später ging Prinz im Mittelfeld auf und davon, U19-Nationalspielerin Carolin Schiewe wusste sich nur noch mit einer Notbremse zu helfen und sah zur Verwunderung aller Zuschauer nur die Gelbe Karte.

Starke Leistung von Garefrekes und Krieger
Doch die starke Garefrekes, die nach ihrer Verletzungspause immer besser in Schwung kommt, sorgte kurz darauf für die Führung, als sie zunächst drei Gegnerinnen umspielte und dann einen Abpraller ins Netz bugsierte (11.).

Und nun lief der FFC-Motor immer flüssiger. Garefrekes, Petra Wimbersky und die im Mittelfeld überzeugende Alexandra Krieger ließen beste Möglichkeiten aus. Schiewe sah nach 33 Minuten dann nach Foul an Garefrekes die Gelb-Rote Karte, was die Frankfurterinnen sofort zu nutzen wussten.

Traumtor von Wimbersky
Wimbersky fackelte nicht lange und schoss den Ball von der Strafraumgrenze in den Winkel zum 2:0 (34.). „Das kann von mir aus gerne in die Auswahl zum Tor des Monats kommen“, so die Potsdamerin lachend über den Treffer gegen ihren früheren Verein.

Von Müdigkeit und Überlastung war in den Frankfurter Reihen keine Spur mehr, die reduzierte Belastung im Training trug Früchte. Flüssig lief das Kombinationsspiel und Krieger hätte nach Vorarbeit die Führung fast noch vor der Pause ausgebaut, der Außenpfosten stand jedoch im Weg.

Conny Pohlers im Duell mit Aferdita KamerajPohlers im Pech
Turbine hatte die erste gute Chance nach der Pause, doch der Kopfball von Isabell Kerschowski wurde sichere Beute von Silke Rottenberg, die sonst nicht allzu viel zu tun bekam. Nach schöner Vorarbeit von Krieger traf die fleißige, aber dank Bewachung von Aferdita Kameraj nur selten zur Entfaltung kommende Conny Pohlers nur den Pfosten (66.).

Besser machte es dann Birgit Prinz: Nach einem schönen Solo über links bezwang sie Schumann mit einem trockenen Flachschuss (68.), sechs Minuten später gelang ihr per Elfmeter der 18. Saisontreffer (74.). Bianca Schmidt hatte zuvor etwas ungeschickt Garefrekes zu Fall gebracht.

Umeå im Blickfeld
„Eine tolle Leistung und ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, wir haben uns gemeinsam aus dem Loch herausgezogen“, so das Fazit von Tritschoks. Und FFC-Manager Siegfried Dietrich ergänzte: „Jetzt können wir uns sportlich auf die beiden Spiele des Jahres konzentrieren.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Zunächst möchte ich die Übertragung auf DFB-TV loben. Bei mir war der Empfang bestens und nur zwei marginale Störungen behinderten für minimale Momente die Rezeption von Ton und Bild. Ich meine, alles in allem ein Projekt, dass unbedingt fortgeführt werden sollte. Die angekündigten fünf Kameraperspektiven konnte ich zwar nicht entdecken, ich meine, es handelte sich um zwei stationäre und eine variable Einstellung, trotzdem war die Bildregie abwechslungsreich und immer auf das Geschehen fokussiert. Selbst meinen „Lieblingsreporter“, von dem ich annahm, dass er in seinem stillen Kämmerlein sitzt und an der großen Fußball-Enzyklopädie über Beate und Otto Rehhagel (AT „Ich und Herakles – Im Zweifel immer für die Fußballmetapher“), die nach der EM exklusiv in den Shops auf dem Lerchenberg von JBK verkauft werden soll, konnte ich vernehmen. Für mich ist er ab sofort nicht mehr „Der Schneemann“ sondern „The Voice“.

    Witzig fand ich auch die Schlusseinstellung, der Kommentator hatte sich schon verabschiedet und der Potsdamer Trainer monologisierte noch angeregt mit der Bundestrainerin. Schade, dass die Mikrofone schon gekappt waren, aber vielleicht hat Detlef ja den ein oder anderen Hinweis respektive O-Ton auffangen können.

    Das Spiel selbst war attraktiv. Ich denke, Bernd Schröder hat die richtige Betonung gesetzt, als er darauf hinwies, dass den Potsdamerinnen ein aktiver Mittelfeld-Part fehlte. Zu schnell wurden die Bälle im strategischen Bereich verloren und die Frankfurterinnen suchten den direkten Weg zum Tor. Wucht und Eleganz führten dann zu den Toren. Das Potenzial der Brandenburgerinnen deutete sich vornehmlich in der zweiten Halbzeit an, als sie die ein oder andere Chance hatten. Es ist zu hoffen, dass sich das junge Potsdamer Team weiter entwickelt, und die Defizite in der kommenden Saison weiter minimiert werden. Die Frankfurterinnen dagegen scheinen sich, als Beleg dienen die jüngsten Resultate, in einer Art fußballerischer Achterbahnfahrt zu befinden. Bleibt zu hoffen, dass auch gegen Umea der Aufwärtstrend anhält, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Duisburgerinnen den Mainstädterinnen noch den Spitzenrang in der Bundesliga verwehren.

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  • Markus Juchem sagt:

    Max, in dem Gespräch zwischen Schröder und Neid ging es nach eigenen Angaben des Turbine-Trainers vor allem um die verpasste Chance der drei potenziellen Olympia-Kandidatinnen, in dem Spiel nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen.

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  • Conny68 sagt:

    Auch ich schließe mich dem Lob für die Übertragung auf DFB-TV an. Ich war über die gute Qualität (Bild – Moderator – Ton) echt überrascht. Aber diese Partie hatte das auch verdient. Es war – vor allem von Frankfurts Seite aus – ein klasse Spiel. Schade, dass sich die Potsdamerinnen so früh mit der gelb-roten-Karte geschwächt haben – vielleicht hätten sie in der zweiten Halbzeit mit „vollständiger Besetzung“ doch mehr dagegen halten können.
    Frankfurts Leistung hat auf jeden Fall noch mehr Lust auf die Spiele gegen Umea gemacht…

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  • Markus sagt:

    Auf der Haupttribüne waren 2 Kameras fest installiert. Am Spielfeldrand stand auf jeder Seite in Höhe vom 16-Meter-Raum je 1 Kamera. Dazu kam noch eine geschulterte Hintertorkamera.

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  • Detlef sagt:

    Natürlich hatte Tritschoks am Ende gut lachen, und natürlich geizte auch er nicht mit Seitenhieben auf Potsdam, und ins Besondere auf Bernd Schröders Trainingsmethoden!!!
    Allerdings irrte er bei seiner Aussage, dass das Spiel seiner Mannschaft, das beste gewesen ist, was die Bundesliga je zu bieten hatte!!! Ich erinnere mich da an Spiele, die an gleicher Stelle stattgefunden haben, und wo das Ergebnis noch viel deutlicher ausfiel!!!
    TURBINE war gestern kein gleichwertiger Gegner, schon deshalb erübrigt sich jeder Vergleich zu früheren Begegnungen!!! Aber man sieht sich ja sicher noch öfter dort, und dann werden die Karten neu gemischt!!! Natürlich waren die TURBINEN gestern ziemlich niedergeschlagen, weniger wegen der klaren Niederlage, als wegen ihrer schlechten Leistungen!!! Ich bin sehr gespannt, ob sie das aus der Bahn wirft, oder ob nun noch einmal ein Ruck durch das Team geht!!!
    Schade natürlich für unsere Nationalspielerinnen, von denen sich nicht eine wirklich aufgedrängt hat!!!

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  • Detlef sagt:

    Ich habe gerade nochmal den Bericht im DFB-TV angesehen!!!
    Also das angeblich 2. Foul von CARO, an K. Garefrekes, war nur eine Berührung, die eigentlich von Kerstin ausging, und CARO fast zu Fall brachte!!! Schon ein Freistoß für Frankfurt wäre ein Fehler gewesen, aber CARO dann noch absichtliches Foulspiel zu unterstellen, ist einfach nur UNFÄHIGKEIT!!! Der Kommentator meinte dazu auch noch, Frau Schuhmacher konnte gar nicht anders, als CARO dafür die GELB-ROTE-Karte zu geben!!! Wenn die Aktion beim ersten (wirklichen) Foul, nicht eine klare Notbremse gewesen wär, hätte die (falsche) GELBE den Spielverlauf bestimmt!!!

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  • schmidt sagt:

    zur Zeit 0:2! jetzt gerät der HSV vor 280 Zuschauern und unter anderem vor den vehement sie anfeuernden gesamten HSV II Team dermaßen unter die Räder, dass das Abstiegsgespenst noch mehr an Gestalt gewinnt, wenn andere Buli Teams derart ihre Muskeln spielen lassen.

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  • schmidt sagt:

    in der 67. Spielminute gelingt tatsächlich dem energisch kämpfenden HSV der ersehnte Anschlußtreffer. Kommt evt. noch der Ausgleich zustande?

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  • schmidt sagt:

    Alles rennt und kämpft. 2:3 in Hamburg ca. 10 Minuten vor Spielende!

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  • schmidt sagt:

    Jetzt muß der HSV weiter hoffen und bangen, dass heute Freiburg keinen Punkt gegen Wattenscheid holt. Essen stibitzte augenscheinlich alle 3 Punkte im Hamburg. Es blieb beim 2:3.

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  • Bianca sagt:

    @ Schmidt : Thema verfehlt….

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  • schmidt sagt:

    @ Bianca
    in Deiner Betrachtung hast Du wirklich recht. Es tut mir leid.
    Die Aktualität und die Spannung hat mich einfach überwältigt.
    Die Überleitung aus dem Titel, von wegen Muskel spielen lassen, übertrug ich auf das aktuelle Buli-Geschehen. Da ist wieder so viel passiert, dass ich keinen anderen passenden Artikel haeute fand. Unser wohl viel im FF unterwegs und beschäftigte Markus Juchem hat sonst meist immer zeitnahe stattfindende Buli-Begegnungen im Vorgespräch im womensoccer. Da war für dieses WE nichts passendes davon im Angebot bei womensoccer. Eine Analyse und Nachbetrachtung des gestrigen und heutigen Spieltages wird sicher ab Montag früh zu lesen sein.

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