Home » Bundesliga Frauen

Bernd Schröder: „Wir hätten den FFC nicht so stark erwartet“

Von am 12. Mai 2008 – 23.36 Uhr 12 Kommentare

Potsdams Trainer Bernd Schröder begrüßt Frankfurts Dr. Hans-Jürgen TritschoksVor dem Spiel hatte Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder noch ganz entspannt sein Gegenüber Dr. Hans-Jürgen Tritschoks begrüßt. Nach Ablauf der 90 Minuten war Schröders gute Laune jedoch sichtlich dahin.

Anzeige

Eine Standortbestimmung für die Leistungsfähigkeit seines jungen Teams hätte die Partie bei Tabellenführer 1. FFC Frankfurt werden sollen. Am Ende stand eine deftige 0:4-Abfuhr, die das Team auf den Boden der Realität zurückholte.

Highlights des Spiel im DFB-TV

Und so musste der Hüne nach dem Spiel erst einmal seinem Ärger und seiner Enttäuschung Luft machen. Nachdem er seinen Groll zunächst auf einen Journalisten fokussierte, holte er auch gegenüber seinem Team die verbale Keule raus.

„Die Hintermannschaft war eine Katastrophe“, so Schröder, über Anja Mittags Leistung polterte er: „Da haben wir bessere in der U17, die jetzt zur Europameisterschaft fahren.“

Vom Anpfiff weg standen die Potsdamerinnen bei sommerlichen Temperaturen im Stadion am Brentanobad mit dem Rücken zur Wand. „Wir hatten von Beginn an eine katastrophale Körpersprache. Wir sind eigentlich in einer guten Verfassung, aber Fußball wird im Kopf entschieden“, ärgerte sich Schröder.

Auch den neben Mittag zwei anderen Kandidatinnen auf einen Platz im Kader für die Olympischen Spiele, Jennifer Zietz und Babett Peter, bescheinigte er, unter den Augen von Bundestrainerin Silvia Neid „allesamt enttäuscht“ zu haben.

Lob für Schumann und Kameraj
Ganz schlechten Fußball habe man gespielt, nur zwei Spielerinnen nahm er von seiner Kritik aus. Torhüterin Desiree Schumann erhielt genauso Sonderlob wie Aferdita Kameraj, die Frankfurts Stürmerin Conny Pohlers kaum zur Entfaltung kommen ließ.

„Schumann hat souverän gehalten, mehr kann ich von einer 18-Jährigen nicht erwarten.“ Und dank Kamerajs Bewachung habe sich Pohlers „in die Hose geschissen vor Angst“, so die Einschätzung Schröders.

Carolin Schiewe sah die Gelb-Rote KarteKein Rot für Notbremse
Doch er zollte auch dem Gegner Respekt. „Frankfurt hat heute einfach besser gespielt und wir haben unser Niveau nicht abgerufen. Wir hätten den FFC nicht so stark erwartet.“ Kritik hatte Schröder auch für Schiedsrichterin Nicole Schumacher übrig. „Sie war ganz schwach.“

So ahndete Schumacher eine Notbremse von Carolin Schiewe gegen Birgit Prinz nur mit einer Gelben Karte. „Das war eine klare Rote Karte“, räumte selbst Schröder ein. Doch später musste Schiewe dann nach ihrer zweiten Gelben Karte doch noch vorzeitig in die Kabine, Turbine fast eine Stunde lang mit einer Spielerin weniger auskommen.

Manko im Mittelfeld
Eines der größten Probleme für Schröder: „Wir haben derzeit keine Mittelfeldspielerin, die ein Spiel führen und auch mal den Ball halten kann.“ Die Jugend seiner Spielerinnen lässt Schröder nicht als Entschuldigung gelten. „Wenn ich hungrig bin und gut trainiert habe, dann kann ich mit Laufen fußballerische Defizite wettmachen. Aber dann muss ich rennen und mich bewegen, wir hatten zu viel Angst.“

Einen Klassenunterschied wie Frankfurts Trainer Tritschoks hat Schröder aber beileibe nicht gesehen. „Wir hatten drei Chancen, bei denen Frankfurts Abwehr nicht aufgepasst hat. Wenn wir eine davon rein machen, sieht die Sache ganz anders aus.“ Man werde die Niederlage analysieren, ein Beinbruch sei sie aber nicht. „Selbst Spiele zwischen großen Mannschaften gehen manchmal deutlich aus, Fußball ist kein Wunschkonzert. Nächstes Jahr werden wir angreifen.“

Seitenhieb gegen Frankfurt
„Die jungen Spielerinnen werden ja nicht schlechter“, hofft Schröder, dass sein Team in der kommenden Saison eine bessere Leistung abrufen kann. „Wir haben damals zwischen 2000 und 2004 auch vier Jahre gebraucht, um das Team zu formen. Wir haben heute bis auf die Torhüterin die gleiche Altersstruktur.“

Einen Seitenhieb auf Frankfurt konnte sich Schröder nicht verkneifen. „Wir werden niemals durchkriegen, dass alle Mannschaften nur Profispielerinnen haben. Das wollen die Frauen gar nicht. Wen interessiert nach Ende der aktiven Laufbahn, ob man irgendwann mal Profi beim 1. FFC Frankfurt war? Spielerinnen wie Lingor, Jones und Fitschen sind Ausnahmen. Mit 32 fängt das Leben erst an, und die Frauen haben dann nicht wie die Männer ausgesorgt. Man sollte also gut überlegen, was man sagt.“

Tags: , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • oliist sagt:

    Sprachs und hielt sich selbst nicht dran.
    Und wie (fast)immer sollte man mit dem Wörtchen niemals sehr behutsam umgehen.Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los,daß Herr Schröder selsamerweise einer derjenigen ist,die dem Fortschritt im FF eher misstrauisch gegenüber stehen.Siehe seine Bemerkung über das Profitum.Sofern seine Aussagen nicht gänzlich aus dem Kontext gerissen worden sind,lassen mich dieselbigen doch etwas verwirrt zurück.

    (0)
  • Crackfly sagt:

    Naja, aber ich muss ihm Recht geben. In dem WM-Film sagt Linda doch auch so schön: „Wir wollen nicht nur Fußball spielen, dann verblödet man ja!“

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    @oliist
    Bernd Schröder ist sogar sehr skeptisch, was die Entwicklung des Frauenfußballs angeht. Er glaubt, dass der Frauenfußball daran kaputt geht, wenn er sich zu sehr am Männerfußball orientiert. Und er sagt: „Ich will nur aufgrund meiner langen Erfahrung vor zu großer Euphorie warnen.“

    (0)
  • stoner sagt:

    Ich gebe Schröder in seiner Skepsis vollkommen Recht. Es ist weder machbar alle ehemaligen Bundesligaspielerinnen nach Ende der Karriere mit Jobs im sportlichen oder Sponsorenumfeld der Vereine zu versorgen noch solche Millionengehälter zu zahlen, dass sie nie wieder arbeiten müssen. Und dann kommen die Damen mit Anfang/Mitte Dreißig zum Jobcenter und erklären, die letzten 10-15 Jahre nur Fußball gespielt und keinerlei Arbeitserfahrung gesammelt zu haben … die Vermittler werden sich freuen.

    (0)
  • oliist sagt:

    Wenn die Menschheit in allen Aspekten immer so skeptisch gewesen wäre,dann wären unsere frühesten Vorfahren sicherlich nicht aus Afrika über den ganzen Planeten Erde gezogen & ‚wir‘ würden heute wohl noch ausdiskutieren,wer denn heute das Feuer hütet.Um es mal überspitzt zu formulieren.
    Die Geschichte bzw. der Fortschritt,auch Evolution genannt,schert sich letztenendes aber herzlich wenig um Skeptiker und Konsorten.
    Und die Argumentation dieser Menschen ist immer die gleiche alte Leier:1.das haben wir immer so gemacht
    oder noch besser 2.gestern war es noch heil,also kann es heute nicht kaputt sein.
    Konservatives Denken & Handeln haben nun mal einen entscheidenen Nachteil: sie gehen schlicht und einfach an der Realität vorbei.
    Und ob es irgendwem passt oder auch nicht,der FF wird sich so oder so weiter professionalisieren.Und obwohl das für einige sehr schwer vorstellbar ist,wird es dennoch so kommen.
    Ihr fragt wann? Keine Ahnung.
    Ihr fragt wie? Schritt für Schritt.
    Ihr fragt,ob das nur gutes mit sich bringen wird? Sicherlich nicht.
    Aber die Zukunft wartet nuneinmal auf niemanden.Auch nicht auf einen Herrn Schröder,Markus Juchem oder einen ollisten. 😉
    Amen & auf den Fortschritt. 🙂

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Der Vorteil des Frauenfußballs liegt ja nicht zuletzt darin, dass er aus der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des (deutschen) Männerfußballs lernen kann. Einigen der Klubs, die nun wieder mächtig alimentiert werden, mittels nicht enden wollender Sponsoren- und Fernsehgelder, stand ja vor noch nicht allzu langer Zeit das Wasser Oberkante Unterlippe. Und bei allem Respekt vor den betriebswirtschaftlichen Fortschritten, scheinen sich mehrere Vereine immer noch wie Hasardeure im operativen Geschäft zu verhalten.

    Ich stimme der Einschätzung, dass sich der Frauenfußball weiter professionalisieren wird, zu. Es ist nur die Frage, wie dieser Fortschritt vonstatten gehen wird. Es klafft ja jetzt schon eine mächtige monetäre Distanz zwischen dem Ersten (Frankfurt) und den nachfolgenden Klubs der jeweiligen Etats. Aber wie kommt es zu einer Nivellierung? Hier ist wahrscheinlich jeder Verein auf seine eigenen Ambitionen angewiesen, wiewohl ich es begrüßen würde, kämen Verband und Klubs zu einer konzertierten Strategie.

    Die Worte von Herrn Schröder, sich nicht allzu sehr am Männerfußball zu orientieren, finde ich schon korrekt. Es ist halt immer noch (bewusst oder unbewusst) so, dass der Versuch unternommen wird, Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen. Aber wie in den meisten Sportarten sind die Testosteron-Träger physisch dominanter. Dem können Mädchen und Frauen aber die Aktivierung der kleinen grauen Zellen voran stellen, die bei einigen Akteuren in den Herrenligen verlustig gegangen schien.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Wer hat denn davon gesprochen, den Männerfußball kopieren zu wollen?

    Beim 1. FFC Frankfurt hat man das Ziel formuliert, nächste Saison ins HALBPROFITUM einsteigen zu wollen. Bei einem Etat von etwas über einer Million Euro im Jahr. Zieht da mal die laufenden Kosten ab und teilt den Rest durch 20 Spielerinnen, dann seht ihr, dass selbst Halbprofitum noch ein hochgestecktes Ziel ist. Auch wenn einige Spielerinnen noch zusätzliche Werbeverträge dazurechnen können.

    Es ist also keine Rede davon, dass Spielerinnen außer Fußball nix mehr machen können/sollen/wollen. Es ist auch keine Rede davon, dass Spielerinnen im Fußball so viel verdienen, dass sie nach der Karriere ausgesorgt haben. Ob man jemals dahin kommen wird, ist die große Frage, auf jeden Fall noch ein ganz weiter Weg.

    Den Schritt ins Halbprofitum halte ich aber für wichtig und realistisch, um auch weiterhin international hohe Ansprüche erfüllen zu können, und die Spielerinnen haben es sich meiner Meinung nach verdient, eine etwas höhere Anerkennung für ihren Einsatz zu bekommen als bisher.

    Schröder war nach dem Spiel extrem angefressen. So wie er verbal auf alles eingeprügelt hat, was sich bewegt, Journalisten, Schiedsrichterin, seine Spielerinnen, natürlich muss er auch an Frankfurt noch was schlechtes finden, ist doch klar. Ob er das mit einigem Nachdenken immer noch so sehen würde, möchte ich bezweifeln. Schröder geht doch mit Potsdam ähnliche Wege, er holt Minderjährige in sein Internat, damit sie von klein auf eine optimale Fußballausbildung bekommen, er holt ausländische Nationalspielerinnen nach Potsdam, die dort auch nicht für Butterbrote spielen werden, er hat den zweithöchsten Etat der Liga, Tendenz steigend.

    Also alles ein bißchen realistischer und ruhiger sehen!

    (0)
  • Detlef sagt:

    Also was Schröders Einschätzung zum Spiel betrifft, so muss ich ihm leider recht geben!!! Vor allem was er über ANJA, JENNY und BABETT, aber natürlich auch über AFFÈ und DESI gesagt hat!!!
    Den Spruch zu CONNY, konnte sich Schröder natürlich nicht verkneifen!!! Das versteht er vermutlich unter „Professionalisierung“!!!
    Ist nur fraglich, wer am Ende lauter darüber gelacht hat!!!
    Ich habe Markus schon vorgeschlagen, über diese Glaubens-Gräben, FF und MF, einen eigenen Blog-Artikel zu verfassen!!!
    Dieser hier sollte nur zum Spiel Frankfurt-Potsdam genutzt werden!!!
    Schröders Meinung zu Frau Schuhmacher, finde ich gelinde gesagt stark untertrieben!!! Ihre Leistung, und die ihrer Assis „nur“ als schwach zu bezeichnen, ist eine enorme Aufwertung!!!
    Schröder wollte wohl noch LAURA BROSIUS für die ROT-gefährdete CARO SCHIEWE einwechseln, aber es ging ihm, wie seinen Spielerinnen auf dem Rasen, er kam leider zu spät!!!
    TURBINE wurde gestern seine Grenzen aufgezeigt!!! Das war zwar ziemlich schmerzlich, aber hoffentlich auch lehrreich!!! Und nicht nur für die Spielerinnen, die alles das falsch machten, was sie im Hinspiel noch richtig gemacht haben!!! Auch das Konzept von Schröder und Heinrichs, erwies sich gestern nicht als das gelbe vom Ei!!! Wer seinen Gegner unterschätzt, darf sich über so ein Ergebnis wie gestern nicht aufregen!!! Dieses Konzept ist aber auch das Einzige, was gestern „in die Hose“ gegangen ist!!!
    Potsdams Team ist zweifelsohne noch sehr jung, aber mit jedem Rückschlag wächst auch ihre Erfahrung!!! Frankfurt ist das Team der Gegenwart, aber die Zukunft gehört TURBINE!!!

    (0)
  • Bianca sagt:

    Beim Thema Halbprofitum oder Profitum muß ich mich eher B. Schröder anschließen. Wenn ich mir viele andere sehr erfolgreiche Mannschaftssportarten ( egal, ob Männer oder Frauen) oder auch Individualsportler angucke, können dort die wenigsten Sportler von ihrem Sport leben oder davon leben und sich für die ersten Jahre nach dem Sport ein genügend großes finanzielles Polster anlegen, um dann einen normalen Beruf zu erlernen. Deshalb halte ich es für utopisch, dass irgendwann im FF so viel Geld da ist, dass sich zumindest alle BuLi- Teams ein Halbprofitum werden leisten können. Einzelne Spielerinnen werden das durch zusätzliche Werbeverträge vielleicht können, aber ganze Vereine ? Daran glaube ich nicht.

    (0)
  • oliist sagt:

    Die meisten hier machen offensichtlich den Fehler in eher kurzen Zeiträumen zu denken und darauf ihren Glauben(an das Erreichbare)aufzubauen bzw. ihre Argumente daran auszurichten.Es ist selbstredend nur allzu menschlich in Zeiträumen zu denken,die mit der eigenen maximalen Lebenserwartung konform gehen.Also bis zu sechs weiteren Dekaden von heute an,je nachdem wie alt der geneigte Leser hier gerade ist,davon ausgehend,daß das Durchschnittsalter sich um die 80 herum bewegt und ihr keine Kinder mehr seid.Und ich gebe euch recht,wenn ihr sagt,Vollprofitum für alle in der ersten Liga ist nicht machbar.In der Lebesspanne der meisten hier höchstwahrscheinlich nicht.Ein paar Generationen(oder meinetwegen auch Jahrhunderte für die extremen Skeptiker)weiter wird das ganze sicherlich doch ein klein wenig anders aussegen.
    Gut Ding will Weile haben.

    Das war Optimismus mit einer kleine Briese visionärem Denken.Oder Grössenwahn.Entscheidet selbst. 😉

    (0)
  • SCP-Fan sagt:

    Es ist lächerlich, wenn Frankfurt sagt, sie wollen das Halbprofitum einführen! Es ist schon längst da oder glaubt einer noch wirklich, die Mädels laufen für Apfel übern Platz! Was Frankfurt betreibt, ist Augenwischerrei. Für eine Schlagzeile, mal die Wahrheit verdrehen!

    (0)
  • ViolA sagt:

    @ scp-fan darf ich fragen woher du deine quellen nimmst und welche belege du für deine aussage geben kannst?

    (0)