Duisburgs psychologischer Vorteil ist weg

Von am 4. Mai 2008 – 22.58 Uhr

Sicherlich, entschieden ist die Meisterschaft in der Frauenfußball-Bundesliga noch nicht. Doch es gibt Niederlagen, die tun doppelt weh. Zu dieser Sorte gehörte am 16. Spieltag das überraschende 1:4 (1:2) des FCR 2001 Duisburg im Lokalderby gegen die SG Essen-Schönebeck.

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Denn verloren hat man nicht nur drei wertvolle Punkte im Titelrennen, sondern vor allem das kleine psychologische Plus, das man sich hart erarbeitet hatte und mit dem man den 1. FFC Frankfurt in den kommenden Wochen gehörig unter Druck hätte setzen können.

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Doch die geplante Demonstration der eigenen Stärke und Entschlossenheit ging vor 1.424 Zuschauern daneben, stattdessen schossen sich die Frankfurterinnen mit einem überzeugenden 6:2 (2:1)-Sieg beim SC Freiburg den angestauten Frust von der Seele und können nun wieder mit souveräner Gelassenheit auf die nächsten Partien blicken.

Dabei kann man den Duisburgerinnen nicht vorwerfen, sie hätten sich nicht bemüht, doch man überließ den Essenerinnen im Mittelfeld zu viel Spielraum, den diese mit gelungenen Kombinationen und präzisen Schüssen gegen eine oft zu weit vor dem Tor postierte Duisburger Torhüterin Kathrin Längert effizient und eiskalt zu nutzen wussten.

Stefanie Weichelt brachte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze nach Vorarbeit von Linda Bresonik und Melanie Hoffmann die Gäste in Führung (12.). Und noch ehe sich die Duisburgerinnen versahen, zappelte der Ball bereits zum zweiten Mal im eigenen Netz. Bresonik hatte sich ein Herz gefasst und den Ball über Längert hinweg ins Tor geschlenzt (23.).

Grings trifft erneut
Inka Grings, vor dem Spiel für ihr 250. Bundesligator geehrt, ließ mit ihrem 18. Saisontreffer Hoffnung bei den Löwinnen aufkeimen. Ihr erster Versuch landete noch am Pfosten, doch sie schaltete am schnellsten und schob den Ball über die Linie (32.).

Essen agierte jedoch auch nach der Pause abgeklärter, wenngleich alles hätte ganz anders kommen können, wenn Patricia Hanebeck nicht das Kunststück fertig gebracht hätte, frei vor dem leeren Tor einen Ball aus fünf Metern Entfernung vorbei zu schieben.

Doch die Tore in der immer hektischer werdenden Partie schossen die Essenerinnen. Melanie Hoffmann sorgte mit einem Sonntagsschuss aus fast 30 Metern für die Vorentscheidung (64.). Und Essens Spielführerin traf acht Minuten später mit dem vierten Weitschusstor des Tages erneut, wieder sah Längert beim Gegentreffer nicht besonders gut aus (72.).

Trotz des klaren Rückstands steckte Duisburg nie auf, doch das Glück war dem Team an diesem Tag nicht hold. Grings traf nur den Pfosten (81.) und auch weitere gute Möglichkeiten blieben ungenutzt. Doch einen Lichtblick gab es zumindest: Verteidigerin Elena Hauer feierte nach ihrer langwierigen Achillessehnen-Verletzung ein knapp 15-minütiges Comeback in der Bundesliga-Mannschaft.

Frankfurt schießt sich Frust von der Seele
„Die Ergebnisse zeigen, wie spannend in diesem Jahr die Bundesliga ist. Wir müssen uns auf unsere Partien konzentrieren. Und wenn wir dies so leidenschaftlich bewältigen wie in Freiburg, dann werden wir unsere Ziele auch erreichen“, so Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks nach dem klaren Erfolg beim SC Freiburg, mit dem der Vorsprung an der Tabellenspitze auf vier Punkte gegenüber Duisburg angewachsen ist, die allerdings noch ein Spiel in der Hinterhand haben.

„Wichtiger als die Höhe des Sieges war die Art und Weise, wie sich unsere Elf präsentiert hat“, meinte Tritschoks, der sich über Treffer von Conny Pohlers (7., 34. und 61.), Kerstin Garefrekes (59. und 65.) und Petra Wimbersky (85.) freuen durfte. „Von den Spielerinnen ging viel Initiative aus. Sie haben gekämpft, stets den Bällen nachgesetzt und sich als Team hervorragend präsentiert. Das war die richtige Reaktion auf die beiden Niederlagen der vergangenen Woche“, so sein Fazit.

Der SC Freiburg war vor 970 Zuschauern in der ersten Halbzeit phasenweise ein ebenbürtiger Gegner, als ihm durch Weltmeisterin Melanie Behringer in der 17. Minute der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich gelang. Doch das zweite Freiburger Tor erzielte die Ex-Frankfurterin Susanne Hartel erst zum 2:6-Endstand in der 87. Spielminute, als die Entscheidung lange gefallen war. Der SC Freiburg steckte jedoch zu keiner Phase der Partie auf und zeigte eine kämpferisch starke Leistung.

Freiburgs Trainer Alexander Fischinger erkannte neidlos an, dass „der Sieg des 1. FFC Frankfurt auch in dieser Höhe absolut verdient war. Uns ist völlig klar, dass wir nicht mit der Klasse von Frankfurt mithalten können. Wir müssen die Punkte für den Klassenerhalt gegen unsere direkten Konkurrenten holen.“

Christina Schellenberg in AktionBayern mit neuer Euphorie
Drei Tage nach dem überzeugenden Sieg gegen Tabellenführer 1. FFC Frankfurt haben die Spielerinnen des FC Bayern München auch die Hausaufgabe gegen den Tabellenletzten SG Wattenscheid 09 souverän gemeistert. Am Ende stand vor enttäuschenden nur 160 Zuschauern ein in der Höhe unerwarteter 6:1-Erfolg des Teams von Trainerin Sissy Raith. „Gegen vermeintlich schwächere Teams tun wir uns normalerweise sehr schwer“, wunderte sich Christina Schellenberg über die rundum gelungene Leistung ihres Teams.

Doch von Beginn an ging die unveränderte Formation mit dem Schwung des Siegs gegen Frankfurt konzentriert zu Werke. Binnen sieben Minuten fiel bereits die Entscheidung. Den Start machte Stefanie Mirlach mit einem platzierten Schuss (22.), kurz darauf staubte Schellenberg zum 2:0 ab (24.). Nina Aigner sorgte nach Hereingabe von Sandra de Pol in einer österreichisch-schweizerischen Koproduktion für das 3:0 (29.).

Erneut Aigner mit einem Distanzschuss (54.), de Pol (66.) und die eingewechselte Julia Simic (79.) sorgten für klare Verhältnisse, Wattenscheids Kerstin Stegemann war zwischenzeitlich per Freistoß der Ehrentreffer für den schwachen Aufsteiger gelungen (64.). Schellenbergs Fazit: „Gott sei Dank haben wir früh einen Vorsprung vorgelegt. Mit einem 3:0 im Rücken spielt es sich gut.“

Zittersieg für Turbine
In der ersten Halbzeit spielte der 1. FFC Turbine Potsdam vor 915 Zuschauern aus einem Guss, doch am Ende konnte man froh sein, beim 3:2 (2:1)-Sieg gegen den VfL Wolfsburg drei Punkte eingefahren zu haben. Babett Peter per Kopf (6.) und Franziska Hagemann mit ihrem ersten Bundesligator (32.) sorgten für eine komfortable 2:0-Führung, doch Shelley Thompson brachte kurz vor der Pause mit einem Schuss aus kurzer Distanz den Gästen die Hoffnung zurück (45.).

Britta Carlson gelang nach einem Eckball von Annelie Brendel mit einem artistischen Schuss aus 12 Metern für die nun deutlich engagierter zu Werke gehenden Wolfsburgerinnen schnell der Ausgleich (46.). Die Gastgeberinnen wirkten beeindruckt und brauchten eine ganze Weile, um wieder besser ins Spiel zu finden. Anja Mittag, Bianca Schmidt und die eingewechselte Jessica Wich vergaben in der Folge gute Möglichkeiten.

Nicht aber Bianca Schmidt, die nach Vorarbeit von Jennifer Zietz mit einem Schuss ins kurze Eck erfolgreich war (67.). In der Schlussphase kam das Team von Trainer Bernd Huneke dem Ausgleich nah, doch Anna Blässe (88.) und Thompson (89.) ließen beste Möglichkeiten ungenutzt.

„Eine Punkteteilung wäre drin gewesen“, haderte Huneke nach der Partie mit der mangelnden Chancenverwertung seiner Elf. Turbine-Trainer Bernd Schröder gefiel vor allem die Leistung in den ersten 45 Minuten. „Das war Fußball, wie wir ihn sehen wollen. Allerdings hätten wir da noch vier, fünf Tore mehr machen müssen.“

Jasmin Stümper erzielt die FührungSaarbrückens Sorgen werden größer
Eine durchschnittliche Leistung reichte dem SC 07 Bad Neuenahr vor 662 Zuschauern, um mit einem 2:1 (1:0)-Sieg beim 1. FC Saarbrücken den dritten Sieg in Folge zu feiern. Jasmin Stümper gelang wie schon beim Sieg in Frankfurt per Kopf nach Flanke von Nadine Hagmann der schnelle Führungstreffer (3.). Saarbrücken war in der Folge das bessere Team, doch Nadine Keßler vergab zunächst frei vor Torhüterin Ursula Holl die beste Chance der ersten Halbzeit (36.), kurz vor der Pause setzte sie einen Kopfball nur Zentimeter über das Tor (45.).

Der kämpferisch überzeugende Aufsteiger drückte zu Beginn der zweiten Halbzeit noch mehr aufs Tempo. Ein Keßler-Schuss ging über das Tor (48.), Nadine Kraus hatte Pech, als Hagmann ihren Schuss für die geschlagene Holl auf der Linie klärte (52.). Doch die Tore machten die Gäste.

Célia Okoyino da Mbabi erhöhte nach einer guten Stunde nach Vorarbeit von Lydia Neumann (61.). Isabell Bachor vergab mit einem Lattentreffer die Entscheidung (79.). Miriam Marx gelang erst zu spät der Anschlusstreffer der Saarbrückerinnen (90.), Nadine Keßler hatte kurz zuvor nur den Pfosten getroffen. Viola Odenbrecht musste das Spiel von der Bank aus verfolgen. „Sie hat sich nicht optimal aufs Spiel vorbereitet“, so Minnerts Kommentar zu der disziplinarischen Maßnahme.

HSV tief im Abstiegsstrudel
Nach der deutlichen 0:4 (0:0)-Niederlage gegen den TSV Crailsheim rutscht der Hamburger SV immer näher an einen Abstiegsplatz heran, der Gast hat sich durch den nicht eingeplanten Dreier hingegen deutlich Luft im Kampf gegen den Abstieg verschafft.

Vor 320 Zuschauern brachte Anika Höß nach ereignisarmen ersten 45 Minuten kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit Crailsheim mit einem Distanzschuss in Führung (53.), Carina Breunig erhöhte kurz darauf im Nachsetzen zum 2:0 (58.). Die Gäste hatten die Partie nun fest im Griff, Tanja Wörle mit einem Schuss unter die Querlatte (71.) und Julia Manger (87.) mit einem Alleingang machten den klaren Erfolg perfekt und sorgten für den höchsten Crailsheimer Erfolg in der noch jungen Bundesligageschichte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.