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1. FC Saarbrücken rechnet mit Punktabzug

Von am 3. Mai 2008 – 11.29 Uhr

FCS-Absteilungsleiter Heinz Haupenthal beim DFB-Pokalfinale in BerlinHimmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – das Wechselbad der Gefühle hätte bei Frauenfußball-Bundesligist 1. FC Saarbrücken nach dem 1:1 im Bundesliga-Nachholspiel gegen den SC Freiburg am Donnerstag nicht größer sein können.

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Erst durfte man sich am Kieselhumes über die Rekordkulisse von 1.321 Zuschauern und einen in buchstäblicher letzter Sekunde geretteten Punkt freuen, doch dann kam das böse Erwachen.

Denn nach dem am Freitag eingereichten Protest des SC Freiburg gegen die Spielwertung wegen des möglicherweise regelwidrigen Einsatzes der Saarbrücker Spielerin Julia Leykauf dürfte der im Abstiegskampf so dringend benötigte Punkt den Saarbrückerinnen wohl in der nächsten Woche wieder abhanden kommen – damit rechnet zumindest Heinz Haupenthal, Abteilungsleiter des 1. FC Saarbrücken. 

Auf Anfrage von Womensoccer.de erklärte der gelernte Rechtsanwalt: „Der Einspruch des SC Freiburg wird nach meiner Auffassung Erfolg haben. Aber ich will der Entscheidung nicht vorgreifen. Wir haben eine Stellungnahme abgegeben, der DFB muss entscheiden.“

Doch wie konnte es zum möglicherweise verhängnisvollen regelwidrigen Einsatz Leykaufs kommen? „Wir haben uns auf die mündliche Aussage eines DFB-Organs verlassen. Wir hatten die Aussage vom DFB, dass die Spielerin eingesetzt werden darf“, so ein geknickt wirkender Haupenthal, der erst im Februar Thomas Samsel als Abteilungsleiter ablöste.

Doch ein schriftliches Dokument existiert nicht. „Man muss davon ausgehen, dass wir nicht den entsprechenden Erfolg haben“, so die nüchterne Einschätzung Haupenthals. Mit einer Entscheidung ist im Laufe der kommenden Woche zu rechnen.

Neuenahrs Einspruch abgelehnt
Erst vor kurzem hatte es einen ähnlich gelagerten Fall beim SC 07 Bad Neuenahr gegeben, der Jasmin Stümper, eine Stammspielerin aus dem Bundesligakader, im Rheinlandpokalspiel seiner zweiten Mannschaft gegen den 1. FFC Montabaur regelwidrig einsetzte. Auch die Verantwortlichen Bad Neuenahrs beriefen sich auf eine mündliche Aussage eines Verbandsvertreters des Fußballverbands Rheinland. Ohne Erfolg. Der 3:1-Sieg des SC 07 Bad Neuenahr II wurde für wertlos erklärt, der Fußballverband Rheinland sprach dem 1. FFC Montabaur den Sieg dazu.

So ärgerlich für die beiden Vereine Saarbrücken und Bad Neuenahr die von Verbandsseite möglicherweise falsch erhaltenen Informationen auch sein mögen, so fahrlässig war es, sich in so gravierenden Fällen die mündlichen Aussagen nicht schriftlich bestätigen zu lassen. Denn dann hätte man wohl gute Chancen gehabt, dass die Regelverstöße in einem Verfahren als nicht-schuldhaft eingestuft worden und Sanktionen ausgeblieben wären.

Besonders den 1. FC Saarbrücken könnte ein erfolgreicher Protest des SC Freiburg teuer zu stehen kommen, sollte am Saisonende möglicherweise ein Punkt über Abstieg oder Nicht-Abstieg aus der Frauenfußball-Bundesliga entscheiden. Ein Horror-Szenario, das sich in Saarbrücken derzeit niemand ausmalen will. Auch Haupenthal nicht. Bleibt zu hoffen, dass es dem 1. FC Saarbrücken auf sportlichem Wege gelingt, die Ligazugehörigkeit zu erhalten.

Gravierender Fehler
Eine etwas andere Darstellungweise findet sich inzwischen auf der offiziellen Website des 1. FC Saarbrücken. Dort heißt es, Haupenthal habe „übersehen“, dass die in §11 Absatz 2 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung behandelte 10-Tage-Regel nicht für die erste Mannschaft eines Vereins gilt. Er habe seinen Fehler gegenüber der Mannschaft eingeräumt.

Rückendeckung erhält Haupenthal von FCS-Präsident Horst Hinschberger: „Sollte uns der Punkt aberkannt werden, ist das natürlich misslich, aber keine Katastrophe. Fehler passieren nun einmal. Wir werden die sportliche Herausforderung in den verbleibenden Meisterschaftsspielen jetzt umso leidenschaftlicher und engagierter angehen!“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.