SC Freiburg legt Protest gegen Spielwertung ein

Von am 2. Mai 2008 – 22.21 Uhr 2 Kommentare

Frauenfußball-Bundesligist SC Freiburg hat am Freitag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) fristgerecht Protest gegen die Spielwertung des 1:1-Unentschiedens beim 1. FC Saarbrücken am 1. Mai eingelegt. Die Saarländerinnen hatten im Bundesliga-Nachholspiel am Donnerstag in der 56. Minute Julia Leykauf eingewechselt, die nach Auffassung Freiburgs nicht spielberechtigt war.

Die Managerin der Freiburger Frauenfußball-Mannschaft, Birgit Bauer, erklärte: „Natürlich wäre es mir lieber, wir hätten sportlich gewonnen und müssten den Weg jetzt nicht beschreiten. Aber es wäre in unserer Situation geradezu fahrlässig, das Einspruchsverfahren nicht zu führen. Dennoch bin ich mir sicher, dass Saarbrücken trotz des möglichen Punktverlusts nicht absteigen wird.“

Leykauf hatte im Bundesligaspiel bei der SG Essen-Schönebeck am 13. April in der 77. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen und wäre somit laut §11 der Rechts- und Verfahrungsordnung des DFB für das nächste Meisterschaftsspiel gesperrt gewesen – eben das Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen den SC Freiburg.

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Rechts- und Verfahrensordnung des DFB als Grundlage
In §11 der Rechts- und Verfahrungsordnung des DFB heißt es im Wortlaut: „Wird ein Spieler in einem Bundesspiel…infolge zweier Verwarnungen (gelb/rot) im selben Spiel des Feldes verwiesen, so ist er für das Bundesspiel…der gleichen Wettbewerbskategorie, das dem Spiel folgt, in welchem er des Feldes verwiesen worden war, gesperrt.“

Eine Formulierung, die aus unserer laienhaften Nicht-Juristen-Sicht wenig Interpretationsspielraum bereit hält und die Erfolgsaussichten für den Protest der Freiburgerinnen groß erscheinen lässt.

Sollte der DFB dem Protest stattgeben, würde das Spielergebnis nach $17 der Rechts- und Verfahrungsordnung in einen 2:0-Sieg zugunsten des SC Freiburg umgewandelt, was maßgeblichen Einfluss auf den Abstiegskampf haben würde. Denn somit würden die Breisgauerinnen dank zweier zusätzlicher Punkte bis auf einen Zähler an den rettenden 10. Platz heran kommen, den derzeit der Hamburger SV belegt.

Missverständnis beim 1. FC Saarbrücken?
In §11 Absatz 2 heißt es: „Wird ein Spieler in einem Meisterschaftsspiel der…Frauen-Bundesliga…. infolge zweier Verwarnungen (gelb/rot) im selben Spiel des Feldes verwiesen, ist er bis zum Ablauf der automatischen Sperre auch für das jeweils nächstfolgende Meisterschaftsspiel jeder anderen Mannschaft seines Vereins/Tochtergesellschaft gesperrt, längstens jedoch bis zum Ablauf von zehn Tagen.

Dieser Absatz 2 ist dem 1. FC Saarbrücken möglicherweise zum Verhängnis geworden, denn er besagt, dass eine Spielerin wenn mehr als zehn Tage seit der Gelb-Roten Karte vergangen sind, z. B. in der zweiten Mannschaft, also im vorliegenden Fall 1. FC Saarbrücken II wieder eingesetzt werden darf, nicht aber in der ersten Mannschaft.

Auf diesen Absatz berief sich jedoch nach der Partie Heinz Haupenthal, Abteilungsleiter beim 1. FC Saarbrücken und pikanterweise Mitglied im 30-köpfigen DFB-Bundesgericht, der am Freitagabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war.

Bleibt also abzuwarten, wie der DFB den Fall bewerten wird. Mit einer Entscheidung ist wohl schon in der kommenden Woche zu rechnen. Es ist zwar schade, wenn das sportliche Geschehen auf diese Weise beeinflusst wird, doch sollte ein Regelverstoß festgestellt werden, ist die Spielwertung nachträglich zu korrigieren.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Bernd sagt:

    Sollte der SC Freiburg Recht bekommen, sollte Herr Haupenthal und der DFB seine Mitgliedschaft im DFB-Bundesgericht überdenken. Das wäre eine sehr große Peinlichkeit.

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  • Marcel sagt:

    Da muss man sich schon an den Kopf langen DFB-Bundesgerichts Mitglied und kennt sich im Regelwerk nicht aus statt seine Kollegen mal um Rat zu fragen wird irgendwas reininterpretiert was es wahrscheinlich nicht gibt.
    Und der dumme ist die Mannschaft die jetzt wieder mitten im Abstiegskampf ist weil man sich auf solche Leute verlassen muss.
    Damit hat her Haupenthal wahrscheinlich den Vogel abgeschossen in dieser Saison vor allem wen der Klassenerhalt wegen sowas nicht erreicht werden sollte.

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