Bayern-Sieg macht Titelkampf spannend

Von am 2. Mai 2008 – 1.04 Uhr 1 Kommentar

Vanessa Bürki im Duell mit Petra WimberskyDass die Gegner des Frauenfußball-Bundesligisten 1. FFC Frankfurt „stets mehr als 100 Prozent“ (Birgit Prinz) geben, ist man gewohnt. Da bildete auch der FC Bayern München in der Nachholpartie vom 12. Spieltag vor 3.500 Zuschauern in Bayreuth keine Ausnahme.

Doch neu ist, dass dem Meister und Pokalsieger momentan die Mittel fehlen, um starke Gegner in Schach zu halten. Zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen gingen die Hessinnen überraschend als Verlierer vom Platz, ein Novum seit der Gründung des Vereins im Jahr 1999.

Nach der 0:1-Heimniederlage gegen den SC 07 Bad Neuenahr in der vergangenen Woche setzte es nun ein 2:3 gegen einen Gegner, den man im DFB-Pokalhalbfinale fünf Wochen zuvor beim 4:0-Sieg in München noch problemlos im Griff gehabt hatte.

Anzeige

Im 16. Anlauf gelang es den Münchenerinnen erstmals in der Bundesliga, den 1. FFC Frankfurt zu bezwingen. Die Mannschaft ist „relativ platt“, sucht Prinz nach Erklärungen für die Formschwäche und Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks stimmt ein: „Die Spielerinnen sind müde, vor allem die aus der Nationalmannschaft, die durch den Hallencup und den Algarve-Cup nur eine kurze Erholungspause im Winter hatten.“

Keine Verschnaufpause
Zugegeben: Der Zeitpunkt des DFB-Hallenpokals war unglücklich früh gewählt, die Regenerationszeit vor allem für die Nationalspielerinnen dadurch unnötig kurz. Dennoch hatte man beim FFC mit einem derartigen Substanzverlust offenbar nicht gerechnet.

Nur so ist zu erklären, dass man beste Gelegenheiten ungenutzt ließ, gerade den stark belasteten Schlüsselspielerinnen Verschnaufpausen zu gönnen. Etwa beim klaren 6:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg oder dem 7:1-Erfolg bei der SG Essen-Schönebeck, als etwa Birgit Prinz, Conny Pohlers und Petra Wimbersky jeweils 90 Minuten auf dem Platz standen, obwohl die Partien frühzeitig entschieden waren.

Vielleicht hat auch der überaus erfolgreiche Start ins Jahr 2008 das Team zu etwas Nachlässigkeit und Übermut verleitet. So wurde die Niederlage gegen Bad Neuenahr zumindest öffentlich als Betriebsunfall abgetan, obwohl sie ein erstes Warnsignal hätte sein müssen, blieb das Team doch erstmals seit Februar 2007 in der Bundesliga ohne eigenen Torerfolg.

Gestörte Ruhe und Verletzungssorgen
Und möglicherweise hat auch die Unruhe um Renate Lingor ihren Teil dazu beigetragen, dass die Elf außer Tritt geraten ist. Auch das verletzungsbedingte Fehlen von Lingor und Pia Wunderlich wirkt sich negativ auf das Spiel der Frankfurterinnen aus.

Was den Erfolg der kampfstarken Bayern aber nicht schmälern soll. „Unseren Sieg haben wir richtig erarbeitet und erspielt“, freute sich Bayern-Trainerin Sissy Raith über die gelungene Umstellung auf das 4-3-3-System und die Revanche für die Niederlage im DFB-Pokal. Auch das Eigentor von Bianca Rech in der zweiten Halbzeit (54.) brachte die Bayern am ungewohnten Spielort nicht aus dem Konzept.

Bürki sorgt für die Entscheidung
Die eingewechselte Vanessa Bürki machte mit einem Abstauber aus kurzer Distanz sieben Minuten vor Spielende den Sieg perfekt. Christina Schellenberg (27.) und Sandra de Pol (29.) hatten die frühe Frankfurter Führung durch Kerstin Garefrekes (8.) noch in der ersten halben Stunde rasch gedreht.

Noch hat der 1. FFC Frankfurt die Tabellenführung inne, mit einem Punkt Vorsprung auf den FCR 2001 Duisburg, der aber ein Spiel weniger ausgetragen hat. Doch die Sorgenfalten sind durch die neuen Verletzungen nicht kleiner geworden. Nia Künzer (Muskelfaserriss in der Wade), Meike Weber (Knie) und Katrin Kliehm (Achillessehne) gingen nicht unbeschadet aus dem Duell mit den Bayern hervor, die sich durch den Sieg auf den vierten Tabellenplatz verbesserten.

Gute Werbung für den Frauenfußball
„Es ist ein herber Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft, aber noch ist nichts entschieden. Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich bin sicher, dass die Mannschaft das Können und die Moral hat, um aus solchen Niederlagen Kraft für die schweren Aufgaben zu sammeln, die noch auf uns warten“, hofft FFC-Manager Siegfried Dietrich.

Wenigstens durfte auch er sich über gelungene Werbung für den Frauenfußball freuen, genauso wie Raith, die meinte: „Von den Anwesenden wird es mit Sicherheit einige geben, die sich bisher für den Frauenfußball noch nicht so interessiert haben, aber nun von diesem Fieber angesteckt worden sind.“

Rekordkulisse in Saarbrücken
Das zweite Bundesliga-Nachholspiel vom 12. Spieltag zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem SC Freiburg sah hingegen keinen Sieger. Beim 1:1 (0:1) konnte der gastgebende DFB-Pokalfinalist am Ende froh sein, wie schon beim 1:1 im Hinspiel in den Schlusssekunden wenigstens noch den Ausgleich erzielt und somit den Konkurrenten weiter auf fünf Punkte Distanz gehalten zu haben.

Vor der Rekordkulisse von 1.321 Zuschauern gingen die Breisgauerinnen durch einen Kopfball von Martina Moser nach Flanke von Melanie Behringer in Führung (21.), doch Sarah Karnbach sorgte nach einem Eckball für den Ausgleich der nie aufsteckenden Saarbrückerinnen (90.), der dem Team vor den bevorstehenden schweren Aufgaben etwas Luft verschafft.

„Ich bin froh, dass wir den Abstand auf Freiburg heute verteidigen konnten“, so der erleichterte Saarbrücker Trainer Guido Mey, der lobende Worte für den Einsatz und die Zweikampfstärke des Gegners fand. Sein Gegenüber Alexander Fischinger meinte: „Wir waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft. Der Ausgleich in der Nachspielzeit tut natürlich weh.“

Neuerliche Auswärtsniederlage für TeBe
In der 2. Frauenfußball-Bundesliga Nord musste Tennis Borussia Berlin in einem Nachholspiel des 14. Spieltags die zweite Auswärtsniederlage in Folge einstecken. Nach der Pleite in Oldesloe setzte es auch beim FC Gütersloh eine 0:2 (0:0)-Niederlage. Der guten Spielanlage der Gastgeberinnen hatte TeBe nur wenig entgegen zu setzen.

Vor allem in der zweiten Halbzeit spielte sich Gütersloh zahlreiche Torchancen heraus, Maren Wallenhorst (68. und 89.) sorgte für Jubel bei den zuletzt außer Tritt geratenen Gütersloherinnen.

Gütersloh-Trainer Steffen Enge erklärte nach der Partie: „Ich will jetzt nach dem Sieg nicht überlegen, was hätte sein können, wenn wir nicht zuletzt diese schlechte Serie gehabt hätten. Die Mannschaft hat mich heute positiv überrascht.“

TeBe-Trainer Sven Thoß meinte: „Das Ergebnis geht aufgrund des Chancenverhältnisses in Ordnung. Wir wollte hier heute einen Big Point machen – das ist uns nicht gelungen.“

Tags: , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Marcel sagt:

    Ob es aber wirklich spannend wird hängt wohl aber auch vom FCR Duisburg ab, da müssen auch erstmal die „Hausaufgaben“ erledigt werden damit es zum Ende hin auch spannend wird.Das diese „Hausaufgaben“ alles andere als leicht sind mit Bad Neuenahr&Co ist natürlich klar aber wer Meister werden will muss natürlich auch sowas lösen können.
    In der letzten Saison gabs auch ja gewisse Steilvorlagen die ungenutzt blieben deshalb hoff ich das die Mädels die Nerven diesmal besser im Griff haben und das es zumindest bis zum direkten aufeinandertreffen in Duisburg der Meisterschaftskampf offen gehalten werden kann.
    Ich denke so eine Art „Finalspiel“ würde eine gute Brise Brisanz mit rein bringen die der Liga ganz gut tun würde.

    (0)