Rauswurf wegen Schiedsrichterinnen-Beleidigung

Von am 24. April 2008 – 13.20 Uhr 1 Kommentar

Mario LeguizamónUruguays Stürmer Mario Leguizamón, auf dem Rasen offenbar mit mehr Begabung gesegnet als daneben, muss sich einen neuen Verein suchen. Einer der Schlüsselspieler des peruanischen Meisters Club Deportivo Universidad de San Martín de Porres aus Perus Hauptstadt Lima hatte beim 1:0-Sieg im Ligaspiel gegen Alianza Atlético aus Sullana am 10. Spieltag in der 54. Minute von Perus einziger FIFA-Schiedsrichterin Silvia Reyes die Rote Karte erhalten.

Nach dem Spiel warf er Reyes vor laufenden TV-Kameras mit vulgären Ausdrücken vor, sexuell unbefriedigt zu sein. Konsequenz: Drei Tage später setzte der Verein den Spieler vor die Tür, der peruanische Fußballverband sperrte den Spieler zudem für einen Monat. San Martins Trainer Alvaro Barco erklärte: „Leguizamón muss den Verein verlassen, weil er unser Image in den Augen der Öffentlichkeit beschädigt hat.“

„San Martin bringt hiermit seine Solidarität zum Ausdruck. Der Schiedsrichterin gebührt Respekt, nicht nur weil sie eine Dame ist, sondern auch eine Autorität auf dem Platz“, hieß es in einer Erklärung des Vereins.

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Entschuldigung abgelehnt
Leguizamón entschuldigte sich später öffentlich für den Vorfall, gab aber auch den Medien Schuld, die den Fall seiner Meinung nach hochgespielt hätten. „Ich habe das in der Hitze des Gefechts gesagt und mich ja schon entschuldigt. Ich bin kein schlechter Mensch. Ich werde mich sicherlich nicht ändern, aber mir wird das auf jeden Fall eine Lehre sein“, so Leguizamón. „Ich hätte nicht gedacht, dass dies so einen Widerhall finden würde. Aber einer allein kann gegen 100.000 Journalisten wenig ausrichten.“

Reyes akzeptierte die Entschuldigung des Spielers nicht: „Wenn einer sieben Tage mit der Entschuldigung wartet und erst einmal schaut, wie sich die Dinge entwickeln, habe ich kein Verständnis. Zumal es nach und nicht während des Spiels passiert ist. So etwas ist mir in meiner gesamten Laufbahn noch nicht untergekommen. Ich habe das Machotum in diesem Land satt. Aber ich bin eine starke Frau und werde mich davon nicht beeindrucken lassen“, so Reyes, die seit neun Jahren als Schiedsrichterin tätig ist.

Heftige Reaktionen
Der Präsident der nationalen Schiedsrichterkommission CONAR (Comisión Nacional de Arbitraje), Tulio Nicolini, beurteilt die Leistungen von Reyes positiv. „Die Arbeit von Silvia ist ziemlich gut. Sie mag auch schon einige Fehler gemacht haben, aber das ist auf der ganzen Welt normal. Wir können es aber nicht erlauben, dass sich ein Spieler, wo auch immer er herkommt, so respektlos äußert.“

Die uruguayische Schiedsrichterassistentin Laura Geymonat meint: „Peru ist in punkto Diskriminierung ein ganz besonderes Land. Natürlich gibt es auch eine Sensationspresse, das hat sicherlich dazu beigetragen, dass das Thema hoch gekocht wurde.“

Silvia ReyesExempel statuieren
Der Vorfall löste in Peru heftige Reaktionen in der Sportwelt, der nationalen Presse und dem Frauenministerium aus. Frauenministerin Susanna Pinilla erklärte: „Ich bin entrüstet, wie diese Frau behandelt worden ist. Ich fordere die höchstmögliche Strafe für diesen Spieler.“

Und Gaby Cevasco vom peruanischen Frauenzentrum „Flora Tristán“ meinte augenzwinkernd: „Selbst wenn sie schlechten Sex gehabt hätte, stellt das ihre Fähigkeit für jedwede andere Tätigkeit in Frage?“

Die brasilianische Schiedsrichterin Ana Paula Oliveira will ihre Kollegin zu einem härteren Vorgehen animieren. „Entschuldigungen sind nichts wert. Die Frauen erarbeiten sich hart ihren Respekt. Silvia sollte an diesem Mann ein Exempel statuieren, nicht nur für Peru, sondern für die ganze Welt“, fordert sie auch ein gerichtliches Nachspiel.

Machotum immer noch verbreitet
Doch dass Machotum in Peru noch fest verankert ist, beweisen Leguizamóns Teamkollege Roberto Silva und Universitario-Spieler Rainer Torres eindrucksvoll.

Silva sagt: „Ich bin mir sicher, dass sie eine kompetente Schiedsrichterin ist… für den Frauenfußball. Wenn der Schiedsrichterverband das Spiel mit einer Frau besetzen will, dann schicken sie sie nicht zu einem Klassiker, dort wäre der Druck zu groß. Sie schicken sie nicht in die Höhe und nicht in die Hitze, nicht in den Süden und nicht zu Spielen der Boys (Anm.: Team aus der Hafenstadt Callao). Was bleibt also? San Martín.“

Und Torres ergänzt: „Das hat nichts mit Machotum zu tun, aber der Fußball sollte von Männern geleitet werden. Die Frauen können ja beim Frauenfußball zum Einsatz kommen, denn in hitzigen Situationen sagen die Spieler viel. Der Unterschied ist, dass einem Schiedsrichter viele Dinge gesagt werden, die Frauen schocken könnten.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Satine sagt:

    „Der Unterschied ist, dass einem Schiedsrichter viele Dinge gesagt werden, die Frauen schocken könnten.“

    Um es mal mit Thomas Dolls Worten zu sagen: Ich lach mir hier den Arsch ab.

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