Dodos Ballzauber

Von am 23. April 2008 – 2.24 Uhr 10 Kommentare

Doreen „Dodo“ Nabwire liebäugelt mit der deutschen Frauenfußball-BundesligaNairobi – Im Märchensommer 2006 streckte sie als erste afrikanische Fußballfrau einen Weltmeister-Pokal in den Berliner Himmel. Doreen „Dodo“ Nabwire, heute 21, hatte mit ihren männlichen Kollegen aus Kenia überglücklich den Weltpokal der Straßenfußballer gewonnen.

Aufgefallen war die Lady mit den Rastalocken durch elegante Balltechnik, Übersicht und ihren harten Schuss, aber auch durch ihre angenehme Ausstrahlung, charmante Zurückhaltung und ehrliche Art.

In Kenias TV-Sendungen wird Doreen als weibliches Sportidol präsentiert, in Zeitschriften wie „True Love“ als Pop-Ikone aufgebaut. Im November 2007 hob sie die FIFA dann auf die Weltbühne, nutzte die sympathisch wirkende Mittelfeldregisseurin bei der Auslosung zur WM 2010 in Südafrika als Botschafterin für „Football for Hope“.

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In Durban präsentierte sie das Sozialprogramm der FIFA für die ärmeren Regionen Afrikas. Und sie loste sie an der Seite von George Weah und Abedi Pele die Qualifikationsgruppen zur ersten WM in Afrika aus. Dort zog sie mehr Aufmerksamkeit auf sich als die Weltstars. Von der Glitzerwelt zurück in die Wirklichkeit: Zuhause in Kenia lebt Doreen mit Eltern und drei Geschwistern in einem Armenviertel am Rande Nairobis.

Dort engagiert sie sich bei der Mathare Youth Soccer Association (MYSA). In diesem größten afrikanischen Fußballprojekt kicken 17.000 Jugendliche in den Slums und lernen dabei soziales Verhalten und Verantwortung für die Umwelt. Zweimal war MYSA zum Nobelfriedenspreis nominiert. Doreen tritt in Mathare nicht nur exzellent den Ball, sondern engagiert sich auch als Teamleader in der AIDS-Prävention des Clubs. Sie gibt spielerische Seminare, bei denen die Jugendlichen über HIV und Infektionsverhütung aufgeklärt werden.

Sportliche Zukunft ungewiss
Obwohl sie seit ihrem 15.Lebensjahr im Nationalteam „Harambee Starlets“ spielt und Tore schießt, ist ihre sportliche Zukunft im Heimatland eher düster. Der kenianische Fußballverband ist zerstritten, verarmt und von Korruption gezeichnet. Eine Frauenliga gibt es nicht mehr und auch die Damen-Nationalelf hat schon seit fast zwei Jahren nicht mehr gespielt. Doch Doreen gibt nicht auf.

Sie trainiert an der Deutschen Schule Nairobi ein Jungenteam und finanziert von ihrem Honorar ihren College-Besuch. Am Goethe-Institut büffelt sie zudem täglich eifrig Deutsch. „Meine Zukunft liegt nicht in Kenia“, ist sie sicher und liebäugelt mit Vereinen der Bundesliga. Bald will sie dort bei Clubs anklopfen und auch 2011 bei der Frauen-WM in Deutschland sein – „als Spielerin oder Zuschauerin“, wie sie mit einem Lächeln sagt.

Stoff für mehr als einen Film
Über Doreens Leben zwischen Wellblech und Weltbühne entsteht derzeit eine Filmdokumentation. Und „Dodo“ schreibt fleißig an einem Buch über ihre Erfahrungen mit Traditionen und Träumen, Korruption und Armut, mit Ballzauber und Hexenwahn. Zum ersten Mal Einblicke in den harten Alltag einer jungen Fußballerin Afrikas. Stoff für mehr als nur neunzig Minuten!

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10 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Sehr schöne Story, wie ich persönlich finde. Vielleicht findet sich ja ein Verein in Deutschland, der Dodo mal zum Probetraining einlädt. 😉

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  • Christian sagt:

    Ja, interessanter Artikel!

    Gerne wüßte ich auch noch etwas mehr über den Autor.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Christian, entschuldige die etwas verspätete Antwort.

    Herbert Ostwald ist 48 Jahre alt, gebürtiger Berliner und lebt seit 2002 in Nairobi/Kenia. Der Journalist, Filmemacher und Produzent ist seit 1987 als Reporter tätig (vor allem SFB-Hörfunk). Dazu verfasst er Beiträge für Tageszeitungen und Zeitschriften. Er ist darüber hinaus Autor des Buches „Schädel. Steine. Sterne – Schatzkammern der Wissenschaft“. Seit 1995 hat er zahlreiche Natur- und Umwelt-Dokumentationen für ARD, ZDF, Arte und Deutsche Welle TV gedreht. 2003 war er für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. („Fabelhaftes Langohr“). Ostwald ist vielfacher internationaler Preisträger für Dokumentarfilme (USA, Deutschland, Polen, Russland etc.).

    Ich werde demnächst die Womensoccer.de-Autorenliste aktualisieren, so dass Ihr immer auf dem aktuellen Stand seid.

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  • Christian sagt:

    Besten Dank für die Vorstellung, Markus!

    Herbert Ostwald scheint zwar kein ausgewiesener Fußballexperte zu sein, dennoch würde es mich freuen, gelegentlich wieder einen Beitrag von ihm zum afrikanischen Frauenfußball zu lesen.

    Vielleicht kann er ja mal in einigen Monaten davon berichten, welche Impulse der Deutschlandaufenthalt der Auswahl Ruandas dem Frauenfußball dieses ostafrikanischen Landes gegeben hat?

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  • Markus Juchem sagt:

    Wir werden sicherlich wieder von ihm hören, wenn es Interessantes aus dem afrikanischen Frauenfußball zu vermelden gibt.

    Zum Deutschland-Aufenthalt Ruandas wird es in den nächsten Tagen auch noch etwas auf Womensoccer.de zu lesen geben, wir sind morgen vor Ort in der Sportschule Oberwerth und beim abendlichen abschließenden Testspiel in Altendiez.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Christian

    Ganz so fußballerisch unbefleckt ist Herr Ostwald aber dann doch nicht. In seiner Jugendzeit hat er aktiv Fußball gespielt bei Blau-Weiß 90 Berlin (früher sogar mal Bundesligist), danach war er 15 Jahre lang Jugendtrainer beim Traditionsclub BFC Viktoria 89 (2x Dt. Meister 1908, 1911). Also schon ein Fußballkenner… 😉

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  • herbert sagt:

    Neue Entwicklung, die fuer Dodo und ihre Mitspielerinnen nicht unwichtig erscheint: Der Dt. Olymp. Sportbund will Laeufer in die kenianische Hoehenluft schicken. Im Gegenzug sei vereinbart worden, den Frauenfussball in Kenia zu staerken. Der DOSB hat eine konkrete Anfrage dazu aus Kenia bereits mit dem DFB eroertert, der seine grundsaetzliche Berietschaft zur Zusammenarbeit erklaert hat. Hoffentlich kommt der Ball bald ins Rollen…

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  • Markus Juchem sagt:

    Kurzer Hinweis:

    Heute Abend gibt es im WDR im Rahmen der Sendung „Sport Inside“ ein Porträt über Doreen Nabwire: „Zwischen Wellblechhütte und Weltmeisterschaft“ – Warum eine der besten Fußballerinnen Kenias davon träumt, ihr Land zu verlassen.

    Sendetermine:

    Montag, 13. Oktober 2008, 22.45 – 23.15 Uhr
    Dienstag, 14. Oktober 2008, 09.20 – 09.50 Uhr (Wdh.)

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  • Markus Juchem sagt:

    Im April 2008 hat Herbert Ostwald einen wunderbaren Beitrag über die Nationalspielerin Doreen Nabwire aus Nairobi/Kenia geschrieben. Nun findet sich auf

    ein zweiminütiges Video der Deutschen Welle: Kick it like Doreen.

    Und Ende April wird sie sogar nach Deutschland kommen, um Probetrainings bei Erst- und Zweitligisten zu absolvieren. Außerdem ist sie Zuschauerin beim Länderspiel Deutschland-Brasilien am 22. April in Frankfurt.

    Für die erste afrikanische Fußballweltmeisterin (Streetfootball WM 2006) geht das Sommermärchen vielleicht weiter…

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  • Der Film „Zwischen Wellblech und Weltbühne“ wird auf dem sechsten 11mm-Fussballfilmfestival in Berlin gezeigt. Anfang April – zwischen dem 3. – 6.4.2009

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